Einschätzung unserer Autoren
Herausragend, aber noch Entwicklungsbedarf
Das Online-Magazin Unwired View hat das Smartphone-Flaggschiff Nokia N900 einem ausführlichen Test unterzogen und zeigt sich dabei überwiegend positiv überzeugt. Insbesondere die Verarbeitung und Ausstattung des Handys lösen regelrechte Lobpreisungen aus. Gleichwohl nennt das Magazin auch sechs Punkte, welche der Autor des Testberichtes am N900 wirklich "hasse" und eventuell sogar potenzielle Nutzer vom Gerät abschrecken könnten.
Dazu zählt unter anderem, dass das Nokia N900 anders als die meisten modernen Touchscreen-Smartphones fast ausschließlich auf die Landscape-Ansicht setze. Diese Beschränkung habe vielleicht in Internet-Tablet-Zeiten des Betriebssystems noch Sinn gemacht, sei für ein Smartphone aber unsinnig. Bislang könnten Nutzer ausschließlich im Telefonmodus auf die hochkante Ansicht zurückgreifen, alle anderen Anwendungen seien nur im Landscape-Format nutzbar.
Darüber hinaus kritisiert Unwired View, dass der Desktop des Handys zu klein ausfalle – die nur vier Panele seien in kürzester Zeit mit Symbolen und Links überfrachtet. Dazu komme, dass die einzelnen Anwendungssymbole nur schwer verschiebbar seien. Das „X“ für das Entfernen des Symbols sei im Vergleich zum Icon selbst zu groß geraten, wodurch man immer wieder ein Symbol lösche, das man nur habe verschieben wollen.
Ebenfalls ärgerlich sei die Tatsache, dass bei der Eingabe von Passwörtern in den Browser des Handys nur Sternchen auftauchten – anders als bei anderen Geräten, bei denen das eingegebene Symbol zumindest kurzfristig auftauche und Fehleingaben sich somit minimieren ließen. Und auch an der Navigationsfähigkeit des Nokia N900 hat der Redakteur etwas zu kritisieren: Bislang sei nur das veraltete Ovi Maps 1.0 erhältlich, weder das beliebte Google Maps noch das hervorragende Ovi Maps 3.0 könnten auf dem Smartphone genutzt werden. Dies sei zugleich der letzte, wichtige Kritikpunkt: Bislang gebe es für das Betriebssystem Maemo kaum nützliche Apps, die es herunterzuladen lohne.
Immerhin: Bei all diesen Kritikpunkten handelt es sich ausschließlich um Probleme mit der Firmware beziehungsweise Software-Ausstattung des Nokia N900. Es bleibt also zu hoffen, dass diese Probleme mit Erscheinen einer künftigen Maemo-Version weitgehend behoben werden. Das Potenzial des N900 ist jedenfalls noch lange nicht ausgeschöpft.
Nokia N900 bereits für 600 Euro vorbestellbar
Eigentlich soll das neue HighEnd-Smartphone Nokia N900 erst auf der Hausmesse Nokia World 09 offiziell vorgestellt werden. Bestellen kann der geneigte Kunde das Mobiltelefon aber jetzt schon. Die Website von Nokia Deutschland listet das Smartphone mit dem Linux-Betriebssystem Maemo für 599 Euro ohne Vertragsbindung. Als Versandkosten fallen 5 Euro an, die Auslieferung soll voraussichtlich am 1. Oktober 2009 beginnen. Der Termin hänge aber von der tatsächlichen Produktverfügbarkeit am genannten Datum ab.
Das Maemo-Smartphone kostet damit knapp 130 Euro mehr als das derzeitige Flaggschiff der Finnen, das Nokia N97. Jenes ist aktuell im offenen Handel für Preise ab 475 Euro inklusive Versandkosten erhältlich. Das Nokia N900 wird hierbei mit umfangreichem Zubehör ausgeliefert. Dazu gehören neben dem Akku BL-5J das Energiespar-Ladegerät AC-10E, das Stereo-Headset WH-205, der zuletzt ins Gespräch gekommene Ladegerät-Adapter CA-146C sowie das Video-Ausgangskabel CA-75U. Eine Speicherkarte ist dagegen offenbar nicht mit von der Partie.
Angesichts von bereits intern vorhandenen 32 Gigabyte Speicherplatz ist das aber sicherlich verschmerzbar. Auch der jetzt sehr hoch wirkende Preis dürfte noch einmal kräftig fallen, wenn das Gerät erst einmal offiziell auf den Markt kommt. Es könnte sich also lohnen, einfach abzuwarten: Wer später den Expressversand für 13 Euro wählt, erhält das Smartphone ebenfalls beinahe umgehend innerhalb von zwei Tagen nach Zahlungseingang.
Kein Verkaufsschlager, aber ein Meilenstein
Er ist für seine sehr kritischen Berichte bekannt und gefürchtet: Der russische IT-Experte Eldar Murtazin. Der Chefredakteur des russischen Magazins Mobile Review hat als wahrscheinlich erster Mensch einen Prototypen des neuen HighEnd-Smartphones Nokia N900 testen dürfen und zeigt sich positiv überrascht: Das N900 werde zwar sicherlich kein Verkaufsschlager, stelle aber für Nokia einen echten Meilenstein dar. Er äußert sich in seinem Vorschautest beeindruckt von den visuellen Effekten, den weichen Übergängen und der raschen Reaktion des Touchscreens. Das N900 erinnere dadurch an das iPhone von Apple. Auch die neue Benutzeroberfläche Maemo unterscheide sich drastisch von allen anderen bisherigen Nokia-Handys.
