102 aktuelle Kindersitze ausgewertet
info

Ratgeber

Ratgeber zu Kindersitze

Kindersitze

Unsere Kriterien für gute Kindersitze auf einen Blick:

  • hohes Schutzniveau von Sitzschale und Sitzkonstruktion und im Besonderen der Seitenschutz
  • bei der praktischen Nutzung werden die Punkte Sitzeinbau & -ausbau sowie Anschnallen des Kindes berücksichtigt
  • Polsterung, Platzangebot und Verstellmöglichkeiten, die wir unter Komfort zusammenfassen
  • Verarbeitungsqualität mit Blick auf die Schadstoffbilanzen der Testinstitute und die Materialwahl

Der Kindersitz-Unfallschutz: Mit Isofix und i-Size ein Quäntchen mehr Schutz

Was wir im Vorfeld unserer Arbeit schon vermutet hatten, bestätigte sich in unserer Eltern-Befragung: Das Herzstück einer Kaufentscheidung für einen Kindersitz bildet die Sicherheit. Unser Fokus bei der Notenvergabe erschien daher klar – lässt sich das Schutzniveau eines Kindersitzes doch anhand einiger Fragen gut erfassen: Ist die Sitzschale robust, lässt sie sich fest im Auto verzurren und hält sie vor allem seitlich stabil bei einer Vollbremsung und Ausweichmanövern? Verfügt der Sitz über Kopf- und Seitenwangen und damit über einen ausreichenden Seitenaufprallschutz? Die größte Herausforderung bestand für uns darin, die Schutzfunktionen unterschiedlicher Gewichtsgruppen miteinander zu vergleichen – also Babyschalen mit Folgesitzen bis etwa drei Jahre und den mitwachsenden Sitzen, die in den Gruppen II-III oder I-III antreten und in mehreren Altersstufen passen müssen.

Beim Vergleich von Isofix- mit gurtmontierten Sitzen fällt die Aufgabe leichter. Denn wie uns die Testhistorien der Prüforganisationen zeigen, bieten Sitze, die mit dem Einrastsystem Isofix befestigt werden, in der Regel ein Quäntchen mehr Schutz als solche, die ausschließlich mit dem normalen Dreipunkt-Fahrzuggurt gehalten werden. Noch etwas besser beurteilen wir i-Size-Sitze, da sie für eine amtliche Zulassung strengere Kriterien für den Seitenaufprallschutz erfüllen müssen als die klassischen Modelle. Da die i-Size-Norm inzwischen gelockert wurde und nicht mehr an Isofix gebunden ist, summieren wir die beiden Kriterien aber nicht zu einem „Super-Sitz“, sondern bewerten sie separat – mit gleichberechtigter Punktvergabe.

Der Komfort: Von schwachen Polstern und starren Lehnen

Dank unserer Online-Umfrage kennen wir auch die Anforderungen von Eltern an einen gut gepolsterten Sitz mit stabilen Wattierungen und einem ausreichenden Platzangebot insbesondere bei den Langzeitsitzen. Den Komfortwert eines Sitzes nach weich wattierenden Zusatzpolstern in den Hosenträgergurten und Schlossteilen zu beurteilen, war für uns genauso naheliegend wie die Ausstattung eines Baby- und Kleinkindsitzes mit guten Neugeborenen-Einlagen. Letztere haben zudem Doppelfunktion: Neben dem Sitzkomfort erhöhen sie auch die Sicherheit, indem sie das seitliche Spiel von Kopf und Oberkörper bei einem Aufprall verringern.

Liegefunktionen für das Nickerchen …
In zweiter Linie bemisst sich für uns der Komfortwert eines Sitzes nach seinen Verstellmöglichkeiten. Dabei haben wir insbesondere auch Hersteller im Blick, die ihre Technologien kontinuierlich weiterentwickeln. So wird viel an den Liegefunktionen getüftelt – nicht nur im Bereich der Sitzlehne, sondern auch der Kopfstütze. Doch die Ergebnisse sind durchaus nüchtern: Kopfstützen, die sich zum Schlafen leicht in die Schräge bringen lassen, lösen oft nicht das Problem des Nach-vorn-Kippen des Kopfes im Schlaf. Zudem fallen beim wachen Kind Kopf- und Seitenschutz weg.

