Autoreifen kaufen: Was muss? Was sollte? Was kann?

Nicht wenige Menschen geben für ihre Schuhe mehr Geld aus, als für die Reifen an ihren Autos. Dabei haben die Reifen als die „Schuhe des Autos“ ganz maßgeblichen Einfluss auf die Fahrsicherheit und die Unfallprävention eines Kraftfahrzeuges und damit die Gesundheit seiner Insassen, aber auch anderer Verkehrsteilnehmer. Doch wann ist es Zeit, sich nach neuen Reifen umzusehen? Was sagt der Gesetzgeber und was raten Fachleute und Verkehrsexperten? Sind teure Reifen wirklich besser als billige? Was ist mit gebrauchten, aber runderneuerten Reifen? Zu den wichtigsten Fragen geben wir Ihnen im Folgenden einige Hinweise und Empfehlungen.

Reifenstapel Titelbild (Bildquelle: Robert Laursoo on unsplah.com)

Das Wichtigste auf einen Blick

  • An einem Kraftfahrzeug dürfen nur Reifen der Größe montiert werden, die der Eintragung in der Zulassungsbescheinigung oder einer ausdrücklichen Konformitätsbescheinigung entsprechen.
  • Bei allen Reifen eines Kraftfahrzeuges muss die Profiltiefe am gesamten Hauptprofil mindestens 1,6 Millimeter betragen. Das ist die gesetzliche Mindesttiefe. Empfohlen wird ein Wechsel, wenn 3 Millimeter bei Sommerreifen und 4 Millimeter bei Winterreifen erreicht sind.
  • Unabhängig von der Jahreszeit oder einem Kalenderdatum müssen bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte Winterreifen auf allen Rädern montiert sein. Diese Reifen "für winterliche Wetterverhältnisse" müssen mit einem Alpine-Symbol, das ist ein Bergpiktogramm mit einer Schneeflocke, gekennzeichnet sein.
  • Mischbereifungen zwischen Sommer- und Winterreifen oder unterschiedlichen Reifenmodellen sollten unbedingt vermieden werden.
  • Zumindest auf einer Achse sollten immer die gleichen Reifenmodelle montiert sein. Ideal ist es, wenn immer ein kompletter Satz Reifen einer Modellreihe angebracht ist.
  • Runderneuerte Reifen performen deutlich schlechter als Neureifen und sind allenfalls eine Option, wenn wenig bzw. überwiegend Kurzstrecken und im Stadtbereich gefahren wird.
  • Neue Reifen sollten beim Kauf nicht älter als zwei Jahre sein.
  • Für Fahrräder mit Hilfsmotor, Leichtkrafträder und einige Spezialfahrzeuge gelten Sonderregeln.

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Wann ist es an der Zeit, neue Autoreifen anzuschaffen?

Neue Reifen haben in der Regel eine Profiltiefe von 8 Millimetern. Das Gesetz, in diesem Fall die Straßenverkehrszulassungsordnung StVZO, ist insoweit relativ großzügig: Das Hauptprofil, das sind die breiten Profilrillen, die sich in der Lauffläche um den ganzen Reifen ziehen, müssen an jeder Stelle eine Tiefe von mindestens 1,6 Millimetern aufweisen. So steht es dort in § 36 Absatz 3 StVZO. Nagel mit 1,6 mm Stärke Ein solches gesetzliches Mindestmaß gibt aber die letzte äußerste Grenze der Zulässigkeit vor. In diesem Fall entspricht das zum Beispiel der Dicke eines kleinen, gerade einmal 2 Zentimeter langen Nagels wie in dem Bild rechts. Daraus wird deutlich, wie wenig diese 1,6 Millimeter sind, wenn zum Beispiel Schmutz und Wasser auf der Straße sind. Das Ausfahren von Reifen bis zu diesem gesetzlichen Mindestmaß führt in der konkreten alltäglichen Fahrpraxis folglich schon zu einer deutlichen Erhöhung des Risikos, dass die Reifen in kritischen Verkehrssituationen, etwa bei Vollbremsungen, Ausweichmanövern oder schwierigen Straßenverhältnissen nicht mehr leistungsfähig genug sind.

