Das Klimakterium, umgangssprachlich auch Wechseljahre genannt, stellt keine Krankheit dar. Vielmehr handelt es sich dabei um einen natürlichen Prozess hormoneller Veränderungen im späteren Leben einer Frau, vergleichbar mit der Pubertät in der Jugendzeit. Die dabei auftretenden Symptome können in ihrer Intensität stark variieren und zeitlich sehr unterschiedlich verlaufen. Während einige Frauen bereits um das 40. Lebensjahr erste Anzeichen bemerken, treten andere erst Mitte der 50er Jahre in Erscheinung. In Deutschland befinden sich derzeit rund neun Millionen Frauen in den Wechseljahren.
Beschwerden
Von den häufigsten Beschwerden sind Hitzewallungen zu nennen, die oft mit intensiven Schweißausbrüchen verbunden sind und bei bis zu 80 Prozent aller Frauen in der Perimenopause auftreten – im Schnitt über einen Zeitraum von sieben bis neun Jahren. Diese können über längere Zeit die nächtliche Erholung erheblich stören und anhaltende Schlafprobleme verursachen, was wiederum zu nervlichen Belastungen und gereizter Stimmung führen kann. Begleitend sind Stimmungsschwankungen, ein sinkendes Selbstwertgefühl bis hin zu Depressionen möglich. Dabei ist zu beachten: Depressionen treten im Klimakterium nicht zwingend häufiger auf als in anderen Lebensphasen; Frauen mit einer Vorgeschichte depressiver Episoden sind jedoch anfälliger. Zudem kann ein Libidoverlust auftreten, der in Verbindung mit einer Ausdünnung der Scheidenschleimhaut Schmerzen beim Geschlechtsverkehr hervorrufen kann – muss aber nicht zwangsläufig der Fall sein. Die Bandbreite möglicher Beschwerden ist breit und umfasst zudem Muskelschmerzen, Gewichtszunahmen, Haarausfall am Kopf bei gleichzeitig verstärktem Haarwuchs im Gesicht sowie Konzentrations- und Gedächtnisbeeinträchtigungen. Verlängerte Menstruationsphasen, die sich über mehrere Wochen ziehen, vermindern das allgemeine Wohlbefinden. Aktuelle Forschung zeigt zudem, dass in der Peri- und Postmenopause auch HNO-bezogene Veränderungen auftreten können, darunter eine Verschlechterung des Hörvermögens in hohen Frequenzen sowie häufigere schlafbezogene Atemstörungen – ein bisher wenig beachtetes Thema. Dabei ist es zumindest ein kleiner Trost, dass nicht alle Symptome zwangsläufig auftreten müssen.Behandlung
Regelmäßige Bewegung – insbesondere Krafttraining – kann das allgemeine Wohlbefinden verbessern und trägt nachweislich zum Erhalt der Knochendichte bei. Entspannungsübungen wie Yoga erweisen sich als hilfreich bei nervösen Belastungen. Ergänzend empfehlen Fachleute eine ausgewogene Ernährung mit wenig Alkohol, Koffein und sehr heißen Speisen, da diese Hitzewallungen begünstigen können.Hormonersatztherapie (HRT)
Die Hormonersatztherapie (HRT) galt lange als umstritten, vor allem infolge einer großen US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2002 (Women's Health Initiative), die erhöhte Risiken für Brustkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachwies. Diese Einschätzung hat sich seither erheblich gewandelt: Die Ergebnisse der damaligen Studie wurden zwischenzeitlich methodisch relativiert, da die Probandinnen im Durchschnitt bereits 63 Jahre alt waren und keine aktiven Wechseljahresbeschwerden hatten. Die aktuelle S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie die Empfehlungen der Internationalen Menopause Gesellschaft (IMS, 2022) stufen die HRT heute als die wirksamste Behandlung bei ausgeprägten Wechseljahresbeschwerden ein – insbesondere gegen Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen und vaginale Trockenheit. Moderne HRT-Präparate sind deutlich individueller dosierbar als früher. Wichtig: Der Zeitpunkt des Therapiebeginns spielt eine entscheidende Rolle. Wird die HRT kurz nach Einsetzen der Wechseljahre und vor dem 60. Lebensjahr begonnen, überwiegt in der Regel der Nutzen. Transdermale Anwendungsformen (Pflaster, Gel) gelten als risikoärmer bezüglich Thrombosen und Herz-Kreislauf-Ereignissen als orale Präparate. Frauen mit einer Brustkrebsvorgeschichte sollten grundsätzlich keine systemische Hormontherapie erhalten, es sei denn, andere Therapieoptionen waren wirkungslos und die Entscheidung wird gemeinsam mit dem behandelnden Arzt getroffen. In jedem Fall gilt: Eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung im Gespräch mit der Gynäkologin oder dem Gynäkologen ist unerlässlich.Für lokale Schleimhautveränderungen (z. B. vaginale Trockenheit) stehen niedrig dosierte vaginale Östrogenpräparate zur Verfügung, die auch dann angewendet werden können, wenn eine systemische Hormontherapie nicht infrage kommt. Ergänzend sind vaginales Dehydroepiandrosteron sowie das oral einnehmbare Ospemifen als zugelassene Alternativen verfügbar.
