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Jahrelang galt der fest verbaute Akku als unvermeidlicher Preis für schlankes Design und Wasserschutz. Das ändert sich: Eine neue EU-Verordnung schreibt ab 2027 vor, dass Smartphone-Akkus vom Nutzer selbst ausgetauscht werden können müssen. Schon heute gibt es Modelle, die dieses Merkmal bieten.
Warum sind Smartphones mit Wechselakku wieder ein Thema?
Fest verbaute Akkus haben sich bei Smartphones durchgesetzt – aus gutem Grund: Ohne abnehmbares Gehäuse lassen sich Geräte schlanker bauen, wasserdichter gestalten und stabiler konstruieren. Doch die Kehrseite ist bekannt: Lässt die Akkuleistung nach einigen Jahren nach, endet das oft im teuren Werkstattbesuch oder im Neukauf.Das soll sich ändern. Die EU-Batterieverordnung (EU 2023/1542) schreibt ab dem 18. Februar 2027 vor, dass Akkus in Smartphones und Tablets vom Endnutzer selbst – mit handelsüblichem Werkzeug – ausgetauscht werden können müssen. Hersteller müssen Ersatzakkus zudem mindestens fünf Jahre nach dem letzten Verkauf eines Modells verfügbar halten. Alternativ darf ein Akku fest verbaut bleiben, wenn er nach 500 Ladezyklen noch mindestens 83 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität aufweist. Die Verordnung ist bereits seit Februar 2024 geltendes EU-Recht; die konkreten Anforderungen an die Austauschbarkeit greifen ab 2027.
Ein fest verbauter Akku ist laut EU-Ökodesign-Verordnung auch dann erlaubt, wenn das Gerät mindestens IP67-zertifiziert ist, also 30 Minuten in einem Meter Tiefe wasserdicht bleibt. Viele Hersteller könnten diesen Weg nutzen, um die Anforderung an den Wechselakku zu umgehen.
Herausnehmbarer Akku eines Wiko-Smartphones – ein Merkmal, das zuletzt selten geworden ist. (Bildquelle: amazon.de)
Wer braucht einen Wechselakku – und warum?
Der praktische Nutzen ist überschaubar, aber real. Ein austauschbarer Akku bietet vor allem zwei Vorteile: Wer lange unterwegs ist und keine Steckdose oder Powerbank zur Hand hat, kann einen vollgeladenen Ersatzakku einlegen. Und wer sein Smartphone mehrere Jahre nutzt, kann bei nachlassender Akkukapazität einfach den Akku wechseln – statt ein neues Gerät zu kaufen. Das verlängert die Nutzungsdauer, spart Geld und reduziert Elektroschrott.Aus Nachhaltigkeitsperspektive ist der Wechselakku damit klar im Vorteil. Wer sein Gerät möglichst lange nutzen möchte, findet in modularen Smartphones wie dem Fairphone oder Shiftphone derzeit die konsequenteste Umsetzung dieser Idee.
Was spricht gegen einen Wechselakku?
Ein fest verbauter Akku hat technische Vorteile. Er lässt sich platzsparender einbauen, was dünnere Gehäuse ermöglicht. Vor allem aber vereinfacht er die Wasserdichtigkeit: Ohne abnehmbaren Rücken entfällt die Notwendigkeit zusätzlicher Dichtungen – ein Vorteil, den alle aktuellen Flaggschiffe mit IP67- oder IP68-Schutz nutzen.Auch der Kartenzugang ist bei Modellen mit Wechselakku häufig umständlicher: SIM- und Speicherkarten liegen oft unterhalb des Akkus und sind nur nach dessen Entnahme zugänglich. Bei fest verbauten Akkus sind die Kartenschächte stets von außen erreichbar.
Für die Hersteller sind fest integrierte Akkus zudem günstiger in der Produktion: Kontaktstellen, Ummantelungen und modulare Halterungen entfallen.
Welche Smartphones mit Wechselakku gibt es aktuell?
Die Auswahl ist überschaubar, aber vorhanden. Aktuell bieten vor allem folgende Modelle einen praktisch austauschbaren Akku:- Fairphone 5 und Fairphone 6 (ab 2025): Das Paradebeispiel für modulare Bauweise. Der Akku lässt sich werkzeuglos tauschen, ebenso Display, Lautsprecher und weitere Bauteile. Fairphone garantiert beim Fairphone 5 mindestens acht Jahre Sicherheitsupdates. Das Fairphone 6 (ab Sommer 2025, ca. 550 Euro) setzt den Kurs fort und ist erstmals deutlich in der Mittelklasse positioniert.
- Samsung Galaxy XCover 7: Robustes Outdoor-Smartphone mit IP68-Schutz und austauschbarem Akku – für gewerbliche Nutzer und Outdoor-Fans.
- Shiftphone 8: Modulares Gerät aus Deutschland, bei dem neben dem Akku weitere Komponenten selbst getauscht werden können.
- HMD Pulse / HMD Fusion: Neuere Einsteigermodelle des ehemaligen Nokia-Lizenznehmers HMD mit austauschbaren Komponenten; Ersatzteile werden über eine Kooperation mit iFixit angeboten.
Tests und Nutzererfahrungen
Das Samsung Galaxy XCover 7 erhielt in Fachtests gute Bewertungen für Robustheit und Akkulaufzeit. Für Outdoor-Nutzer gilt es als solider Allrounder mit dem praktischen Bonus des Wechselakkus. Das Fairphone 5 wurde von Fachmagazinen wie connect und Notebookcheck getestet und erhielt überwiegend gute Urteile für Verarbeitung, Langzeitsupport und Reparierbarkeit – mit Einschränkungen bei Kameraleistung und Akkudauer unter Last. Nutzerbewertungen auf Plattformen wie Amazon und MediaMarkt heben besonders die einfache Repairability und den langen Software-Support hervor; kritisch wird gelegentlich das Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu Nicht-Nachhaltigkeitsgeräten gesehen.Fazit: Lohnt sich der Kauf eines Smartphones mit Wechselakku?
Wer Wert auf Langlebigkeit, Unabhängigkeit von Werkstätten und Nachhaltigkeit legt, ist mit einem Gerät mit Wechselakku gut beraten, insbesondere mit einem Fairphone oder Shiftphone. Wer dagegen ein möglichst schlankes, wasserdichtes Gerät mit maximaler Kameraleistung sucht, findet das weiterhin nur bei Modellen mit fest verbautem Akku. Ab 2027 wird die EU-Batterieverordnung mehr Bewegung in dieses Segment bringen. Bis dahin bleibt die Auswahl begrenzt, aber gezielt sinnvoll.Aktuelle Tests von Smartphones mit austauschbarem Akku finden Sie auf Testberichte.de.


























