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Teilchen gegen fliegendes Haar: Was kann ein Ionen-Haartrockner?
Ionen sollen gegen elektrostatisch aufgeladenes Haar helfen – das gelingt in Tests auch bei preiswerten Modellen wie dem KHD 4221 AC von Koenic, dem Preis-Leistungs-Sieger im Stiftung-Warentest-Haartrockner-Test 2023. (Bild: saturn.de)
Fangen wir mit einer ziemlich sicheren Aussage an: Im Gehäuse der Ionen-Haartrockner erzeugt ein Generator ein elektrisches Feld mit hoher Spannung. Darin entstehen negativ geladene Teilchen, die der Luftstrom mitreißt. Die Ladungen im Haar gleichen sich aus.
Die Werbung sagt: Ionen neutralisieren positiv geladene Teilchen, die das Haar sonst knistern und fliegen lassen. Abstehende Haare legen sich wieder hin. Manche Hersteller sprechen auch vom schnelleren Trocknen: Weil Ionen die Feuchtigkeit in kleinste Wassermoleküle aufspalten, soll Feuchtigkeit schneller im Haarschaft aufgenommen werden oder an der Oberfläche verdunsten.
Ionen-Haartrockner im Test: Besser als „normale“ Föhne?
Die Stiftung Warentest untersucht Ionen-Haartrockner nach dem gleichen Prüfschema wie herkömmliche Modelle. Die Geräte müssen nachweisen, dass sie elektrostatisch aufgeladenes Haar effektiv bändigen und gut frisieren. Darüber hinaus muss sich ein Ionen-Föhn an Versprechen wie mehr Weichheit, Glanz, Geschmeidigkeit und schnellerem Trocknen messen lassen.Die Testergebnisse zu Ionen-Haartrocknern zeigen:
- Im Test (Stiftung Warentest 1/2023) wurden ausschließlich Ionen-Haartrockner geprüft – alle 14 Modelle verfügten über eine Ionenfunktion. Alle schafften es, knisternde Mähnen zu entladen.
- Testsieger ist der Dyson Supersonic HD07 mit der Note „gut“. Er ist mit Abstand das teuerste Gerät im Test. Für schmale Geldbeutel empfiehlt sich der Koenic KHD 4221 AC als Preis-Leistungs-Sieger mit ebenfalls guter Note.
- Eindeutig überlegen sind Ionen-Haartrockner aber nicht in allen Vergleichspunkten. Loben die Hersteller mehr aus als den Anti-Statik-Effekt, sollten Sie genau abwägen: Hinsichtlich Volumen, Glanz oder Weichheit der Haare zeigten sich kaum Unterschiede zwischen Föhnen mit und ohne Ionen.
- Fünf von 14 getesteten Geräten erhielten die Note „mangelhaft“ – auch teure Modelle sind also kein Garant für Qualität.
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Ein Ionen-Föhn muss vor allem gut frisieren
Eine weitere Erkenntnis aus dem Haartrockner-Vergleich: Zwischen Technik, Qualität und Preis besteht kein direkter Zusammenhang. Viele Hersteller versuchen, sich mit der Ionentechnik ein Alleinstellungsmerkmal zu sichern, doch in Tests ist die Ionenfunktion kein eigenständiger Prüfpunkt. Die Stiftung Warentest beurteilt nur allgemein, wie ein Haartrockner mit elektrostatisch aufgeladenem Haar umgeht. Jeder Föhn muss die Prüfkapitel Frisieren, Handhabung, Haltbarkeit, Sicherheit und Schadstoffe durchlaufen – das sind die entscheidenden Kriterien, nicht das Marketingversprechen.Ionen im Föhn: Alles nur heiße Luft?
Weil selbst teure Ionen-Haartrockner im Test nicht in allen Punkten überzeugen, hat das Konzept an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Ein Beispiel: Der BaByliss 6610E war für professionelle Ansprüche gedacht. Weil aus ihm aber zu heiße Luft strömt, die das Haar austrocknet und die Ionenwirkung aufzehrt, war er im Test nur „befriedigend“.Andererseits gibt die Tatsache, dass etliche Modelle ohne Ionen mangelhaft abschneiden, dem Vergleich zwischen beiden Varianten einen interessanten Drall. Im Ergebnis rät die Stiftung Warentest Personen mit trockenen, spröden Haaren, die Ionentechnik zu vernachlässigen und das Haar stattdessen mit speziellen Aufbaumasken zu pflegen.
Unser Tipp: Würde das Haar tatsächlich schneller trocknen, täte ihm das gut – je kürzer der Kontakt mit heißer Föhnluft, desto schonender der Trocknungsprozess. Haben Sie feines Haar, empfehlen wir ein Modell mit abschaltbarer Ionen-Funktion: Dünnes Haar kann durch die Ionenwirkung an Volumen verlieren, und die Möglichkeit zum Experimentieren ist hier besonders wertvoll.
Der Braun Satin Hair 7 HD 710 war in einem früheren ETM-Test Testsieger; im Stiftung-Warentest-Test 2023 landete das Nachfolgemodell HD770 auf Platz 3. (Bild: amazon.de)
Ionen-Haartrockner im Nutzercheck: Nur ein bestimmter Haartyp profitiert von Ionen
Kundenbewertungen zeigen, dass vor allem ein bestimmter Haartyp von den negativ geladenen Teilchen profitiert. Frauen mit kräftigem, längerem Haar berichten von glättenden Effekten: Das Haar wirke insgesamt gepflegter und weniger stark aufgeladen. Auch bei der Trocknungszeit setzt die Ionenfunktion Pluspunkte: Kürzere Trocknungszeiten haben einen pflegenden Nebeneffekt.Weniger bestätigt wird dagegen das Versprechen, die nach dem Trocknen verbliebenen Wassertröpfchen seien dank Ionentechnik so klein, dass sie vom Haarschaft aufgenommen werden könnten. Das klingt plausibel, ist aber wissenschaftlich nicht belegt.
Kann ein Haartrockner mit Ionen auch riskant sein?
Die Bedenken gegenüber Ionen-Föhnen beruhen vermutlich darauf, dass in Tests Föhne mit und ohne Ionen gleichermaßen Sicherheitsprobleme zeigen können. Unter den getesteten Stichproben befanden sich Geräte, die im Falltest gescheitert sind, Kurzschlüsse produzieren, die Dauerprüfung nicht bestehen, Haare in den Ventilator einsaugen oder Stichflammen produzieren. Diese Probleme betreffen billige und teure Modelle gleichermaßen.Testmagazine beurteilen deshalb auch Luftaustrittstemperatur, Bruchstabilität und das gesunde Aussehen des frisierten Haars. Spezifische Ängste mancher Verbraucher:innen – etwa vor Gedankenkontrolle durch Ionen oder körperlicher Schädigung durch das Hochvoltfeld – sind dagegen haltlos. Gesundheitliche Auswirkungen dieser Art sind bislang nicht nachgewiesen.


























