Das Wichtigste auf einen Blick:
- Wandeln Plattenrillen-Schwingungen in elektrische Signale um
- MM- und MC-Systeme dominieren den Markt
- MC-Tonabnehmer: höhere Detailauflösung, vor allem im High-End-Bereich
- Phono-Vorverstärker in jedem Fall erforderlich
- MC-Systeme unterscheiden zwischen High-, Medium- und Low-Output
Die meisten Plattenspieler, egal ob neu oder gebraucht, überzeugen klanglich bereits im Auslieferungszustand. Musikliebhaber, die ihre HiFi-Anlage jedoch noch weiter verbessern möchten, greifen häufig auf externe Phono-Vorverstärker zurück oder investieren in einen hochwertigen Tonabnehmer. Welche Unterschiede gibt es und worauf sollte man beim Erwerb eines Tonabnehmers achten?
Der Audio-Technica AT95E – ein zeitloser Klassiker unter den MM-Tonabnehmern. (Bildquelle: amazon.de)
Wie funktionieren Tonabnehmer und wie sind sie aufgebaut?
Der Tonabnehmer wird am vorderen Ende des
Tonarms eines
Plattenspielers befestigt. Dort wandelt er die mechanischen Schwingungen der Schallplatte in elektrische Signale um. Ein Tonabnehmer besteht aus einem Gehäuse mit integriertem Wandler sowie einem beweglichen Nadelträger, an dessen Spitze die Abtastnadel sitzt. Heutzutage wird die Nadelspitze fast ausschließlich aus Diamant gefertigt – Rubine oder Saphirnadeln sind praktisch nicht mehr im Handel erhältlich. Diamantnadeln ermöglichen eine Nutzungsdauer von bis zu 1000 Stunden. Bei der Form der Nadeln gibt es wesentliche Unterschiede: Elliptisch geschliffene Nadeln punkten mit einem größeren Frequenzumfang und einer besseren Hochtonauflösung, während sphärische Nadeln toleranter gegenüber feinen Justageabweichungen sind und die Schallplatte gleichmäßiger abnutzen – optimal beispielsweise für DJs oder ältere Plattenspielermodelle. Hochwertige Tonabnehmersysteme setzen zudem spezielle Schliffe wie Shibata oder Line-Contact ein, um die Rillen noch präziser auszulesen.
Unterschiede zwischen MM- und MC-Tonabnehmern
Die erzeugte Signalspannung eines Plattenspielers beruht entweder auf dem piezoelektrischen, elektromagnetischen oder elektrodynamischen Prinzip. Besonders weit verbreitet sind elektromagnetische Tonabnehmer, sogenannte
MM-Systeme (Moving Magnet). Bei einem
MC-System (Moving Coil) bewegt sich eine fest mit der Nadel verbundene Spule innerhalb eines Magnetfeldes, während bei einem MM-System der Magnet selbst in Bewegung ist. MC-Systeme sind aufwendiger konstruiert und meist teurer, dafür bieten sie tendenziell eine detailreichere und dynamischere Klangwiedergabe. In der Praxis hängt das Klangbild jedoch stark vom Musikgeschmack, der Tonarm-Einrichtung und dem optimalen Phono-Vorverstärker ab. Ein qualitativ hochwertiger MM-Tonabnehmer kann klanglich durchaus mit MC-Systemen mithalten. MC-Systeme sind oft in High-End-Anlagen zu finden, jedoch ist bei ihnen der Austausch der Nadel aufgrund der starren Verbindung von Spule und Nadel aufwändiger – hier sind aufwändige Retippings oder sogar ein vollständiger Systemwechsel notwendig. Bei MM-Tonabnehmern gestaltet sich der Nadelwechsel einfach und kostengünstig. Zudem liefern MC-Systeme aufgrund der kleineren Spule meist eine geringere Ausgangsspannung als MM-Systeme.
Phono-Vorverstärker: Unverzichtbar für fast alle Tonabnehmer
Ein Sonderfall sind MI-Systeme (Moving Iron) mit induzierten Magneten, bei denen Spule und Magnet im Tonkopf fest verbaut sind. MI-Systeme sind leicht gebaut und erreichen trotzdem eine Ausgangsspannung, die nahe an die von MM-Systemen heranreicht. Aufgrund der allgemein niedrigen Ausgangsspannungen aller drei Typen benötigen Sie einen
Phono-Vorverstärker oder einen
Vollverstärker mit geeignetem Phono-Eingang für MM oder MC. Achten Sie beim Kauf darauf, ob der Vorverstärker beide Systeme oder nur eines unterstützt – viele zeitgemäße Modelle sind für MM und MC ausgelegt. Wer hingegen einen Phono-Eingang für MM nutzt, aber ein MC-System bevorzugt, sollte einen Tonabnehmer mit „High Output“ wählen, der im Vergleich zu MC-Varianten mit „Low Output“ oder „Medium Output“ eine Signalspannung von bis zu 2 mV erzeugt.