Neue nicht-hormonelle Therapieoption: Elinzanetant (Lynkuet)
Für Frauen, die keine Hormontherapie anwenden können oder möchten, steht seit November 2025 eine neue nicht-hormonelle Behandlungsoption zur Verfügung: Elinzanetant (Handelsname Lynkuet, Hersteller Bayer) ist als dualer Neurokinin-1- und -3-Rezeptorantagonist der erste nicht-hormonelle Wirkstoff, der die neuronale Temperaturregulierung im Hypothalamus direkt beeinflusst und damit Hitzewallungen und Schlafstörungen reduziert. In Deutschland ist Lynkuet seit dem 1. April 2026 erhältlich. Die Zulassung umfasst auch Beschwerden, die im Rahmen einer endokrinen Brustkrebstherapie auftreten – eine Patientengruppe, die bislang kaum Therapieoptionen hatte. Ein weiteres zugelassenes Präparat dieser Wirkstoffklasse ist Fezolinetant (Veoza). Beide Wirkstoffe stellen eine bedeutende Erweiterung des Therapiespektrums bei Wechseljahresbeschwerden dar.Pflanzliche Präparate
Häufig werden pflanzliche Präparate empfohlen, die eine östrogenähnliche Wirkung besitzen können. Dabei ist es wichtig, sich vor der Einnahme sorgfältig über die Inhaltsstoffe der meist als Kombinationspräparate angebotenen pflanzlichen Medikamente zu informieren und stets ärztlichen Rat einzuholen, insbesondere wenn Vorerkrankungen bestehen oder weitere Medikamente eingenommen werden.Ein bekanntes Beispiel ist die Traubensilberkerze (botanisch: Actaea racemosa, früher Cimicifuga racemosa). Entgegen früherer Annahmen wirkt sie nach aktuellem Forschungsstand nicht primär über Östrogenrezeptoren, sondern über das zentrale Nervensystem, vermittelt durch Dopamin- und Serotoninrezeptoren. Dies ist für Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs relevant: Neuere Daten deuten darauf hin, dass eine Kontraindikation nicht mehr generell gilt, und die kombinierte Einnahme mit Tamoxifen möglicherweise sogar sinnvoll sein könnte – dies ist jedoch unbedingt mit dem behandelnden Arzt abzustimmen. Unverändert gilt: Traubensilberkerze kann in seltenen Fällen schwere Leberschädigungen verursachen. Seit dem 1. September 2009 sind alle Präparate mit diesem Wirkstoff – einschließlich homöopathischer Zubereitungen bis zur Verdünnungsstufe D2 – gesetzlich verpflichtet, einen entsprechenden Warnhinweis zu tragen. Dieser weist darauf hin, dass die Einnahme sofort zu beenden und ein Arzt aufzusuchen ist, wenn Anzeichen einer Leberschädigung auftreten, zum Beispiel Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin, Müdigkeit oder Übelkeit. Eine Selbstbehandlung sollte nicht länger als drei Monate ohne ärztliche Kontrolle erfolgen; bei bestehenden Lebererkrankungen ist die Einnahme kontraindiziert. Diesen Warnhinweis sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, da eine langfristige Einnahme häufig erfolgt.