Mann wird mit Rasieröl rasiert Mit Rasierschaum lassen sich schwer präzise Bartlinien ziehen. Rasieröl hat den Vorzug, dass es lediglich einen Film über das Barthaar zieht. Dadurch sehen Sie genau, wo Sie rasieren. Und das ist nicht der einzige Vorteil. (Bild: Thgusstavo by pexels.com)

Die Rasur. Mit Rasieröl? Ohne Tests wird es ernst.

„Schlecht rasiert, die Biester, hm?!“, sagt Martin Semmelrogge im Film Das Boot über große Stücke von Schweinskopfsülze mit ein paar weißen Borsten drauf. Bei der Marine, vor allem bei den U-Boot-Fahrern, war es tatsächlich üblich, sich während einer Feindfahrt nicht zu rasieren, um Trinkwasser zu sparen. Heute tobt um die Rasur ein harter Konkurrenzkampf. Unerwünschte Haare sollen restlos verschwinden, verfilzter Kräuselwuchs perfekt konturierten Hipster-Bärten weichen. Die neue Flut an Rasierölen als Alternative zu Rasierschaum und -gel soll dazu beitragen. Lohnt sich der Kauf? Der Versuch einer Standortbestimmung.

Für das Beste im Mann – aber mit Rasieröl?

Die Misere ist ja diejenige: Damit eine Nassrasur makellos wird, müssen mehrere Dinge stimmen. Da ist der Rasierer selbst, der sich in Tests nur dann Pluspunkte holt, wenn die Klingen scharf genug sind, damit sie nicht an den Stoppeln zupfen. In den Prüflabors ist aber nicht nur tadellos rasierte Haut gefragt, sondern auch eine schonende Rasur ohne Rasierbrand, Rötungen oder Schnittverletzungen. Klar, Rasierschaum hilft schon gut, weil er den Bart aufweicht, die Gleitfähigkeit der Klingen erhöht und die Haut vor Verletzungen schützt. Alle, die mit einer Mal-eben-ohne-Schaum-Rasur dem Verzicht auf einen Notkauf huldigten, werden wissen, dass sich die Haut wie mit drei Peperoni eingerieben anfühlt. Im Intimbereich, aber nicht nur dort, brennt das besonders. Den Slogan „Für das Beste im Mann“, das Gilette den Männern vor über 30 Jahren versprach, hat bis heute trotzdem keiner verstanden. Ungeachtet der #Metoo-Bewegung dürfte es den Marketingleuten um neue Antworten auf alte und große Männerfragen gehen. Um die perfekte Rasur kultivierter Typen, die ihre Bartpflege mit edlen Rasierölen wie die Wiederbelebung einer verlorenen Kunst zelebrieren. Weiblicher und gleich viel günstiger wird es mit Produkten wie dem Balea Rasieröl für empfindliche Haut, von Öko-Test mit „Sehr gut“ getestet und erhältlich zu Preisen um die 3 Euro pro 75 Milliliter. Auch Babyöle sollen sich zum Rasieren eignen. Doch für das richtige Maß an vollkommener Männlichkeit reicht das vielen nicht aus.

Rasiert, gewachst oder gezupft? Ein weites Stoppelfeld.

Die Nassrasur mit dem Einweg-Rasierer steht übrigens ganz oben auf der Liste der beliebtesten Methoden der Haarentfernung bei Frauen, gefolgt von Systemrasierern, Epilierern und Haarentfernungscremes. Erst dann kommen Elektrorasierer oder Wachs zum Zug. (Quelle: statista.de)

Die Kunst der Rasur: Rasieröle im Retro-Design

Apothecary 87 Superior Shave Oil
Superior Shave Oil
  • ohne Endnote
DR K Soap Company Shaving Oil
Shaving Oil
  • Gut 1,8
The Art Of Shaving Pre-Shave Oil
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4,7 von 5
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Und was verraten Tests und Erfahrungsberichte? Wie stehen Rasieröle im Vergleich zu Rasierschaum, -seife & Co. da?

