Richard Dawkins Der Gotteswahn 1 Test

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  • Genre Sach­buch & Rat­ge­ber
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Richard Dawkins Der Gotteswahn im Test der Fachmagazine

    • Erschienen: März 2008
    • Details zum Test

    „sehr gut“ (5 von 6 Punkten)

    „... Ein kontroverses, spannendes und überaus hörenswertes Audiobuch zu einem angemessenen Preis. ...“

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Kundenmeinungen (761) zu Richard Dawkins Der Gotteswahn

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  • von stab

    Ist Dawkins Fundamentalist?

    Folgende Besprechung stützt sich auf das Buch "Der Gotteswahn"


    Auf der Umschlag-Seite seines Buches "Der Gottes-Wahn" (2007) befindet sich ein Ausspruch von Dawkins, der den aufmerksamen Leser ahnen lässt, dass da ein eigentlich inkompetenter Schreiber am Werk war. Es lautet:
    "Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein,
    dass wir die Welt nicht verstehen."
    So einfach ist das nämlich nicht, lieber Herr Dawkins. Und das sollten Sie auch wissen, denn allein ein Rückblick um zwei oder drei Jahrhunderte, gibt uns einen Einblick in das Leben einer Reihe von religiösen Forschern. Das waren Personen, die mit ihrer Religion im Herzen zu großen wissenschaftlichen Leistungen angetrieben wurden.

    Auf der S. 185 befasst sich Dawkins mit der Motivation von ID-Wissenschaftlern und kommt zu dem Schluss: "Aber solche Arbeiten würden nicht getan, wenn die Wissenschaftler sich faul mit einem Automatismus wie der Theorie des 'Intelligent-Design' zufrieden geben würden." Hier schreibt einer, der es wohl wissen muss, werden viele denken. In Wirklichkeit scheint Herr Dawkins von der Motivation der ID-Wissenschaftler jedoch nichts zu wissen. Seine Aussage gehört in die große Gruppe der Schatten-Argumente, die Evolutionisten immer dann produzieren, wenn sie von privaten Definitionen ausgehen, anstatt einmal real zu recherchieren. Dann würde auch Herr Dawkins ganz schnell und wahrheitsgetreu über Motivation und Ziel der ID-Wissenschaftler informiert.

    Also kann man in seinem Buch leider nicht erwarten, korrekte Informationen über ID zu erhalten, da sein Wissen vermutlich sehr einseitig und immer indirekt zustande kam. Er legt den ID-Wissenschaftlern (imaginär, wie er sagt) nun folgende unsinnigen Worte in den Mund:
    "Wenn ihr nicht versteht, wie etwas funktioniert - macht euch nichts draus. Gebt einfach auf und sagt, dass Gott es gemacht hat. ... Bitte arbeitet nicht weiter an solchen Fragen! Gebt einfach auf und beruft euch auf Gott!
    Zur Rechtfertigung seiner absurden Behauptung beruft Dawkins sich nicht etwa auf einen ID-Wissenschaftler, sondern er zitiert den heiligen Augustinus, der im 4. Jahrhundert gelebt hat und dessen Schriften sich gegen den damaligen Einfluss der heidnischen Religionen wandten. Herr Dawkins wie können Sie solche unterschiedlichen Anliegen mit einander in Verbindung setzen? Und wie können Sie denn behaupten, die Schriften des heiligen Augustins seien für ID-Wissenschaftler in irgend einer Form bindend?

    Wer das Buch liest, wird oft den Verdach haben, dass Dawkins in Wirklichkeit selbst bemerkt, dass er den Leser täuscht. Man vermutet, Dawkins rechtfertigt seine Argumentations-Methode der Halbwahrheiten damit, dass er es nur gut meint, damit so viele Leser wie möglich, nach dem Lesen des Buches befreite Atheisten sind. Er wünscht sich (S.18): "Wenn das Buch die von mir beabsichtigte Wirkung hat, werden Leser, die es als religiöse Menschen zur Hand genommen haben, es als Atheisten wieder zuschlagen."

    Warum Dawkins wahrscheinlich auch in diesem Punkt irrt, beschreibt Kevin Logan anhand eines früheren Werkes von Dawkins ("Das egoistische Gen") wie folgt: "Erstaunlicherweise hatten einige der führenden Atheisten wie z.B. Richard Dawkins und andere Wissenschaftler mit großer Medienpräsenz, eine überaus inspirierende Wirkung auf die Kreationisten. Als Dawkins behauptete, der Mensch sei 'nicht mehr als ... eine Einwegschachtel, um den Genen das Überleben zu sichern', da provozierte er eine geharnischte Gegenreaktion. Mit seinem militanten Atheismus und der verächtlich-beleidigenden Art den Christen gegenüber bewirkte er das genaue Gegenteil von dem, was er eigentlich bezweckte - nämlich eine richtiggehende Renaissance des Kreationismus. Viele Christen bezogen wohl nur deshalb Stellung gegen die Evolution, weil sie sahen, wie Dawkins mit dieser Theorie seinen Atheismus rechtfertigte."

    Mit großem Aufwand macht sich Dawkins ab S.27 ans Werk, um nachzuweisen, dass Albert Einstein ein Atheist gewesen sei. Er macht das sehr schlau, denn "nachweisen" könnte er lediglich das Gegenteil.

    Wie geht Dawkins vor?
    Er weist zu recht darauf hin, dass bestimmte Äußerungen von Einstein sehr häufig von den Vertretern religiöser Gruppen zitiert werden, und dabei Einsteins Glauben nicht korrekt wiedergeben. So zum Beispiel der Satz: "Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind."

    Einstein schrieb in der Tat nicht selten etwas, was das Thema Religion tangiert aber selten etwas über seinen ganz privaten Glauben. Das nächste Zitat auf S. 27 betrifft nun die persönliche Einstellung Einsteins:
    "Was Sie über meine religiöse Überzeugung lesen, ist natürlich eine Lüge, und zwar ein, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und habe das auch nie verhehlt, sondern immer klar zum Ausdruck gebracht. Wenn in mir etwas ist, das man als religiös bezeichnen kann, so ist es die grenzenlose Bewunderung für den Aufbau der Welt, so weit unsere Wissenschaft ihn offenbaren kann."

