Napf mit Hundefutter Bildquelle: 9dream studio / shutterstock

Gesundes Hundefutter: BARFen oder herkömmliches Futter?

Hunde gehören in Deutschland zu den beliebtesten Haustieren nach Katzen. Damit sie sich wohlfühlen, ist eine artgerechte und gesunde Ernährung wichtig. Aber was ist artgerecht? Welche Nährstoffe sind wichtig? Reichen dazu die Hundefutter aus dem Handel oder sollte ich alles selbst herstellen? Die Thematik ist viel diskutiert. Viele von uns vertrauen auf das Hundefutter im Laden, schließlich wird Tierfutter streng kontrolliert, oder? Oder muss ich vielleicht doch BARFen?

Was ist das richtige Hundefutter?

Hunde sind wie Katzen in erster Linie Fleischfresser (Carnivoren). Aber mit dem Unterschied, dass sie im Gegensatz zur Katze auch pflanzliche Nahrung verwerten. Sie sind domestiziert und begleiten den Menschen seit tausenden von Jahren. Sie fraßen das, was der Mensch übrig ließ. Hunde können somit als nicht-strikte Fleischfresser oder Allesfresser (Carni-Omnivora) bezeichnet werden. Sie vertragen zum Beispiel Kohlenhydrate und können sie im Gegensatz zum Wolf als Energiequelle nutzen. Sie kennen das vielleicht, Hunde sind immer auf der Suche nach etwas Fressbarem und probieren alles, was ihnen vor die Schnauze kommt. Wenn sie es vertragen: Gut! Wenn nicht, wird es ausgespuckt. Daher ist die Annahme, dass Hunde das Gleiche fressen sollten wie Wölfe nicht richtig.

BARFen – Ernährung auf die natürliche Art?

Das sogenannte BARFen (Bones And Raw Food oder Born-Again Raw Feeders) ist eine Ernährungsmethode, die sich am natürlichen Beutefutter orientiert. Es kommen nur rohes Fleisch und Fisch, Knochen und Innereien auf den Tisch, die ergänzt werden durch rohes Gemüse, Obst, Nüsse und Öle. Allerdings kann diese Ernährungsweise, wenn Sie keinerlei Kenntnisse über die richtige Nährstoffkombination haben, zu Mangelerscheinungen führen. Wie immer kommt es auf die richtige Zusammensetzung an.

Wenn Sie Ihre Hunde BARFen wollen, dann konsultieren Sie vorher einen auf Ernährung spezialisierten Tierarzt. Zu viel Lunge oder Euter kann zum Beispiel zu Verdauungsproblemen (Blähungen, Durchfall) führen, da das Fleisch hauptsächlich aus Bindegewebe besteht, was nur schwer verdaulich ist.

Zu viel Eiweiß kann zudem zu Nieren- und Leberschäden führen, weswegen Hunde mit solchen Vorerkrankungen nicht BARFen sollten. Knochen sind gut für den Kalziumhaushalt, aber bitte nicht zu viel, ansonsten kommt es zu Verstopfungen, außerdem können sie splittern und zu Verletzungen führen. Besser sind Alternativen wie Knochenmehl, Eierschalen oder Algenkalk.

Hinweis: Lassen Sie Ihren Vierbeiner vorher tierärztlich untersuchen. Besprechen Sie Ihr BARF-Vorhaben mit einem auf Ernährung spezialisierten Tierarzt. Bei dieser Ernährungsmethode ist eine regelmäßige Kontrolle des Hundes wichtig, um Mangelerscheinungen auszuschließen. 

Die Zufuhr von Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen wird meist unterschätzt. Vor allem junge Hunde reagieren sehr empfindlich auf einen Nährstoffmangel. Sie sollten daher nicht BARFen, ansonsten könnten zum Beispiel innerhalb weniger Monate Skelettprobleme auftreten. Spezielles Hundefutter für Welpen ist hier die bessere Alternative.

