Das Wichtigste auf einen Blick:
- Nachtcremes meist reichhaltiger als Tagescremes
- Öko-Test: Gute Feuchtigkeitspflege kann Nachtcreme ersetzen
- Nachtcremes mit UV-Filter sinnlos
- Cremes mit dem krebsverdächtigen Benzophenon am besten ignorieren
- Ausreichend Schlaf effektivster Wirkstoff für die Regeneration der Haut
- Öko-Test wertet Antifalten-Nachtcremes ohne nachgewiesenen Anti-Aging-Effekt ab
Wenn eine Nachtcreme mit Anti-Aging-Funktion wirbt – wie etwa die Nivea Professional Hyaluronsäure Nachtpflege – , muss sie laut Öko-Test nachweisen, dass sie einer normalen Pflegecreme überlegen ist. (Bild: amazon.de)
Die Nacht bietet die beste Gelegenheit, der Haut mit spezieller Pflege etwas Gutes zu tun. Während dieser Zeit läuft die Regeneration auf Hochtouren, Nährstoffe werden optimal aufgenommen und verarbeitet. Die Haut kann sich von den Beanspruchungen des Tages erholen. Doch zu viel sollten Sie von Nachtcremes laut Öko-Test nicht erwarten. Gesünderen Schlaf hält das Magazin für weitaus wichtiger als die großen Versprechen von Anti-Aging oder UV-Schutz bei Nachtpflegeprodukten. Wenn Nachtcremes tatsächlich medizinisch wirksam wären, würden sie als Arzneimittel gelten und nicht als Kosmetik. Daher schneiden Nachtcremes mit Labels wie „Anti-Falten" oder „für reife Haut" in Tests häufig schwach ab. Kann die Redaktion von Öko-Test nicht nachweisen, dass eine Anti-Falten-Nachtcreme wirkungsvoller als eine gewöhnliche Pflegecreme ist, bewertet sie das als Mangel.
Sinnvoll oder fragwürdig? Nachtcremes mit UV-Schutz
Ähnlich wie bei den Tagescremes gibt es Nachtcremes für verschiedene Hauttypen. Weniger sinnvoll ist allerdings ein UV-Filter in einer Nachtpflege. Beim Kauf einer Creme sollten Sie vor allem auf die individuellen Anforderungen Ihrer Haut achten. Für fettige, zu Unreinheiten neigende Haut empfiehlt sich eine Creme mit hohem Feuchtigkeitsanteil und geringem Fettgehalt, da zusätzliche Fette die Poren verstopfen und Unreinheiten begünstigen können. Spezielle Produkte regulieren nachts sogar die Talgproduktion. Für trockene Haut ist hingegen eine fetthaltige Creme vorteilhaft. Da Fettglanz nachts nicht stört, können Sie die Creme ruhig großzügig auftragen. Auch für Mischhaut bietet der Markt passende Nachtcremes. Hersteller begründen oft ihre stark differenzierte Produktpalette so: Ein Alleskönner könne nie so gut wirken wie ein auf ein spezifisches Hautproblem ausgerichtetes Produkt. Daher empfiehlt man, unterschiedliche Cremes für verschiedene Gesichtspartien zu verwenden. Sobald erste Fältchen auftreten, wird zu Cremes geraten, die die Haut straffen und aufpolstern.Öko-Test: Einige Inhaltsstoffe sind überholt
Öko-Test nimmt eine zurückhaltendere Haltung ein: Spezielle Tag- und Nachtcremes minimieren zwar das Risiko eines Fehlkaufs, doch auch eine gute Feuchtigkeitscreme kann ähnlich wirksam sein. Viel bedeutender sei der Blick auf zeitgemäße Herausforderungen – zum Beispiel die Korallenbleiche, zu der Inhaltsstoffe wie Benzophenon und dessen Derivat Benzophenon-3 beitragen können, die unter anderem als UV-Filter in Sonnenschutzmitteln eingesetzt werden. Das Verbot solcher UV-Absorber in Sonnenschutzprodukten auf Hawaii verdeutlicht, wie problematisch deren Einsatz sein kann. Auch für nächtliche Pflegeprodukte, die gesundheitlich unbedenklich sein sollen, empfiehlt sich der Verzicht auf Benzophenon. Dänische Expertinnen und Experten stufen diese Substanz als möglicherweise krebserregend ein und setzen sich für die Aufnahme in die KMR-Liste, die Stoffe mit krebserregenden, mutagenen oder reproduktionstoxischen Eigenschaften umfasst, ein.Kann man statt Nachtcreme einfach eine Tagescreme verwenden?
Die Idee, die Nachtcreme durch die gewohnte Tagespflege zu ersetzen, kommt vielen, die bezweifeln, dass die Haut nachts auf spezielle, oft teure Wirkstoffe reagieren muss. Für sensible Haut ist das jedoch nicht ratsam, denn Nachtcremes sind meist deutlich reichhaltiger als Tagescremes. Letztere sind oftmals zu leicht und versorgen die Haut nicht ausreichend mit Nährstoffen und Feuchtigkeit. Umgekehrt können Sie in bestimmten Situationen auch tagsüber eine Nachtcreme verwenden – etwa im Winter, wenn die Temperaturen um den Gefrierpunkt schwanken. Bei Kälte freut sich die Haut über den zusätzlichen Schutz, den die reichhaltige Textur bietet. Die Haut nimmt sich, was sie braucht. Expertinnen und Experten vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) warnen hier jedoch vor Übermaß: Zu viel fetthaltige Pflege kann der Haut schaden. Nicht aufgenommene Fette bilden einen Film, der die natürliche Verdunstung von Feuchtigkeit blockiert und so ein feuchtwarmes Milieu erzeugt, das Bakterien und Hefepilzen entgegenkommt.Im Schlaf schüttet der Körper Wachstumshormone aus, die die Neubildung gesunder Hautzellen fördern. Bei Schlafmangel produziert der Körper dagegen Stresshormone, die die Regeneration hemmen. Ausreichender Schlaf ist daher die effektivste Pflege für Ihre Haut – oft sogar wirkungsvoller als teure Seren, hochkonzentrierte Nachtcremes oder Kombinationen mit hochmolekularer Hyaluronsäure.
Lesetipp: Was der Haut wirklich hilft und wie Tests zu Tages-, Anti-Falten- und Augencremes urteilen


