Das Wichtigste auf einen Blick:
- Am besten in allen Schlafpositionen bequem
- Für Bauchschläfer: je flacher, desto besser
- Kissenhöhe bemisst sich u. a. nach der Schulterbreite
- Stiftung Warentest: Anpassungsmöglichkeiten eines Nackenkissens sind Plus
- Wegen Selbstreinigungseffekts ist Schafschurwolle gut geeignet für Schwitzer
- Öko-Test: Ein Schadstoff ist auffällig
Wer vermeiden möchte, dass Kunststofffüllungen beim Waschen als Mikroplastik in die Umwelt gelangen, greift zu Kissen mit Baumwollfüllungen. Öko-Test empfiehlt Naturkissen wie das „sehr gute“ Allnatura Cotona Medicott. (Bild: allnatura.de)
Hersteller bieten bei Materialien und Füllungen eine breite Auswahl: Kaltschaum, Formschaum, Viscoschaum, Daunen, Latex, Baumwolle, Schurwolle und sogar Zirbenholz sind unter den Kissenbezügen zu finden. Die Füllungen kommen in Form von flachen, gewellten oder genoppten Platten, Fasern, Kügelchen oder Kugeln vor. Wie soll man da die richtige Kaufentscheidung treffen? Glücklicherweise beschäftigen sich auch Fachzeitschriften immer wieder mit dem Thema. Besonders Öko-Test und Stiftung Warentest prüfen in unregelmäßigen Abständen verschiedene Kissenmodelle.
Kissen im Vergleich: Welche Aspekte sind Testredaktionen wichtig?
Geprüft werden Kissen, besonders orthopädische Nackenstützkissen, anhand entscheidender Kriterien wie Stützkraft für Rücken- und Seitenschläfer:innen oder für Köpfe mit verschiedenem Stützbedarf. Im Labor testen die Profis die Kissen auf Klimaverhalten, Langlebigkeit und Schadstofffreiheit. Öko-Test lässt die Kissen zudem durch das Waschlabor laufen, da Kissen durch Schwitzen belastet werden und Hausstaubmilben darin ideale Bedingungen vorfinden.Da Bettzeug – egal welche Bezüge – ständig mit unserem Körper in Berührung kommt (unter anderem mit Schweiß, Speichel und Hautschuppen), können sich mit der Zeit Keime in Decken und Kissen ansammeln. – Öko-Test
Komfort in jeder Schlafposition ist entscheidend
Hersteller werben oft damit, dass ihr Kissen speziell für Bauch-, Rücken- oder Seitenschläfer:innen geeignet sei, und heben gesundheitliche Vorteile für den jeweiligen Schlaftyp hervor. Doch beim Blick auf Testtabellen der Waren- und Öko-Tester:innen zeigt sich: Nicht das Füllmaterial ist ausschlaggebend, sondern die formgerechte Anpassung an die Halswirbelsäule. Kopfkissen, deren Füllmenge individuell anpassbar ist, bieten sowohl Seiten- als auch Rückenschlafenden mit schmalen oder breiten Schultern eine ergonomische Unterstützung. Trotz der Marketingstrategien der Hersteller, die Kissen als äußerst innovatives Produkt positionieren: Die Art der Füllung spielt für die bevorzugte Schlafhaltung eine eher untergeordnete Rolle.Schlafhaltungen im Überblick: Welches Kissen passt zu Bauch-, Rücken- oder Seitenschläfer:innen?
Je nach bevorzugter Schlafposition haben Schlafende unterschiedliche Ansprüche an ihre Unterlage, was Matratze und Kopfkissen betrifft. Die wichtigste Aufgabe eines Kissens ist es, den Raum zwischen Kopf und Matratze so zu füllen, dass die Halswirbelsäule gerade liegt. Dieser Abstand wird von der Schulterbreite, der Einsinktiefe der Matratze und der Schlafposition bestimmt. Zum Beispiel benötigen breite Schultern bei einer festen Matratze ein etwas höheres Kissen. Rückenschläfer bevorzugen eher niedrige Kissen, während Bauchschläfer oft auf ein Kissen verzichten. Die Stiftung Warentest berücksichtigt in ihren Testtabellen sowohl verschiedene Schlaftypen als auch unterschiedliche Körper- und Matratzentypen.Das Kopfkissen sollte zur Matratze passen. Testen Sie nach Möglichkeit im Fachhandel mehrere Kissen zusammen mit einer Matratze mit ähnlicher Härte wie Ihrer eigenen. Auch beim Onlinekauf können Sie das Kissen zu Hause ausprobieren und bei Bedarf vom Rückgaberecht Gebrauch machen.