    Offenbar weiß Dawkins genau, dass eine ordentliche Erörterung der Gedanken Einsteins, ihm in eine Sackgasse bringen würden. Dawkins beginnt daher zu tricksen. Er schreibt weiter auf S.27: "Einen Eindruck davon, was Einstein'sche Religion ist, können uns ein paar weitere Einstein-Zitate vermitteln: "Ich bin ein tief religiöser Ungläubiger. Das ist eine irgendwie neue Art von Religion.""

    Der im Gedankenstrom Dawkins dahinfließende Leser wird sicher nicht halt machen, um das Gelesene erst einmal zu analysieren. Er wird also der Ansicht sein: Einstein bezeichnete es selbst als eine Lüge, wenn er als religiös hingestellt wird und er habe sich selbst als Ungläubiger bezeichnet. Was will man mehr? Doch der Trick Dawkins besteht einfach darin, die implizite Einstein'sche Definition des Wortes 'religiös" zu eliminieren und den Leser getrost mit seiner eigene Definition des Begriffes 'religiös' lesen zu lassen. Auf diese Weise kommt die gewünschte Interpretation zustande.

    Was verstand Einstein jedoch wirklich unter 'religiös', einer Eigenschaft, die er von sich wies? Das entscheidende Merkmal eines religiösen Menschen sah Einstein darin, dass jener an einen "persönlichen" Gott glaubte. Das ist auch das Merkmal der meisten religiösen Menschen. Ein "persönlicher" Gott ist in den meisten Religionen ein Gott, der das Schicksal der Menschen definiert und den man in jeder Situation um Hilfe bitten darf u.s.w. An einen solchen Gott glaubte Einstein in der Tat nicht: "Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott ...". Was Herr Dawkins hier aber nicht erkennen will, ist die Tatsache, dass Einstein damit offenbar ausdrücken will, dass er wohl aber an einen "nicht-persönlichen" Gott glaubte, denn andernfalls hätte Einstein die simple Formulierung "ich glaube an keinen Gott" benutzt oder die noch kürzere Form: Ich glaube nicht an Gott". So aber drückte sich Einstein nie aus!

    Richtig, Herr Dawkins, Einstein schrieb: "Der Gedanke an einen persönlichen Gott ist mir völlig fremd und kommt mir sogar naiv vor." Allerdings drückte Einstein auch in diesem Beispiel keineswegs aus, dass er an "keinen" Gott glaubte, sondern machte auch hier die wesentliche Einschränkung, dass er lediglich einen "persönlichen" Gott als abwegig ansah. Das ist eine völlig andere Sache, als Herr Dawkins den Lesern beibringen möchte. Auch das bereits erwähnte Zitat von S.27, "Ich bin ein tief religiöser Ungläubiger. Das ist eine irgendwie neue Art von Religion.", besagt nicht das, was jemand annimmt, der nicht weiß, dass Einstein an einen "unpersönlichen Gott" glaubte. In diesem Zusammenhang kann man daraus entnehmen, dass er sich als Ungläubiger in den Augen der "religiösen" Menschen sah. Daher bezeichnet er seine Art des Glaubens als Wissenschaftler als eine "neue Art von Religion".

    Dass Dawkins diesen wesentlichen Unterschied hätte herausarbeiten können und nicht die Leser so irre führen musste, geht aus seiner Darlegung auf S.31 hervor. Dort zitiert er wieder Einstein, woraus sehr deutlich hervorgeht, was Einsteins Religion von der nominalen Religion unterschied. Einstein sagte: "Ich glaube an Spinozas Gott, der sich in der gesetzlichen Harmonie des Seienden offenbart, nicht an einen Gott, der sich mit den Schicksalen und Handlungen der Menschen abgibt." Nun muss man wissen, dass Spinoza zwar anfänglich in seinen ersten Propositionen schrieb, "Gott ist die unendliche, substantiell in ihren Eigenschaften konstante, einheitliche und ewige Substanz", aber später davon abwich. Von Proposition 16 an ist der Bedeutungswandel in seinen Schriften erkennbar: Spinozas Gott wird die "Ursache" aller Dinge, weil alles ursächlich aus der göttlichen Natur folgt. Spinoza konzentriert sich auf den für ihn bedeutenden Unterschied zwischen Geist und Materie und damit auf das Primat des Geistes. Sein Gott ist Geist. In diesem Licht kann Einstein sich doch nicht mehr deutlicher ausdrücken. Das ist Herrn Dawkins ins geheim wohl auch klar, was ihn nun zu merkwürdigen Wortspielereien veranlasst.

    Herr Dawkins macht nun aus Spinoza einen Pantheisten (jemand, für den Alles Gott ist), was er in der Tat im Anfangs-Stadium seines Wirkens gewesen war. Doch seine späteren Werke sprechen eine andere Sprache. Die frühen Werke dürften für Einstein daher kaum relevant gewesen sein. Tatsächlich glaubte Spinoza letztlich wie später Einstein an einen "unpersönlichen" Gott. Welche Details in einem solchen Glauben lebendig sind und welche nicht, weiß nur derjenige selbst. Viele ID-Wissenschaftler vertreten ganz ähnliche Ansichten wie Einstein, denn sie betrachten die Welt als Realisten. ID kann exakt dann nachgewiesen werden, wenn man z.B. davon ausgeht (wie Spinoza), dass ein "Gott" die" Ursache aller Dinge ist - das gilt auch dann, wenn man diesen Gott als einen "unpersönlichen" Gott betrachtet. Von Einstein wissen wir, dass er vom Aufbau des Universum fasziniert war, ja "grenzenlose Bewunderung für den Aufbau der Welt" hegte, weil er offenbar ein wunderbares Design erkannt hatte.

    Das zweite Kapitel befasst sich mit der "Gotteshypothese". Sicher hat Herr Dawkins eine Reihe von Gründen, die dort nicht einzeln genannt werden dafür, dass er den Gott des Alten Testaments der Bibel als die "unangenehmste Gestalt in der gesamten Literatur" bezeichnet. Viele Leser werden da wohl vorsichtiger sein und diese Behauptung trotz der vielen negativen Eigenschaften, die Dawkins diesem Gott zuzählt, relativieren. In allen seinen Darlegungen zum Thema Religion sieht Dawkins rot und seine Wortwahl neigt zum Extremen. Er benutzt Superlative wo immer möglich. Er möchte der Religion jede Kompetenz absprechen - auch dort, wo noch immer Millionen Menschen einen Nutzen in ihrer Religion sehen.

