Planet-Earth-First-Zettel von Greenpeace an Stahlmast (Bildquelle: Pexels / Lauris Rozentāls)

Umweltsiegel und ihre Bedeutung

Seit März 2021 gilt das neue EU-Energielabel – die Klassen A+++ bis D fallen weg, stattdessen setzt das Label auf eine konsequentere Einteilung von A bis G. Wer umweltfreundlichere Elektrogeräte kaufen und sich so aktiv am Umweltschutz beteiligen will, hat weitere Optionen, diese zu erkennen. Wir stellen Ihnen vier Umweltsiegel vor und erklären, was sie bedeuten.

Blauer Engel: Das Umweltzeichen des Bundesumweltministeriums

„Blauer Engel“-Plakat an Gebäude Seit 1978 gibt es das Umweltsiegel „Blauer Engel“ bereits. (Bildquelle: blauer-engel.de)

Mit mehr als 40 Jahren (seit 1978) auf dem Buckel gehört das Umweltzeichen „Blauer Engel“ zu den ältesten Umweltlabels in Deutschland. Es soll Verbrauchern als Orientierungs-Kompass dienen, um umweltbewusstere Produkte und Dienstleistungen zu erkennen. Gestützt wird das Umweltsiegel von vier unterschiedlichen Institutionen: dem Bundesumweltministerium als Zeicheninhaber, das ebenfalls die Jury Umweltzeichen benennt, dem Umweltbundesamt für den fachlichen Input, die Jury Umweltzeichen, die unter anderem über die Aufnahme neuer Produktgruppen entscheidet und die RAL gGmbH für die Kriterienprüfung und die Vergabe des „Blauen Engels“. Der Kriterienkatalog wird abhängig von der jeweiligen Produktgruppe erstellt. Auf diese Weise rückt bei Waschmaschinen die Wasser- und Energieeffizienz stärker in den Fokus, während bei Wandfarben unter anderem auf Schadstoffe geachtet wird.

Interessant zu wissen: Die Prüfung der Kriterien erfolgt nicht nur anhand des Produktes selbst, sondern vollzieht sich über dessen gesamten Lebensweg und umfasst ebenso die Rohstoffgewinnung als auch die Herstellung und Lebensdauer. Zudem werden die Kriterien alle drei bis vier Jahre erneuert. Halten bereits zertifizierte Produkte den neuen Kriterien nicht stand, entzieht man ihnen das Siegel wieder. Aktuellen Entwicklungen wird somit größtenteils Rechnung getragen.

Zu den zertifizierten Produkten zählen etwa: Bürogeräte wie Drucker, Haushaltsgeräte,  Malerwerkzeuge wie Farben oder Papiererzeugnisse. Die Produktpalette finden Sie direkt auf der Webseite des „Blauen Engel“.

Das sollten Sie beim „Blauen Engel“ wissen

Entscheiden Sie sich für ein Produkt mit diesem Umweltsiegel, sollten Sie beachten, dass dieses nicht zu 100 % umweltfreundlich sein muss. Wie die Webseite des „Blauer Engel“ in ihren FAQ selbst angibt, handelt es sich bei den zertifizierten Produkten um Waren, die im Vergleich zu ähnlichen Modellen der Produktgruppe „umweltverträglicher sind“. Damit ist das Gerät zwar nicht perfekt, in den meisten Fällen aber besser, als Produkte ohne Siegel. In den meisten Fällen? Genau. Da das Siegel freiwillig ist, gibt es auf dem Markt durchaus Geräte, die unter Umständen umweltfreundlicher sind als das Produkt, das Sie anhand des Umweltsiegels ausgewählt haben.

Die Vor- und Nachteile des „Blauen Engel“ im Überblick:

Stärken
  1. Prüfung des gesamten Lebenszyklus
  2. Kriterien alle drei bis vier Jahre überarbeitet
  3. Siegel werden bei jeder Kriterien-Änderung geprüft
  4. Prüfung durch Instutition
Schwächen
  1. Freiwillig

Energy Star: Das Energieeffizienzlabel aus Amerika

Energy Star Logo Seit 1992 zeichnet der „Energy Star“ energieeffiziente Elektrogeräte aus. (Bildquelle: wikipedia.org)