Im Film rasiert sich kaum jemand in Ruhe, entweder platzt jemand herein („Room Service!" - Eve Moneypenny im James-Bond-Film Skyfall) oder die Rasur endet mit Schüssen (My Name is Nobody) oder einem anderen Akt der Anspannung („Sie lieben doch eine scharfe Rasur, Mister Bond!“ – Goldfinger). Im Prüflabor der Warentester ist die Rasur nicht so ergiebig für Störereignisse – nachzulesen in Tests zu Nassrasierern, Elektrorasierern oder Rasierschäumen und -Gelen. Denn um ihre Tests seriös durchzuführen, nehmen sich die Tester allein fürs Einwirkenlassen der Rasiermittel drei Minuten Zeit, erst dann beginnt die eigentliche Rasur. Rasiercremes und -seifen zwingen noch mehr zur Entschleunigung, weil sie in einer Schüssel erst kräftig zu Schaum aufgeschlagen werden müssen. Doch wer redet von Zeitdruck? Die Prozedur dient einer intensiven Entspannung und die sahnige Konsistenz der Seifen und Cremes führt fast immer zu besseren, gründlicheren und schonenderen Rasuren. Deshalb würden die Meister in den Barbershops auch kaum unter Zeitdruck tun, was man von ihnen erwartet – aus Kinnbüscheln in kühler Präzision kunstvolle Bartfrisuren mit scharf konturierten Linien zu errichten. Obwohl die Rasur mit selbst angerührtem Schaum an Aufwand alles übertrifft, was es bei Rasiermitteln gibt, planen immer mehr Männer auch zuhause genügend Zeit dafür ein – als Bestandteil einer neuen Bartkultur, die sie perfekt aussehen lässt.

Von Dachshaarpinseln, Viskosität und der perfekten Klingenführung

Wahre Freaks schäumen ihre Rasiercreme mit dem Dachshaarpinsel – es gibt auch vegane, z. B. von Sober – im Barbiertiegel auf. Die besonders feine, zugleich feste und gleitfähige Schicht zwischen Haut und Klinge ist ein Grund dafür. Ob nun Rasieröl diesen Gleitfilm schon für sich genommen herstellt, ist durch Testberichte nicht eindeutig belegt. Anwender in den Rezensionen unter Amazon & Co. äußern sich mal positiv, mal zweifelnd zu dieser Frage:

  • Theoretisch kann man durch das Öl den Schaum ersetzen. Man muss dann das Einweichen des Barthaares sehr sorgfältig zelebrieren. – Käufer zum American Crew Ultra Gliding Shave Oil.
  • Meiner Meinung nach kommt es auf die richtige Viskosität an. Das Öl darf nicht zu flüssig sein, um einen guten Gleitfilm bilden zu können, es darf aber auch nicht zu dick sein, damit die Klinge nicht verklebt. Dieses Öl erfüllt diese Aufgabe sehr gut. – Käufer zum Aromabar Natural Shaving Oil.
  • Wenn man das Öl aufträgt, wird es relativ schnell klebrig und die Klinge lässt sich nicht mehr so gut führen. – Käufer zum Rasieröl von Brooklyn Soap Company.

Welche Vorteile bietet Rasieröl denn nun genau?

„So glatt, so gründlich, so gründlich, so glatt.“ Gute-Laune-Slogans wie zum Gilette GII Tandem bleiben im Ohr, und wer Werbung zu Rasierölen liest, bekommt auch noch Lust auf eine individuelle Duftnote, eine irritationsfreie Rasur dank der vielfach enthaltenen Polyphenole, also entzündungshemmenden Inhaltsstoffe, kombiniert mit der blutstillenden Wirkung enthaltener Tannine. Rasieröl bildet keinen Schaum, was die Sicht auf Bartlinien erleichtert, und es muss es nicht angerührt werden, spart also Zeit – jedenfalls in der Theorie. Denn nicht immer führt Rasieröl allein zur makellosen Rasur, meist eignet es sich nur als Basisschicht in Kombination mit einem anderen Rasiermittel. So zeigen etliche Nutzerbewertungen, dass vielen Ölen jene gleitfähige Schicht fehlt, die Schäume, Gele und vor allem die sämigen Rasiercremes und -seifen auf der Haut bilden. Weil sich manches Öl wie eine Fettschicht über Haut und Barthaar legt, fühlt sich die Rasur auch nicht so leicht an wie gewohnt.