    Herr Dawkins befasst sich mit der interessanten Frage, warum zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Menschheitsgeschichte der Wechsel vom Polytheismus zum Monotheismus stattfand. Er philosophiert ein wenig über einen Hindu, der immer noch mit vielen Göttern lebt. Dann befasst er sich mit der theologischen Frage des Dreieinigen Gottes der Christenheit - und ob das denn nun ein Monotheismus sei oder nicht. Diese Fragen sind berechtigt, aber nicht lösbar.

    Auf S. 80 befasst sich Dawkins mit der Domäne an Fragen, die außerhalb der naturwissenschaftlichen Kompetenz stehen. Er zitiert Martin Rees, der sagte: "Die eigentliche Frage lautet: "Weshalb gibt es überhaupt etwas? ... Fragen wie diese liegen außerhalb der Naturwissenschaften, sie gehören in den Bereich der Philosophie und der Theologie."

    Dawkins stellt nun die Frage: "Welche Fachkenntnisse, die ein Naturwissenschaftler nicht besitzt, können Theologen in die Untersuchung weit reichender kosmologischer Fragen einbringen?". Er bezeichnet es als "langweiliges Klischee", demzufolge Naturwissenschaftler sich mit den "Fragen nach dem Wie" befassen, während die Theologen die "Fragen nach dem Warum" beantworten. Dawkins möchte in diesem Zusammenhang herausstellen, dass die Theologie überhaupt keine Frage beantworten kann - er bezweifelt, dass "Theologie überhaupt ein Forschungsgegenstand ist". Vielleicht hat Dawkins in diesem Punkt Recht.

    Auf S. 81 stellt Dawkins die Frage: "Was um alles in der Welt ist eine Frage nach dem Warum?" Die Antwort ist ganz einfach, Herr Dawkins, es ist z.B. die kurz zuvor in den Raum gestellte Frage: "Weshalb gibt es überhaupt etwas". (Das Frage-Pronomen ist mit Warum austauschbar.) Die Antworten der Vertreter des Naturalismus auf diese Frage lauten doch seit hundert Jahren und mehr immer gleich: "Diese Frage gehört nicht zum Bereich der Naturwissenschaft."

    Ist diese Frage also nicht erlaubt oder muss die Philosophie diese Frage abfangen und beseitigen? Eine Lösung des aufgebauten Problems sucht man bei Dawkins vergeblich. Er befasst sich statt dessen in rascher Folge mit dauernd wechselnden Gedanken, die um das Thema der Sinnlosigkeit aller Religion kreisen. Dabei sind seine Argumente für jemanden, der ein Atheist ist, sicher sofort nachvollziehbar, während vermutlich die Anhänger dieser oder jener Gemeinschaft oft auf den Zirkelschluss Dawkins hinweisen, der darin besteht, dass man Gott nicht einerseits als transzententes Wesen bezeichnen darf (was Dawkins tut) und andererseits einen physikalischen Beweis seiner Existenz fordern kann. Die meisten gläubigen Menschen verweisen darauf, dass sie ganz für sich Erfahrungen mit Gott gemacht haben, was vielleicht ebenfalls ein transzententes Erleben war.

    Zurück zu der einzigen interessanten Frage, die hier bei Dawkins auftauchte, aber leider im Eifer seines Gefechts unterging: "Weshalb gibt es überhaupt etwas?". Offenbar kann die Naturwissenschaft zur Zeit keine Antwort darauf geben. Aber dennoch ist diese Frage erlaubt und verdient eine Antwort, wenigstens den Versuch einer Antwort. So sehr wir auch daran gewöhnt sind, dass wir selbst existieren und das Universum existiert, so sehr müssen wir uns klar machen, dass dieser Zustand nicht der Grund-Zustand sein kann. Wenn nichts existiert, muss man dazu (wozu auch) keine Frage stellen - sobald etwas existiert gibt es dazu viele Fragen. Auf S.108 geht Dawkins darauf ein und bezeichnet diese Art Frage als eine "unendliche Regression". Das ist richtig, doch man muss ja nicht zwingend in der Lage sein, die erste Ursache auch zu kennen - vielmehr sollte man sich dessen bewusst bleiben, dass am Anfang noch ein riesiges Problem steht.

    Als die Urknall-Theorie noch nicht geboren war, galt die Frage nach einem Anfang des Universums als eine "nicht erlaubte Frage", auf die es seitens der Vertreter des Naturalismus auch keine Antwort gab. Das war noch vor ca. 60 Jahren so! Die weltanschauliche Lösung bestand darin, zu sagen, das Universum existiert schon ewig - ohne Anfang und ohne Ende. Hätte man gefragt, aber was war denn vorher oder woher kommt die Materie, so hätte man erfahren, dass diese Fragen davon zeugen, dass man nicht naturwissenschaftlich denke. Als dann die Urknall-Theorie als Folge der naturwissenschaftlich nachgewiesenen Expansion des Universums nicht mehr zu leugnen war, waren die Anhänger des Naturalismus zunächst ratlos. Wie kann denn das Universum einen Anfang haben? Auch sie stellten argumentativ die Frage: "Was soll denn davor gewesen sein?" Ein Anfang des Universums würde doch den Gedanken an eine Schöpfung des Universums nahelegen! Robert Jastrow, Professor der Astronomie und Geologie an der Columbia-Universität schrieb: “Nur wenige Astronomen hätten damit gerechnet, dass dieses Ereignis - die plötzliche Entstehung des Universums - eine bewiesene wissenschaftliche Tatsache würde, doch Himmelsbeobachtungen mit Teleskopen haben sie zu dieser Schlussfolgerung gezwungen." Dennoch wurde diese Theorie zunächst bekämpft, zumal sie von einem Geistlichen entwickelt wurde.

    Nach kurzer Zeit der Verwirrung wurde jedoch die neue Theorie akzeptiert und in das naturalistische Weltmodell integriert. Es blieb ja nach damaligem Kenntnisstand nichts anderes übrig. Von nun an galt der Urknall als das singuläre Ereignis, dem die Kosmologen die Schöpfung des Weltalls zuschreiben. Was war aber vor dem Urknall? Welche Ursache hatte diesen Knall erzeugt? Woher kommt denn die viele Energie? Die naturalistischen Wissenschaftler geben erneut keine Antwort. Warum gab es den Urknall? Keine Antwort der naturalistischen Wissenschaftler, obgleich Herr Dawkins doch behauptet, die "Warum-Fragen" sollten doch bitte auch von Naturwissenschaftlern angegangen werden.

