Das Wichtigste auf einen Blick:
- Ab Tages-Lärmexpositionspegel von 85 Dezibel ist Gehörschutz am Arbeitsplatz vorgeschrieben
- Ohrstöpsel: einfacher Lärmschutz, z.B. nachts oder im Büro
- Für Konzerte: Modelle mit Akustikfilter
- Kapselgehörschutz: bei sehr hohen Lärmpegeln
- Perfekte Passform: individuellen Gehörschutz als Otoplastiken vom Hörgeräteakustiker
In lauten Umgebungen ist das Tragen eines Gehörschutzes unerlässlich. Ob beim Straßenbau, am Flughafen oder in der Forstwirtschaft – auch bei handwerklichen Tätigkeiten wie Bohren oder Sägen in der heimischen Werkstatt ist es wichtig, die Ohren vor schädlichen Lärmeinwirkungen zu schützen, um das Gehör vor bleibenden Schäden zu bewahren.
Wann empfiehlt sich das Tragen eines Gehörschutzes?
Ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 85 Dezibel ist das Tragen von Gehörschutz am Arbeitsplatz vorgeschrieben (seit 2006, gemäß der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung). Zudem ist der Arbeitgeber verpflichtet, ab einem Pegel von 80 Dezibel geeigneten Gehörschutz bereitzustellen. Viele Kettensägen, Hochdruckreiniger, Rasenmäher und andere motorbetriebene Geräte überschreiten diesen Wert deutlich. Deshalb ist es auch für Privatpersonen ratsam, bei solchen Tätigkeiten einen Gehörschutz zu tragen. Zudem kann bei Konzerten oder Motorsportveranstaltungen das Gehör durch sehr hohe Lautstärken belastet werden. Für Veranstaltungen gilt die europäische Norm DIN 15905-5, wonach das Publikum maximal 30 Minuten einem Schalldruckpegel von 99 Dezibel ausgesetzt werden darf – Werte, die in der Praxis auf vielen Events regelmäßig überschritten werden.Ohrstöpsel
Die wohl bekannteste Form des Gehörschutzes sind Ohrstöpsel. Viele nutzen sie, um nachts ungestört zu schlafen oder in offenen Büros konzentriert zu arbeiten. Sie bestehen aus Materialien wie wachsgetränkter Wolle, Silikon oder Schaumstoff und werden vor Gebrauch individuell angepasst. Wachskugeln werden zum Formen geknetet und danach sorgfältig in den Gehörgang gesetzt. Schaumstoffstöpsel hingegen werden zusammengerollt eingeführt und entfalten sich dann im Ohr. Kunststoffstöpsel in Lamellenform sind bereits fertig geformt. Einige Modelle verfügen über einen Bügel, der entweder im Nacken, unter dem Kinn oder über dem Kopf getragen wird und den Druck im Gehörgang mindert. Obwohl Ohrstöpsel preiswert sind, können sie sich durch Ohrenschmalz schnell verschmutzen. Da eine Reinigung kaum möglich ist, sollten sie nicht über längere Zeit wiederverwendet werden.Gehörschutz für Konzerte und Musik – mit Akustikfilter
Standard-Schaumstoffstöpsel dämpfen hohe Frequenzen stärker als tiefe, was bei Musik zu einer stark verfärbten Klangwahrnehmung führt. Für Konzerte, Festivals oder den musikalischen Einsatz empfehlen sich daher spezielle Ohrstöpsel mit linearem Akustikfilter: Deren Filtertechnik sorgt für eine möglichst gleichmäßige Dämpfung über alle Frequenzen hinweg, sodass die Musik leiser, aber klangtreu klingt und Gespräche weiterhin verständlich bleiben. Typische Dämpfwerte liegen bei 15 bis 25 Dezibel (SNR). Für kleine Veranstaltungsorte empfehlen sich Modelle mit 16 bis 19 dB, für laute Festivals 20 bis 25 dB. Bekannte Hersteller solcher Musik-Ohrstöpsel sind Alpine, Senner, Sennheiser und BOLLSEN. Viele Modelle dieser Kategorie sind wiederverwendbar und damit umweltfreundlicher als Einwegstöpsel. Als besonderen Tipp: Wer regelmäßig Konzerte besucht oder Musik macht, sollte auch individuell angepasste Otoplastiken mit Musikfilter in Betracht ziehen.Kapselgehörschutz
Der Kapselgehörschutz erinnert optisch an Kopfhörer und wird speziell bei sehr hohen Lärmpegeln eingesetzt. Die Außenschale aus Hartplastik ist an den Kontaktstellen gepolstert und die Innenfläche mit schalldämmendem und weich gepolstertem Schaumstoff ausgekleidet. Es gibt Varianten mit Kopf-, Nacken- oder Universalbügel sowie Modelle, die an Helmen montiert werden können. Für kurze, häufig unterbrochene Tätigkeiten wie Sägen oder Bohren ist der Kapselgehörschutz besonders praktisch, da er schnell auf- und abgesetzt werden kann.Manche Modelle sind mit einer pegelabhängigen aktiven Dämpfung ausgestattet: Ein Mikrofon auf der Außenseite nimmt Umgebungsgeräusche auf, die ein eingebauter Verstärker verarbeitet und über einen Lautsprecher in der Kapsel abgibt. Dabei sorgt eine interne Regelung dafür, dass nur Geräusche unterhalb einer bestimmten Lautstärke verstärkt werden, während lautere Töne stark gedämpft werden. So bleiben Gespräche und Warnsignale hörbar, während schädlicher Lärm abgeblockt wird. Solche aktiven Kapselgehörschützer werden auf Polizeischießständen und von Jägern eingesetzt, finden sich aber zunehmend auch auf Baustellen und in der Industrie. Darüber hinaus bieten viele aktuelle Modelle Bluetooth-Konnektivität, ein eingebautes Radio oder Anschlussmöglichkeiten für Funkgeräte und externe Audiogeräte. Führende Hersteller aktiver Kapselgehörschützer sind 3M Peltor, Honeywell Howard Leight und MSA Sordin. Der Dämmwert (SNR) liegt bei Kapselgehörschutz typischerweise zwischen 17 und 35 Dezibel.