Manche empfehlen, Rasieröle nur als Pre-Shave-Produkt vor dem Auftragen des Schaums zu verwenden und kein zu schweres Rasieröl zu kaufen, das glänzend auf der Haut liegt oder die Klingen mit dem Öl-Stoppel-Gemisch verstopft. Doch Öle wie das Apothecary 87 oder Mr. Burton’s Shaving Oil rasieren in dieser Hinsicht viele Vorurteile. Sie sind Beispiele dafür, wie gute Rasieröle die billigen übertönen: Sie lassen sich leicht verteilen und erzeugen auf der Gesichtshaut einen schützenden Film zwischen Klinge und Haut, was Schnitte, Rasurbrand, Rötungen und Hautirritationen vermindert. Auch Konturen lassen sich gut rasieren, vor allem bei den modischen Dreitagebärten. Die besten Rasieröle können Sie auch als Bartöle verwenden, weil sie drahtiges Barthaar gefügiger machen. Solche mit entzündungshemmenden Stoffen können auch das Aftershave ersetzen. Manche Bartöle verstehen sich aber ausschließlich als Pflegeöle. Bitte nicht verwechseln.

Ready, steady, go! - Rasieröl mit Schwerpunkt Rasurvorbereitung

The Bluebeards Revenge Pre-Shave Oil
Pre-Shave Oil
  • Gut 1,9
American Crew Ultra Gliding Rasieröl
Ultra Gliding Rasieröl
  • Sehr gut 1,5
Aromabar Natural Shaving Oil
Natural Shaving Oil
  • Gut 1,6
4,1 von 5
(354)
4,5 von 5
(918)
4,4 von 5
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Bye bye, Hautirritationen: Welche Inhaltsstoffe sind typisch für Rasieröle?

Rasieröle sind normalerweise natürliche Produkte, die ohne Chemie auskommen. Es sind Gemische aus meist pflanzlichen Ölen, die durch ihren jeweiligen speziellen Inhaltsstoff vielen Haut- und Bartproblemen Lösungen bieten sollen. Dazu gehören Mandelöl für Feuchtigkeit, Rizinusöl für Gleitfähigkeit oder Aloe Vera, Menthol, Eukalyptus- und Teebaumöl, die für desinfizierende Eigenschaften stehen. Manche davon können die Wundheilung fördern. Jojobaöl gilt als Weichmacher schlechthin und Zitronenöl als Adstringens, das die Poren zusammenzieht und Blutungen stillt. Von vielen dieser Inhaltsstoffe profitiert natürlich die Haut, denn meist sind nährende Substanzen enthalten, unter anderem Vitamin E, das die Haut strafft, oder Vitamin A, das trockene Haut pflegt. Achten Sie darauf, ein Rasieröl zu wählen, dessen Inhaltsstoffe sich mit Ihrer Haut und Ihrem Gefühl vertragen. Doch versprechen Sie sich nicht zu viel – auch nicht von der irritationslosen Rasur. Denn die meisten Hautreizungen gehen nicht auf das falsche Rasiermittel, sondern auf einen zu ruckartigen Umgang mit der Klinge zurück, schreibt die Stiftung Warentest in einem Test zu Rasierschäumen und -gelen.

Die tägliche Ölung: Top 3 der Rasieröle, die gereizte Haut beruhigen

Mr. Burton‘s Shaving Oil
Shaving Oil
  • Gut 1,7
Fair Squared Shaving Oil Intimate Apricot
Shaving Oil Intimate Apricot
  • ohne Endnote
Brooklyn Soap Company Rasieröl Rizinusöl & Menthol
Rasieröl Rizinusöl & Menthol
  • Gut 1,8
4,3 von 5
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von 5
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Brauche ich überhaupt ein Rasiermittel, wenn ich mit meinem Rasierschaum zufrieden bin?

Preisbewusste werden Entscheidungsprobleme beim Kauf eines Rasieröls haben. Was sexy aufgemacht und verpackt ist, hat seinen Preis – oft bis zu 20 Euro pro 50 ml. Andererseits sind gute Öle auch sehr ergiebig und solche mit Tropfspender oder Pipette besonders sparsam zu dosieren. Wer zu Ölen mit Pumpspender tendiert, muss mit einer Schrulligkeit leben: Wer einen Pumphub entnimmt, hat meist mehr von dem Öl auf der Hand als gewünscht. Ein anderes Problem haben Allergiker oder empfindliche Menschen. Durch die eigentlich zum Kühlen oder Desinfizieren gedachten Inhaltsstoffe wie Menthol oder Teebaumöl kann es zu Haut- und Augenreizungen kommen. Um Risiken zu minimieren, sollten Sie in diesem Fall auf duftneutrale Produkte zurückgreifen. Übrigens ist der Duft eines Rasieröls ein Streitpunkt für sich. Was für den einen nach Medizinalrat oder Maschinenöl riecht – so ein User zum Somersets Shaving Oil –, kann für den anderen lieblich duften. Probieren Sie es aus.