So hat etwa die AutoBild im Oktober 2019 einen Test veröffentlicht, bei dem die Bremswege verschiedener Reifenmodelle mit unterschiedlichen Profiltiefen auf nasser Straße untersucht wurden. Bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h erhöhten sich die Bremswege von rund 60 Metern bei neuen Reifen auf über 150 Meter bei einer Profiltiefe von 1,6 Millimetern. Experten, zum Beispiel vom ADAC, dem TÜV, aber auch von Versicherungen wie der Allianz und Reifenherstellern, raten daher dringend dazu, sich spätestens bei 3 Millimeter Profiltiefe, bei Winterreifen sogar bei 4 Millimetern, um neue Pneus zu kümmern.

Reifenprofilprüfung mit Euro-MünzeDie Profiltiefe können Sie einfach mit einer 1-Euro-Münze prüfen. Der goldfarbene Rand ist genau 3 Millimeter breit. Solange er komplett in der Profilrille verschwindet, ist es okay. Sobald dieser Goldrand zu sehen ist, ist es ratsam, die Reifen zu erneuern.

Weitergehende Infos zu Profilstrukturen und Gummimischungen finden Sie in in unserem Ratgeber zu Ganzjahresreifen.

Alter Wein ist gut, alte Reifen werden gefährlich

Reifenidentifikationsnummer TIN mit Produktionsjahr (Bildquelle: testberichte.de Werner Schuwirth)

Ein weiterer Grund, sich nach neuen Reifen umzusehen ist, unabhängig von der Profiltiefe, das Alter der Reifen. Reifen altern. Auch wenn sie nicht gefahren werden. Der Gummi wird spröde. Die Stabilität und die Elastizität leiden, die gesamten Fahreigenschaften verändern sich. Auch wenn die Reifen sorgfältig gelagert und nicht gefahren werden. Je älter die Reifen sind, desto unsicherer werden sie auf der Straße. Reifen sollten, egal wie das Profil aussieht, möglichst nicht mehr als sechs Jahre auf dem Buckel haben. Allerspätestens nach acht Jahren sollten sie , auch wenn es dazu keine gesetzlichen Vorschriften gibt, schon im Interesse der eigenen Sicherheit und Gesundheit, gewechselt werden. Es ist gar nicht so schwer, das Reifenalter zu erkennen. Mindestens ein Reifen in jedem Satz oder pro Achse trägt auf der Flanke eine sogenannte "Tire Identification Number" TIN, oft auch DOT nach dem US-amerikanischen Ursprung genannt. Darin verbirgt sich zum Beispiel auch, in welchem Werk ein Reifen hergestellt wurde. Am Ende dieser TIN steht eine vierstellige Ziffernfolge. Dabei stehen die ersten beiden Ziffern für die Kalenderwoche, die zweiten beiden Ziffern für das Produktionsjahr. Der Reifen auf dem Foto wurde in der 38. Kalenderwoche 2017 produziert, das sagt die 3817. Reifen bei einem Neukauf sollten nie älter als zwei Jahre sein. Lassen Sie sich vom Verkäufer das Reifenalter zeigen oder, bei einem Online-Kauf, bestätigen.

Welche kaufrelevanten Informationen stehen direkt auf dem Reifen?

Kennzeichnungen eines Autoreifens (Bildquelle: testberichte.de Werner Schuwirth)

Alle Autoreifen tragen Kennzeichnungen, die genaue Auskunft über die Größe, die Bauweise und auch das Alter geben. Sie sind auf den Reifenflanken ablesbar. Je nach Hersteller werden sie im Detail an unterschiedlichen Stellen, manchmal auch mehrfach, angebracht. Dabei muss die Reifendimension, die sich aus den Angaben von Nummer 3 bis 8 ergibt, mit der Reifengröße in der Zulassungsbescheinigung oder einer Konformitätsbescheinigung übereinstimmen. Die einzelnen Positionen auf dem Beispielfoto bedeuten:

Bild­nummer

Bedeutung

1

Alpine-Symbol aus einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Dieser Reifen ist als Winterreifen zugelassen. Alle Winterreifen, die nach dem 01. Januar 2018 produziert wurden und werden, müssen dieses Symbol tragen.

