Die bes­ten Bal­kon­kraft­werke | Test 06/2026

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Ratgeber: Balkonkraftwerke

Bal­kon­kraft­werk Test & Kauf: Der große Rat­ge­ber für Ein­stei­ger

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • niedriger Einstiegspreis: Ab ca. 200–300 Euro, keine Mehrwertsteuer
  • schnelle Amortisation: Oft schon nach 3–5 Jahren
  • rechtlich einfach: Nur Anmeldung im MaStR nötig; Mieter haben seit 2024 ein Recht auf Installation
  • Speicher, leistungsstärkere Module oder WLAN-Wechselrichter nachrüstbar
  • ohne Speicher wird nicht verbrauchter Strom unentgeltlich eingespeist
  • aisonale Schwankungen: Im Winter deutlich weniger Ertrag

Balkonkraftwerk mit Speicher von EcoFlow, bestehend aus zwei Solarmodulen und einem Akku-Speicher, auf einem Balkon montiert Balkonkraftwerk mit Speicher von EcoFlow: Solarpanels und Akku liefern auch abends Solarstrom. (Bildquelle: ecoflow.com)

Mit einem Balkonkraftwerk kann fast jeder etwas zur Energiewende beitragen – und dabei Geld sparen. Wenn die Sonne scheint, betreiben Sie Kühlschrank und Co. direkt mit selbst erzeugtem Solarstrom und beziehen entsprechend weniger Strom aus dem öffentlichen Netz. Eine steckerfertige Mini-PV-Anlage amortisiert sich dabei oft schon nach wenigen Jahren.


Grundlast vor dem Kauf ermitteln: Berechnen Sie vor der Anschaffung Ihre Grundlast – also den Dauerstromverbrauch aller permanent laufenden Geräte wie Kühlschrank, Router und Stand-by-Geräte. So wissen Sie, welche Leistung das Balkonkraftwerk mindestens haben sollte.

Nicht verbrauchter Solarstrom wird ohne Vergütung ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Nutzen Sie daher idealerweise so viel selbst erzeugten Strom wie möglich direkt.


Ist eine Stecker-Solar-Anlage für mich sinnvoll?

Wer einen Balkon, eine Terrasse oder ein Garagendach hat, auf dem ein oder zwei Solarmodule Platz finden, hat bereits die wichtigste Voraussetzung erfüllt. Entscheidend ist außerdem: Sie sollten den erzeugten Strom möglichst direkt verbrauchen können – entweder weil Sie tagsüber zu Hause sind, oder indem Sie einen Speicher nachrüsten, der den Strom für den Abend aufbewahrt.

Mögliche Erträge: Was leistet ein Balkonkraftwerk?

Die folgenden Tabellen zeigen Richtwerte für typische Anlagengrößen. Die tatsächlichen Erträge hängen von Ausrichtung, Verschattung, Lage und Wetter ab.

Erträge einer 400-W-Anlage:
Komponenten
  • 2 x 200-W-Solarpanels
  • 400-W-Wechselrichter
Ertrag pro Tag (Sommer)2,6 kWh
Ertrag pro Tag (Winter)0,8 kWh
Ertrag pro Jahrca. 400 kWh


Erträge einer 800-W-Anlage:
Komponenten
  • 2 x 400-W-Solarpanels
  • 800-W-Wechselrichter
Ertrag pro Tag (Sommer)4,8 kWh
Ertrag pro Tag (Winter)2,0 kWh
Ertrag pro Jahrca. 800 kWh


Datenquelle: greensolar.de

So berechnen Sie den Tagesertrag Ihrer Anlage

Kapazität des BKW in kW × Sonnenstunden × Effizienz der Solarmodule (Herstellerangabe) = Ertrag pro Tag in kWh

Beispiel: 600-W-Anlage, 7,5 Sonnenstunden, 75 % Effizienz:
0,6 kW × 7,5 h × 0,75 = 3,375 kWh


Schritt 1: Stromverbrauch ermitteln

Bevor Sie kaufen, lohnt sich ein Blick auf Ihren tatsächlichen Stromverbrauch. Mit einem Stromkostenmessgerät lässt sich die Grundlast einzelner Geräte bequem messen. Alternativ können Sie den Zählerstand morgens und abends (mit Uhrzeit) ablesen und die Differenz berechnen.