Bereits seit 1992 zeichnet die US-Umwelt­schutzbehörde „Environmental Protection Agency“ (EPA) verschiedene Elektrogeräte mit dem Energieeffizienzlabel „Energy Star“ aus. Laut der „Energy Star“-Webseite umfasst die Produktpalette neben Kühlschränken und Fernsehern auch Geräte wie Computer und Monitore. Dem Umweltbundesamt zufolge bietet es damit eine gute Orientierung bei Produkten, für die es „(noch) keine verpflichtende EU-Energieverbrauchskennzeichnung gibt“. Da das Siegel weltweit genutzt wird, haben Sie die Möglichkeit, auch im Bürobedarf nach energiesparenden Geräten zu suchen. Zwischen 2003 und 2018 wurden Geräte auch innerhalb der EU mit dem Label ausgewiesen – die Vergabe erfolgte durch die Europäische Gemeinschaft. Obwohl das Programm eingestellt ist, sind die zugeteilten Siegel weiterhin zulässig.

Wie bei einem Energieeffizienslabel nicht anders zu erwarten, liegt der Kriterien-Schwerpunkt des „Energy Star“ auf dem Energieverbrauch der einzelnen Geräte. Dabei richten sich die Vorgaben an die Stromsparrichtlinien der EPA und des US-Energieministeriums. Eine Liste der bis 2018 in Europa gelabelten Produkte finden Sie auf der Webseite der European Commission.

Das sollten Sie beim „Energy Star“ beachten

Kaufen Sie ein Produkt mit „Energy Star“-Label sollten Sie im Hinterkopf behalten, dass es sich um ein freiwilliges Energieeffizienzsiegel handelt. Problematisch erscheint dabei, dass die Hersteller ihre Geräte für den Nachweis selbst prüfen und lediglich die Ergebnisse an das „Energy Star“-Büro übermitteln. 100%-Sicherheit haben Sie also nicht. Zudem wird von einigen Seiten bemängelt, dass die Kriterien nicht streng genug sind und Bereiche wie etwa der Umweltschutz oder die sozialen Bedingungen nicht geprüft werden.

Die Vor- und Nachteile des „Energy Star“ im Überblick

Stärken
  1. Auf Produkten (noch) ohne EU-Energieverbrauchslabel
  2. Achtet auf besonders energiesparsame Geräte
Schwächen
  1. Freiwillig
  2. Prüfung geschieht durch Hersteller
  3. Kriterien nicht streng genug

„TCO Certified“-Siegel: Prüfsiegel-Urgestein für Green-IT-Aspekte

TCO Certified Siegel Produkte mit „TCO-Certified“-Siegel sind auf ökologische und soziale Kriterien geprüft. (Bildquelle: tcocertified.de)

Inhaber und Vergeber des schwedischen „TCO Certified“-Siegels ist die TCO Development, eine Tochterfirma von Tjänstemännens Centralorganisation (TCO). Auf den ersten Blick hat das Siegel einiges mit dem „Energy Star" aus den USA gemeinsam: Beide werden seit 1992 vergeben und weisen Büroartikel wie etwa Monitore und Computer aus – wobei das „TCO Certified“-Siegel ebenfalls an Büroprodukte wie Bürostühle vergeben wird. Damit sind der „Energy Star“ und das „TCO Certified“ die ältesten bekannten Siegel, die IT-Produkte auf ihre Umweltfreundlichkeit hin bewerten und ausweisen. Unterschiede gibt es im Kriterienkatalog. Richtet sich der „Energy Star“ an besonders energieeffiziente Geräte, umfassen die Kriterien des „TCO Certified“-Siegels neben den ökologischen Gesichtspunkten der Herstellung  auch die sozialen und wirtschaftlichen Aspekte. Der Hersteller muss nicht nur ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem (ISO14001 oder EMAS) nachweisen können, sondern außerdem, dass die Verpackung recycelbar ist und bei der Herstellung kaum oder keine schädlichen Stoffe wie Blei oder Chlor verwendet werden.

Im sozialen Bereich ist der Hersteller verpflichtet, die Mindestanforderungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu erfüllen – hierunter zählt etwa die Möglichkeit einer Gewerkschaftsgründung. Kriterien wie Ergonomie und Energieeffizienz sind ebenfalls im Kriterienkatalog der TCO enthalten. Positiv: Hersteller, die das Siegel nutzen wollen, müssen ihre Produkte von Organisationen prüfen lassen, die sowohl unabhängig als auch zugelassen sind. Daneben prüft die TCO-Development stichprobenhaft, ob die Kriterien eingehalten werden. Das Siegel wird bei bestandener Prüfung für zwei Jahre vergeben – fällt der Hersteller in dieser Zeit negativ auf, kann er die Zertifizierung verlieren.