2

"M+S" für "Mud + Snow" oder "Matsch + Schnee". Das ist die nur noch in einer Übergangsfrist zulässige, alte Kennzeichnung für Winterreifen. Selbst Reifen, die nur diese Markierung "M+S" tragen, dürfen noch bis zum 30. September 2024 bei winterlichen Straßenverhältnissen gefahren werden. Der Unterschied: Reifen, die das Alpine-Symbol tragen, müssen einen Bremstest auf Schnee absolvieren.

3

Die erste Zahl in der Kombinationsangabe für die Reifengröße gibt die Reifenbreite in Millimetern an. Der Reifen auf dem Foto ist also 165 Millimeter breit.

4

Die zweite Zahl steht für die Reifenhöhe. Diese wird aber nicht in Millimetern, sondern als Verhältnis zur Reifenbreite in Prozent angegeben. Bei unserem Beispielreifen beträgt die Reifenhöhe also 60% von 165 und damit 99 Millimeter.

5

Das R steht für die Bauweise des Pneus als Radialreifen. Das ist heutzutage bei PKW-Reifen die Regel. Bei Radialreifen verlaufen die Stahlgewebeeinlagen, die dem Reifen die Stabilität geben, im rechten Winkel zum Radius des Reifens in der Karkasse, dem Gerüst des Reifens. Diagonalreifen gibt es praktisch nur noch für Nutzfahrzeuge, Traktoren, Offroadreifen oder Rennreifen.

Wichtig: Bei PKW und Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen dürfen nur entweder Radialreifen oder Diagonalreifen angebracht werden. Eine Mischbereifung ist verboten.

6

Die nächste Zahl steht für den Durchmesser der Felge, auf die der Reifen passt. Der Felgendurchmesser wird in Zoll angegeben. Dieser Reifen passt folglich nur auf Felgen mit einem Durchmesser von 14 Zoll.

7

Nun kommen wir zum Tragfähigkeitsindex oder auch Lastindex eines Reifens. Aus ihm ist ersichtlich, mit welchem Maximalgewicht ein Pneu belastet werden kann. Dieses maximale Belastungsgewicht steht in Relation zur maximalen Achslast, die pro Achse in den Feldern 7.1 bis 7.3 der Zulassungsbescheinigung steht. Dazu gibt es Tabellen, in denen zu jedem Tragfähigkeitsindex die entsprechende Belastbarkeit steht. Die 75 aus unserem Beispiel steht für 387 Kilogramm. Zusammen mit dem zweiten Reifen an der Achse können diese Reifen also eine Achslast von 774 Kilogramm schultern. Vorder- und Hinterachse zusammen können somit mit maximal 1548 Kilogramm belastet werden. Das entspricht ungefähr dem zulässigen Gesamtgewicht vieler Kleinwagen. Diese Tragfähigkeit würde dagegen schon für manchen Mittelklassewagen im Leergewicht nicht mehr ausreichen.

8

Der letzte Buchstabe in der Reifengrößen-Kombination ist der Geschwindigkeitsindex. Er gibt an, mit welcher Höchstgeschwindigkeit der Reifen gefahren werden darf. Wird diese überschritten, drohen Schäden am Reifen und auch Unfälle, weil der Reifen den auftretenden Belastungen und dynamischen Kräften dann nicht mehr sicher gewachsen ist. Auch er ist zusammen mit einer Tabelle lesbar, die den Buchstaben des Alphabets folgt. Bei PKW-Reifen erstreckt sich das etwa von M mit maximal 130 km/h bis zu Y mit 300 km/h. Das T unseres Beispielreifens steht für 190 km/h Höchstgeschwindigkeit.

9

Hier wird noch einmal ausdrücklich die Bauweise "Radial" angegeben und dazu "tubeless" für einen schlauchlosen Reifen. Auch das ist heutzutage üblich. Beide Angaben sind an dieser Stelle freiwillig und nicht vorgeschrieben.

10

Auf dem Reifen ist schließlich die Laufrichtung angegeben. Unser Beispielfoto zeigt einen rechten Reifen. Reifen müssen unbedingt mit der angegebenen Laufrichtung zur Fahrtrichtung des Kfz montiert werden, da ihre ganze Konstruktion darauf ausgerichtet ist.

Und was ist mit Runflat-Reifen?

