Telefone: Verschlüsselung bei DECT-Telefonen

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Panasonic KX-PRW120, eines der neueren Telefone mit VerschlüsselungJahrzehntelang galten DECT-Telefonate als abhörsicher. Anfang 2009 schreckte allerdings ein gegenteiliger Bericht die Öffentlichkeit auf: Forscher konnten demonstrieren, wie Gespräche mit schnurlosen Telefonen mitgehört werden können. Das sei zwar noch immer aufwendig, die technischen Mittel aber beschaffbar. Eine wirksame Verschlüsselung der Gespräche scheint also wichtiger denn je. Unglücklicherweise verschlüsselt nur ein Teil der auf dem Markt erhältlichen DECT-Telefone die geführten Telefongespräche. Doch welche sind dies?

Mit genügend krimineller Energie abhörbar

Anfang 2009 machten Forscher der TU Darmstadt mit der Behauptung auf sich aufmerksam, DECT-Telefonate seien leicht abhörbar. Dazu seien lediglich eine spezielle Linux-Software sowie ein Notebook mit PCMCIA-Karte vonnöten. Zwar sehen viele Experten darin eher ein theoretisches Szenario, da das Abhören von Telefonaten trotzdem noch „detaillierte technische Kenntnisse, entsprechende Soft- und Hardware sowie erhebliche kriminelle Energie“ erfordere. Beunruhigend ist diese Erkenntnis dennoch.

Prinzipiell könnte eine Verschlüsselung der zwischen Basisstation und Mobilteil übertragenen Gespräche eine wirksame Gegenmaßnahme darstellen. Unglücklicherweise ist dies aber nur bei einem Teil der auf dem Markt erhältlichen Schnurlostelefone der Fall. Denn der DECT-Standard sieht zwar eine Verschlüsselung des Sprachdatenstroms vor, diese ist aber optional. Es bleibt also dem Hersteller überlassen, ob er seinen Geräten eine Verschlüsselung mitgibt oder nicht.

Dass viele Hersteller auf die Verschlüsselung verzichten, hat einen sehr banalen Grund: Sie ist teuer. Die Verschlüsselung von Telefongesprächen macht relativ aufwendige Rechenoperationen nötig, für die komplexere und damit auch teurere Prozessoren sowohl in der Basisstation als auch im Mobilteil vonnöten sind. Und genau hier sparen viele Billig-Hersteller, um ihre Telefone möglichst günstig anbieten zu können. Die in Fernost einkaufenden Vertriebsfirmen wiederum kümmern sich vielfach nicht darum, eine solche Änderung beim Hersteller einzufordern.

Gigaset vorbildlich...

Wer auf Nummer sicher gehen will, ist mit den Schnurlostelefonen der Gigaset-Baureihen gut bedient. Das Unternehmen verspricht eine grundsätzliche Verschlüsselung aller Produkte dieser Modellreihe – auch bei älteren Telefonen. Darüber hinaus seien die Telefonate aufgrund des Eco-Modus, bei dem die Abstrahlleistung stark reduziert werde, kaum zu orten. Ein Krimineller müsste schon sehr nah an das Telefon herankommen, um hier ein Gespräch mitzuhören. Außerdem warnt das Unternehmen davor, sogenannte „Repeater“ einzusetzen. Diese werden zur Erweiterung der Reichweite in unübersichtlichen Gebäuden eingesetzt und senden aus technischen Gründen unverschlüsselt. Der in Gigaset-Telefonen integrierte „Repeater Modus“ ist deshalb nach Aussage von Siemens ab Werk deaktiviert und muss vom Kunden zunächst aktiv eingeschaltet werden.

Auch AVM warnt vor dem Einsatz dieser Repeater und hat auf die aktuelle Diskussion bereits reagiert: Die FRITZ!Boxen mit integrierter DECT-Basisstation bieten die Option an, dass das Mobilteil MT-D und die Basis nur dann kommunizieren dürfen, wenn dies verschlüsselt geschieht. Außerdem informiert eine Anzeige in der Benutzeroberfläche der Box darüber, ob das gerade geführte Gespräch auch wirklich verschlüsselt wird. Und auch Käufer von Swissvoice-Telefonen dürfen sich freuen: Die neuen Modelle der Schweizer bieten ebenfalls werksseitig eine Verschlüsselung an.

... preiswerte Anbieter enttäuschen

Kritisch wird es dagegen immer dann, wenn das Telefon besonders günstig sein soll. Unter anderem die Hersteller Audioline und Hagenuk verzichten offenbar auf jegliche Verschlüsselung bei ihren Telefonen. Laut einem Bericht der „connect“ kaufen beide Unternehmen ihre Hardware billig in Asien ein. In Tests konnte bei keinem der untersuchten Telefone beider Anbieter eine Verschlüsselung nachgewiesen werden.

Peinlicher war lange Zeit allerdings das Abschneiden von Panasonic. Der Weltkonzern gehört nun wahrlich nicht zu den Billig-Anbietern auf dem Markt. Und trotzdem konnte in besagtem Test auch bei Panasonic keinerlei Verschlüsselung nachgewiesen werden. Seit 2010 sollen aber auch Panasonic-Telefone eine Verschlüsselung bieten. Der Käufer sollte also alte Panasonic-Modelle meiden und zu den neueren Telefonen des Unternehmens greifen.

Dumm nur, dass bislang kein Hersteller eine Verschlüsselung auf den Verpackungen seiner Telefone vermerkt. Nachprüfen kann es der Kunde also nicht. Doch im Jahr 2010 hat ein unabhängiges Labor im Auftrag des DECT-Forums begonnen, DECT-Telefone auf ihre Sicherheit zu prüfen. Besteht ein Gerät den Test, soll ein einheitliches Logo dieses für alle sichtbar verkünden. Leider ist seit dieser Ankündigung aber nur wenig geschehen, der Kunde verbleibt weiter im Dunklen. Bis es also soweit ist, hilft aber nur eines: Nachfragen beim Händler.

Autor: Janko