    Interessant ist nun, wie naturalistische Philosophen die Frage behandeln. Umfangreich und bedeutsam legen sie dar, dass solche Fragen in sich selbst unsinnig seien - also keine Fragen sind, die überhaupt Sinn ergeben. Nur ein ungebildeter Laie stelle sich solche Fragen! Der kleine Mann steht nun da und fragt: Und trotzdem möchte ich gern wissen, warum es den Urknall gab. Der gesunde Menschenverstand treibt diese Frage ins Gehirn. Wie kann das ganze Universum aus dem Nichts mit einem Puff entstehen. Nein, sagt der etwas gebildetere Philosoph, nicht aus dem Nichts. Davor befand sich die Materie lediglich in einem anderen Zustand. Aha.

    Und man kommt wieder auf die Frage: "Warum gibt es überhaupt etwas?". Das einzige, was man nicht erklären muss, ist das Nichts. Die Herkunft der Materie und Energie wirft Fragen auf. Wir haben offenbar keine Antwort auf diese Frage und das sollte man auch deutlich genug ausdrücken und nicht mit "wissenschaftlicher" Arroganz behaupten, diese Frage sei Unsinn in sich selbst. Diese intuitive Frage sollte uns doch wenigsten eines klar machen: Wir wissen noch immer fast nichts. Und wenn wir uns das klar machen, dann sollten wir auch vorsichtiger mit definitiven Schlussfolgerungen sein als Herr Dawkins, der den gesunden Menschenverstand (aus gutem Grund) in seinem Buch mehrfach als irreführend hinstellt.

    Auf S. 46 definiert Herr Dawkins die sogenannte Gotteshypothese gemäß seinem Verständnis, um dann bei entsprechender Gelegenheit darauf zurück zu kommen. Er definiert sie so: "Es gibt eine übermenschliche, übernatürliche Intelligenz, die das Universum und alles, was darin ist, einschließlich unserer selbst, absichtlich gestaltet und erschaffen hat." Über Sinn und Unsinn dieser Formulierung gibt es viel zu sagen, doch hier soll diese Hypothese dem gegenüber gestellt werden, was Herr Dawkins vertritt. Dennoch sei hier ausdrücklich darauf hingewiesen, dass vermutlich einige Theologen aber kein ID-Wissenschaftler der Definition Dawkins zustimmen würde!

    Er schreibt unmittelbar danach: "In diesem Buch wird dagegen eine ganz andere Ansicht vertreten: "Jede kreative Intelligenz, die ausreichend komplex ist, um irgendetwas zu gestalten, entsteht ausschließlich als Endprodukt eines langen Prozesses der allmählichen Evolution."

    Ohne Zweifel ist das die Ansicht der Herrn Dawkins. Doch die beiden Ansichten lassen sich in dieser Formulierung leider nicht vergleichen. Die erste Aussage stellt die Ursache des Universums und des Lebens in die Mitte, während die Dawkins-These lediglich aussagt, dass Intelligenz das Endergebnis von Evolution sei - also wird in seiner These fast alles vorausgesetzt, was in der anderen These erklärt werden soll. Herr Dawkins, so kommen wir der Wahrheit nicht näher!

    Die These des Herrn Dawkins muss daher wie folgt formuliert werden, wenn man sie mit der Gottes-Hypothese qualitativ vergleichen möchte: "Es gibt eine übernatürliche Instanz, die das Universum und alles, was darin ist, einschließlich unserer selbst, erschaffen hat, und diese Instanz bezeichnen wir als "Materie"." Das ist die wirkliche Anti-These des Herrn Dawkins. Er hat nur nicht den Mut, diese Ansicht so offen zu vertreten. Es zeigt sich nämlich, dass es zwischen seinem Gott, Materie, und einem Schöpfergott alle nur denkbaren Parallelen gibt. Es führt offenbar zur Zeit kein Weg daran vorbei, Herr Dawkins, wir Menschen sind alle religiös. Wir sind verurteilt, religiös zu sein und solange zu bleiben, bis wir genügend Wissen haben. Treffend wurde einmal formuliert: An der Grenze des Wissens beginnt der Glaube. Die Menschheit muss noch viel erkennen, bevor sie aus den Schuhen der Religion aussteigen darf. Auch aus den Schuhen der jüngsten Religion der Neuzeit, dem atheistischen Naturalismus.

    Auf S.101 bis S.106 befasst sich Dawkins mit SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence). Ausgangspunkt ist die sogenannten Drake-Gleichung, die von Frank Drake, einem Astro-Physiker entwickelt wurde, um auf der Basis der Evolutions-Theorie die Anzahl von intelligenten Zivilisationen innerhalb der Milchstraße abzuschätzen. Diese Gleichung benutzt sieben Variable, die naturgemäß nur geschätzt werden können. Für Anhänger des Naturalismus, das muss man wissen, sind potenzielle Außerirdische etwas grässliches und daher ist es kein Wunder, wenn in deren Kreisen gern gehört wird, dass die Wahrscheinlichkeit für die Existenz von extraterrestrischen Leben in unserer globalen Nachbarschaft extrem unwahrscheinlich sei. Eine Variable der Drake-Gleichung ist die Anzahl der bekannten Planeten innerhalb des Wahrscheinlichkeits-Raumes. Diese Zahl steigt nun seit ein paar Jahren exponentiell an, wodurch im selben Maße die Wahrscheinlichkeit für die Existenz außerirdische Zivilisation ansteigt - und das auf der Grundlage der Mechanismen der Evolutions-Theorie. Da kommen doch die Worte in den Sinn: "Die Geister, die ich rief ...".

    Herr Dawkins, spielt die Wahrscheinlichkeit für außerirdische Intelligenz, wie nicht anders zu erwarten, herab. Doch als Evolutionist weiß er zu genau, dass er keine Wahrscheinlichkeit, und sei sie noch so gering, bezweifeln darf. Das Forschungs-Programm SETI wurde ins Leben gerufen, um nach solchen intelligenten Nachbarn in unserer Galaxis zu suchen. Seit vielen Jahrzehnten werden Radio-Frequenzen gezielt analysiert und ausgewertet. Es gibt eine Anzahl namhafter Wissenschaftler, die sich für dieses Forschungsprogramm einsetzen. Aus diesem Grunde legt Dawkins sich mit dem Forschungsprogramm lieber nicht an, und versucht es zu akzeptieren.

