Stärken
Schwächen
Für klassische Näharbeiten ungeeignet: die Overlock-Nähmaschine N 454D von W6 Wertarbeit. (Bild: amazon.de)
Was kann eine Overlock-Nähmaschine überhaupt?
Für die einen sehen sie aus wie alte Registrierkassen, für andere sind sie die perfekte Ergänzung zur Haushaltsnähmaschine: Overlockmaschinen nähen vor allem elastische Stoffe in einem Arbeitsgang zusammen, schneiden Nahtzugaben ab und versäubern sie. Dafür arbeitet eine Overlock nicht wie eine normale Nähmaschine mit Ober- und Unterfaden, sondern mit drei, vier oder sogar fünf Fäden gleichzeitig. Die Geräte unterscheiden sich insbesondere bei den Sticharten, den Einfädelsystemen und im Zubehör. Wer schon vor dem Kauf abschätzen kann, welche Arbeitsschritte er wirklich braucht, trifft die bessere Wahl. Sowohl ein zu kleiner als auch ein zu großer Funktionsumfang kann zum Fehlkauf werden.Einfädelsysteme: Ösen und Umlenkeinheiten vs. Jet-Air-Systeme
Das Einfädeln der bis zu acht Fäden ist für viele ein regelrechtes K.-o.-Kriterium beim Kauf. In Nähforen und auf Verkaufsplattformen entbrennen rege Diskussionen darüber, mit welchem Gerät es am leichtesten geht. Die meisten modernen Overlockmaschinen bieten Farbcodierungen für Einfädelwege und -reihenfolgen an oder integrieren bebilderte Anleitungen als Orientierungshilfe.
Beim Einfädeln helfen Nadeleinfädler wie der von PRYM, der speziell auf Overlockmaschinen abgestimmt ist. (Bild: amazon.de)
Am komfortabelsten sind Jet-Air-Systeme von Baby Lock. Diese Overlocks verfügen über eine Luftdruck-Technologie mit röhrenförmigen Greifern: Sie führen den Greiferfaden in den entsprechenden Kanal, betätigen den Hebel – und der Luftzug zieht die Fäden von selbst in die Greifer ein. Der Mensch wird nur zum Einlegen des Fadens in die Köcher benötigt, den Rest erledigt die Maschine.
Wer nicht gerade einen höheren dreistelligen Betrag ausgeben möchte, hält am besten nach anderen Einfädelhilfen Ausschau. Ein System mit auslösbarem Untergreifer ist eine gute Alternative: Da der Untergreifer meist schwer zugänglich unter der Stichplatte sitzt, ist ein nach außen schwenkbarer Untergreifer ein deutliches Komfortplus.
Videoanleitung: Einfädeln und Funktionen einer Overlockmaschine am Beispiel der Bernina L460
Overlockmaschinen im Preisvergleich: Lieber etwas mehr investieren
Viele Nutzer:innen empfehlen, Billigware aus dem Discounter zu meiden. Solchen Maschinen fehlt mehrheitlich mindestens eine elementare Funktion, häufig die Abschaltfunktion des integrierten Messersystems. Lässt sich das Obermesser nicht wegklappen oder deaktivieren, sind normale Saumarbeit, Rollsäume, Flatlockprogramme oder Dekornähte nicht möglich. Sie bräuchten dann gleichzeitig eine Overlock- und eine herkömmliche Nähmaschine.Wer wirklich nur die Overlock-Technik braucht, sollte daher lieber etwas mehr investieren. Eine Alternative sind kombinierte Overlock-/Coverlockmaschinen. Sie müssen zur Saumnaht zwar umgebaut werden, moderne Ausführungen lassen Rollsäume aber ohne Stichplattenwechsel zu. Auch die Zubehörliste lohnt sich: Sind Kappnaht- oder Paspelfuß im Paket, lässt sich das Kreativpotenzial einer Overlockmaschine weit besser ausschöpfen.
Stiftung Warentest zu Overlockmaschinen: Haben Sie Geduld!
