Tipps zum richtigen Bohren

Richtig bohren ganz einfach!

Wer kennt das nicht: Gerade in eine Altbauwohnung oder in einen Neubau gezogen, die Wände sollen aber nicht kahl bleiben, sondern mit Regalen und Bildern verschönert werden. Im Bad und Flur fehlt noch ein Spiegel und in der Küche sollen Hängeschränke für zusätzlichen Stauraum sorgen. Löcher müssen gebohrt werden. Aber keine Panik, jeder kann mit ein paar Grundregeln, dem richtigen Werkzeug und etwas Übung Löcher bohren. Aber auch, wenn mal was daneben geht, gibt es Tricks, damit passt, was passen soll. Nachfolgend erfahren Sie von uns alles Wissenswerte.

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Aus welchem Material besteht meine Wand?

Je nach Wandbeschaffenheit benötigen Sie unterschiedliche Werkzeuge. Daher ist es sehr wichtig vorher abzuklären, aus welchem Material die Wand besteht. Wenn Sie nicht wissen, um welches Material es sich handelt, dann bohren Sie mit einem kleinen Steinbohrer langsam und ohne Schlag vor. Das Bohrmehl verrät in den meisten Fällen, um welches Material es sich handelt.

Rotes oder rot-schwarzes Bohrmehl ⇒ Ziegel (mittelhartes Material)

Graues Bohrmehl ⇒ Beton (hartes Material)

Weißes Bohrmehl ⇒ Gips, Kalksandstein, Porenbeton (weiches bis mittelhartes Material)

Welche Maschine für welche Wände?

Sie wissen nun weitgehend, um welches Wandmaterial es sich handelt. Jetzt wählen Sie die passende Maschine und die Bohrer aus, denn nur so gelingen richtige Bohrlöcher, die mit dem passenden Dübel auch tragfähig sind.

WandbeschaffenheitWerkzeuge & Handhabung
Gipskarton, weiches Mauerwerk (Lochstein, Porenbeton), HolzHalten Sie die Maschine mit beiden Händen, damit Sie gerade Bohrlöcher erzielen, und üben Sie leichten Druck auf die Maschine aus, damit der Bohrer sich durch das Material arbeiten kann.
Mauerwerk (Ziegel, Kalksandstein, Vollziegel)Bei härteren Materialien wie Ziegel sollten Sie zur Schlagbohrmaschine greifen. Sie können mit und ohne Schlag bohren. Die Maschine besitzt eine konstante Leistung. Auch hier müssen Sie Druck ausüben, damit sich der Bohrer durch die Wand bohrt.
Beton, NatursteinAm besten eignen sich Geräte mit pneumatischem Hammerwerk. Sie „fressen“ sich selbsttätig durch die Wand. Sie müssen keinen Druck ausüben, sondern führen nur die Maschine.
Fliesen
  • Schlagbohrmaschine

Kleben Sie die zu bohrende Oberfläche mit Malerkrepp ab, dann rutscht der Bohrer nicht weg. Schlagfunktion ausschalten! Beginnen Sie immer mit einer geringen Drehzahl und steigern Sie sich allmählich. Arbeiten Sie mit wenig Druck. In Fliesen zu bohren, sollte immer mit Ruhe und Geduld erfolgen.

Welche Bohrer für welches Material?

Egal, ob Metall, Holz, Stein, Beton oder Fliesen: Um gute Löcher bohren zu können, benötigen Sie den jeweils richtigen Bohrer. Die verschiedenen Typen sind auf das entsprechende Material abgestimmt und sorgen für perfekte Ergebnisse. Wenn Sie viele Löcher bohren müssen, dann investieren Sie am besten in einen Satz hochwertiger Bohrer. Sie sind exakt zentriert und aus gehärtetem Material. Die Mehrkosten lohnen sich in jedem Fall. Wenn Sie Löcher für einen Dübel bohren, dann ist die Bohrergröße gleich dem Dübeldurchmesser. Ein 6er-Dübelloch wird mit einem 6er-Bohrer durchgeführt. Bevor Sie bohren, sollten Sie mit einem Leitungssucher prüfen, dass keine Strom- und Wasserleitungen im Weg sind (siehe auch FAQs: „Wo sollten Sie nicht bohren?“).