Manche Lebensmittel (Hering, Makrele, Kabeljau, Bohnen) sind im Rohzustand nur schwer verdaulich und müssen erhitzt werden. Bestimmte Enzyme können zudem die Verwertung von Vitaminen inaktivieren, sodass sie unwirksam werden. Knoblauch ist sogar giftig und kann zum Tod führen.

Tests zeigen: Fertige BARF-Produkte sind meist hoch mit Keimen belastet

Achten Sie peinlichst auf die Hygiene und lagern Sie das rohe Fleisch nicht neben Ihren Lebensmitteln im Kühlschrank. Sie sollten zudem über Parasiten, pathogene Bakterien und hohe Keimbelastung nachdenken. In Tests der Stiftung Warentest wurde gezeigt, dass fertige BARF-Produkte meist hoch mit Keimen versetzt sind. Außerdem fehlen diesen fertigen Hundefuttermitteln Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, die unter anderem wichtig für Nerven, Knochen, Fell und Haut sind.

Dieser Artikel soll Sie nicht vom BARFen abhalten, aber die Komplexität und die Risiken aufzeigen, die eine solche Ernährung mit sich bringt, wenn sie nicht sorgfältig auf Ihren Hund – Rasse, Alter und Gesundheitszustand – angepasst wird. Tests der Stiftung Warentest verraten zum Beispiel, was mit Laboruntersuchungen im Hundefutter nachgewiesen wird.

Vor- und Nachteile des BARFens

Stärken

  1. eine Möglichkeit der bedarfsgerechten, natürlichen Ernährung
  2. weniger Plaque und Zahnstein
  3. bei Futtermittelallergie ist eine Auslassdiät besser umsetzbar

Schwächen

  1. es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass Rohfütterung den Fertigfuttermitteln in Bezug auf die Gesundheit überlegen ist
  2. ohne entsprechende Sachkunde führt die Ernährung zu Mangelerscheinungen und Krankheiten, teils erst nach Jahren
  3. bei Knochenfütterung: Zahnfrakturen, Verstopfung
  4. bei aufgetautem/vakuumverpacktem Futter: Infektionsrisiko für Mensch & Tier
  5. Hygiene-Regeln streng einhalten

Gefährliche Lebensmittel für Hunde

 

  • Rosinen & Weintrauben
  • Schokolade
  • Zwiebeln & Knoblauch
  • Avocado
  • rohe Kartoffeln
  • rohe Bohnen, Erbsen, Kichererbsen, Linsen

Alternativen: Hundefutter aus dem Handel

Die im Handel erhältlichen Produkte (Nass- und Trockenfutter) gehören zu den Alleinfuttermitteln. Das heißt, dass sie eine optimale Mischung der Nährstoffe enthalten, um Ihren Hund mit allen lebenswichtigen Aminosäuren, Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und Fettsäuren zu versorgen. Je nach Entwicklungsphase des Tieres gibt es Futter für Welpen, Erwachsene und Senioren. Denn je nach Lebensalter verändern sich auch die Bedürfnisse Ihres Hundes. Welpen benötigen unter anderem mehr Kalzium für den Aufbau und die Stärkung des Skeletts als erwachsene Tiere.

Solche Hundefutter sind sehr praktisch, denn Sie müssen kein Ernährungsexperte sein. Dose oder Tüte kaufen, Fütterungsempfehlung beachten und fertig. Allerdings sind die Hinweise zu den Portionen nicht immer ausreichend. So kann es schnell zu einer höheren Energiezufuhr kommen als nötig. Die Experten der Stiftung Warentest untersuchen regelmäßig Hundefutter auf ihre Inhaltstoffe und die Fütterungshinweise.

Im Vergleichstest der Stiftung Warentest von 2019 schneidet feuchtes Hundefutter von Edeka, Penny, Netto Marken-Discount sowie Lidl und Aldi Süd mit Bestnoten ab. Die Dosen und Schalen kosten zwischen 0,55 und 0,85 €. Sie müssen für eine ausgewogene Ernährung und gutes Hundefutter nicht viel Geld ausgeben.

