Stärken
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Ermöglicht sehr unabhängiges Reisen
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Anschaffungs- und Unterhaltskosten weitaus günstiger als von Wohnmobilen
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Langlebig
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Zusammen mit Zelt besonders für Familien interessant.
Schwächen
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Technisch passendes Zugfahrzeug erforderlich
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Fahren mit Wohnwagen-Gespann braucht viel Übung
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Führerscheinklasse BE erforderlich
In Deutschland hat sich die Zahl der zugelassenen Wohnwagen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Laut Auswertung des Caravaning Industrie Verbands (CIVD) auf Basis der Daten des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) waren zuletzt rund 780.000 Caravans in Deutschland registriert (Stand: 2025) – ein deutliches Wachstum gegenüber den gut 553.000 Einheiten, die das KBA zum 1. Januar 2009 erfasst hatte. Die Nachfrage nach Neuwohnwagen ist allerdings zuletzt rückläufig: Im Jahr 2025 wurden bis Oktober rund 17.200 Wohnwagen neu zugelassen, was einem Rückgang von etwa 12 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Dennoch bleibt der Gesamtbestand stabil, was nicht zuletzt an der bemerkenswerten Lebensdauer der Caravans liegt – im Durchschnitt sind sie deutlich älter als ein herkömmlicher Pkw.
Knaus Tabbert, Hobby und Bürstner: Die bedeutendsten Hersteller im Überblick
Der deutsche Wohnwagenmarkt wird von wenigen großen Herstellergruppen dominiert. Bei den Neuzulassungen liegt die
Hobby-Fendt-Gruppe traditionell vorne, gefolgt von der
Knaus-Tabbert-Gruppe mit einem Marktanteil von zuletzt rund 23,6 Prozent bei den in Deutschland neu zugelassenen Caravans. Zur Knaus-Tabbert-Gruppe gehören neben Knaus und Tabbert auch die Marken Weinsberg und T@b. Die
Erwin Hymer Group, zu der unter anderem Bürstner, Dethleffs, Eriba und LMC zählen, belegt ebenfalls einen Spitzenplatz und kommt auf rund 22,9 Prozent Marktanteil bei Neuzulassungen. Laut eigenen Angaben ist Hobby, das zur Hobby-Fendt-Gruppe gehört, Weltmarktführer im Bereich Wohnwagenbau.
Schlafmöglichkeiten von zwei bis sieben Plätzen
Die Größen der Wohnwagen variieren stark, wobei vier und sechs Schlafplätze am gebräuchlichsten sind. Kleinere Modelle sind bereits mit zwei Schlafplätzen erhältlich, während sogenannte Familiencaravans bis zu sieben Personen unterbringen können. Ein besonders geräumiges Beispiel ist der Royal Hacienda 1000 TDL des schwedischen Herstellers Kabe, der mit rund 22 Quadratmetern Fläche und einer Aufbau-Länge von zehn Metern aufwartet – der Preis hierfür liegt bei circa 80.000 EUR.
Varianten innerhalb einzelner Baureihen
Der Name einer Baureihe allein gibt nicht immer eindeutig Auskunft über die Größe eines Wohnwagens. So bieten Hersteller wie Hobby ihre Modellreihen jeweils in zahlreichen Versionen an, die sich in Schlafplatzzahl, Länge und Grundriss unterscheiden. Die Bandbreite reicht bei größeren Baureihen von kompakten Zwei-Personen-Modellen bis hin zu ausgewachsenen Familiencaravans mit sieben Schlafplätzen und Längen von über neun Metern.