Runflatreifen sind Reifen mit sogenannten Notlaufeigenschaften. Sie verfügen über eine verstärkte Konstruktion, besonders einen speziellen Seitenwandaufbau. Dadurch kann mit ihnen, selbst wenn ein Reifen die Luft verliert, mit maximal 80 km/h bis zur nächsten Werkstatt oder Tankstelle weitergefahren werden. Leider ist für sie keine spezielle Kennzeichnung vorgeschrieben. Das bleibt völlig den Herstellern überlassen. Die häufigsten Kennzeichnungen sind RFT für runflat oder ROF für run-on-flat. Je nach Hersteller gibt es aber auch eigene Kürzel. Beispiele sind etwa ZP (zero pressure), CSR (conti support ring), SSR, oder DSST (Dunlop Self Supporting Technology).

Übrigens: Runflat-Reifen sind wegen der verstärkten Konstruktion deutlich schwerer, als ihre Modellreihen-Verwandten ohne Notlaufeigenschaften. Sie sind sozusagen schon an ihrem Eigengewicht zu erkennen.

Welche Reifen passen an mein Auto?

Die Größe der Reifen ist Bestandteil der Betriebserlaubnis eines Autos. In der Zulassungsbescheinigung Teil 1 gibt es die Felder 15.1. bis 15.3. In diesen sind genau die Reifengrößen eingetragen, die an dem jeweiligen Fahrzeug montiert werden dürfen und zwar gilt jede Teilziffer für eine Achse. 15.1 also für die Vorderachse, 15.2 für die Hinterachse und 15.3 für eine etwaige dritte Achse bei Nutzfahrzeugen.

Zulassungsbescheidigung Teil 1 Feld 15 (Bildquelle: testberichte.de Werner Schuwirth)

In dem abgebildeten Beispiel einer Zulassungsbescheinigung sind für den PKW, einen Kleinwagen, entsprechend der Einträge in Zeile 15.1 für die Vorderachse und 15.2 für die Hinterachse jeweils nur Reifen der Größe 155/70 R13 75 T zugelassen. Nur diese Reifengröße wird von der Betriebserlaubnis für dieses Fahrzeug erfasst. Werden Reifen mit anderer Größenordnung montiert, wird eine Veränderung an dem Fahrzeug vorgenommen. Das hat zwar keine Auswirkung auf die Zulassung des Fahrzeuges. Aber eine falsche Reifengröße kann zum Erlöschen der Betriebserlaubnis für dieses Auto führen.

§ 19 Absatz 2 StVZO:
Die Betriebserlaubnis ... erlischt, wenn Änderungen vorgenommen werden, durch die ...
2. eine Gefährdung von Verkehrsteilnehmern zu erwarten ist

Achtung: Erlischt durch montierte Reifen mit der falschen Größe die Betriebserlaubnis, kann dies zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.

Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Reifen mit falscher Größe nicht richtig in die Radkästen passen und es zu Veränderungen des Fahr-, Lenk- oder Bremsverhalten kommt.

Ausnahme: Wenn es vom Hersteller ein Certificate of Conformity (CoC), also eine EG-Übereinstimmungsbescheinigung, zu dem Fahrzeug gibt und diese weitere Reifengrößen enthält, dürfen auch diese aufgezogen werden. Diese Konformitätserklärung wird üblicherweise beim Kauf eines Kraftfahrzeuges durch den Händler mit ausgehändigt.

Reifen und Bußgeldkatalog: Welche Strafen drohen bei Mängeln?

Fahren mit abgefahrenen oder falschen Reifen kann ein teurer Spaß werden. In der Bußgeldkatalogverordnung (BKatV) sind dazu eine Reihe möglicher Vergehen aufgelistet, bei denen Bußgelder und auch Punkte im Fahreignungsregister beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg drohen. Wichtig ist dabei, dass nicht nur Fahrer*innen, sondern auch die Halter*innen eines Kfz betroffen sein können, selbst wenn sie nicht in der konkreten Situation am Lenkrad sitzen. Die nachfolgende Übersicht enthält die wichtigsten Fälle für PKW und Kraftfahrzeuge bis 3,5 t sowie Anhänger. Für LKW und Busse gelten teilweise abweichende Regeln.

