Frau liegt vor dem offenen Kühlschrank Kühlen ohne stromfressende Klimageräte? Dazu hätten wir ein paar Ideen. Keine gute wäre jedoch, die Hitze mit einer offenen Kühlschranktür zu bekämpfen. Denn dabei entsteht an der Rückwand mehr Wärme als über die Frontseite gekühlt wird. (Bild: Shutterstock.com)

Wohnung kühlen ohne Klimaanlage: Diät für Stromfresser

Würden Sie sich freiwillig und mehrere Monate lang die infernalische Hitze eines weiteren Dürresommers ­antun? Natürlich nicht, denn so rund 30 °C in der Wohnung können auf Dauer nicht wirklich gesund sein. Eine Monatsmiete für ein Klimagerät auszugeben, ist Ihnen aber auch zu viel? Vermutlich. Gewiss, es gibt Vergleichsrechner, mit deren Schätzwerten Sie drohende Leere in der Haushaltskasse abwenden können, soll es tatsächlich ein Klimagerät sein. Doch es gibt Tricks und Tipps, um den Stromschlingern die Nahrungsquelle zu entziehen. Und manchmal geht es auch ganz ohne die Kilowattsauger – mit einfachen Methoden zum Abkühlen ohne Klimaanlage.

Das erwartet Sie hier

  • Ziehen sich eigentlich alle Klimaanlagen gleich viele Kilowatts rein?
  • Saugen dreist am Saft: Mobile Klimageräte mit Abluftschlauch
  • Gefräßige Stromschlinger: Selbst die besten Monoblocks im Test sind nur Mittelmaß
  • Stromsparer: Das beste Split-Klimagerät im Test
  • „Strom so teuer wie nie“
  • Was kostet mich eine gekühlte Wohnung konkret?
  • Auch eine Taktik: Günstig einkaufen, Stromkosten aufrechnen
  • Verdunstungskühler und Ventilatoren: Viel heiße Luft
  • Tricks zum Sparen: Kühlen ohne Stromfresser

Haben eigentlich alle Klimageräte einen so hohen Energiebedarf?

Willst Du viel, kühl mit … einer fest zu installierenden Split-Klimaanlage. Diese Art von Klimaanlage ist zwar teurer in der Anschaffung als die beweglichen Kleinklimageräte und verursacht zusätzliche Kosten durch Einbau und Wartung (Fachbetrieb!). Doch langfristig verbraucht eine Einbau-Klimaanlage weniger Energie als ein mobiles Kleingerät. Dazu ein Rechenbeispiel nach Energie.web.de: Um einen 25 m² großen Raum zu klimatisieren, braucht ein Splitgerät ungefähr 555 Watt. Ein mobiles Kleingerät braucht deutlich mehr, etwa 962 Watt. Entsprechend höher fallen auch die Stromkosten aus.

Zum Vergleich: Bei einem Strompreis von theoretisch 0,28 Euro pro Kilowattstunde und einer Betriebszeit von 350 Stunden im Jahr kommt eine entsprechende Klimaanlage durch den Stromverbrauch auf ca. 78 Euro (Splitgerät) oder gar 123 Euro (mobiles Kleingerät). Für die Stiftung Warentest ist das Missverhältnis auf ähnliche Weise offensichtlich: Bei einer typischen Betriebsdauer von 350 Stunden im Jahr zahlen Verbraucher für einen Monoblock zwischen 61 Euro (beim De'Longhi PAC EX100 Silent) und 84 Euro (beim Remko Verona MKT 251) – schnell doppelt so viel wie für ein effizientes Splitgerät im ganzen Jahr.

Saugen dreist am Saft: Mobile Klimageräte mit Abluftschlauch

Und das ist nicht der einzige Nachteil. Mobile Klimageräte können nur geringe Kühlleistungen bewältigen, da neben dem im Fenster eingehängten Abluftschlauch permanent warme Außenluft nachströmt. Was dazu führt, dass jeder Ihrer Kühlversuche subversiv sabotiert wird – also beinahe unbemerkt und einfach so. Dieser Effizienzverlust vergeudet seinerseits ein paar (hundert) Euro Stromkosten im Jahr – je nach Art Ihrer Fensterabdichtung und der baulichen Gegebenheiten. Und das wäre komplett absurd: Da haben Sie vielleicht einen durch Testberichte gestützten Entscheidungsprozess durchlaufen und freuen sich über die geschickte Auswahl des günstigsten Stromanbieters, um bis zu 50 Euro im Jahr zu sparen – und Ihr neues Klimagerät zieht sich dreist die Kilowattstunden rein. In den so gekühlten Räumen werden Sie vermutlich niemals Entspannung finden.