Ausstattung für Sommer- und Wintercamping
Vor dem Kauf empfiehlt es sich, zu überlegen, in welchem Zeitraum der Caravan vorwiegend genutzt werden soll. Sommercamper legen oft Wert auf eine Außendusche, einen großen Frischwassertank sowie einen leistungsfähigen Kühlschrank. Üblich sind Absorber-Kühlschränke, die auch mit Gas betrieben werden können, wobei diese nicht so schnell kühlen wie Kompressorkühlschränke, die man aus privaten Haushalten kennt. Neuere Modelle bieten zunehmend auch
gaslose Ausstattungspakete mit Induktionsherd, Kompressorkühlung und erweiterter Elektroversorgung an – ein wachsender Trend, der besonders für Camper mit Elektrofahrzeug als Zugwagen relevant ist. Für das Wintercamping ist eine effiziente Fußbodenheizung sowie eine gute Wärmeisolierung entscheidend. Einige Modellreihen, wie etwa die Scandica-Serie von LMC, sind eigens für kalte Temperaturen konzipiert.
Kosten: Einstieg ab rund 19.000 EUR – Preise deutlich gestiegen
Die Wohnwagenpreise sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen – Branchenbeobachter beziffern den Anstieg seit 2019 auf rund 40 Prozent. Der günstigste Einstieg in die aktuelle Knaus Sport-Baureihe liegt für das Modelljahr 2025 bei rund 19.290 EUR. Modelle im mittleren Segment beginnen bei den meisten Herstellern zwischen 22.000 und 28.000 EUR. Höherpreisige Baureihen wie die Dethleffs Beduin-VIP-Serie oder die Kabe-Premiummodelle liegen bei 40.000 EUR und deutlich darüber. Ausschlaggebend für den Preis sind weniger die äußeren Maße, als vielmehr der Umfang und die Qualität der Ausstattung. Features wie Echtledersitze, Klimaanlage, hochwertige Multimedia-Systeme mit Satellitenfernsehen oder eine komplett ausgestattete Küche mit Mikrowelle, Backofen und Dunstabzugshaube treiben den Preis erwartungsgemäß nach oben. Hersteller bieten oft eine umfangreiche Liste an Extras an, zu der Markisen, Fahrradträger oder Vorzelte gehören können. Aufgrund der aktuell gut gefüllten Händlerhöfe und rückläufiger Nachfrage sind derzeit teils spürbare Rabatte auf Lagerfahrzeuge verhandelbar.
Wohnwagen und Elektrofahrzeuge: Was Käufer beachten sollten
Mit der wachsenden Verbreitung von Elektroautos stellt sich für viele Caravan-Interessierte die Frage nach der Zugfahrzeugtauglichkeit. Moderne Elektrofahrzeuge verfügen zwar teils über hohe Anhängelasten, doch die Reichweite sinkt beim Ziehen eines Wohnwagens erheblich – je nach Fahrzeug und Caravangewicht um 40 bis 60 Prozent. Gewichtsbewusste Neulinge sollten daher Leichtbau-Caravans in Betracht ziehen; mehrere Hersteller, darunter Knaus mit dem Yaseo, haben in den letzten Jahren gezielt leichte Modelle für elektromobile Zugfahrzeuge entwickelt. Auch der Führerscheinklasse B (bis 3.500 kg Gesamtgewicht des Gespanns) kommt beim Kauf eines Wohnwagens weiterhin entscheidende Bedeutung zu.
Zulassung für 100 Stundenkilometer ebenfalls möglich
Für die Autobahnfahrt gilt grundsätzlich eine Geschwindigkeitsgrenze von 80 km/h für Wohnwagen. Unter bestimmten technischen Voraussetzungen dürfen jedoch 100 km/h gefahren werden. Dabei sind unter anderem die Gesamtmasse des Anhängers, das Leergewicht des Zugfahrzeuges, Schwingungsdämpfer sowie das Alter der Reifen entscheidend. Das Gespann muss zudem offiziell für die höhere Geschwindigkeit zugelassen sein. Was zunächst als befristeter Modellversuch begann, ist seit 2010 eine unbefristete Verordnung, die von rund 80 Prozent aller Wohnwagengespanne erfüllt wird.