    Auf S. 105 kommt Dawkins zum entscheidenden Punkt. Er stellt sich die große Frage, wie wir denn reagieren sollen, falls nun doch das Unwahrscheinliche eintritt und die außerirdische Intelligenz bei uns vorstellig wird. Er schreibt: "Eine durchaus verzeihliche Reaktion wäre eine Art Anbetung, denn jede Zivilisation, die ein Signal über eine so große Entfernung (Anmerk. die Entfernung ist unbekannt) aussenden kann, muss der unseren weit überlegen sein." Jeder Leser wird bei diesem Satz hellhörig, denn dieses Zugeständnis erwartete man von Dawkins absolut nicht. Doch die interessanteste Zugabe folgt noch.

    Dawkins schreibt nun: "Es gibt höchstwahrscheinlich außerirdische Zivilisationen, die übermenschlich und auf eine Weise gottähnlich sind, wie es sich heute kein Theologe vorstellen kann. Ihre technische Errungenschaften würden uns übernatürlich vorkommen wie unsere eigenen einem Bauern aus dem Mittelalter, den man ins 21.Jahrhundert versetzen würde."

    Genau so ist es. Und diese Erkenntnis des Herrn Dawkins sollten andere Evolutionisten erst einmal verdauen und ebenfalls akzeptieren. Diese Erkenntnis ist fundamental für die Klärung der Entstehung von Leben auf der Erde und für die Arbeit der ID-Wissenschaftler insgesamt. Die Berechnung der Wahrscheinlichkeit, dass es weit überlegene Zivilisationen in unserer Nachbarschaft gibt, zeigt an, dass es sehr vernünftig ist, das zu berücksichtigen. Das Motiv der ID-Wissenschaftler wäre somit von Herrn Dawkins persönlich hinreichend erklärt, zumal einige ID-Wissenschaftler ohnehin außerirdische, materielle Intelligenzen als Konstrukteure des Lebens vermuten.

    Der einzige Trost, den sich Dawkins in diesem Dilemma gönnt, lautet: "Ganz gleich, wie göttlich sie uns erscheinen, wenn wir ihnen begegnen: Am Anfang waren sie nicht so.". Der Leser frage sich, warum Herr Dawkins gerade diesen Trost benötigt.


    Wenn man eine Umfrage machen würde, "Sind Sie für oder gegen Fundamentalismus, gleich in welcher Art er erscheint?", so gäbe es sicher nur wenige, die dafür stimmen würden. Herr Dawkins ist natürlich strikt gegen jeden Fundamentalismus. Das Problem ist nur, dass viele Fundamentalisten im Laufe der Zeit abstumpfen und gar nicht mehr bemerken, dass sie selbst eine fundamentalistische Einstellung vertreten. Oder das Problem ist, dass Menschen, wie Dawkins, sogar Bücher darüber schreiben und nicht bemerken, dass sie über sich selbst schreiben.

    Es ist interessant, wie Dawkins Fundamentalisten charakterisiert. Er schreibt auf S. 391: "Fundamentalisten wissen, dass sie recht haben: Sie haben die Wahrheit in einem heiligen Buch gelesen und sind sich schon im Voraus sicher, dass nichts sie von ihren Überzeugungen abbringen wird." Das typische Merkmal für Fundamentalisten ist wohl ein "heiliges Buch", auf das sie sich beziehen, um alle ihre Ansichten zu rechtfertigen. Die Geschichte der Menschheit hat in der Tat etliche Beispiele für solche "heiligen Bücher" parat. Abgesehen von den Büchern der großen Religionen, ist die Neuzeit mehr als man denkt damit beschert worden. Die folgenden neuzeitlichen "heiligen" Bücher gehören dazu, wobei diese hier keinesfalls inhaltlich verglichen werden sollen, sondern allein in Bezug auf ihre Wirkung auf Massen von Menschen: Da gibt es das "Kommunistische Manifest" von Karl Marx, "Weltall, Erde, Mensch" in der ehemaligen DDR, die Bibel des Mao, "Die Entstehung der Arten" von Darwin, und andere.

    Im Leben Dawkins wurde irgendwann das Standardwerk der Evolution zum "heiligen Buch", in dem er seine "Wahrheiten" gefunden hat. Er behauptet, wie übrigens auch andere Fundamentalisten, die Belege für seinen Glauben "geprüft" zu haben und dass ihm eine "überwältigende Fülle von Belegen" zur Verfügung standen. Und gerade der Glaube, man habe sich umfangreich vergewissert, verführt schnell zu dem Irrglauben, die "Wahrheit" gefunden zu haben. Auf S.392 befasst er sich mit Vorwürfen dieser Art, denn er kennt sie ganz genau. Daher konstruiert er nun einen Unterschied zwischen Fundamentalisten und Darwinisten, den es in der Praxis leider nicht gibt. Seine folgende Behauptung kommt nur bei jenen an, die sich noch nicht so richtig mit dem Naturalismus befasst haben und nicht herausgefunden haben, wie dogmatisch er ist. Dawkins schreibt: "Wenn ich sage, die Evolution sei wahr, bin ich nicht fundamentalistischer, als wenn ich behaupte, dass Neuseeland auf der Südhalbkugel der Erde liegt."

    Dem kann man in keiner Weise zustimmen, denn die eine Aussage kann so gut wie jedermann in kurzer Zeit nachprüfen - ob Evolution wahr sei, kann indes so gut wie niemand wirklich überprüfen - es sei denn es geht nur um einen kleinen Bruchteil der Evolutions-Theorie. In der Tat mogelt Dawkins schon, wenn er in diesem Satz den Begriff "Evolution" anstatt "Evolutions-Theorie" verwendet. Laien kennen den Unterschied nicht. Auch ID-Wissenschaftler gehen davon aus, dass Evolution ein wesentlicher Faktor bei der Arten-Bildung ist, wobei in diesem Zusammenhang von Mikro-Evolution die Rede ist. Auch Evolutionisten differenzieren zwischen Mikro- und Makro-Evolution, wobei die Makro-Evolution bei ihnen das Entstehen neuer "Klassen" und "Ordnungen" bewirkt haben soll. Dafür gibt es in Wirklichkeit keine Belege sondern nur Vermutungen.