Overlocks beschleunigen laut Stiftung Warentest einige Näharbeiten enorm, erfordern aber Übung – hier die Brother 2104D. (Bild: amazon.de)
Die Stiftung Warentest hat sich lange nur wenig mit Overlocks beschäftigt. Im Test 11/2024 wurden erstmals wieder zwei Overlockmaschinen geprüft: die Baby Lock Enspire und die Brother Airflow 3000. Ein 2024 geprüftes Modell kommt dabei sogar mit dicken Stoffen klar, ein anderes stößt dabei an seine Grenzen. Bereits im ersten Overlocktest (2019) waren die Gritzner 788 und die Brother 2104D beide „gut“ bewertet worden. Beide sind noch im Handel erhältlich.
Der Rat der Warentest-Redaktion gilt bis heute: Haben Sie Geduld. Overlockmaschinen sind mit Messer, vier Fäden, zwei Nadeln und zwei Greifern ausgestattet. Das Einfädeln ist zeitraubend und für Ungeübte eine Herausforderung. Krachmacher sind sie außerdem, und wegen der beim Stoffschneiden entstehenden Flusen wollen sie auch häufig gereinigt werden. Empfehlenswert sind sie dennoch für alle, die Kleidung oft selbst nähen: Beide 2019 getesteten Geräte versäuberten Stoffkanten mit Bravour.
Was hat es mit dem Differentialtransport auf sich?
Der Differentialtransport ist ein zentrales Funktionsteil an Overlockmaschinen: Er kann den Stoff beim Transportieren dehnen oder stauchen – über zwei separate Transporteure, die mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten arbeiten. Bei Einstellung 1,0 schiebt der Fronttransporteur genauso viel Stoff unter den Nähfuß, wie der Haupttransporteur nach hinten wegzieht. Bei Werten über 1,0 wird mehr nachgeschoben als gezogen, der Stoff schiebt sich zusammen. Bei Werten unter 1,0 wird der Stoff gedehnt.Vorteile des Differentialtransports
Neben der Mehr-Faden-Overlocknaht ist es dieser Differentialtransport, der deutlich macht: Sie haben es mit einer Spezialmaschine für Fortgeschrittene zu tun. Typische Einsatzszenarien:
- T-Shirt-Stoff kräuselt sich unerwünscht → glatte Naht durch Differentialtransport-Einstellung
- Kräuselnaht gewünscht → lässt sich gezielt erzeugen
- Dehnbarer Stoff soll Wellen bekommen → ebenfalls einstellbar
Wie bekomme ich Probleme mit der Fadenspannung in den Griff?
Stressfreies Overlocken statt nerviger Frickelei: Baby Lock übernimmt nicht nur das Einfädeln, sondern findet auch die richtige Fadenspannung automatisch. (Bild: amazon.de)
Vor allem Einsteiger:innen gilt die Fadenspannung als Ärgernis: Der Faden ist entweder zu locker oder zu stramm gespannt. Einige Hersteller bieten Maschinen mit automatischer Fadenspannung an. So fällt etwa bei der Baby Lock Acclaim das lästige Einstellen weg: Die Maschine passt die Fadenspannung automatisch an das gewählte Programm an. Der Preis ist entsprechend hoch, aber für Vielnäherinnen und -näher, die sich das Experimentieren ersparen möchten, kann sich die Investition lohnen.
Was ist der Unterschied zwischen einer Overlock- und einer Coverlockmaschine?
Mit der Coverlockmaschine lassen sich dekorative Effekte, Akzente oder Säume nähen. Der wichtigste Unterschied zur Overlock: Sie arbeitet nicht an der Stoffkante und besitzt kein Messer. Gemeinsamkeiten: Auch die Coverlock reguliert den Stofftransport über einen Differentialtransport und transportiert elastische oder dünne, glatte Stoffe sehr gut.Baby Lock ist keine Nähtechnik, sondern eine Nähmaschinenmarke. Weil manche darin eine Mini-Overlock für Anfänger:innen vermuten, kann dieser Hinweis nicht schaden. Baby Lock bietet mit seiner Jet-Air-Einfädelautomatik und zahlreichen Greifer-, Messer- und Assistenzsystemen alles, was professionelle Hobbynäherinnen und -näher glücklich macht.