Auch lassen viele der Fangkörper-Systeme ihr Potenzial ungenutzt. Nur wenige sind auf die Statur der Kleinen anpassbar, die meisten davon lassen sich nur wenige Zentimeter vor- und zurückschieben.

… und Größenanpassung für etwas kräftiger gewachsene Kinder
Bei den sitzeigenen Hosenträgergurten lohnt ein zweiter Blick. So honorieren wir mitwachsende Kleinkindsitze, deren Gurte sich in der Höhe verstellen lassen und die das Kind in jeder Wachstumsphase sicher im Sitz halten – heißt: mit korrekter Gurtführung an der Schulteraußenkante und so verstellbar, dass die Gurte nicht locker über die Schultern rutschen, andererseits aber auch einem winterlich dick eingepackten Schützling passen. Mitwachsende Sitze sind für uns dann rundum gut, wenn sie auch in der Breite verstellbar sind. Wir sind der Meinung, dass der Markt viel zu wenige davon hergibt. Insbesondere die großen Gruppe-I-III-Sitze sind ja für Eltern interessant, die einen kräftigeren Sprössling transportieren – bspw. einen, der dem Hosenträgergurt eines Kleinkindsitzes voraussichtlich schneller als üblich entwachsen wird, von der Größe her aber noch zu unreif für das Angurten mit dem normalen Fahrzeug-Dreipunktgurt ist.

Der Praxisbetrieb: Schnell-Klicksystem oder nervige Gurtfädelei?

Nicht minder wichtig und für unser Urteil entscheidend ist, wie sich ein Sitz im täglichen Betrieb schlägt: Besitzt er das Schnellbefestigungs-System Isofix oder muss er mit dem normalen Dreipunkt-Fahrzeuggurt auf der Sitzbank angeschnallt werden? Ist er bequem von vorn bedienbar oder für den Einsatz im Fond eines Zweitürers weniger zu gebrauchen? Berichten die Nutzer von Klemmstellen und Fingerfallen und reicht das Gurtband der meisten Autos aus, um locker über Sitzschale und Fangkörper herumgeführt zu werden?

Muss das Anbringen im Auto fix gehen, wächst das Fehlerpotenzial. Daher belohnen wir auch farbig markierte Schulter- und Beckengurtführungen und Einbaukontrollen, die das Fehleinbaurisiko senken. Ein Beispiel sind Kontrollfenster an Stützfüßen von Sitz-Konsolen: Ist alles sicher befestigt, leuchten alle Lämpchen grün – falls nicht, warnt das System piepsend vor Montagefehlern. Ein Pluspunkt aus Nutzersicht ist ein geringes Gewicht. Damit klappen Ein- und Umbau in andere Autos unkompliziert auch mal mit Kind auf dem Arm. Das Anschnallen des Kindes erleichtern Details wie seitliche Gurthalter oder zur Türseite drehbare Schalen. Von beidem wünschen wir uns künftig mehr!

Die Verarbeitung: Materialien und Schadstoffe

Ein wenig hat uns überrascht, dass Gerüche, Schadstoffe und Ausdünstungen bei nur etwa der Hälfte unserer Umfrageteilnehmer ein Ausschlusskriterium wären. Viel wichtiger und für unsere Notengebung maßgeblich sind daher die Qualität der Polsterbezüge und die Verarbeitung. Auch Geräusche, die auf eine fehlerhafte Produktion oder mangelnde Qualitätskontrolle hinweisen, können unsere Note nach unten ziehen. Manche Sitze knarzen oder scheppern während der Fahrt – ein Problem, das uns vor allem in den Nutzermeinungen begegnet. Gut investiert ist das Geld auch in Sitze mit atmungsaktiven Bezügen und Materialien, die schmutzunempfindlich sind.