    Dawkins fährt fort: "Wir (gemeint sind die Evolutionisten) glauben an die Evolution, weil die Belege dafür sprechen...." Auch dem kann man nicht zustimmen, denn es gibt genügend Fachleute, die diese Belege auch kennen, aber entscheidend anders interpretieren. In Wirklichkeit trifft auf sehr viele Belege zu, dass sie von Evolutionisten einfach im Sinne ihrer Ansicht "ausgelegt" werden, während auch eine andere Interpretation möglich und sinnvoll ist. Alternative Ansichten werden von Evolutionisten entweder verschwiegen oder lächerlich gemacht. Die Predigt hat das Thema: "Die Evolution ist wahr - uns bringt nichts mehr davon ab". Dawkins kennt auch diesen Vorwurf und möchte sich dessen entledigen, indem er schreibt: "..wir würden sie [die Evolution] von heute auf morgen aufgeben, wenn sie durch neue Belege widerlegt würde." Das klingt doch fair!

    Auch in anderen Wissenschaften als der Biologie haben Wissenschaftler zuweilen eine Lieblings-Theorie, an der sie hängen. Doch irgendwann wurden sie von Fakten (Belegen) gezwungen, diese Theorie aufzugeben. Das geschieht nicht immer ohne Emotionen, besonders wenn sie schon viel Zeit zugunsten der Theorie eingesetzt hatten. Anders ist das bei der Evolutions-Theorie, weil sie in vielerlei Hinsicht eine besondere Theorie ist. Dawkins selbst beweist in seinem Buch, dass die Evolutions-Theorie die einzige Theorie ist, die die Religionen der Menschen ersetzen kann oder nach Dawkins, die Religion ersetzen soll. Er schreibt nämlich auf S.18: "Wenn das Buch die von mir beabsichtigte Wirkung hat, werden Leser, die es als religiöse Menschen zur Hand genommen haben, es als Atheisten wieder zuschlagen." Hat eine Theorie ein solches Gewicht, dann fungiert sie ähnlich einer Religion. Sie ist die Grundlage für eine neue Weltanschauung - sie kann nicht leidenschaftslos durch angeblich widerlegenden "Beweise" aufgegeben werden. An dieser Theorie hält man fest, komme was da wolle.

    Leider ging es mit der Evolutions-Theorie genau in diese Richtung. Heute wird Evolution als "Tatsache" bezeichnet, an der "kein vernünftiger Mensch" mehr zweifeln kann. Damit erfüllt die zur Tatsachen-Theorie herabgekommene Evolutions-Theorie alle Voraussetzungen für die Grundlage einer fundamentalistischen Einstellung ihrer Verfechter. Wenn an dieser "Tatsache" kein vernünftiger Mensch mehr zweifelt, dann bleiben nur unvernünftige Menschen dafür übrig - als Evolutionist ist man sich einfach sicher, dass es nichts geben kann, was einem von seinem Glauben abbringen kann. Das ist perfekter Fundamentalismus! Evolution wird nicht einfach als "wahr" hingestellt, wie Dawkins das behauptet, sondern Evolution wird als "Tatsache" hingestellt.

    Auf S.393 behandelt Dawkins das Thema "Leidenschaft", um klarzustellen, dass seine Leidenschaft für die Evolutions-Theorie nichts mit Fundamentalismus zu tun habe. So sehr er sich auch bemüht, den Unterschied herauszustellen, so wenig überzeugt das. Er bleibt nämlich bei seiner Behauptung, dass er ganz nüchtern, realistisch auf Belege reagieren würde, die diese Theorie (mit dem Status einer Ersatz-Religion) widerlegen würden. Damit der Leser ihm das glaubt, bringt Dawkins das Beispiel eines Wissenschaftlers, der 15 Jahre lang davon ausgegangen war, dass der Golgi-Apparat der Zelle, in Wirklichkeit ein Artefakt sei. Nachdem dann überzeugende Belege für dessen tatsächliche Existenz vorgelegt wurden, bekannte er sich öffentlich, im Hörsaal, zu seinem Irrtum. Dazu kann man nur sagen, dass Dawkins ein sehr unfairer Argumentator ist. Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun - Herr Dawkins? Das Beispiel des Zellforschers tangiert ja nicht einmal die Evolutions-Theorie und die Tatsache, ob es den Golgi-Apparat gibt oder nicht konnte zu diesem Zeitpunkt einen Evolutionisten fast gleichgültig sein.

    Obwohl Evolutionisten sich ihres Glaubens sicher sind, könnte das bei Kindern problematisch werden. Aus diesem Grunde werden seit vielen Jahrzehnten nur noch Schulbücher verlegt, in denen nicht der geringste wissenschaftliche Zweifel an der Evolutions-Theorie geäußert wird. Natürlich muss im Fach Biologie keine Schöpfungs-Lehre gelehrt werden, wie das fundamentalistische Christen zum Teil vorgeschlagen haben, aber davon weit entfernt gibt es sehr viele wissenschaftliche Argumente gegen die Evolutions-Theorie, über die Schüler wenigstens bescheid wissen sollten. Doch das ist offenbar ein neuralgischer Punkt der Evolutionisten, den man nicht anrühren darf. Mit allen Mitteln bekämpfen sie jede Variante einer umfassenden Bildung auf diesem Gebiet, so als ob die Evolutions-Gegner die besseren Argumente hätten.

    In diesem Zusammenhang ist ein Gebot aus der Liste der "10 Gebote" Dawkins (S.367) besonders interessant. Es lautet bei ihm: "Indoktriniere deine Kinder nicht. Bring ihnen bei, selbstständig zu denken, Belege zu beurteilen und anderer Meinung zu sein als du." Ob Herr Dawkins überhaupt bei Sinne war, als er dieses Gebot niederschrieb? Wo kämen wir denn hin, wenn die Kinder evolutionsgläubiger Eltern, plötzlich eine andere Meinung vertreten würden? Oder dachte Dawkins eher daran, dass die Kinder in Bezug auf die Lieblings-Fußballmannschaft ihrer Eltern anderer Meinung sein dürften? Und wie sollten sie denn überhaupt Belege beurteilen, wenn diese ihnen konsequent vorenthalten werden?

    Alles spricht deutlich dafür, dass die Evolutions-Theorie zum Fundament einer atheistischen Religion geworden ist, die man natürlich auch als Weltanschauung bezeichnen darf.

