Welche Box ist die richtige?
Früher konnte man das Fernsehprogramm mit einer Antenne und einem analogen Tuner empfangen, mittlerweile strahlen die Sendemasten das Programm nur noch digital aus. Beim Satellitenempfang wurde das analoge Sendeverfahren ebenfalls eingestellt. Die Zukunft ist digital, die Receiver sind es auch. Aber was genau sind die Vorteile des Digitalfernsehens und welche Empfangsart ist die richtige?
DVB steht für Digital Video Broadcasting und meint das Standardverfahren zur Übertragung digitaler Inhalte. Im Vergleich zur analogen Technik können dank DVB mehr Programme übertragen werden, außerdem hat sich die Qualität verbessert: Rauschen, also „Schnee“ oder „Fische“ im Bild, sind ab sofort Geschichte. Der Buchstabe hinter dem Kürzel kennzeichnet den Übertragungsweg. Hier unterscheidet man in DVB-T (terrestrisch, Antenne), DVB-C (Cable, Kabelempfang) und DVB-S (Satellitenempfang).
DVB-T
Den Umstieg zu DVB-T – zum sogenannten „Überallfernsehen“ – hat Deutschland Ende 2008 vollzogen. Um das TV-Programm via DVB-T zu empfangen,
braucht man eine Haus- beziehungsweise eine Zimmer- oder Außenantenne und einen passenden Receiver. Wer noch im Besitz einer alten Antennenanlage ist, muss nicht aufrüsten, denn die digitalen Programme nutzen die gleichen Sendeanlagen wie die analogen. Der Griff zur Stab- oder Zimmerantenne lohnt also nur, wenn man keine Hausantenne besitzt, in einem Ballungsgebiet wohnt oder mobil fernsehen will. Damit ist auch gleich der entscheidende Vorteil von DVB-T genannt: Man kann das Fernseh- und Radioprogramm fast an jedem Ort problemlos und in guter Qualität empfangen - ob nun in der Wohnung, auf dem Campingplatz oder unterwegs. Je nach Region stehen bis zu 30 Sender bereit, detaillierte Infos zum Programmangebot finden Sie hier. Mittlerweile muss man selbst im Urlaub nicht mehr auf Fernsehbilder verzichten, denn viele europäische Länder übertragen ihr Programm ebenfalls via DVB-T.
DVB-C
Nach wie vor gibt es analoges Kabelfernsehen, ein Termin zur Analogabschaltung steht noch nicht fest. Die Investition in einen DVB-C-Receiver lohnt aber schon heute: Im Vergleich zum analogen Kabel empfängt man mehr Programme, außerdem ist die Bild- und Tonqualität besser. Besonders beliebt ist das Kabelfernsehen in Ballungszentren und überall dort, wo der Hauseigentümer die Montage einer Satellitenschüssel untersagt.
Allerdings ist der Empfang mit laufenden Kosten verbunden, die sich je nach Kabelnetzbetreiber (Kabel Deutschland, Unitymedia, Kabel BW) unterscheiden. Während die Öffentlich Rechtlichen frei übertragen werden, gibt es für die Privaten eine sogenannte „Grundverschlüsselung“. Um diese Sender zu empfangen, benötigt man entweder einen vom Kabelnetzbetreiber zertifizierten Receiver inklusive Smart-Card oder eine Settop-Box mit CI-Schacht (Common Interface). In den CI-Schacht wird ein sogenanntes CAM-Modul (Conditional Access Module) geschoben, das wiederum die Smartcard eines Anbieters aufnehmen kann. Auf die gleiche Weise ist man dank CI-Schacht in der Lage, Pay-TV-Sender zu empfangen.
DVB-S
Das größte Programmangebot erwartet den Kunden, wenn er sich für einen DVB-S-Receiver entscheidet: Allein über die Astra-Satelliten hat man mit einem Free-to-air-Receiver Zugriff auf rund 300 frei empfangbare TV-Programme und 170 Radiosender. Obendrein steht eine Vielzahl an verschlüsselten Pay-TV-Sendern bereit, für die man allerdings – genau wie beim Empfang über das Kabelnetz – ein Gerät mit CI-Schacht nebst passendem Entschlüsselungsmodul braucht.
Im Idealfall entscheidet man sich für einen Receiver mit zwei CI-Steckplätzen, denn nur so können verschiedene Module gleichzeitig genutzt werden. Der große Vorteil am Satellitenfernsehen (das galt natürlich auch für die Ende April 2012 eingestellte analoge Variante) ist neben der großen Programmvielfalt und dem Wegfall laufender Kosten vor allem die Unabhängigkeit: Man ist nicht auf Sendemasten und Kabelnetze angewiesen, sondern braucht lediglich eine Satellitenschüssel, die mit einem Universal-LNB ausgestattet ist. Insofern empfiehlt sich der TV-Empfang via DVB-S auch für abgelegene Regionen. Übrigens: Das als DVB-S2 bekannte Sendeformat ist eine optimierte DVB-S-Variante. Hier soll die Datentransferrate durch die Verwendung besserer Kodierungs- und Fehlerkorrekturverfahren weiter gesteigert werden. In der Regel nutzen HDTV-Sender die von DVB-S2-Receivern unterstützte MPEG4-Kompression.
Vor- und Nachteile
Alle DVB-Varianten haben Vor- und Nachteile: Wer keinen großen Wert auf ein üppiges Programmangebot legt, der findet eine kostengünstige, praktische und vor allem mobile Lösung in Form von DVB-T. Auf HDTV- und Pay-TV-Sender muss man beim terrestrischen Empfang allerdings verzichten. Wer nicht verzichten will, der entscheidet sich – je nach Möglichkeit und Anspruch – für einen DVB-C- oder einen DVB-S- beziehungsweise einen DVB-S2-Receiver. DVB-C lässt sich leicht installieren, bleibt von der Wetterlage unbeeinflusst, schlägt allerdings mit monatlichen Kosten zu Buche und bietet ein vergleichsweise eingeschränktes Programmangebot. DVB-S punktet mit der größten Programmvielfalt und kostet bis auf die einmalige Anschaffung nichts. Dafür ist die Installation nicht ganz so unkompliziert und man muss bei schlechter Wetterlage mitunter Bildstörungen in Kauf nehmen. Diverse Zusatzfunktionen - beispielsweise die Möglichkeit ein externes USB-Speichermedium zum Aufzeichnen des TV-Programms anzuschließen oder ein doppeltes Empfangsteil - gibt es mittlerweile bei allen DVB-Receivern. Auch Kombigeräte sind heutzutage keine Seltenheit mehr.