Euroscheine auf der Wäscheleine (Bildquelle: Artem Kontratiev / shutterstock.com)

Gut und günstig: Geht das bei einer Waschmaschine? Unsere Tipps für eine kluge Kauf-Entscheidung

Anders als der Kauf eines Smartphones ist die Anschaffung einer Waschmaschine für die meisten Menschen nur ein notwendiges Übel. Ohne geht es nicht, das ist klar. Aber wie viel Geld sollten Sie in eine Waschmaschine investieren? Lohnt sich der Griff zu einem teuren Modell von Miele oder Siemens oder tut es auch ein günstiger Waschautomat einer kleinen Marke?

Wenn Sie ein in der Anschaffung besonders preiswertes Modell suchen, müssen Sie unter Umständen ein paar Abstriche beim Komfort machen. In ein paar Punkten sollten Sie jedoch keine Kompromisse eingehen. Wir stellen Ihnen Merkmale vor, auf die Sie selbst bei einer Waschmaschine mit einem attraktiven Preis nicht verzichten sollten.

Auch Preise zu vergleichen, trägt dazu bei, Ihren Geldbeutel zu schonen - Vorsicht ist jedoch geboten, wenn der Preis verdächtig niedrig ist. Wir verraten Ihnen, wie Sie sogenannte Fake-Shops erkennen.

Woran kann man sparen? Worauf sollte man nicht verzichten?

Die gute Nachricht zuerst: Auch günstige Waschmaschinen waschen gut und fallen nicht unbedingt durch eine kürzere Haltbarkeit auf. Das belegen die Testergebnisse der Stiftung Warentest aus den vergangenen Jahren. Soll es ein Testsieger sein, werden Sie allerdings stärker zur Kasse gebeten: Mit rund 550 Euro aufwärts müssen Sie schon rechnen.

Zu den Testsieger-Waschmaschinen

Gut getestete günstige Waschmaschinen gibt es den Testern zufolge schon für rund 400 Euro.

Einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Verkaufspreis und Qualität haben wir nicht gefunden ... - Stiftung Warentest (FAQ Waschmittel und Waschmaschine vom 30.04.2020)

Dennoch lohnt es sich, bei vergleichsweise preiswerten Waschmaschinen, egal ob von einer bekannten Marke oder von Low-Budget-Herstellern, genau hinzusehen. Den günstigen Preis erkaufen Sie sich häufig mit dem Verzicht auf praktische Funktionen. Auch lärmen günstige Waschmaschinen meist gewaltiger oder zeichnen sich durch einen höheren Strom- und Wasserverbrauch aus, der Sie langfristig etwas stärker belastet.

A+++ oder A++? Wie groß ist der Unterschied?

Auch unter den günstigen Waschmaschinen gibt es inzwischen etliche, die die beste Energieeffizienzklasse A+++ auf dem EU-Label tragen und damit einen geringen Strom- und Wasserverbrauch versprechen. Innerhalb dieser Klasse gibt es allerdings gewaltige Unterschiede. So unterbieten die besten Waschmaschinen am Markt den Grenzwert für A+++ um satte 70 Prozent. Der Unterschied zu A++ ist hier noch eklatanter.

Zu den sparsamsten Frontladern

Zu den sparsamsten Topladern

Wie groß die Stromersparnis im Alltag allerdings tatsächlich ausfällt, hängt stärker von Ihrem eigenen Verhalten ab als von der Frage nach Energieeffizienzklasse A+++ oder A++. Denn: Die Werte auf dem Label beziehen sich auf das Standardwaschprogramm Baumwolle bei 40 bzw. 60 Grad Celsius im Eco-Modus, das mindestens drei, oft aber auch vier bis fünf Stunden für einen Waschgang benötigt. Wenn Sie das Eco-Programm nicht regelmäßig verwenden, sind die Werte auf dem EU-Label Makulatur.

Eine Verbraucherbefragung zur Programmnutzung bei Waschmaschinen (hier im PDF), durchgeführt vom Öko-Institut e. V., zeigt, dass Verbraucher bevorzugt kürzere Programme nutzen. Diese strapazieren im Verhältnis Ihre Stromrechnung allerdings stärker.