    Dawkins schreibt auf S. 394, dass er als Naturwissenschaftler dem "Fundamentalismus feindselig" gegenübersteht, weil er die Wissenschaft torpediert. Er schreibt dann: "Er lehrt uns, unserer Meinung nicht zu ändern und kein Interesse an spannenden Dingen zu haben." Sicher hat Dawkins, wie bei den meisten seiner Argumente, entweder Beispiele aus dem Mittelalter oder echt kreationistische Beispiele im Sinn, aber er setzt sich nie wirklich mit den aktuellen Forschungen der ID-Wissenschaftler auseinander. Im Grunde genommen ist nämlich seine Haltung gegen den Fundamentalismus zugleich auch seine Haltung für den Fundamentalismus. Gerade Dawkins gehört zu den Anführern, die die ID-Wissenschaft "torpedieren" und am liebsten auslöschen würden. Und alles spricht dafür, dass genau diese Forschung sehr spannend wird. ID-Forscher sind absolut engagiert, biologische Systeme zu erforschen, denn sie erforschen ihrer Meinung nach das know-how einer Intelligenz, die uns weit überlegen ist.


    Große Teile seines Buches "Der Gotteswahn" befassen sich mit dem Alten Testament, das Dawkins als verwerflich bezeichnet. Um seine Ansicht zu bekräftigen, filtert er bestimmte Handlungen, Aussagen, Gebote oder Ereignisse heraus, die in der Tat mit dem Verständnis eines Menschen der Gegenwart als befremdend oder gar als grausam eingestuft würden. Als Wissenschaftler zeichnet er sich bei diesem Unterfangen jedoch nicht aus, denn er macht geradezu alle Fehler, die ein Laie dabei nur machen kann.

    Der Hauptfehler, den Dawkins macht, besteht darin, historische Fakten mit den Maßstäben der Gegenwart zu beurteilen. Genau betrachtet, scheint Dawkins diesen Fehler bewusst zu machen, um sein Ziel zu erreichen, denn er weiß sehr wohl, dass man so einen Fehler nicht machen sollte. Am Beispiel der furchtbaren, rassistischen Äußerung (2*) des Evolutionisten Huxley's, eines Freundes Darwins, will Dawkins nämlich eine Entschuldigung für Huxley finden. In diesem Zusammenhang kommt er auf den Gedanken (S.370), "Dass gute Historiker die Aussagen aus früheren Zeiten nicht nach den Maßstäben ihrer eigenen Zeit beurteilen dürfen" - und bezeichnet das als "Binsenweisheit".

    Warum aber wendet Dawkins diese Binsenweisheit nicht konsequent an? Der Text des Alten Testaments wurde doch noch viel früher geschrieben, als Huxley's rassistische Texte. Vor mehr als 4000 Jahren waren sämtliche gesellschaftlichen Normen so verschieden von unseren, dass zu einer Beurteilung dieser ein fundiertes Fachwissen gehört (*1). Laien kommen spontan zu emotional begründeten Fehlurteilen, die auf unserer gegenwärtigen Lebensweise gründen. Man muss aus diesem Grunde davon ausgehen, dass Dawkins jedes Mittel recht ist, die Leser seines Buches zu täuschen.

    Der zweite Fehler, den Dawkins bei seiner Analyse des Alten Testaments macht, besteht darin, dass er nicht unterscheidet, ob eine im Text beschriebene Handlung oder Ansicht vom Schreiber oder seinen Mitmenschen überhaupt toleriert wird. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele in den Texten von Moses, Josuas und Samuels. Wenn also jeder Bericht über eine Gräueltat zugleich als Beleg dafür gesetzt wird, dass sie Bestandteil des damaligen Religions-Systems gewesen sei, so kann man in der Tat ein abstoßendes Zerrbild entwickeln. Doch das hat mit ehrlicher Argumentation nichts mehr zu tun.

    Der dritte Fehler, den Dawkins macht und den man vielleicht noch entschuldigen kann, ist der, dass er die unterschiedlichen Bibel-Auslegungen (die es nun mal leider gibt) nicht trennt. Es ist sicherlich eine Tatsache, dass die Bibel nicht nur "gelesen" werden kann, sondern oft einer "Auslegung" bedarf, die selbst zwischen den großen Kirchen unterschiedlich ausfallen kann. Dawkins operiert auch oft nur mit den Auslegungen, ohne auf den eigentlichen Bibeltext Bezug zu nehmen. Das tut er völlig nach Belieben - man kann kein System bei ihm finden. Er benutzt zuweilen sogar alte Texte von Theologen und tut so, als ob das der Bibeltext wäre. Dazu kann man nur sagen, dass Dawkins sehr unprofessionell schreibt, um für seine Ablehnung der Bibel "Belege" anführen zu können. Man muss wirklich kein geübter Bibel-Leser sein, um das herauszufinden.

    Viele Irrtümer Dawkins stehen mit seiner oft unprofessionellen Bearbeitung des Stoffes im Zusammenhang, wie das an einigen Beispielen bereits gezeigt wurde. Doch Dawkins Behandlung des Neuen Testaments der Bibel übersteigt das und kann sicher eher damit verglichen werden, was ein Schüler in der Unterstufe darüber schreiben würde. Interessierten Leser seines Werkes ist das, was Dawkins da schreibt, vermutlich sehr peinlich, denn er greift zu Argumenten, die jeder, der sich ein wenig mit dem Neuen Testament auskennt, nur belächeln kann. Auf der S.346 beginnt er mit der Überschrift "Ist das Neue Testament wirklich besser?". Die Bergpredigt Jesu lobt er und sagt, sie sein ihrer Zeit weit voraus. Doch damit befasst er sich nicht und kommt statt dessen zu einem Thema, das er und die meisten Zeitgenossen nicht verstehen können, ohne sich ein wenig genauer damit zu befassen - das Thema "Sünde" und "Erbsünde". Den ganzen Unsinn Dawkins zu kommentieren, wäre langweilig und unzumutbar.

