Fortschritt trotz Knappheit: Notebook-Neuheiten 2022

Es herrscht Aufbruchsstimmung am Notebook-Markt: Nach den pandemiebedingt zurückhaltenden Weiterentwicklungen der Jahre 2020/21 sind im Jahr 2022 wieder mehr Neuerungen und Produktneuheiten bei den Notebooks zu erwarten. Diesmal dürfte der Fokus vor allem auf neuen Displaytechniken liegen, aber auch in anderen Disziplinen erwarten wir Innovationen. Werfen Sie mit uns einen Blick darauf, was uns am Horizont erwartet.

Laptop-Markt 2022: Innovativ durch die Krise

Der gesellschaftliche Wandel führt dazu, dass immer mehr Notebooks gebraucht werden: So reicht der klassische Familien-Laptop oft nicht mehr aus und es werden zusätzliche Mobil-PCs für Schule, Home-Office, Streaming und Co. besorgt. Da auch sonst der Bedarf an Computer-Hardware, insbesondere Chips und allem was dazugehört, so hoch wie nie ist und der Welthandel mit Flaschenhälsen zu kämpfen hat, sind bestimmte Bauteile knapp geworden. Vor allem bei den Halbleitern, die für die Chip-Produktion benötigt werden, herrscht akute Knappheit. Die Folge: Produktionskapazitäten sinken, Stückzahlen fallen, Preise steigen. Gegenmaßnahmen und eine Linderung der Lieferketten-Probleme sind bereits in Arbeit, werden aber vermutlich noch das ganze Jahr benötigen, bis wieder echte Normalität einkehrt.

Notebooks mit Windows 11 Das neue Windows 11 wird 2022 auf fast allen Neugeräten vorinstalliert sein. (Bildquelle: Microsoft.com)

Die Notebook-Hersteller müssen mit aktuellen Trends aus anderen Technik-Bereichen mithalten. So dürfte vermutlich der 5G-Mobilfunk schon bald bei höherwertigen Business-Notebooks an die Stelle gewöhnlicher 4G/LTE-Module treten. Die USB-Steckerform USB-C ist zudem weiter auf dem Vormarsch und dürfte den klassischen USB-A-Stecker weiter verdrängen. Außerdem gibt es mit Windows 11 eine neue und optisch generalüberholte Version des weltweit am weitesten verbreiteten PC/Notebook-Betriebssystems, das auf den meisten Neugeräten bereits vorinstalliert sein wird und vermutlich auch bei den Gehäusedesigns für neue Ideenschübe sorgen dürfte.

Was gibt's neues bei Windows 11?

Neben dem sofort ersichtlichen Redesign bietet Windows 11 eine Vielzahl kleiner, aber durchaus praktischer Anpassungen. Einen Überblick über die Änderungen und weitere Hinweise finden Sie auf unserer Themenseite Windows 11.

In Zeiten von mobilem Arbeiten, Livestreaming und Home-Office steigt die Bedeutung der Webcam im Notebook. Während Hersteller zuvor bei diesem Bauteil gerne gespart haben und sich nur wenige an der miesen Bildqualität von Billig-Webcams gestört haben, ist bereits jetzt eine Veränderung zu spüren. Erstmals scheren sich viele Leute darum, dass ihr Kamerabild gut aussieht. Die klassische Billig-Webcam mit einfacher HD-Auflösung (oder schlimmer) hat deshalb ausgedient. So verbaut Apple zum Beispiel bei neueren MacBook-Modellen bereits deutlich hochwertigere Full-HD-Webcams.

Display-Neuheiten: Duell der Newcomer

Der Status quo wackelt: Die blickwinkelstabilen und kontraststarken, dafür aber oft eher leuchtschwachen IPS-Displays sind der absolute Standard bei Notebooks. Nur selten sieht man Modelle mit VA- oder TN-Panels, die aber ihre eigenen Kinderkrankheiten mit sich bringen. Während bei den Smartphones die modernere OLED-Technik schon in die preisliche Mittelklasse vordringt, sind derartige Panels am Laptopmarkt derzeit noch eine echte Rarität.