Besonders gut haben ihm offenbar die Kontextmenüs gefallen, die sich auf Maemo in Form von Pop-Ups öffnen und auch wieder anstandslos schließen lassen, wenn der Nutzer nur auf einen freien Bereich des Touchscreens tippt. Laut Eldar Murtazin handle es sich um eine attraktive und funktionale Oberfläche. Eigentlich sollte das Nokia N900 mit seiner Maemo-Oberfläche Internetgerüchten zufolge bereits im Juli 2009 in Asien auf den Markt kommen. Der Zeitplan dürfte nun nicht mehr hinhauen, doch immerhin zeigt der Bericht des russischen Experten: Das Maemo-Smartphone kommt tatsächlich, und die vorab bekannt gewordenen technischen Details scheinen sich großteils zu bewahrheiten.
So wird das Nokia N900 Eldar Murtazin zufolge über den Datenbeschleuniger HSDPA wie auch WLAN verfügen, einen 3,5-Zoll-Touchscreen mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln besitzen und einen OMAP3430-Hauptprozessor mit 600 MHz Taktrate vorweisen können. Der Arbeitsspeicher soll mit 1 Gigabyte ausgesprochen groß ausfallen, was dem Achtfachen des Nokia N97 entspricht. Das Öffnen von Programmen soll daher besonders zügig erfolgen. Ergänzt wird die Ausstattung um eine 5-Megapixel-Kamera mit Linsen von Carl Zeiss, Autofokus und doppeltem LED-Blitzlicht; auch GPS und Bewegungssensoren wurden in das Gerät verbaut.
Einziger Wermutstropfen: Offenbar ist Nokia wieder in alte Schemata zurückgefallen und hat dem Thema Ausdauer nicht viel Aufmerksamkeit gewidmet. Der Akku soll mit 1.320 mAh überraschend schwach ausfallen – die Vorgängermodelle wie das N810 hatten einen Akku mit 1.500 mAh. Aber vielleicht hilft ja die neue Oberfläche Maemo, den Stromverbrauch zu senken? Wir werden es wohl erst Ende 2009 erfahren – dann soll das Nokia N900 für den Preis von 550 Euro in den Handel kommen.
Spekulationen über kapazitiven Touchscreen
Bisher können nur wenige Smartphones von Nokia einen Touchscreen vorweisen; und die wenigen, die es können, nutzen resistive Touchscreens. Diese sind günstiger herzustellen und ermöglichen die Handschrifterkennung per Stylus-Eingabe. Das Nokia N900 könnte nun als erstes Smartphone von dieser Praxis der Finnen abweichen. Englischsprachige Blogs spekulieren, dass das für Ende 2009 erwartete Internet Tablet über einen kapazitiven Touchscreen wie das iPhone verfügen könnte. Dies würde eine intuitivere Bedienung mit den Fingern sowie Effekte wie Multitouch ermöglichen. Wirklich belegen können die Blogs ihre Vermutungen jedoch leider nicht. Es wird jedoch darauf verwiesen, dass interne Nokia-Quellen von der besonders fingerfreundlichen Bedienung berichten.
Trotzdem ist das Gerücht erstaunlich: Bei einem Nachfolger für das 5800 XpressMusic könnte man sich das gut vorstellen, würde das doch der Bedienbarkeit eines solchen Multimedia-Handys deutlich entgegen kommen. Aber nun soll ausgerechnet ein Business-Handy wie das Nokia N900 über den ersten kapazitiven Touchscreen von Nokia verfügen? Ein Handy, bei dem die Handschrifterkennung, die auf kapazitiven Displays große Probleme mit sich bringt, ein echtes Verkaufsargument wäre?
Tablet mit Linux schon am 1. Juli 2009?
Der finnische Gerätehersteller Nokia könnte noch in diesem Sommer die Smartphone-Landschaft ein wenig aufwirbeln: Schon am 1. Juli 2009 soll ein neues Smartphone mit der Bezeichnung Nokia N900 in den Läden stehen. Dies berichtet das Technik-Blog Techcrunch mit Berufung auf ihm zugespielte Unterlagen der Finnen. Das Besondere an dem Nokia N900: Es setzt nicht etwa auf eine Symbian-Oberfläche sondern nutzt mit Maemo Harmattan oder auch Maemo 5 ein Linux-Betriebssystem.
Das Nokia N900 soll ein mit 3,5 Zoll ansprechend großes Display und 32 Gigabyte internen Speicher besitzen. Beeindruckend dürften auch die 800 x 480 Pixel Auflösung des Displays wirken. Ein OMAP-3430-Prozessor soll für die nötige Leistung sorgen, eine 5-Megapixel-Kamera und ein Media-Player für die Unterhaltung. Surfen soll man auf dem Nokia N900 nicht mit einem mobilen Browser, sondern dem regulären Firefox 3 mit Flash-9.4-Unterstützung. Mit Abmessungen von 59,7 x 111,0 x 18,2 Millimetern fällt das Tablet vergleichsweise klein aus, es ist kaum größer als ein gängiges Smartphone - vom hohen Gewicht von 180 Gramm einmal abgesehen.
Angesichts dessen, dass das Nokia N900 nicht nur ähnliche Abmessungen, sondern auch sehr ähnliche Leistungsdaten wie gängige Smartphones besitzt, kann kaum noch von einer eigenen Geräteklasse „Internet Tablet“ gesprochen werden. Hier kommt im Grunde ein HighEnd-Smartphones mit Linux-Betriebssystem! Und das in Asien bereits am 1. Juli 2009. In den USA soll der Marktstart im August oder September erfolgen, in Europa dann im Oktober.













