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Schwächen
Wer heute ein neues Auto kauft, bekommt Digitalradio automatisch mit – seit dem 21. Dezember 2020 schreibt das deutsche Telekommunikationsgesetz DAB+ in allen Neuwagen mit Serienradio vor. Doch was steckt hinter dem Standard, worin liegt der Unterschied zu UKW – und lohnt sich ein Kauf oder die Nachrüstung auch für ältere Fahrzeuge?
Pflicht seit 2020: Alle neu verkauften Radios in Neuwagen müssen seit dem 21. Dezember 2020 DAB+ empfangen können. Grundlage ist das Telekommunikationsgesetz (TKG), das eine EU-Richtlinie in nationales Recht umsetzt. UKW bleibt vorerst weiterhin verfügbar. Ein konkretes Abschaltdatum gibt es in Deutschland noch nicht, in einzelnen Bundesländern wie Schleswig-Holstein ist 2032 als Zieldatum im Gespräch.
Oben: Das Logo des klassischen DAB (Digital Audio Broadcasting). Unten: Das Logo des aktuellen Standards DAB+. (Bilder: worlddab.org)
DAB oder DAB+: Was ist der Unterschied?
DAB steht für Digital Audio Broadcasting und wurde bereits Ende der 1980er-Jahre entwickelt. DAB+ ist die modernisierte Weiterentwicklung und kommt mit einem entscheidenden technischen Vorteil: Während DAB das ältere MPEG-1-Kompressionsverfahren nutzt, setzt DAB+ auf den deutlich effizienteren MPEG-4-Codec (auch AAC+ genannt). Das Ergebnis: mehr Sender auf denselben Frequenzen, bessere Klangqualität und die Möglichkeit, Zusatzinformationen wie Sendernamen, Uhrzeit, Wetterdaten oder Albumcover auf dem Radio-Display anzuzeigen.Für den Kauf gilt: Immer DAB+ wählen. Der ältere DAB-Standard wird in Deutschland und den meisten europäischen Ländern zunehmend abgelöst. Geräte mit DAB+ sind in der Regel abwärtskompatibel und empfangen auch das ältere DAB – umgekehrt gilt das nicht.
Das Kenwood DPX-7100DAB: Beispiel eines 2-DIN-Autoradios mit DAB+-Empfang (Bild: kenwood.de)
DAB+ und UKW gleichzeitig – wie funktioniert das?
Alle aktuellen Autoradios mit DAB+ beherrschen selbstverständlich auch UKW. Die meisten Geräte verfügen zudem über eine Funktion namens „Seamless Blending“ (nahtloses Wechseln): Sobald das DAB+-Signal schwächer wird, schaltet das Radio automatisch und ohne hörbaren Aussetzer auf UKW um – und zurück, sobald das Digitalsignal wieder stabil ist. Das funktioniert allerdings nur, wenn der jeweilige Sender in der betreffenden Region über beide Empfangswege ausgestrahlt wird.Ein bekannter Nachteil von DAB+ im Vergleich zu UKW: Bricht das Digitalsignal ein, verstummt der Sender vollständig. Es gibt kein Rauschen, sondern Stille. UKW klingt bei schlechtem Empfang zwar kratziger, liefert aber weiterhin ein Signal.
Klassisches 1-DIN-Autoradio mit DAB+-Empfang: JVC KD-DB902BT (Bild: amazon.de)
DAB+ nachrüsten: Antenne, Adapter oder neues Radio?
Für den DAB+-Empfang ist zwingend eine spezielle DAB-Antenne erforderlich, da das Signal auf anderen Frequenzen als UKW ausgestrahlt wird. Es gibt mehrere Möglichkeiten:- Scheibenantenne (Klebeantenne): Wird innen an der Frontscheibe befestigt, meist oben rechts. Sie wird häufig mit DAB+-Adaptern mitgeliefert. Wichtig: Das Kabel nicht hinter der A-Säulenverkleidung verlegen, da sich dort oft der Kopfairbag befindet.
- Antennensplitter: Erzeugt aus der vorhandenen UKW-Antenne ein nutzbares Signal für den DAB+-Empfänger – ohne zweite Antenne.
- DAB+-Adapter (Transmitter): Ein externes Zusatzgerät empfängt das Digitalsignal und gibt es per AUX-Eingang oder UKW-Frequenz an das vorhandene Radio weiter. Laut Tests des ADAC (Stand 2024) sind Nachrüstsätze bereits ab unter 100 Euro erhältlich.
- Neues Autoradio mit DAB+: der komfortabelste Weg. Laut ADAC sind 1-DIN-Geräte mit DAB+ bereits ab knapp 100 Euro erhältlich, vollwertige 2-DIN-Modelle mit Touchscreen ab rund 250 Euro. Günstige China-Geräte in diesem Segment sind jedoch wegen instabiler Software und schwachem UKW-Empfang mit Vorsicht zu genießen.
Tipp zur Kaufentscheidung: Wer ein älteres Fahrzeug mit hochwertiger Car-Audio-Anlage besitzt, kann mit einem DAB+-Adapter sinnvoll nachrüsten. Für alle anderen lohnt sich meist der direkte Kauf eines neuen Autoradios mit integriertem DAB+.
Tests & Kundenmeinungen zu DAB+-Autoradios
Die Stiftung Warentest hat DAB+-Digitalradios für den Heimbereich ausführlich getestet (zuletzt 2023) und dabei mehrere Modelle „gut“ bewertet. Speziell für den Autobereich empfiehlt die Verbraucherschutzorganisation DAB+-fähige Geräte als zukunftssicher.Das Fachmagazin auto motor und sport hat in Praxistests festgestellt, dass teurere Autoradios nicht immer die bessere Wahl sind. Günstige Modelle etablierter Hersteller wie Pioneer, Kenwood oder Sony schnitten in Empfang und Klang oft „gut“ ab. Entscheidend sind laut der Testredaktion vor allem: Empfangsqualität, Bedienkomfort und die Verarbeitungsqualität.
In Kundenbewertungen werden DAB+-Autoradios überwiegend positiv bewertet. Häufig gelobt werden die deutlich verbesserte Klangqualität gegenüber UKW sowie die Sendervielfalt. Kritik gibt es gelegentlich an langen Einschaltzeiten beim Senderwechsel und am vollständigen Signalausfall bei schlechtem Empfang. Das ist ein bekanntes, technisch bedingtes Merkmal von Digitalradio.
Lohnt sich der Kauf eines DAB+-Autoradios?
Ja, und zwar unabhängig davon, ob im Neuwagen bereits DAB+ verbaut ist oder ein älteres Fahrzeug nachgerüstet werden soll. Wie die Verbraucherzentrale erklärt, ist DAB+ deutlich energieeffizienter als UKW und in der Abdeckung inzwischen sehr gut. Wer in Europa reist, profitiert zudem davon, dass DAB+ in immer mehr Ländern der Standard ist. In der Schweiz hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk SRG Ende 2024 sogar den UKW-Betrieb vollständig eingestellt.Wer heute ein neues Autoradio kaufen möchte, sollte ausschließlich auf DAB+ achten – nicht nur auf DAB – und dabei auf einen bekannten Hersteller setzen. Wer nachrüsten will, fährt mit einem DAB+-Adapter ab rund 40 bis 60 Euro gut, wenn bereits ein AUX-Anschluss vorhanden ist.