Strafen für Fahrzeughalter*innen

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Zugelassen oder sogar angeordnet

  • dass das Fahrzeug trotz abgefahrener Reifen in Betrieb genommen (d.h. gestartet und gefahren) wird
  • dass das Fahrzeug bei winterlichen Straßenverhältnissen ohne zulässige Winterreifen in Betrieb genommen wird
75 Euro-
Zugelassen oder sogar angeordnet, dass ein Fahrzeug mit unzulässiger Mischbereifung aus Diagonal- und Radialbereifung in Betrieb genommen wird30 Euro-

Strafen für Fahrzeugführer*innen

Tatbestand

Bußgeld

Punkte

Kraftfahrzeug oder Anhänger mit Reifen ohne ausreichende Profiltiefe (mindestens 1,6 Millimeter) geführt60 Euro1
Fahrzeug mit abgefahrenen Reifen gefahren und dabei oder dadurch eine Gefährdungssituation geschaffen75 Euro1
Fahren bei winterlichen Straßenverhältnissen (Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte) ohne zulässige Winterreifen60 Euro1
Fahren bei winterlichen Straßenverhältnissen ohne zulässige Winterreifen und dadurch eine Verkehrsbehinderung verursacht80 Euro1
Fahrzeug mit unzulässiger Mischbereifung aus Diagonal- und Radialbereifung geführt15 Euro-
Fahren mit falscher Reifengröße und daraus folgendem Erlöschen der Betriebserlaubnis des Fahrzeuges50 Euro-

Werden Gefahrensituationen oder gar Unfälle verursacht, kann es auch zu höheren Bußgeldern und weiteren Sanktionen kommen. Wer schon Punkte in Flensburg hat, sollte besonders aufpassen, da die Obergrenze seit 2014 acht Punkte beträgt, dann kommt es zum Fahrverbot. Unabhängig von den Bußgeldern drohen natürlich weitere rechtliche und möglicherweise auch finanzielle Folgen, wenn mit mangelhaften Reifen Unfälle und Schäden verursacht werden.

Verschiedene Reifen mischen? Lieber nicht!

Wer einmal versucht zu laufen, wenn an einem Fuß ein Schuh mit einer grobstolligen, dicken Profilsohle und am anderen ein Schuh mit einer dünnen, leicht profilierten Ledersohle getragen wird, kann es nachvollziehen: Das Mischen unterschiedlicher Reifenmodelle oder gar von Sommer- und Winterreifen ist zwar nicht verboten, aber dennoch sehr gefährlich. Reifen einer Modellreihe haben immer die gleichen Eigenschaften. Beim Lenken, beim Bremsen, auf Nässe und bei trockenem Straßenbelag, bei Ausweichmanövern und in Kurven. Das führt zu einer Berechenbarkeit der Reaktionen des Fahrzeuges. Das ändert sich komplett, wenn man verschiedene Reifenmodelle oder gar Reifen für verschiedene Jahreszeiten mischt. Das Fahrverhalten, das Handling und auch die Reaktionen des Fahrzeugs werden, vor allem in kritischen Situationen, völlig unberechenbar. Daher gilt:

Empfehlung: Das Mischen unterschiedlicher Reifenmodelle oder Reifentypen sollte unbedingt vermieden werden.

Die berühmte Frage: Teuer oder billig? Was ist besser?

Es gibt dazu zwar keine belegbaren Statistiken. In vielen Vergleichstests zeigt sich aber immer wieder, dass die traditionellen Reifenhersteller mit ihren Premiummarken die Nasen vorn haben. Das zieht sich meist quer durch alle Testkriterien vom Bremsen über das Handling bis zur Laufleistung. Gerade bei der Laufleistung kann dem billigeren Anschaffungspreis eine geringere Laufleistung von 10000 Kilometern und mehr gegenüberstehen, sodass schneller wieder Kosten für eine erneute Ersatzbeschaffung anfallen. So hat etwa die AutoBild im aktuellen Sommerreifentest 2020 gravierende Unterschiede bei den Bremswegen festgestellt und bei 10 von insgesamt 50 Modellen sogar ausdrücklich vom Kauf abgeraten. Die 20 besten Pneus aus diesem Test finden Sie übrigens hier bei uns. Allerdings bieten die meisten Premiumhersteller inzwischen auch Reifen in Zweit- und Tochter-Marken an und es kommen neue Anbieter auf den Markt, die durchaus ansprechende Produkte anbieten. Trotzdem liegen auch beim gemeinsamen Doppel-Vergleichstest der Konsument, dem österreichischen Pendant zur deutschen "Test", und des ADAC, bekannte Marken mit den besten Testergebnissen vorne. Die Gesellschaft für technische Überwachung GTÜ hat Zweitmarken-Reifen unter die Lupe genommen und festgestellt, dass sie in der Performance hinter Premium-Marken zurück bleiben. Ähnliches gilt auch für Tests bei Winterreifen, Ganzjahresreifen oder Offroadreifen. Die verschiedenen Testsieger der letzten Jahre finden Sie übrigens in unseren Bestenlisten, die wir für Sie zusammengestellt haben:

Testsieger Sommerreifen

Testsieger Winterreifen

Testsieger Ganzjahresreifen

Testsieger Offroadreifen

Runderneuerte Reifen: Sind sie eine gute und günstige Alternative?

Allein in Deutschland werden allein im Endverbraucher-Markt ziemlich konstant pro Jahr ungefähr 50 Millionen Reifen gekauft und montiert. Das ist ein enormer Markt. Natürlich bietet es sich da an, auch gebrauchte, aber runderneuerte Reifen in die Kaufüberlegungen einzubeziehen. Zumal diese natürlich weitaus weniger kosten, als fabrikneue Reifen. Und ökologisch ist das Recyceln durchaus auch positiv zu sehen. Dennoch spielen runderneuerte Reifen keine Rolle, ihr Marktanteil liegt bei einem kleinen Prozent. Sie sind in der Herstellung aufwendig und teuer und sind letztlich doch nur eingeschränkt leistungsfähig.

Bei runderneuerten Reifen werden die verbrauchten Laufflächen von den Karkassen, dem Reifenunterbau, maschinell getrennt. Die Karkassen werden mit Lasertechnologie sehr aufwendig geprüft um sicherzustellen, dass sie frei von jeglichen Beschädigungen sind. Ansonsten werden sie sofort ausgesondert. Anschließend wird eine neue Gummilauffläche aufgetragen, vulkanisiert und je nach Reifenart mit dem entsprechenden Profil versehen. Der gesamte Produktions- und Qualitätssicherungsprozess ist sehr aufwendig. Dennoch bleibt es dabei, dass in der Karkasse die Belastung aus vielen tausend Fahrkilometern des Originalreifens steckt. Die Verbindung zwischen Lauffläche und Karkasse ist nicht homogen wie in dem durchentwickelten Produktionsgang eines Neureifens. Das größte Problem aber ist, dass ein Satz runderneuerter Reifen zwar über die gleichen Laufflächen und damit Profile verfügt, darunter aber vier verschiedene Karkassen stecken können. Und jede Karkasse hat vom Originalhersteller eine andere Rezeptur bekommen, die natürlich Betriebsgeheimnis dieser Hersteller sind. Das kann zur Folge haben, dass jeder Reifen am Auto letztlich eine andere Performance vom Handling über das Fahr- bis zum Bremsverhalten hat. Gerade in kritischen Situationen kann das gefährlich werden, was auch Experten von Verkehrsclubs wie dem ADAC, dem ACV und von vielen Fachzeitschriften immer wieder konstatieren. Da selbst innerhalb eines Reifensatzes jeder einzelne Reifen eine unterschiedliche Gesamtkomposition haben kann, werden runderneuerte Reifen auch so gut wie nicht getestet. Ein Test ist nicht aussagefähig für eine ganze Serie, sondern nur für das unmittelbar getestete Einzelprodukt. Für Vielfahrer*innen und Langstrecken sind sie überhaupt nicht zu empfehlen, da auch ihre Haltbarkeit gegenüber Neureifen deutlich reduziert ist. Wer meist nur Kurzstrecke oder Stadtfahrten absolviert und in Regionen mit unproblematischen Wetterverhältnissen lebt, kann darüber eher nachdenken. Es ist aber inzwischen schwer, überhaupt runderneuerte Reifen im Handel zu finden.