    Auf der S.351 kommt er noch zu einer irrigen, auf Halbwahrheiten beruhenden, Behauptung, die hier kurz richtiggestellt werden soll. Er schreibt: "Christen machen sich nur in den seltensten Fällen klar, dass viele der moralischen Vorgaben für andere, die sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament vertreten werden, ursprünglich nur für eine eng begrenzte Gruppe gedacht waren. 'Liebe deinen Nächsten' bedeutet nicht das was wir heute darunter verstehen. Es hieß nur 'liebe einen anderen Juden'." Dem ist nicht zuzustimmen, obwohl dieses Gebot tatsächlich dem Alten Testament entstammt. Es regelte die zwischenmenschlichen Beziehungen der Nation Israel auf hohem Niveau. Dawkins irrt jedoch schon deswegen, weil im Alten Testament hervorgehoben wird, dass auch jeder Fremdling, der sich der Nation Israel anschließt, ebenfalls als "Nächster" betrachtet werden muss. Aber vor allem irrt Dawkins in seiner Anwendung dieses Gebotes im Neuen Testament, was er ja bis zur S. 352 eigentlich behandelt. Im Neuen Testament wird das Christentum, das aus dem Judentum hervorkam, davon getrennt und allen Menschen unabhängig ihrer Nationalität zugänglich gemacht. Daher werden sowohl einige aus dem Judentum übertragene Gebote auf alle Menschen angewandt als auch neue christliche Gebote der Liebe zur Geltung für alle Menschen gebracht. Dawkins Irrungen sind so grob, dass jeder, der sich damit befasst, fragt, wer denn die wirkliche Zielgruppe seines Werkes sein soll.

    Ein weiters typisches Beispiel soll hier für viele anderen Irrtümer Dawkins stehen. Er bespricht, was die Evangelien über die Geburt Jesus zu sagen haben (S.131-133). Bei Lukas findet er die Hinweise, dass Joseph und Maria nicht in Bethlehem sondern in Nazareth gelebt haben, bevor Jesus geboren wurde. Nun fragt er sich, wie es wohl dazu kommen sollte, dass sie zum rechten Zeitpunkt in Bethlehem waren, um mit der Geburt ihres Sohnes an diesem Ort eine alte Prophezeiung zu erfüllen. Ja, da war die Volkszählung, bei der sich "ein jeder in seine Stadt" begeben sollte. Da Joseph "aus dem Hause und der Familie Davids" war, begab er sich mit Maria nach Bethlehem. Bis hier her kann Dawkins mit den Schilderungen des Lukas noch mithalten, doch dann stellt er eine Frage, die ein Autor, der sich mit dem Neuen Testament befasst, doch nicht stellen sollte: "Warum um alles in der Welt hätten die Römer von Joseph verlangen sollen, dass er sich in die Stadt begab, wo fast ein Jahrtausend zuvor einer seiner entfernten Vorfahren gelebt hatte?".

    Obwohl Dawkins kein Historiker ist, sollte er wissen, wie solche unsinnigen Fragen entstehen, denn später in seinem Werk schreibt er (S.370), "Dass gute Historiker die Aussagen aus früheren Zeiten nicht nach den Maßstäben ihrer eigenen Zeit beurteilen dürfen" - und bezeichnet das als "Binsenweisheit". Hätte er diese "Binsenweisheit" doch stets im Hinterkopf behalten, hätte sein Buch zwar einige hundert Seiten weniger, dafür aber vielleicht lesenswerte Seiten. Um es kurz zu machen, gab es damals die einfache Regelung, dass zur Volkszählung jeder Bürger des Landes sich in seiner eigenen Geburtsstadt aufhalten muss, um so eindeutige Zählergebnisse zu erhalten. Joseph war in Bethlehem geboren worden und war später nach Nazareth ausgewandert. So einfach ist die Wahrheit, wenn man ein klein wenig nachforscht.

    Um wenigstens noch ein zweites Beispiel für die Oberflächlichkeit Dawkins zu präsentieren, sei auf seine Erörterung (S.133) des Geschlechts-Registers Jesu aus dem Matthäus- und Lukas-Evangelium hingewiesen. Dawkins leitet das mit einer Frage über die ungebildeten Leser des Neuen Testaments ein: "Warum bemerken sie die offenkundigen Widersprüche nicht?" Und fragt dann: "Sollte jemand, der die Bibel wörtlich nimmt, sich nicht darüber beunruhigen, dass Matthäus die Abstammung des Josephs von König David über 28 Zwischengenerationen zurückverfolgt, während es bei Lukas 41 Generationen sind? Und was noch schlimmer ist: Bei den Namen der beiden Listen gibt es so gut wie keine Übereinstimmung!"

    Richtig daran ist lediglich, dass jemand, der die Bibel als historische Quelle betrachtet, sich beunruhigen müsste, falls der von Dawkins beschriebene Widerspruch auch nur andeutungsweise der Bibel zu entnehmen wäre. In Wirklichkeit schreibt Lukas das Register der Vorfahren Marias auf, während Matthäus das des Joseph niederschrieb, wobei er, wie Dawkins richtig bemerkt, nur "Zwischengenerationen" aufschreibt - und zwar die nach seiner damaligen Ansicht wesentlichsten, in zwei Gruppen zu je 14. Der Umstand, dass bei Lukas der Eindruck entsteht, auch er schreibe das Register des Joseph, ist ganz einfach darauf zurückzuführen, dass es damals nicht üblich war, Frauen in solche Register einzusetzen. Das hätte Dawkins doch herausfinden können -oder?

    Statt auch nur in einem einzigen Fall die Argumente anderer Anhänger des atheistischen Naturalismus nicht ungeprüft zu übernehmen, kommt Dawkins nun zu einem Höhepunkt des Buches, den man doch schon als sehr grenzwertig bezeichnen muss. Auf S.145 erwähnt er eine ihm bekannte Meta-Analyse zum Thema "Religion und Intelligenz-Quotient". Die Auswertung verschweigt Dawkins natürlich nicht, denn sie belegt doch, dass nur noch naive Menschen überhaupt an einen Gott glauben. Auffällig ist dabei, dass bei der Auswertung plötzlich nicht mehr vom IQ sondern von "Intelligenz und Bildung" ist. Dawkins stellt die Fakten wie immer auf den Kopf. Er kann nämlich der Meta-Analyse letztlich nur entnehmen, dass unter den Menschen, die genügend lange auf einer Universität studiert haben, weniger religiöse Menschen zu finden sind als in anderen Kontroll-Gruppen. Doch das weiß doch jeder auch ohne Meta-Studie. Die wahre Ursache dafür ist jedoch bestimmt nicht der IQ.

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Datenblatt zu Richard Dawkins Der Gotteswahn

Genre Sachbuch & Ratgeber
Verlag Hörbuch Hamburg
Format Gekürzte Lesung
Medien 4 CDs
Gelesen von Ulrich Pleitgen
Laufzeit 316 Minuten

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