Maßgeblich für die tatsächlichen Verbräuche ist zudem, ob Sie die Kapazität Ihrer Waschmaschine wirklich regelmäßig ausnutzen. So ist eine Waschmaschine, die 8 Kilogramm fasst, für einen Single-Haushalt in den meisten Fällen überdimensioniert: Wenn die Waschmaschine nur halb gefüllt läuft, verschenken Sie Strom und Wasser. Daran ändert auch eine Mengenautomatik oder die Option Halbe Beladung nichts, die die Verbräuche zwar anpassen, aber leider nicht im selben Maße, wie wenn Sie die Kapazität vollständig ausnutzten.

Günstig und leise, geht das?

Grundsätzlich gibt es auch preiswerte Waschmaschinen bis um die 400 Euro, die leise bis normal laut im Wasch- und Schleudergang arbeiten. Die Mehrheit der von uns seit 2017 erfassten Waschmaschinen aus dem günstigen Segment arbeitet jedoch im Durchschnitt lauter als die kostenintensiveren Modelle. Beim Waschen rumpeln sie mit durchschnittlich gut 56 Dezibel, beim Schleudern mit fast 77 Dezibel. Dem gegenüber waschen die höherpreisigen Waschmaschinen mit durchschnittlich leisen 50 Dezibel und schleudern mit gut 73 Dezibel. Auch wenn die Unterschiede auf den ersten Blick kaum nennenswert erscheinen, so sollten Sie bedenken, dass ein Unterschied von 10 Dezibelpunkten sich für das menschliche Ohr wie eine Verdoppelung der Lautstärke anhört.

Wenn Sie Ihre Waschmaschine in den Keller oder einen anderen Abstellraum verbannen können, spielt die Lautstärke bei der Auswahl sicher keine zentrale Rolle. Bei einer hellhörigen Mietwohnung kann sie aber ein Ausschlusskriterium sein.

Eine Auswahl an preiswerten Waschmaschinen mit moderater Lautstärke

3,1 von 5
(5)
von 5
(0)
3,8 von 5
(45)
von 5
(0)
Lautstärke beim Schleudern
Lautstärke beim Schleudern
70 dB(A)
74 dB(A)
74 dB(A)
74 dB(A)
Produkt ansehen Produkt ansehen Produkt ansehen Produkt ansehen

Darauf sollten Sie auch bei einer günstigen Waschmaschine nicht verzichten

Egal, wie preiswert die Waschmaschine auch ist: Die gängigen Standardprogramme sind immer an Bord. Doch auch die günstigen bieten oft eine Reihe an Zusatzprogrammen für jeden Anspruch. Wenn in Ihrem Haushalt zum Beispiel pflegebedürftige Menschen oder Allergiker leben, dann bietet es sich an, ein Modell mit Allergiker- oder Hygiene-Programm zu wählen.

Die Maschine sollte auf jeden Fall mit hohen Temperaturen von 90 oder 95 Grad Celsius (Kochwäsche) waschen können. Das trägt auch dazu bei, dass die Waschmaschine und/oder Ihre Wäsche nicht zu müffeln anfangen (Tipps zur richtigen Waschmaschinen-Pflege finden Sie hier).

Für wenig schwitzende Büroarbeiter bietet sich ein Programm zur schnellen Auffrischung der Wäsche an. Auch für Sport- und Outdoorwäsche (inklusive Imprägnierung) gibt es spezielle Waschprogramme.

Eine Klassifizierung in die beste Energieeffizienzklasse A+++ ist angesichts seit Jahren steigender Strompreise sicher nicht verkehrt. Die Stromkosten niedrig halten können Sie jedoch vor allem, wie oben beschrieben, durch Ihr eigenes Verhalten. Ideal ist es, wenn Sie bevorzugt im Eco-Modus waschen, der allerdings seine Zeit braucht. Die aktuellen Waschmaschinen aus unserer Bestenliste seit 2017 benötigen vollbeladen im Eco-Standardwaschgang bei 60 Grad Celsius durchschnittlich gut 230 Minuten. Wenn Ihre neue Waschmaschine eine Start- oder Endezeitprogrammierung besitzt, lässt sich das Waschen damit stressfrei planen. Auch die günstigen Waschmaschinen bringen meist so eine praktische Startzeitverzögerung mit.

Nicht verzichten sollten Sie auch auf die meist verbaute Mengenautomatik, eine Unwuchtkontrolle und einen AquaStop-Schlauch, der Ihnen ein Minimum an Schutz vor Wasserschäden bietet. Ihn können Sie jedoch im Notfall auch für ein paar Euro im Baumarkt nachkaufen.