Das Daunenkissen Frieda von Billerbeck trägt das Umweltzeichen Blauer Engel. Dieses steht für ethisch verantwortungsvolle Daunengewinnung ohne Stopfleberproduktion und Lebendrupf. (Bild: billerbeck.shop)
Was Sie über Kissen wissen sollten: Weichheit, Wärmespeicherung und Atmungsaktivität
Die Füllung bestimmt maßgeblich, wie fest ein Kissen ist und wie gut es den Kopf stützt. Daunen sind Unterfedern mit kurzem Kiel und weichen, langen Federästen ohne Häkchen, wodurch sie dem Kissen deutlich mehr Elastizität verleihen als Federn oder Kunststoffe. Bei Füllungen, die Federn und Daunen mischen – wie sie oft verwendet werden – empfiehlt sich ein genauer Blick auf deren Anteil.Grundregel: Federn machen ein Kissen fester, Daunen weicher und elastischer.
Allerdings sind Daunen und Federn zwar weich, aber für Menschen, die schnell schwitzen, nicht optimal. In solchen Fällen sind Füllungen mit hoher Luftzirkulation wie Dinkel oder Hirse empfehlenswert, da sie Feuchtigkeit gut binden und ableiten und somit ein angenehmes Schlafklima schaffen. Auch Schurwolle leitet Feuchtigkeit effektiv nach außen und bietet gleichzeitig eine gute Wärmeisolation. Ähnliche Vorteile bieten einige Kunstfasern wie Hollofil, das Feuchtigkeit aufnimmt und temperaturausgleichend wirkt. Daher wird es auch für Schlafsäcke verwendet.
Außen Baumwolle, innen Polyester: Das Billerbeck-Kopfkissen Basic 520 Alcando ist bis 60 °C waschbar. Das ist gut für Allergiker. Im Test schneidet es „gut“ ab. (Bild: amazon.de)
Was ist empfehlenswerter: Naturfasern oder Synthetik?
Obwohl oft teurer und gelegentlich weniger langlebig, empfiehlt Öko-Test eindeutig Naturfüllungen wie Latex oder Biowolle. Besonders Polyester gilt aus zwei Gründen als problematisch: Es enthält häufig das krebserregende Halbmetall Antimon und kann beim Waschen feine Partikel freisetzen, die als Mikroplastik in die Umwelt gelangen.Wenn Sie auf Naturmaterialien setzen möchten, ist Schafschurwolle eine gute Wahl. Naturbelassene Schafschurwolle, beispielsweise als kleine Kügelchen und idealerweise aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT), reguliert Feuchtigkeit hervorragend, sorgt für ein angenehmes Klima und bleibt dank ihres selbstreinigenden Effekts hygienisch. Eine Reinigung ist nicht nur überflüssig, sondern kann sogar schaden, da die schützende Lanolin-Schicht (Wollwachs), die Schmutz und Bakterien abweist, entfernt werden kann. Beachten Sie stets die Pflegehinweise des Kissenbezugs.
Wer großen Wert auf Wärmespeicherung bei gleichzeitig guter Atmungsaktivität legt, kann auf Daunenkissen von Eiderenten zurückgreifen. Im Unterschied zu Schafwolle besitzen Daunen allerdings keine selbstreinigenden Eigenschaften.
Sind synthetische Füllungen gut oder verzichtbar?