Hundefutter: Vor- und Nachteile von Trockenfutter

Stärken

  1. sehr energiereich; Hund wird schnell satt
  2. Futter lange haltbar
  3. einfach zu portionieren
  4. Futterplatz und Umgebung bleiben weitgehend sauber
  5. ist preiswert

Schwächen

  1. enthält sehr wenig Wasser
  2. immer frisches Wasser bereitstellen
  3. bei Überdosierung kann Tier dick werden

Die besten Trockenfutter

Ob Sie nun Trocken- oder Nassfutter geben, ist Ihre Entscheidung oder die Ihres Vierbeiners. Trockenfutter enthält sehr wenig Feuchtigkeit. Sie sollten daher immer frisches Wasser bereitstellen. Hundefutter aus Dosen und Schälchen hat hingegen einen sehr hohen Feuchtigkeitsanteil und wird von vielen Hunden lieber gefressen. Da es eine geringe Energiedichte aufweist, können ihre Vierbeiner damit besser das Gewicht halten.

Hundefutter: Pro und Contra bei Nassfutter

Stärken

  1. geringere Energiedichte; Hunde können Gewicht halten
  2. wird vom Hund meist bevorzugt; intensiver Geruch, Fleischstücke
  3. sehr hoher Wasseranteil

Schwächen

  1. macht nicht so schnell satt aufgrund des geringeren Energiewertes
  2. Futterstelle ist etwas aufwändiger zu reinigen
  3. ist generell teurer als Trockenfutter
  4. teuer

Die besten Nassfutter

Hinweis: Die Tierfutterherstellung wird streng kontrolliert. Dass „Abfälle“ wie Borsten, Hufe, Knorpel verwendet werden, konnte in den bisherigen Tests nicht belegt werden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist besser: Trocken- oder Feuchtfutter?

Alleinfuttermittel sind generell eine gute Wahl, wenn Sie Ihren Vierbeiner ausgewogen ernähren wollen. Welches Hundefutter Sie nehmen, hängt von den Vorlieben Ihres Hundes ab. Trockenfutter ist billiger und haltbarer als Feuchtfutter. Aber auch energiereicher, sodass Sie bei der Dosierung aufpassen sollten. Mit Nassfutter kann das Gewicht besser gehalten werden.

Hundefutter selbst herstellen?

Je nachdem, ob die Hunde es gewöhnt sind, freuen sie sich über frische Leckereien. Aber Sie sollten sich vorher genau mit den Nährstoffverhältnissen auseinandersetzen. Wo sind welche Vitamine & Spurenelemente enthalten? Welche Wechselwirkungen kann es geben und was ist sogar giftig? Beraten Sie sich mit einem Ernährungsmediziner für Tiere.

Teures oder billiges Hundefutter?

Wie die Vergleiche von Stiftung Warentest zeigen, muss sehr gutes Hundefutter nicht teuer sein.

Fertige BARF-Produkte kaufen?

Diese Produkte versprechen ein unkomplizierteres und trotzdem gesundes Füttern. Allerdings zeigte sich in bisherigen Tests, dass sie meist einen hohen Mangel an wichtigen Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen aufweisen. Zudem haben sie teils eine zu hohe Keimbelastung, die für Tier & Mensch gefährlich sein können.

Braucht mein Hund glutenfreies Futter?

Getreide dient in Trockenfuttern u. a. als Bindemittel, um Brocken und Kroketten zu bilden. Andererseits ist Getreide ein guter Kohlenhydratspender und ballaststoffreich. Hunde können im Gegensatz zum Wolf Kohlenhydrate sehr gut verdauen und daraus Energie ziehen. Sicherlich kann es Tiere mit Unverträglichkeiten geben. Dann schauen Sie am besten nach gut getesteten getreidefreien Sorten.

Ist Bio-Hundefutter gut?

EU-biozertifiziertes Hundefutter muss zu 95 Prozent aus biologisch kontrollierten Zutaten bestehen. Die bisher getesteten Bio-Produkte fielen jedoch immer wieder durch schlechte Nährstoffzusammensetzungen auf.