Notebooks mit OLED-Displays: Die Produktion zieht an

OLED-Notebooks von Asus Asus setzt voll auf OLED-Displays – und das nicht nur bei hochpreisigen Geräten. (Bildquelle: Asus.com)

Dies könnte sich jetzt ändern: Samsung, der Hauptproduzent von OLED-Panels für Notebook-Größen, hat angekündigt, die Produktion deutlich anzukurbeln. Nicht nur Samsung selbst will neue Notebooks mit OLED-Displays präsentieren; auch andere Hersteller wie Asus, HP, Lenovo, Dell und Xiaomi stehen für hunderttausende von OLED-Displays in der Schlange. Apropos Asus: Der taiwanesische Hersteller hat im Jahr 2021 bereits ein Modell mit OLED-Display veröffentlicht, das überraschenderweise recht preiswert ist. Insgesamt 10 unterschiedliche Panel-Formate kündigte Samsung für die OLED-Offensive an. Wir vermuten, dass darunter auch Gaming-Panels mit deutlich über 60 Hz sein dürften und je nach Preisklasse die QHD-Auflösung und UHD bzw. 4K dominieren dürften.

 

Welche Vorzüge bieten OLED-Displays?

  • Perfekter Schwarzwert: Schwarze Pixel leuchten bei OLED nicht, was zu einer satten Darstellung schwarzer Bildelemente führt.
  • Sehr hoher Kontrast: Die Kontrastwerte sind deutlich besser als bei IPS-Panels.
  • Keine Hintergrundbeleuchtung notwendig: Die Pixel strahlen selbst.
  • Sehr hohe Blickwinkelstabilität: Keine optische Verzerrung bei schräger Draufsicht

Notebooks mit Mini-LEDs: Apple geht voran

OLED ist noch gar nicht so weit verbreitet, bekommt aber schon ernstzunehmende Konkurrenz. Mini-LED ist eine Weiterentwicklung des IPS-Prinzips mit einer dynamischen Hintergrundbeleuchtung. Im Vergleich zu OLEDs bieten Mini-LEDs eine deutlich höhere maximale Helligkeit und einen weiteren Dynamikumfang, gleichzeitig aber auch eine große Farbraumabdeckung und tiefe Schwarzwerte, die mit konventionellen LCDs nicht möglich sind. Eigentlich war es MSI mit dem Creator 17, die Mini-LED im Notebook-Markt platziert haben. Doch die echte Initialzündung, die eine Mini-LED-Flut loslassen könnte, kam letztlich von Apple: Die 2021er-Iteration des MacBook Pro protzt mit eindrucksvollen Mini-LED-Panels, was den ein oder anderen Konkurrenten durchaus zur Nachahmung animieren dürfte.

Welche Vorzüge bieten Mini-LED-Displays?

  • Sehr hohe Leuchtkraft: Die hohen Maximal-Helligkeitswerte begünstigen die Darstellung von HDR-Inhalten
  • Keine Gefahr von Einbrenneffekten
  • Extrem hoher Kontrast

Und wie sieht es mit dem Budget-Bereich aus?

Da Mini-LED und OLED vermutlich eher ein Thema bei Oberklasse-Geräten sein wird, bleibt IPS der Standard in der unter-1000-Euro-Klasse. Doch auch hier zeichnen sich Fortschritte ab: Neuere Panels bieten inzwischen deutlich höhere Leuchtstärken als zuvor, wodurch eine klare Schwäche der günstigen IPS-Panels ausgeglichen wird. Immer häufiger dürften auch Auflösungen über dem seit rund einem Jahrzehnt etablierten Full-HD-Standard zu finden sein. Zudem dürften auch abseits der Gaming-Nische immer mehr Panels mit mehr als 60 Hz verbaut werden, was für eine geschmeidigere Darstellung von Bewegtbildern und Animationen sorgt.