Die Vergabe des Siegels geschieht weltweit, sodass Sie auch innerhalb der EU gelabelte Produkte finden. Einen schnellen Einblick über bereits zertifizierte Geräte finden Sie auf der Webseite von TCO Certified. Interessant: Obwohl die Organisation auch Smartphones auszeichnet, haben in diesem Bereich noch keine Hersteller das Angebot genutzt.

Das sollten Sie beim „TCO Certified“-Siegel beachten

Entscheiden Sie sich für ein Produkt mit „TCO Certified“-Siegel, können Sie davon ausgehen, dass die Hersteller nach strengen sozialen und ökologischen Richtlinien geprüft wurden. Obwohl die Geräte damit umweltfreundlicher sind, sollten Sie – genau wie beim Siegel „Blauer Engel“ – bedenken, dass die Produkte deswegen nicht zu 100 % umweltschonend sind. Die Herstellung von Elektrogeräten bedingt weiterhin die Nutzung von schädlichen Stoffen. Dennoch ist das „TCO Certified“-Siegel ein guter Richtwert, um Geräte zu kaufen, die die Umwelt nicht zu stark belasten.

Die Vor- und Nachteile des „TCO Certified“-Siegels im Überblick

Stärken
  1. Umfangreicher Kriterienkatalog (ökologisch, sozial, wirtschaftlich)
  2. Geprüft durch unabhängige Institution
Schwächen
  1. Freiwillig

EU Ecolabel: Die Blume der EU

Euroblume-Logo Die „Euroblume“ ziert das Logo des „EU Ecolabel“. (Bildquelle: wikipedia.org)

Beim „EU Ecolabel“ handelt es sich um das 1992 eingeführte „Europäische Umweltzeichen“, das auch unter dem Namen „Euroblume“ bekannt ist. Geprüft werden Produkte des gewöhnlichen Gebrauchs wie etwa Elektrogeräte, Textilien oder aber Farben und Lacke – seit dem Jahr 2000 können sich auch Dienstleister durch die „Euroblume“ zertifizieren lassen. Der Kriterienkatalog verfolgt das Ziel, Produkte auszuloben, die in ihrem gesamten Lebenszyklus umweltfreundlicher sind als vergleichbare Waren. Durch die strengen Vorgaben bei genutzten Chemikalien erhalten etwa Produkte, die Chemikalien mit Kennzeichnungspflicht enthalten, kein Siegel. Die Produktzertifizierung geschieht freiwillig und wird durch Institute der jeweiligen Länder geprüft. Innerhalb Deutschlands ist neben dem Umweltbundesamt auch die RAL gGmbH für das EU Ecolabel zuständig.

Der Webseite des „EU Ecolabels“ zufolge, soll eine Überarbeitung der Kriterien alle vier Jahre stattfinden, um auf neue Entwicklungen zu reagieren. Eine Anpassung des Labels für Laptops geschah wegen geringer Nachfrage leider nicht, sodass die Kriterien ausgelaufen sind. Welche Produkte die „Euroblume“ tragen, erfahren Sie auf der Webseite des „EU Ecolabels“.

Das sollten Sie beim EU Ecolabel beachten

Genau wie alle Siegel verweist auch das EU Ecolabel lediglich auf Produkte, die im Vergleich zu gleichwertigeren Waren ummweltfreundlicher sind. Daneben sollten Sie beachten, dass das Label zwar auf den Umweltschutz achtet, in einigen Bereichen aber nicht konsequent auf soziale Kriterien. Die Webseite siegelklarheit.de der Bundesregierung weist darauf hin, dass das „EU Ecolabel – Papier“ beispielsweise Kinderarbeit nicht untersagt, während das „EU Ecolabel – Textilien“ keine begrenzten Arbeitszeiten vorschreibt.

Die Vor- und Nachteile der „Euroblume“ auf einen Blick

Stärken
  1. Prüfung des gesamten Lebenszyklus
  2. Strenge Auflage bei Chemikalien-Nutzung
  3. Durch Institute geprüft
Schwächen
  1. Freiwillig
  2. In einigen Bereichen mangelhafte Sozial-Kriterien

So finden Sie noch mehr nützliche Umweltsiegel

Wer nach umweltfreundlichen Produkten sucht, kann sich schnell im Wald aus Gütesiegeln, Logos und Umweltlabels verirren. Welches Label gibt Ihnen umfassend Auskunft über die Umweltverträglichkeit? Welches achtet zusätzlich auf die sozialen Aspekte? Wir stellen Ihnen zwei Webseiten vor, die bei der Einordnung helfen:

  • Label-Suche: Die Webseite label-online.de bietet Ihnen eine umfangreiche Auswahl an verschiedenen Labels. Sie suchen entweder konkret per Suchleiste nach einem Label oder nutzen die alphabetische Auflistungen, um durch die verschiedenen Siegel zu stöbern. Schön dabei: Neben einer verfeinerten Suche können Sie gezielt nach Labels mit dem gleichen Anfangsbuchstaben suchen. Nachdem Sie sich für ein Label entschieden haben, werden Ihnen die vorhandenen Informationen angezeigt.
  • Siegelklarheit: Die Webseit siegelklarheit.de der Bundesregierung gibt Ihnen ebenfalls Auskunft über verschiedene Siegel und Labels. Auf der Startseite können Sie die Labels entweder nach Gruppen oder über eine Suchmaske suchen. Gleichzeitig werden Ihnen hier verschiedene Siegel empfohlen. Nachdem Sie sich für eines entschieden haben, werden Ihnen einige der wichtigsten Informationen angezeigt. Im unteren Bereich finden Sie zusätzlich eine Bewertung des jeweiligen Siegels innerhalb der Kategorien: Glaubwürdigkeit, Umweltfreundlichkeit und Sozialverträglichkeit.

Verantwortungsvoller Umgang mit unseren Ressourcen

Produkte mit Ökolabels zu kaufen, ist ein guter Schritt, um die Umwelt zu entlasten. Wollen Sie noch mehr tun, können Sie auch zuhause und bei der Entsorgung Ihrer Altgeräte umweltschonend vorgehen. Zwei Ratgeber, die diese Themen behandeln, haben wir Ihnen nachstehend aufgeführt:

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet der „Blauer Engel“ genau?

Der „Blauer Engel“ ist das Umweltzeichen der deutschen Bundesregierung und wird bereits seit 1978 vergeben. Ausgezeichnet werden Produkte und Dienstleistungen, die im Vergleich zu ähnlichen Angeboten umweltbewusster sind. Die Vergabekriterien werden etwa alle 3 bis 4 Jahre überarbeitet und vergebene Siegel erneut auf die Einhaltung der Vorgaben geprüft.

Was ist der „Energy Star“?

Beim „Energy Star“ handelt es sich um ein US-Energieeffizienzlabel, dass nach den Kriterien der EPA ( „Environmental Protection Agency“) und der US-Umweltschutzbehörde vergeben wird. Die Nutzung erfolgt unter anderem bei Produkte wie Computern und Monitoren. Zwischen 2003 und 2018 vergab die Europäische Gemeinschaft ebenfalls innerhalb des „EU ENERGY STAR“ Programm das Label.

Wofür steht das „TCO Certified“-Siegel?

Das „TCO Certified“-Siegel zeichnet IT-Produkte wie Monitore, Tablets aber auch Büromöbel aus, die die strengen Kriterien in den Bereichen Ökologie, Wirtschaft und Soziales erfüllen. Für das Siegel muss der Hersteller unter anderem nachweisen, dass er die Mindestanforderungen der ILO ( „Internationale Arbeitsorganisation“) einhält und dass kaum bis keine schädlichen Stoffe bei der Produktherstellung genutzt werden.

Um was für ein Siegel handelt es sich beim „EU Ecolabel“?

Das „EU Ecolabel“ wurde 1992 eingeführt und zertifiziert Produkte und Dienstleistungen, die über ihren gesamten Lebenszyklus umweltfreundlicher sind als vergleichbare Angebote. Ein besonderes Augenmerk wird etwa auf die Nutzung von Chemikalien gelegt – Produkte, die etwa kennzeichnungspflichtige Stoffe in sich tragen, erhalten das Siegel nicht. Neben dem Begriff „EU Ecolabel“ ist das Siegel ebenfalls unter den Namen „EU Umweltzeichen“ und „Euroblume“ bekannt.

Wo finde ich weitere Informationen und Umweltsiegel?

Suchen Sie nach weiteren Informationen zu unterschiedlichen Siegeln, werden Sie unter anderem auf der Webseite label-online.de fündig. Die Webseite zeigt etwa an, welche Organisation das Siegel vergibt und unter welchen Bedingungen das Siegel vergeben wird. Eine Bewertung der unterschiedlichen Siegel finden Sie auf der Webseite siegelklarheit.de von der Bundesregierung. Siegel werden nach den Schwerpunkten Glaubwürdigkeit, Umweltfreundlichkeit und Sozialverträglichkeit bewertet.