Bohrertypen Bohren Sie je nach Material immer mit dem richtigen Bohrer. So wird das Bohren zum Kinderspiel und Sie erreichen gute Ergebnisse. (Bildquelle: bosch-diy.com)

MaterialBohrertyp
Holz, Spanplatte, MDF, SperrholzHolzspiralbohrer
Gipswände (Leichtbauwände)

Ob, Stein-, Holz- oder Metallbohrer ist egal. Bohren Sie auf das Ständerwerk, ist der Metallbohrer die bessere Wahl.

Metalle (z. B. Eisen, Kupfer, Aluminium) und KunststoffeHSS-Metallbohrer (High Speed Steel)
Stein, Naturstein, Granit, Beton, Mauerwerk (Vollstein, Lochstein)

Steinbohrer und Betonbohrer

- jeweils mit Hartmetallspitze und aus Werkzeug- oder Carbonstahl

Fliesen, Keramik

Fliesenbohrer (mit Hartmetallverstärkung oder diamantbestreuter Bohrkrone)

Steinbohrer

Faustregeln:

  1. Kleiner Bohrdurchmesser sowie weiches Material erfordern eine hohe Drehzahl.
  2. Großer Bohrdurchmesser sowie hartes Material erfordern eine niedrige Drehzahl.
  3. Je nach Kombination aus Material und Bohrergröße müssen Sie die Drehzahl variieren.

Wie finde ich den passenden Dübel?

Je nach Wandbeschaffenheit gibt es unterschiedliche Dübelarten, die einen festen Sitz garantieren. Achten Sie dabei auch auf Qualität und geben Sie lieber etwas mehr Geld aus. Es ist in jedem Fall gut investiert. Auf die einfachen Dübel, die manchen Möbelstücken beigelegt sind, sollten Sie verzichten. Eine der bekanntesten Marke für hochwertige Dübellösungen ist Fischer. Auf der Herstellerseite gibt es einen praktischen Dübelfinder.

Dübeltypen Wenn Sie den Dübel entsprechend der Wandbeschaffenheit nehmen, haben sie schon vieles richtig gemacht. (Bildquelle: bosch-diy.com)

Universaldübel (Allzweckdübel) sind immer dann eine gute Wahl, wenn Sie nicht genau wissen, um welches Material es sich bei Ihrer Wand handelt. Sie sind auch bei Hohlräumen anwendbar, da sie sich spreizen und verknoten.

Klassische Spreizdübel sind vor allem bei Vollmauerwerk und Beton die sichere Entscheidung. Durch Eindrehen der Schraube dehnen sie sich aus und verklemmen sich im Bohrloch.

Gipskartondübel sind wie die meisten Dübel aus Kunststoff oder Metall und werden mit einem Aufsatz für den Akku-Bohrschrauber eingeschraubt. Sie tragen leichte Lasten. Ebenfalls für Hohlraum- und Leichtbauwände sind sogenannte Federklappdübel. Sie eignen sich besonders für die Lampenmontage. Sie werden durch das Bohrloch geschoben. Im Hohlraum spreizt sich der Federmechanismus aus und der Dübel sitzt fest. Für das Montieren von schweren Lasten an Gipskartonwänden eignen sich Metall-Hohlraumdübel. Sie spreizen sich durch Einschrauben der metrischen Schraube hinter der Gipsplatte auf.

In 9 Schritten zum perfekten Bohrloch

  1. Wandmaterial prüfen (Bohrer und Maschine daran anpassen)
  2. Lage von Strom- und Wasserleitungen prüfen (Leitungssucher verwenden!)
  3. Position anzeichnen (Bei mehreren in Reihe Wasserwaage verwenden!)
  4. Bohrlochtiefe markieren (siehe Tipps)
  5. Fester Stand und Maschine im 90°-Winkel zur Wand ansetzen, damit das Bohrloch gerade wird
  6. Für exakte Ergebnisse immer mit einem kleineren Bohrer vorbohren
  7. Bohrloch säubern (nutzen Sie einen Staubsauger; ist aber auch mit Ausblashilfe oder Pfeifenreiniger möglich)
  8. Passenden Dübel eindrücken oder mit Hammer einschlagen
  9. Schraube eindrehen (bei Vorsteckmontage die Schraube erst durch das Material drehen, dann in den Dübel)