Rechenbeispiel zur Ermittlung der Grundlast: Zählerablesung morgens und abends mit Differenzberechnung in kWh

Schritt 2: Ausrichtung und Standort prüfen

Am ertragreichsten sind die Himmelsrichtungen Südost, Süd und Südwest. Aber auch eine reine Ostausrichtung kann sich lohnen, wenn Sie morgens viel zu Hause sind und dabei viel Strom verbrauchen.



Wer sowohl die Ost- als auch die Westseite nutzen kann, hat den Vorteil, dass morgens und nachmittags Strom erzeugt wird. Bei großen Dachflächen kann diese Aufteilung bis zu 95 Prozent des maximalen Ertrags einer reinen Südausrichtung erreichen.

Die beste Solarausbeute bringen die Monate Mai bis August – teils auch September. Im Sommer scheint die Sonne rund 11 Stunden, im Frühling und Herbst etwa 7 Stunden, im Winter rund 5 Stunden. Moderne Panels arbeiten dank Halbzellen-Technik („Half-Cut") auch bei Bewölkung oder Teilschatten. Bifaziale (doppelseitige) Module erzeugen zusätzlich über die Rückseite Strom.

Schritt 3: Checkliste vor dem Kauf

  1. Haben Sie eine Steckdose auf dem Balkon? Sind die Stromleitungen in einwandfreiem Zustand? (Ältere Leitungen sollte eine Elektrofachkraft prüfen.)
  2. Haben Sie genug Platz – auf dem Balkon, der Terrasse, im Garten oder auf dem Garagendach?
  3. Gibt es Verschattungen durch Bäume oder Nachbargebäude? Falls ja: Half-Cut-Module sind hier im Vorteil.
  4. Was ist Ihre Grundlast und wie groß soll die Anlage sein?
  5. Gibt es in Ihrer Region eine Förderung? Was sind die Voraussetzungen?
  6. Glas-Module wiegen 20 bis 25 kg pro Stück – prüfen Sie, ob das für Ihren Standort sicher befestigt werden kann.

Beim Kauf eines Balkonkraftwerks fällt keine Mehrwertsteuer an – der gesetzliche Nullsteuersatz für Photovoltaikanlagen gilt unbefristet. Darüber hinaus gibt es regionale Förderprogramme in einigen Bundesländern und Kommunen. Aktuelle Informationen dazu finden Sie beim Überblick über Balkonkraftwerk-Förderungen bei finanztip.de.


Brauche ich einen neuen Stromzähler?

Wer noch einen analogen Ferraris-Zähler mit Drehscheibe hat, kann diesen vorerst behalten – er ist für den Betrieb eines Balkonkraftwerks übergangsweise erlaubt. Bei älteren Gebäuden empfiehlt es sich, Elektroinstallation und Sicherungskasten von einer Fachkraft prüfen zu lassen. Den Austausch gegen einen digitalen Zähler übernimmt der Netzbetreiber – kostenlos für Sie.

Das Solarpaket I (in Kraft seit Mai 2024) erlaubt den vorübergehenden Weiterbetrieb analoger Zähler. Ein Ferraris-Zähler ohne Rücklaufsperre läuft beim Einspeisen rückwärts – das ist gesetzlich geduldet. Digitale Geräte mit Rücklaufsperre erkennen Sie am aufgedruckten Zahnradsymbol.


Welche Steckdose und welcher Stecker?

Ideal ist eine vorhandene Steckdose auf dem Balkon – dann entfallen Installationskosten. Steckerfertige Anlagen werden entweder mit dem Wieland-Stecker oder dem gängigen Schukostecker geliefert.