Unter Strom: Die besten Monoblocks im Test sind höchstens Mittelmaß

Monoblockgeräte schnitten bei Stiftung Warentest insgesamt nicht besonders gut ab. Die besten drei Geräte bekamen die Note Befriedigend – und unterscheiden sich hauptsächlich im Preis und Stromverbrauch.

Comfee Eco Friendly
Eco Friendly
  • Befriedigend 2,9
Stiebel Eltron ACP 24
ACP 24
  • Befriedigend 2,7
von 5
(0)
4,0 von 5
(11)
4,0 von 5
(1)
Kühlleistung (max.)
Kühlleistung (max.)
2,5 kW
2,9 kW
k.A.
Effizienzgröße (EER)info
Effizienzgröße (EER)info
3,6
3,1
k.A.
Stündlicher Energieverbrauch Kühlen
Stündlicher Energieverbrauch Kühlen
0,7 kWh/60 min
1,01 kWh/60 min
k.A.
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Betriebe allerdings jeder Haushalt in Deutschland ein Klimagerät, bräuchte es zusätzliche Kraftwerke. Vor diesem Hintergrund sollten Interessenten vor einem Kauf prüfen, ob sie den gewünschten Kühleffekt durch Rollläden, Markisen oder eine neue Fassadendämmung erreichen. – Stiftung Warentest (Heft 7/2018)

Stromsparer: Das beste Split-Klimagerät im Test

Mit der Gesamtnote Gut trumpft das Panasonic CS-Z25TKEW im Test auf. Positiv aufgefallen ist es wegen seines Kühltempos – es konnte einen 14 m² großen Raum innerhalb von 10 Minuten um 10 °C herunterkühlen.

Tipp: Achten Sie unbedingt auf eine gute Energieeffizienz bei einer Klimaanlage. Optimal: A+++ bei Einbauklimaanlagen und derzeit A++ bei Monoblocks. Stromkosten von 25 bis 30 Cent pro Stunde sind in Ordnung. Wenn Sie Ihr mobiles Klimagerät nur ganz gezielt an einzelnen heißen Tagen einsetzen, müssen Sie keine explodierenden Stromkosten fürchten.

Das ginge besser: Laut EU-Energielabel stuft sich der Monoblock Trotec PAC 3900 X nur in die A-Klasse ein. Die besten mobilen Klimageräte schaffen es heute spielend leicht in die Energieeffizienzklasse A++. (Bild: amazon.de)

Hätten Sie es gewusst? Mit zwei bis drei Prozent der deutschen Privathaushalte ist die Zahl der Klimaanlagen im internationalen Vergleich noch sehr gering. In anderen Ländern wie den USA und China hingegen machen Klimageräte längst einen Großteil des Energieverbrauchs aus. Doch die vergangenen Sommer haben gezeigt, dass die Umsatzzahlen bei Klimaanlagen in die Höhe schießen – und mit jeder neuen Hitzefront mehr. Bedenken Sie, dass eine Klimaanlage den eigenen Stromverbrauch erhöhen kann. Wer seine Klimaanlage mit Solarstrom betreibt, verhindert, dass die Stromkosten in die Höhe schnellen.

„Strom so teuer wie nie“

Der Strompreis steigt auf den Höchststand, titelt Statista über einer Infografik des Vergleichsportals Verivox vom 1. April 2020. Demnach lag der Strompreis im Jahr 2019 bei durchschnittlich 29,42 Cent pro Kilowattstunde, deutlich höher als noch zehn Jahre zuvor (22,34 Cent / kWh). In Klimageräte und Lüfter, das zeigt eine weitere Statista-Grafik auf Basis von Daten der internationalen Energie Agentur (IEA), fließt ein Zehntel des weltweit verbrauchten Stroms – bis 2050 werde sich der Wert verdreifachen.

Durchschnittlicher Strompreis in Deutschland - Statista

Und was kostet mich eine gekühlte Wohnung konkret?