Hartgesottene brauchen nicht unbedingt ein Rasiermittel. Zur Not macht auch Kernseife die Barthaare weich – anders als übliche Haushaltsseife oder Haarshampoo. Hautschonende Eigenschaften sind dabei jedoch nicht zu erwarten. – Stiftung Warentest

Es juckt? Unser Favorit für alle, die ihr Rasieröl auch als Bartöl tragen.

Sensitive Advanced Shave Oil
  • Gut 1,7
  • 0 Tests
  • 296 Meinungen
King of Shaves Sensitive Advanced Shave Oil
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Fazit

Um die Vorteile von Rasierölen zu beschreiben, reicht ein Satz nicht aus. Das Desinfizieren von Mikroverletzungen dank enthaltener Polyphenole gehört dazu, das Aufweichen drahtigen Barthaars, die ausgeprägte Feuchtigkeitsspende und Gleitschicht zwischen Haut und Klinge. Es entstehen weniger Hautirritationen, weil Rasieröl einen Schutzfilm über die Haut legt. Öl gleicht die durchs Shampoo entfernte Talgschicht des Haares aus und richtet das Haar auf. Die besten Rasieröle enthalten nur naturreine pflanzliche Öle, setzen auf pflegende Substanzen und kommen ohne Chemie aus. Aus diesem Grund sind die Rückmeldungen von Anhängern der Intimrasur voller Begeisterung, manche Öle werden euphorisch weiterempfohlen. Auch vor der Trockenrasur können Sie ein Rasieröl  auftragen – wenn Ihr Gerät dafür geeignet ist.

Richtig rasieren mit Rasieröl: So geht's glatt

Pre-Shave mit weißem Handtuch auf dem Gesicht Zum Pre-Shave gehört das Aufweichen des Barts unter einer heißen Gesichtskompresse. (Bildquelle: Renee Olmsted from pixabay.com)

  1. Vorbereitung ist alles: Die Reinigung ist der erste und wichtigste Schritt. Talg, Fett und andere Rückstände sollten restlos verschwinden. Je nach Hauttyp nehmen Sie dafür am besten Waschlotion oder milde Seife und warmes Wasser. Vom Barbier bekommen Sie meist auch eine heiße Gesichtskompresse aufgelegt und Entspannung verordnet. Die Wärme öffnet die Poren und die aufgeweichten Barthaare treten hervor. Das erleichtert die Rasur und reduziert die Entzündungsgefahr.
  2. Rasieröl auftragen: Entnehmen Sie dem Fläschchen ein paar Tropfen Öl, drei bis vier reichen zunächst. Verreiben Sie es zwischen den Handflächen und massieren sie es gründlich in den Bart und die angrenzende Haut ein. Geben Sie ihm etwas Zeit zum Einwirken, mindestens eine halbe Minute. Freunde der traditionellen Bartkultur gönnen sich in dieser Phase eine weitere Abdeckung mit einem warmen Handtuch.
  3. Ran ans Messer: Das Öl hat jetzt seinen Schutzfilm aufgebaut und wirkt wie eine Barriere gegen das Messer und eindringende Keime. Ob Sie einen Nassrasierer, einen Rasierhobel oder ein Rasiermesser verwenden, ist Ihre Sache. Wichtig ist nur, dass Sie nur scharfe Klingen verwenden und diese während der Rasur immer wieder mit heißem Wasser abwaschen. Falls nötig, geben Sie während der Rasur noch ein, zwei Tropfen Rasieröl dazu, um die Rasurzone schön feucht zu halten.
  4. Sie haben doch Zeit, oder? Dann legen Sie sich nach dem Entfernen der Barthaare noch eine kalte Kompresse auf die Gesichtshaut. Sie beruhigt die Haut und führt, bei Bedarf zusammen mit einer Augencreme und Gesichtscreme, zum perfekten Gentleman-Look zuhause. Generell gilt: Nehmen Sie sich Zeit. Ihre Haut dankt es Ihnen.

„Sie lieben doch eine scharfe Rasur, Mister Bond“ - Pussy Galore in Goldfinger (1965)

Zu den besten Rasierölen