Drei Steckertypen für Balkonkraftwerke im Vergleich: herkömmlicher Schukostecker (Mitte) und Wieland-Stecker (rechts) Schukostecker (Mitte) und Wieland-Stecker (rechts): Beide sind für Balkonkraftwerke zugelassen. (Bildquelle: Testberichte.de / sl)

Dank Solarpaket I ist der Schukostecker ausdrücklich zulässig; die entsprechende VDE-Norm wurde angepasst.

Optimale Modulneigung: 36 Grad für den besten Ertrag

Eine Neigung von rund 36 Grad bringt die höchste Lichtausbeute. Die meisten Komplett-Sets enthalten bereits passende Halterungen. Auch eine senkrechte Montage (90 Grad) direkt an der Balkonbrüstung ist möglich, liefert aber weniger Ertrag.

Prüfen Sie vor dem Kauf, welche Halterungen und Befestigungsmaterialien im Lieferumfang enthalten sind – und ob diese zu Ihrem Balkon oder Standort passen. Im Zweifelsfall müssen Sie passendes Zubehör nachkaufen.


Welchen Wechselrichter brauche ich?

Der Wechselrichter wandelt den von den Solarpanels erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom um. Seit dem Solarpaket I sind Wechselrichter mit bis zu 800 Watt zulässig. Auch wenn die Solarmodule mehr leisten, begrenzt der Wechselrichter die Einspeisung automatisch.

Wer noch einen älteren 600-Watt-Wechselrichter hat: Viele Modelle lassen sich per Software-Update auf 800 Watt aufrüsten. Prüfen Sie das beim Hersteller.

Sets mit upgrade-fähigem Wechselrichter im Vergleich


WLAN-fähige Wechselrichter ermöglichen die Überwachung per App: So sehen Sie auf einen Blick, wann Ihre Anlage die größte Leistung bringt, und können Ihren Verbrauch entsprechend anpassen.

Sets mit WLAN-fähigem Wechselrichter im Vergleich




Nicht alle Wechselrichter auf dem Markt erfüllen alle technischen Normen. Auf akkudoktor.net finden Sie eine regelmäßig aktualisierte Liste zertifizierter Mikrowechselrichter – empfehlenswerte Modelle sind dort klar mit „Daumen hoch" gekennzeichnet.

Alles rund um Wechselrichter für Balkonkraftwerke erklärt der „Akkudoktor" in diesem verlinkten Ratgeber.


Wie viel Leistung sollten die Solarmodule haben?

Die Modulleistung darf deutlich höher sein als die Wechselrichterleistung – der Wechselrichter regelt den Überschuss automatisch herunter. Ein leistungsstärkeres Modul (z. B. 410 W statt 350 W) holt auch bei Bewölkung oder schlechter Ausrichtung mehr Ertrag heraus.

Standard-Glas-Module oder leichte Flexmodule?

Glas-Solarmodule sind rund 20 bis 25 Kilogramm schwer, robust und günstig. Flexible Leichtbaumodule (z. B. von Priwatt oder Zendure) wiegen nur etwa 4 Kilogramm, sind 3 Millimeter dünn und werden mit Klettbändern oder Kabelbindern befestigt.

Solarmodule in Leichtbauweise im Vergleich


Es gibt auch teiltransparente Panels, die optisch kaum auffallen – eine Option für alle, die keine größere Veränderung an der Fassade wünschen.

Blaue und schwarze Solarmodule: Was sind die Unterschiede?

Polykristalline Module (blau)Monokristalline Module (schwarz)
  • 15 bis 18 % Wirkungsgrad
  • günstiger im Preis
  • Leistung bei Bewölkung eingeschränkt
  • 18 bis 22 % Wirkungsgrad
  • auf gleicher Fläche effizienter
  • teurer
  • auch bei Bewölkung nutzbar


Solarstrom speichern: Lohnt sich ein Speicher?

Ein Speicher macht vor allem dann Sinn, wenn Sie tagsüber wenig zu Hause sind und den erzeugten Solarstrom sonst kaum direkt nutzen könnten. Mehrere Hersteller bieten Komplett-Sets mit integriertem Speicher an – etwa die Anker Solix Solarbank (1,6 kWh) oder das EcoFlow Powerstream-Set (1,0 oder 2,0 kWh). Selbst gebaute Lösungen mit großen Powerstations sind technisch anspruchsvoller und lohnen sich nur unter bestimmten Bedingungen.

