Das Wichtigste auf einen Blick:
- Alle Helme müssen nach Norm EN 1384:2023 geprüft sein
- Monocoque/Inmold-Modelle: wesentlich bessere Schlagdämpfung
- Klassische Reithelme haben häufig ein Belüftungsproblem
- Moderne, leichte Reithelme bieten hohen Schutz und zugleich viel Tragekomfort
- Austausch nach fünf Jahren empfohlen
- Pflichtaustausch nach Sturz
Obwohl noch längst nicht alle Reiter beim Reiten einen passenden Helm tragen, um den Kopf bei einem Sturz bestmöglich zu schützen, haben sich Reithelme in Leichtbauweise in den letzten Jahren deutlich durchgesetzt. Dank ihres meistens hohen Tragekomforts werden sie immer beliebter und lösen die traditionellen Reithelme zunehmend ab.
Reithelme in leichter Bauweise gleichen im Aufbau oft Fahrradhelmen und greifen nicht selten auf die gleichen bewährten Materialien zurück. Dennoch sind Fahrradhelme keine geeignete Alternative fürs Reiten, da Reithelme besonders robust sein müssen: Sie sollen im Ernstfall sogar den Aufprall eines Pferdehufs abfangen können. Hochwertige Leichtbauhelme verfügen daher über eine stabile Außenschale aus Hartplastik, die fest mit einem schaumartigen Kunststoff verschmolzen ist (Monocoque, Inmold). Diese Konstruktion sorgt für eine wesentlich bessere Schlagdämpfung als bei Modellen, deren Schichten nur lose miteinander verbunden sind.
Ein weiterer Pluspunkt ist das geringe Gewicht. Viele Leichtbauhelme bringen deutlich unter 500 Gramm auf die Waage, während Spitzenmodelle mit etwa 300 Gramm sogar mit Fahrradhelmen konkurrieren können. Zudem sind diese Helme meist individuell an die Kopfform oder -größe anpassbar. Dabei ist heute häufig ein sogenanntes Drehsystem verbaut, mit dem sich die Befestigungsriemen von außen vergrößern oder verkleinern lassen. Einige Varianten ermöglichen sogar eine Anpassung in drei Richtungen. Das ermöglicht eine präzise Einstellung für einen optimalen Halt. Die Passform kann bei Bedarf jederzeit, oft sogar mit nur einer Hand und sogar unterwegs, angepasst werden. Deutlich weniger komfortabel und flexibel sind dagegen Einlagen mit Klettbändern – diese Technik ist jedoch nur noch selten zu finden.
Außerdem besitzen Leichtbau-Reithelme häufig ein Belüftungssystem mit Schlitzen oder Öffnungen, die in manchen Fällen sogar verstellbar sind. Das sorgt vor allem an warmen Tagen für angenehme Luftzirkulation. Beim Kauf ist jedoch auch auf die Qualität der Polsterungen zu achten, denn manche nehmen Feuchtigkeit auf, anstatt sie verdunsten zu lassen. Daher empfiehlt sich die Wahl atmungsaktiver Polster, die sich idealerweise herausnehmen lassen – so kann der Helm bei kühleren Temperaturen bequem mit einer Mütze getragen werden.
Die traditionellen Reithelme können bei Belüftung und Gewicht nicht mit den Leichtbaumodellen mithalten. Zudem sind sie meist nur in festen Größen erhältlich, wodurch sie für Kinder oder Jugendliche weniger geeignet und meist auch teurer sind, da die Helme nicht mitwachsen. Bei der Gurtführung, die häufig mit der der Leichtbauhelme identisch ist, kommen sowohl 3-Punkt- als auch 4-Punkt-Kinngurte zum Einsatz, die laut Experten in Sachen Sicherheit gleichwertig sind. Im gehobenen Preissegment werden bei klassischen Helmen zunehmend Hightech-Materialien verwendet, die jedoch in vielen Tests nicht unbedingt besser abschneiden. Daher empfiehlt es sich, vor dem Kauf eines 300 bis 400 Euro teuren Helms Testberichte zu prüfen. Eine spezielle Variante sind sogenannte Military-Helme, die meist eine glatte Oberfläche und keinen Schirm haben. Diese Sporthelme legen ihren Fokus vor allem auf Stabilität, während der Tragekomfort eine geringere Rolle spielt.
Bezüglich Sicherheit ist es wichtig, dass Reithelme die aktuelle Norm EN 1384:2023 tragen. Diese Norm löste zunächst die bis Ende 2014 gültige Ursprungsnorm EN 1384 ab, für die übergangsweise die Norm VG1 01.040 2014-12 galt. Seit 2023 gibt es nun die endgültige Fassung EN 1384:2023, nach der die meisten aktuell im Handel erhältlichen Reithelme geprüft sind. Helme mit der Übergangsnorm VG1 sind ebenfalls noch zulässig und sicher, sofern sie nicht zu alt sind. Die Norm garantiert eine Mindestanforderung an Stoßdämpfung, Steifigkeit sowie die Qualität von Gurten und Verschlüssen. Wirklich hochwertige Helme übertreffen diese Standards deutlich – auch darüber liefern Tests nützliche Informationen. Zudem sollte der Helm im Falle eines Sturzes so konstruiert sein, dass der Schirm nachgibt, da ein starrer Schirm Verletzungen verschlimmern kann. Ferner darf der Kinnriemen keine harte Kinnschale besitzen, da diese ein zusätzliches Verletzungsrisiko darstellt.
Wichtig: Wann muss ein Reithelm ersetzt werden? Nach einem Sturz mit Kopfaufprall ist der Helm immer sofort zu ersetzen – auch wenn äußerlich keine Risse oder Beschädigungen sichtbar sind. Die innere Schutzstruktur kann bei einem Aufprall dauerhaft beeinträchtigt sein, ohne dass man es sieht. Darüber hinaus empfehlen die meisten Hersteller einen Austausch spätestens nach fünf Jahren, da UV-Strahlung, Schweiß und normale Alterung die Schutzfunktion des Materials mit der Zeit vermindern – auch bei sachgemäßer Lagerung und ohne Sturzereignis.



