Notebook-Prozessoren: AMD behält die Führung

Kaum ein Bauteil treibt den Markt mehr an als der Prozessor. Die beiden Haupthersteller AMD und Intel werden auch 2022 wieder an den Taktschrauben drehen und ihre Architekturen weiter optimieren. AMD war 2021 in Vergleichen oftmals der Sieger, was größtenteils auf die moderne Architektur mit 7-Nanometer-Bauweise zurückzuführen war. Der Nanometer-Wert gibt an, wie klein die einzelnen Transistoren auf dem Prozessor sind. Je kleiner, desto mehr Recheneinheiten lassen sich auf der Fläche unterbringen und desto höher die Energieeffizienz. Intel beginnt 2022 nun mit der Aufholjagd. Erfahrungsgemäß erscheinen mit jeder neuen Prozessoriteration auch Unmengen neuer Notebook-Modelle. In der Praxis dürften die neuen Notebooks zwar nicht bedeutend schneller arbeiten, aber dank der besseren Energieeffizienz deutlich ausdauernder im Akkubetrieb werden und bei anhaltender Last die Prozessorleistung weniger drosseln. Gute Leistung und lange Akkulaufzeit schließen sich dementsprechend nicht mehr wie früher gegenseitig aus.

Intel-Prozessoren: Dicht auf den Fersen, aber noch kein Überholmanöver

Intel DDR5-RAM Schon mit der nächsten Generation setzt Intel auf den neuen und schnelleren DDR5-Arbeitsspeicher. (Bildquelle: Intel.com)

Im Jahr 2022 wird Intel die Prozessor-Reihe Alder Lake P veröffentlichen. Während aktuelle Notebook-Prozessoren der Reihe Tiger Lake noch mit  10-nm-Bauweise produziert werden, schafft es Alder Lake P erstmals bei Intel auf 7 nm. Eine klare Steigerung bei der Leistung je Watt ist zu erwarten. Durch weitere technische Details wie einem großen L3-Cache und vieler Architektur-Kniffe könnte dadurch der Rückstand zu AMD aufgeholt werden. Gegen Ende des Jahres 2022 dürfte schon die nächste Iteration erscheinen: Bei "Raptor Lake" spricht Intel bereits von "7 nm+", was auf weitere Detailoptimierungen hinweist. Der riesige Sprung auf die technisch höchst komplizierte 4-Nanometer-Bauweise erfolgt bei Intel erst 2023.

AMD: Ein kleiner Schritt nach vorne erhält die Pole Position

AMD RDNA2 RDNA 2 von AMD verspricht gute Spieleleistung auch ohne zusätzliche Grafikkarte. (Bildquelle: amd.com)

Schon in der ersten Hälfte von 2022 wird AMD die Prozessorgeneration Rembrandt-U ins Leben rufen, die die Zen-3-Architektur mit der modernen Grafiktechnologie RDNA 2 verbindet. Hinzu kommt der kleine Sprung auf 6 nm, mit dem AMD zumindest in dieser Disziplin wieder einmal knapp vor Intel bleiben wird. Die neuen Prozessoren sollen mit einem größeren L3-Cache die Stärke von Intel-Prozessoren kontern. Von dieser Weiterentwicklung dürften vor allem Games profitieren. Auch bei AMD steht erst 2023 der nächste größere Sprung an.

Und was machen die anderen?

In den letzten Jahren kamen verstärkt auch Notebooks mit ARM-Prozessoren auf den Markt, die man sonst vor allem von Smartphones und Tablets kennt. Die Hersteller adaptierten diese neue Möglichkeit aber nur sehr vorsichtig und die Verkaufszahlen fielen auch verhalten aus. Wieder einmal könnte aber Apple für ein Umdenken sorgen: Die auf ARM-Technik basierenden M1-Prozessoren aus Apples eigener Feder, die seit der 2020er-Version des MacBook Air in MacBooks ihre Arbeit verrichten, schlagen selbst Highend-Prozessoren von Intel und AMD in diversen Benchmark-Tests. Das Leistungspotenzial ist also unter Beweis gestellt. 

Bessere Displays, ein schöneres Windows und mehr Performance pro Watt – Notebooks werden 2022 in vielen Bereichen besser. Wie viel besser? Das werden die Fachredaktionen und Käufer in Tests und Rezensionen klären. Unsere stetig aktualisierten Notebook-Bestenlisten werden Ihnen dabei helfen, die für Sie passende Wahl zu treffen.

Zu den Notebook-Bestenlisten

von Gregor Leichnitz

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