Möchten Sie ernsthaft die Auswirkungen eines Raumkühlers auf Ihre Stromrechnung kalkulieren, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als nüchterne Zahlen zu vergleichen. Ein Beispiel: Weist Ihr Klimagerät eine Leistung von 2,1 kW auf und lassen Sie es an einem heißen Sommertag fünf Stunden lang laufen, kommen an diesem Tag 10,5 Kilowattstunden auf den Zähler. Bei 30 Cent pro Kilowattstunde macht dies bereits 3,15 Euro am Tag. Angenommen, Sie betreiben Ihr Gerät nun noch über die Monate Juni bis September hinweg, läge der Stromverbrauch der Klimaanlage bei 966 kWh. Macht rund 290 Euro. Bezogen auf den durchschnittlichen Stromverbrauch eines Dreipersonenhaushalts von – laut Stromspiegel-Statistik – 3.600 Kilowattstunden und jährlichen Stromkosten von rund 1.080 Euro müssten Sie also jährlich rund 27 Prozent mehr aufgrund Ihrer Klimaanlage hinlegen. Hinzu kommen die Kosten für die Klimaanlage und deren Installation selbst, die 2.000 Euro und mehr betragen können.

Eco Friendly
  • Befriedigend 2,9
  • 1 Test
  • 11 Meinungen
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Comfee Eco friendly, mit Note 2,9 ebenfalls vom Typ Mittelmaß, liegt beim Stromverbrauch zwar etwas höher, kostet aber in der Anschaffung weniger, sodass sich die Stromkosten verschmerzen ließen. Im Vergleich zum Erstplatzierten im Test machen sich die Stromkosten in Summe erst nach langjährigem Gebrauch negativ bemerkbar.

Verdunstungskühler und Ventilatoren: Viel heiße Luft

Deutlich weniger Kilowatts verspeisen Luftkühler mit Verdunstungstechnik oder Ventilatoren. Doch ihre Kühleffekte sind schlecht, die von Ventilatoren im Grunde gar nicht vorhanden. Aber bei der Hitze könnten Sie genauso gut Ihren Kopf in die laufende Heißluftfritteuse legen oder sich föhnen! Auch die Verdunster scheitern an den tropisch heißen Temperaturen, wie wir sie hierzulande wohl öfter haben werden. Rundum sinnlos sind sie aber nicht – immerhin entsteht der Eindruck einer Kühlung, wenn der Luftzug die schwitzende Haut erreicht. Außerdem kommen sie mit viel weniger Strom aus als das Verbrauchsmonster Klimaanlage. Lassen Sie diese Geräte aber links liegen, wenn Sie aus einer schwülwarmen Schwitzkammer eine Wohlfühlzone machen wollen: Dafür fehlt ihnen der Entfeuchtungseffekt einer klassischen Kältemaschine.

Hier geht's zu den besten Ventilatoren

Kann ich denn gar nichts tun, damit mein Klimagerät weniger am Saft saugt?

Nein. Das heißt, es kommt darauf an. Selbst bei nur punktuellem Einsatz, wie ihn etwa die Stiftung Warentest empfiehlt, wird sich der Betrieb Ihrer Klimaanlage auf Ihre Stromrechnung auswirken. Aber es wäre ein Anfang: Schalten Sie Ihren Monoblock nur sehr gezielt an heißen Tagen ein, lassen Sie ihn nicht permanent durchlaufen und nutzen Sie, so vorhanden, den integrierten Timer oder Automatikbetrieb. Und es gibt noch weiteres Einsparpotenzial, das Sie vielleicht nicht auf dem Zettel hatten. In der folgenden Checkliste bündeln wir für Sie die wichtigsten Empfehlungen.

10 Tricks zum Sparen: Kühlen ohne stromfressende Geräte

Die besten Methoden, Ihren Verbrauch zu senken, kommen ohne Mathematik und Energielabel aus. Es ist die bewusste Nutzung des gesunden Menschenverstands. Wenn ein Gerät nur einen Bruchteil seiner Energie in Kälte umwandelt, stellt sich die Frage, ob man es nicht gleich ganz sein lässt und nach stromlosen Alternativen sucht. Vorausschauendes Klimatisieren aus unserer Sicht heißt:

  1. Schotten dicht! Vor allem offene Fenster und Türen bitten Hitzegeplagte über den höheren Verbrauch zur Kasse. Dabei ist das Herunterkühlen eines geschlossenen Raums an sich schon ein großer Kraftakt. Ein heikler Punkt ist der Fensterspalt, durch den Sie den dicken Abluftschlauch eines Monoblocks leiten müssen. Da die Geräte Luft aus dem Raum ansaugen und ins Freie führen, entsteht ein Unterdruck, der warme Luft durch die Tür oder das angelehnte Fenster zieht. Achten Sie auf eine möglichst gute Abdichtung, damit wenig heiße Luft nachströmt.
  2. Heizer ignorieren: Hat Ihre Klimaanlage eine Heizfunktion, sollten Sie sie möglichst nicht nutzen. Der Energieverbrauch zum Heizen ist bei einer Klimaanlage wesentlich höher als der einer normalen Heizungsanlage.
  3. Schalten Sie ab. Andere Wärmequellen heizen den Stromhunger einer Klimaanlage an. Schalten Sie Licht und Computer nach Möglichkeit aus. Verwenden Sie Kaltlicht- und Energiesparlampen oder Leuchtstoffröhren und verzichten Sie auf Deckenfluter oder ältere Plasmafernseher. Letztere können so viel Strom wie sechs energieeffiziente Kühlschränke zusammen verbrauchen.
  4. Wir müssen draußen bleiben. Der Kampf gegen Außenwärme ist sinnlos, wenn Sie sie durchs Fenster reinlassen. Je wärmer die angesaugte Luft ist, desto mehr muss das Klimagerät schuften. Entsprechend größer ist auch der Stromhunger – auch bei sehr effizienten Geräten. Meiden Sie aus diesem Grund direkte Sonneneinstrahlung und sorgen Sie dafür, dass Ihr Raum nicht unnötig aufheizt.
  5. Markisen, Rollläden, Jalousien nutzen. Sonnenschutz kann auch durch Abschottung von außen entstehen – sofern Sie da als Mieter überhaupt eingreifen dürfen. Sehr wirksam sind Rollläden und Außenjalousien. Mit ihnen lässt sich die Hitzequelle laut Stiftung Warentest weitgehend oder sogar komplett ausschalten. Als Mieter können Sie es mit Alu-beschichteten Innenjalousien versuchen. Für eine bessere Fensterverglasung ist aber der Vermieter zuständig. Fragen Sie einfach nach.
  6. Sonnenschutzfolien nachrüsten. Die Stiftung Warentest konnte einigen der getesteten Folien eine gute Wirkung bei der Temperatur-Reduzierung attestieren. Die Folien lassen sich relativ einfach nachrüsten. Sie bestehen aus mehreren Schichten, die zum Teil hauchdünn mit Metall bedampft sind. Aber: Was im Sommer gegen die Hitze hilft, führt zu höheren Heiz- und Beleuchtungskosten im Winter. Tipp: Lassen Sie sich fachgerecht beraten und die Sonnenschutzfolien vom Fachbetrieb auftragen.
  7. Richtiges Lüften. Ist die Wohnung einmal aufgeheizt, ist es schwer, die Raumtemperatur wieder zu senken. Nutzen Sie zum Lüften die kühlen Morgen- oder Nachtstunden. Gelingt es Ihnen, Durchzug zu schaffen, kann auch das Lüften tagsüber etwas bringen. Wenn Schweiß auf der Haut verdunstet, entsteht punktuell Kälte. Die Raumtemperatur sinkt zwar nicht real, aber gefühlt. Bringen Sie wo möglich Mückennetze an. Sie schützen beim nächtlichen Lüften.
  8. Auf Wärme bauen. Verbessern Sie die Wärmedämmung des Gebäudes. Besonders Dachwohnungen werden zur Schwitzkammer, wenn die Dämmung fehlt. Schuld sind meist die Dachziegel. Sie geben die Wärme nach innen ab. Möchten Sie sich teure Stromfresser sparen, sollten Sie hier ansetzen.
  9. Auf Entfeuchtung setzen: Mit der Wärme kommt häufig eine hohe Luftfeuchtigkeit. Das sorgt für doppelten Schwitzeffekt. Plagt Sie die feuchte Hitze, können Sie mit einem Luftentfeuchtungsgerät gegenhalten.
  10. Mit baulichen Maßnahmen vorbeugen. Mit Dachüberständen, Gauben mit Vordach oder einer guten Wärmedämmung im Dachbereich können Sie laut Stiftung Warentest sehr effizient gegen die Hitze vorbeugen.

Langfristig empfehlen wir, auf baulichen Hitzeschutz zu setzen: Rollläden, Markisen, UV-Folien, Dämmung. Wenn das nicht reicht, kühlen fest installierte Splitgeräte schnell und effektiv. – Stiftung Warentest 7/2018.