Die Wahl der Materialien hängt letztlich vom persönlichen Geschmack ab. Schwitzen Sie viel, können Polyester-Voll- oder Mikrofasern besser geeignet sein. Synthetische Hohlfasern besitzen eingebaute Luftkanäle, die sie besonders atmungsaktiv, weich und flauschig machen. Insgesamt braucht man keine Scheu vor den günstigen Kunststoff-Kissenfüllungen haben, und zwar weder was Hygiene noch Verarbeitung angeht. Die meisten Kunststoff-Kopfkissen sind bis 60 oder sogar 95 °C waschbar. Naturkissen mit Daunen und Federn sowie Kissen aus Kamel-, Ross- oder Hanfhaaren, Kapok, Schafwolle, Baumwolle, Naturlatex, Dinkel- oder Obstkernen sprechen vor allem Menschen an, die bewusst auf ökologische Materialien setzen.Auch für Allergiker:innen geeignet
Pflegeleichte und hautfreundliche Materialien, die Waschtemperaturen von mindestens 60 °C tolerieren, sind für Menschen mit Allergien empfehlenswert. Die meisten Kopf- und Nackenstützkissen auf dem Markt sind hygienisch waschbar, weshalb frühere Warnungen, dass Daunen- und Federfüllungen für Allergiker:innen ungeeignet seien, an Bedeutung verlieren. Sie können also ganz nach Ihren Vorlieben wählen, ob Sie Federn, Daunen oder synthetische Füllungen bevorzugen.Auch der Bezug spielt eine Rolle: Ist er abnehmbar und waschbar, schneiden entsprechende Nackenkissen in Stiftung Warentest gut ab. Beispiele für empfehlenswerte Modelle sind etwa der Testsieger Diamona Climatic sowie das ebenfalls mit „gut“ bewertete Dormabell Cervical. Ihre Bezüge schrumpfen nicht nach dem Waschen und sind hochwertig verarbeitet.
Für Hausstaubmilben-Allergiker:innen sind spezielle Schutzbezüge, sogenannte Encasings, sinnvoll. Sie verhindern, dass Hautschuppen ins Kissen gelangen, und entziehen den Milben so die Nahrungsgrundlage. Wer diese „Folienoptik“ nicht mag, sollte auf komplett waschbare Kissen zurückgreifen. Kissen mit Wollfüllung sind meist nicht komplett waschbar, lediglich die Bezüge können gewaschen werden.
Für verspannte Nacken: Ein schmales Nackenstützkissen mit Kopfmulde unterstützt die Halswirbelsäule in einer geraden Position. (Bild: tempur.com)
Vorsicht vor übertriebenen Heilsversprechen
Ein „perfektes“ Kissen für Bauch-, Rücken- oder Seitenschläfer:innen existiert nicht. Dennoch zeigen sich Tendenzen: Für Seiten- und Rückenschlafende sind Nackenkissen oft ideal. Dabei bleiben die Schultern auf der Matratze, während der Kopf höher gelagert wird. Besonders für Seitenschläfer:innen ist das Format 40 x 80 cm besser geeignet als das traditionelle 80 x 80 cm, bei dem die Schultern mit aufliegen und eine ungünstige Position gefördert wird.Bauchschläfer:innen sollten folgende Faustregel beachten: Je flacher das Kissen, desto angenehmer. Auf dem Bauch schlaffende Menschen verschränken meist die Arme unter dem Kissen, was mit einem speziellen Bauchschläfer-Kissen in Schmetterlingsform erleichtert wird.
Heilsversprechen, wonach spezielle Kissen bei Migräne, Bindegewebsschwäche, Rheuma oder Magen-Darm-Problemen helfen, sind kritisch zu betrachten. Oft entpuppen sie sich als irreführend und können in Einzelfällen sogar unzulässig sein.
Ein Nackenkissen löst nicht immer Verspannungen und ist nicht für jeden geeignet. – Stiftung Warentest
Konturkissen eignen sich für alle, die sich im Schlaf viel bewegen. Sie können bei Verspannungen helfen. Solche festen Funktionskissen sind meist nicht waschbar. (Bild: amazon.de)
















