Bedienmenü einer Candy-Waschmaschinen Was ist was? Wissen Sie es auf Anhieb? Typische Beschriftung auf einem Frontlader von Candy. (Bild: candy.de)

Zweifel an einer einfachen Bedienbarkeit lassen manche Bedienmenüs aufkommen, die ausschließlich aus Icons bestehen. Hersteller wie Hoover oder Candy beispielsweise setzen oftmals auf Symbole statt auf klare Beschriftung. Hier ist zumindest am Anfang die Bedienungsanleitung Ihr treuer Begleiter. Wir empfehlen daher nicht nur älteren Menschen, auf eine klare Beschriftung der Waschmaschine zu achten, die eine intuitive Handhabung zulässt.

 

Gebraucht kaufen oder lieber nicht?

Einige Euro lassen sich garantiert sparen, wenn Sie sich auf dem Gebrauchtmarkt umsehen. Doch sollten Sie neben den oben genannten Punkten auch unbedingt das Alter der Maschine berücksichtigen. Wenn Sie von Privat kaufen, tragen Sie das Risiko, wenn die Waschmaschine kurz darauf das Zeitliche segnet. Eine Reparatur hat aus rein wirtschaftlicher Sicht oftmals keinen Sinn.

Auch wenn das ein oder andere ursprünglich sehr hochpreisige Modell 20 Jahre alt werden könnte: Kalkulieren Sie lieber mit einer Haltbarkeit von etwa 10 Jahren. Die ist absolut realistisch: Die Stiftung Warentest unterzieht seit ein paar Jahren alle Waschmaschinen einer Dauerprüfung, die eine 10-jährige Nutzung simuliert. Dabei werden jeweils drei Produkte eines Modells dem Stresstest ausgesetzt. Die Waschmaschinen fast aller Hersteller schneiden in diesem Punkt „sehr gut“ bis „gut“ ab.

Laut einer Statista-Umfrage von 2016 stehen nur in 10,2 Prozent der deutschen Haushalte Waschmaschinen, die vor mehr als 10 Jahren gekauft wurden. Mehrheitlich, so gaben es 42,7 Prozent der Befragten an, ist der letzte Waschmaschinen-Kauf 2 bis 5 Jahre her. Auch das lässt vorsichtige Rückschlüsse auf die Haltbarkeit heutiger Waschmaschinen zu.

Fakeshops: Vorsicht, wenn der Preis zu gut ist

Wenn die Wahl auf eine Waschmaschine gefallen ist, dann heißt es, die Preise der Online-Händler gründlich zu vergleichen, um wirklich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu erwischen. Wenn Ihnen dabei ein krasser Preisausreißer nach unten auffällt, sollten Sie nicht direkt blind zugreifen, sondern prüfen, ob das Angebot wirklich seriös ist. Mancher Preis ist schlicht zu gut, um wahr zu sein. Gemein: Gefälschte Online-Shops sind - oberflächlich betrachtet - oft nicht auf Anhieb erkennbar. Ein gepflegter Auftritt, Produktbilder und -informationen wirken vertrauenserweckend.

Ist die Vorauszahlung erstmal geleistet, täuschen Fakeshop-Betreiber nicht selten Lieferschwierigkeiten vor. Viele Betrugsopfer erhalten ihre Ware nicht oder nur ein anderes, minderwertigeres Modell.

Generell misstrauisch werden sollten Sie, wenn

  • Sie die Waschmaschine nur per Vorauszahlung (Überweisung) bezahlen können. Fake-Shops täuschen häufig bis zum letzten Bestellschritt vor, dass auch andere Zahlungsweisen, zum Beispiel die Begleichung per Rechnung, akzeptiert werden.
  • der Shop bei vielen Waschmaschinenmodellen den günstigsten Preis im Netz bietet.
  • mit Siegeln geworben wird, die nicht anklickbar sind. Ein echtes Gütesiegel, zum Beispiel von Trusted Shops, muss mit dem Zertifikat des entsprechenden Siegel-Betreibers verlinkt sein.
  • die Internetadresse zum Beispiel durch eine seltsame Domainerweiterung (.de.com) auffällt oder der Seitenname thematisch nicht zu den angebotenen Produkten passt.
  • das Impressum lückenhaft oder gar nicht vorhanden ist. Es sollte neben Anschrift und E-Mail-Adresse auch einen Vertretungsberechtigten namentlich nennen. Auch die Handelsregisternummer ist im Impressum üblich.
  • keine oder fehlerhaft übersetzte AGB ausgewiesen werden.

Günstige & getestete Waschmaschinen