Variable oder feste Brennweite
Spiegelreflexkameras hatten schon immer den Vorteil, das der Fotografierende schnell und unkompliziert zwischen verschiedenen Objektiven wechseln konnte. Bei den Digitalkameras ist vor einiger Zeit eine neue Gruppe hinzugekommen, die ebenfalls den Status einer Systemkamera für sich beanspruchen kann: die Spiegellosen. Ob man sich für ein Zoomobjektiv oder für eines mit fester Brennweite entscheidet, hängt von unterschiedlichen Gründen ab.
Zoomobjektive sind praktisch und besitzen durch ihre variable Brennweite ein größeres Einsatzgebiet. Die meisten Kamerahersteller bieten ihre Systemkameras, ob mit oder ohne Spiegel, meist als Basis-Kit an, das ein Zoomobjektiv im unteren Brennweitenbereich beinhaltet. Aus Marketing-Gründen sind diese Kits nicht sonderlich teuer und die mitgelieferten Zoomobjektive von eher durchschnittlicher Qualität. Das liegt vornehmlich an der geringen Lichtstärke, die meist in Weitwinkelstellung 1:4,5 beträgt und zum Telebereich bis 1:6,5 abnimmt. Sicherlich kann man damit auch gute Fotos machen, die man vorzeigen kann. Werden jedoch die Lichtverhältnisse schwächer (Dämmerung, schlecht beleuchtete Räume) wünscht man sich doch eine bessere Lichtstärke. Dafür muss man bei allen Objektiv-Typen deutlich tiefer in den Geldbeutel greifen. Inzwischen haben die Objektiv-Hersteller auch Zooms im Angebot, die sogar Lichtstärken von 1:2,0 leisten können. Da Zooms einen mittleren bis großen Brennweitenbereich abdecken können, sind sie bei den meisten Fotografen sehr beliebt und man muss nicht dauernd das Objektiv wechseln. Meist kommt man mit einem 28-75 Millimeter und einem 70-300 Millimeter fast den üblichen Brennweitenbereich von Weitwinkel bis Tele abdecken kann. Da diese Objektive quasi als Allrounder genutzt werden, kann es auch zu Abbildungsfehlern, insbesondere in den Randbereichen kommen. Wenn die Anfangsbrennweite nur bis zum Dreifachen gezoomt werden kann, ist man noch weitestgehend davor geschützt. Da hochwertige Full HD-Videos bei den Systemkameras zum guten Ton gehören, sollte man beim Kauf auf einen leisen Zoom-Motor achten, der vibrationsarm arbeitet und die Filmaufnahmen nicht weiter stören kann.
Objektive mit fester Brennweite werden überwiegend von ambitionierten Fotografen und Profis genutzt, die einen bestimmten Qualitätsstandard der Aufnahmen erreichen wollen. Vignettierung und Verzeichnung sind bei den üblicherweise recht teuren Objektiven weniger stark ausgeprägt, als bei den Zoomobjektiven. Hinzu kommt das bessere Lichtstärkenverhältnis von 1:1,8 oder gar 1:1,4 – dadurch sind ausgezeichnete Bokeh-Aufnahmen möglich, die das Motiv glasklar klar in Szene setzt und den Hintergrund leicht verschwimmen lässt. Damit ist auch schon erklärt, dass die künstlerische Gestaltungskraft eines Festbrennweiten-Objektivs deutlich über einem Zoom liegt und folglich eher im semiprofessionellen Bereich und aufwärts anzutreffen ist. Aus der freien Hand und bei schlechten Lichtverhältnissen sowie mit kurzen Belichtungszeiten kann man nur ist dieser Sorte Objektive fotografieren. Die Nachteile sind offensichtlich: hohe Anschaffungskosten paaren sich mit zunehmendem Gewicht der Ausrüstung.