Günstiger Stromsparer für wenig Geld
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Vorteile:
einfachste Benutzung, einfache Bedienung, günstiger Preis, Geringer Stromverbrauch
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Geeignet für:
private Anwender
Die TS-233 wird in einem kompakten Karton geliefert, der allerdings trotz dessen genug Stabilität vermittelt, um den weiten Weg von China nach Deutschland unfallfrei ohne Beschädigung zu überstehen. Nach dem Auspacken hält man ein optisch sehr interessantes Designerkonstrukt in den Händen. Es ist schon interessant, welche Kreationen 3D CAD/CAM-Systeme und die anschießende Fertigung auf die Beine stellt. Um die NAS mit Datenträger bestücken zu können muss man auf der Unterseite nur eine Schraube lösen, dann kann man dieses total verwinkelte Gehäuseoberteil entfernen. Ich kenne bereits die kleinere Variante, die TS-133 1-Bay, bei der die Festplatte direkt mit dem Metallchassis der NAS verschraubt wird. Umso erstaunter ist mein erster Blick nach dem Öffnen der TS-233, bei der man es trotz ihrer kompakten Maße wirklich geschafft hat, zwei vollwertige Bays (Festplattenschächte) einzubauen in der zwei herausnehmbare Trays (Wechselrahmen für die Festplatten) stecken. 5,25“ Festplatten werden mit den üblichen beiden Schienen, links und rechts, welche jeweils zwei Haltezapfen besitzen, von außen eingedrückt, fixiert, 2.5“ SSDs mit jeweils drei (3) Schrauben mit dem jeweiligen Tray verschraubt. Auffällig ist, dass die Bays nicht horizontal sondern vertikal eingebaut sind, d. h. die Trays werden senkrecht von oben nach unten in die Bays geschoben, die Festplatten stehen also auf ihren Anschlüssen.
Die Installation geht genauso einfach von der Hand wie bei allen anderen Modellen – Anfänger sollten an dieser Stelle je nach Wissensgrad ein bis zwei Stunden einplanen. Zur Not kann man eine KI befragen, wenn man nicht mehr weiter weiß oder die Reihenfolge der Konfiguration erfragen möchte. Und wie üblich hat man am Anfang mit einer Unzahl an eingeblendeten Hinweisschildern zu kämpfen, die einfach nicht weniger werden wollen und sobald man welche weg klickt, kommen neue nach – und das auf einer Oberfläche, die sich aufgrund der leistungsschwachen ARM Cortex-A55 CPU an manchen Stellen etwas zäh anfühlt. Dazu kommt, dass sich diese Hinweisschilder nicht einfach wegklicken lassen, sondern bei jedem einzelnen dann nochmal ein Popupfenster aufgeht in dem man gefragt wird, ob man sich sicher ist. Es ist ein anfänglicher Nervenkrieg! Zum Glück muss man diese Prozedur nur bei der Neuinstallation des Servers über sich ergehen lassen. Klar kann man Hinweise ausblenden und komplett ignorieren, nur bekommt man dann evtl. keine neuen wichtigen Mitteilungen mit. Was bei QNAP besonders auffällt sind die, verglichen mit anderen NAS-Herstellern, langen Zeiten zum Hochfahren des Systems von 5-6 Minuten. Die NAS startet nicht nur ein Betriebssystem, sondern führt eine Reihe komplexer Prüfungen und Initialisierungen durch, bevor sie benutzbar ist, heißt es in einer Erklärung. Von den 2 GByte fest verlöteten und damit nicht erweiterbaren Arbeitsspeicher sind nach dem Start der NAS bereits 47% belegt, was für ein NAS-Betriebssystem schon reichlich ist – aber bei Qnap völlig normal. Das soll keine Kritik sein, sondern nur der Information dienen um grob abschätzen zu können, ob der Arbeitsspeicher für die eigenen Projekte ausreicht. Für die Nutzung als heimatliches Datengrab, in dem nur zwischendurch neue Fotos/Videos/Dokumente dazu kommen reicht die Konfiguration dick. Gleich an drei Stellen werde ich gefragt, ob ich damit einverstanden bin das Daten erfasst und an Qnap gesendet werden dürfen, zuletzt beim ersten Start von Container – zumindest fragen sie wenigstens zuvor. Und wenn wir schon beim Container (früher Docker) sind, ja der lässt sich auch bei einem Restspeicher von knapp 1 GByte RAM installieren und selbst Wordpress läuft darin noch mit annehmbarer Geschwindigkeit – allerdings nur für kleinere Projekte mit wenigen Plugins wie beispielsweise einem privaten Blog. Dafür ist die günstige NAS wie geschaffen. Denkbar wäre auch der Betrieb von Pi-Hole, den es auch für Container gibt, um sich zusätzliche Hardware wie z. B. Raspberry Pi zu sparen.
Im ersten Test messen wir den Stromverbrauch mit zwei Samsung SSDs der im Server-Leerlauf bei knapp unter vier (4) Watt liegt – eine Lösung für alle Stromsparer. Verwendet man stattdessen zwei Seagate Ironwolf Pro (16 TB) Festplatten so vervierfacht sich der Energieverbrauch der NAS bereits im Leerlauf auf 16 Watt und steigert sich auf knapp über 20 Watt bei Schreibzugriffen auf die Platten. Es empfiehlt sich, in der Systemsteuerung unter – System – Hardware den Datenträger Standby-Modus bei SSD-Betrieb zu deaktivieren und bei den stromhungrigen Festplatten wenigstens von 30 Minute auf eine Stunde zu erhöhen um häufige Spin-Downs/Spin-Ups zu vermeiden. Die Hersteller von NAS-Festplatten weisen expliziert auf einen 24/7 Betrieb hin und das man den Standbymodus NICHT aktivieren soll. Aber bei den hohen Strompreisen in Deutschland muss jeder für sich entscheiden, welche Einstellung für ihn in Frage kommt.
Beim Netzwerktest über Gigabit-Ethernet messe ich folgende Übertragungsraten:
Schreibend: 108 MB/s bei 40% CPU und 54% RAM Auslastung
Lesend: 112 MB/s bei 18-26% CPU und 54% RAM Auslastung
Im Gegensatz zur fast baugleichen TX-133 (1-Bay) hat man der TX-233 auf der Vorderseite einen USB 3.2 Gen 1 Typ-A Port spendiert, der eine Datentransferrate von externer SSD (exFAT) auf Server SSD von 160 MByte/s schafft und umgekehrt von der internen auf die externe SSD sogar 200 MByte/s erreicht bei 41% CPU-Last. Für NAS-Verhältnisse sind das gute Werte. Während meiner kompletten Testphase hab ich vom eingebauten Lüfter nichts gehört, d. h. diese NAS läßt sich SSD-betrieben völlig geräuschlos in die Computerecke integrieren, beim Betrieb mit Festplatten kommt ein gelegentliches leises Klackern der Laufwerke dazu. Kurzum, die TS-233 ist ein kompakter Server mit geringen Stromverbrauch, der sich leicht konfigurieren läßt. Zur Not kann man sich, wie bereits erwähnt, mit ChatGPT / Gemini etc. ganze Schritt-für-Schritt Anleitungen “für (totale) Anfänger“ erstellen lassen die einem bei der Erstinstallation helfen – oder wie man z. B. Wordpress oder Pi-Hole zum Laufen bekommt. Nach einigen Wochen Laufzeit und Experimentierreichtum bleibt mir nichts anderes übrig, als für die TS-233 eine klare Kaufempfehlung auszusprechen.
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