Balkonkraftwerk-Speicher im Überblick

Wie viel Geld lässt sich tatsächlich sparen?

Dipl.-Ing. D. Radacki vom VDE erläutert: Ein 400-Watt-Modul, senkrecht an einem Südbalkon montiert, liefert etwa 280 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Der tatsächlich eingesparte Netzstrom beläuft sich auf rund 200 Kilowattstunden – je nach Eigenverbrauchsquote. Das entspricht einer Ersparnis von bis zu 70 Euro pro Jahr und deckt grob den Jahresverbrauch von Kühlschrank und Spülmaschine eines Zwei-Personen-Haushalts ab.

Mehr Details zu Regelungen und Wirtschaftlichkeit erklärt das Interview mit Dipl.-Ing. D. Radacki vom VDE auf Testberichte.de. Außerdem interessant: Kann man ein Elektroauto mit einem Balkonkraftwerk laden?


Muss ich als Mieter meinen Vermieter fragen?

Seit Oktober 2024 gelten Steckersolaranlagen im Mietrecht (§ 554 BGB) und im Wohnungseigentumsgesetz (§ 20 WEG) als privilegierte bauliche Maßnahme. Das bedeutet: Vermieter dürfen die Installation nur noch aus triftigen Gründen ablehnen – etwa bei Denkmalschutz oder nachgewiesenen Sicherheitsbedenken. Eine pauschale Ablehnung ist nicht mehr zulässig. Sie sollten den Vermieter dennoch vorab informieren und seine Zustimmung einholen, insbesondere wenn eine Befestigung am Geländer oder an der Fassade nötig ist.

Anmeldung: Wo und wie muss ich das Balkonkraftwerk registrieren?

Seit dem Solarpaket I (in Kraft seit Mai 2024) ist die Anmeldung deutlich einfacher: Sie registrieren Ihr Gerät nur noch einmal im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur. Die früher zusätzlich nötige Anmeldung beim Netzbetreiber entfällt – dieser wird automatisch informiert. Die Registrierung dauert etwa 15 bis 20 Minuten und ist kostenlos. Wer die Anmeldung versäumt, riskiert ein Bußgeld. Auch für Förderzahlungen ist ein MaStR-Eintrag Pflicht.

Tests & Kundenmeinungen: Was sagen Nutzer und Experten?

Balkonkraftwerke werden von Fachmedien wie Chip, c't und der Stiftung Warentest regelmäßig getestet. Gut bewertete Sets verbinden einfache Montage, zuverlässige Wechselrichter und eine hilfreiche App-Anbindung. Im Vordergrund steht meist das Preis-Leistungs-Verhältnis: Einstiegssets ab rund 200 bis 300 Euro können sich bei typischem Verbrauch in drei bis fünf Jahren amortisieren. Marken wie EcoFlow, Anker Solix und Priwatt schneiden in Nutzerbewertungen auf Plattformen überdurchschnittlich ab. Gelobt werden vor allem einfacher Aufbau, leise Wechselrichter und transparente App-Auswertung. Häufigste Kritikpunkte: unvollständige Halterungen im Lieferumfang und unklare Hinweise zur Anmeldepflicht.

Fazit: So finden Sie das richtige Balkonkraftwerk

Ein Balkonkraftwerk lohnt sich für die meisten Haushalte mit Süd- bis Westausrichtung – vor allem, wenn Sie tagsüber zu Hause sind oder einen Speicher ergänzen. Achten Sie beim Kauf auf einen zertifizierten Wechselrichter, ausreichend Modulleistung und den richtigen Befestigungstyp für Ihren Standort. Die Anmeldung im Marktstammdatenregister ist Pflicht, aber unkompliziert. Dank Mehrwertsteuerbefreiung und regionaler Förderungen ist der Einstieg so günstig wie nie.

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