Manchmal sagen bewegte Bilder mehr als Worte. Hier ein gutes Video von Bosch:

Tipps & Tricks zum staubarmen Bohren

Damit sich das Bohrmehl nicht überall verteilt, gibt es viele Lifehacks. Bewährt haben sich unter anderem Briefumschlag, Filtertüte oder eine gefalteter Post-it-Zettel, die unter das Bohrloch geklebt werden - und so den meisten Dreck auffangen. Bei Überkopfarbeiten können Sie den abgeschnittenen Boden einer PET-Flasche nehmen. In die Mitte ein Loch bohren. Den Boden mit der Öffnung nach oben auf den Bohrer schieben und vorsichtig in die Decke bohren. Der Staub landet dann nicht in den Augen. Super ist auch, wenn ein Helfer den Staubsauger bedient. Das ist die sauberste Lösung, zumal Sie das Loch auch vom Bohrstaub befreien müssen.

Tipps & Tricks für die richtige Bohrlochtiefe

Entweder nutzen Sie den Tiefenanschlag Ihrer Schlagbohrmaschine oder Sie zeichnen ganz einfach mit einem wischfesten Marker am Bohrer die Dübellänge an. Ein kleiner Puffer von 10 Millimetern ist dabei nicht verkehrt. Denn bei Kunstoffdübeln wird der Platz für die Schraube benötigt, da sie aus der Dübelspitze herausragt. Sie können die Markierung auch mit einem üblichen Klebestreifen oder Malerkrepp vornehmen. Das geht schnell und ist einfach.

Tipps & Tricks für perfekte Löcher bei brüchigen, porösen Altbauwänden

Bohren Sie mit einem kleinen Bohrer vor. Mit der richtigen Bohrergröße können Sie das Loch dann langsam ausweiten. ODER Sie wählen den Bohrer eine Nummer kleiner, als es der Dübel ist. Dadurch, dass das Loch etwas ausfranst, passt der eigentliche Dübel dann meistens doch.

Tipp, der im Bad ggf. das Bohren erspart

In Mietwohnungen müssen vor dem Auszug alle Dübellöcher entfernt werden bzw. zugespachtelt werden. Meist haben die Vormieter den Dübel nicht entfernt, sondern nur schnell zugespachtelt. Da die Spachtelmassen nur oberflächlich sitzen, kann man sie meist ohne viel Aufwand herauslösen. So können Sie alte Bohrungen wiederverwenden. Das kann sehr praktisch sein, zum Beispiel bei einer Duschstange. Diese besitzen meist genormte Abstände. Und warum neue Löcher bohren, wenn die alten noch da sind und intakt? Also einfach den Dübel freilegen und eine passende Schraube zum Fixieren der Duschstange nehmen. Falls kein Dübel im Loch ist, dann können Sie auch einen passenden Dübel einsetzen. Manchmal ist diese einfache Methode besser, als unnötig neue Löcher in die Fliesen zu bohren.

Problemlöser aller Art

  1. Wenn der Dübel keinen richtigen Halt findet und sich dreht, können Zahnstocher oder Streichhölzer helfen. Einfach so viele um den Dübel platzieren, dass er fest sitzt. Sie dürfen nicht überstehen, weil der Dübel bündig mit der Wand abschließt.
  2. Gipsbinden können ebenfalls eine Lösung sein. Es gibt auch spezielle Produkte, die das Prinzip aufgreifen. Sie werden um den Dübel gelegt und mit dem Dübel in die Wand gesteckt.
  3. Notfalls können Sie das Loch auch mit Gips füllen und den Dübel reindrücken. Lassen Sie das Ganze dann aushärten.
  4. Ein Alternative können auch sogenannte Chemiedübel sein. Für Beton gibt es Injektionsmörtelvarianten. Für Heimwerker ist der Flüssigdübel eine Option.
  5. Das Loch ist zu groß? Nehmen Sie einen größeren Dübel.

Sicherheitshinweis: Bedenken Sie, dass das so reparierte Bohrloch mitunter keine so hohe Belastbarkeit mehr hat. Für leichte Regale und Gegenstände sind die genannten Methoden, ein Bohrloch zu kitten, durchaus vertretbar. Bei dem Anbringen von Hängeschränken oder anderen schweren Gegenständen sollten Sie allerdings kein Risiko eingehen. Hier sollten Sie exakt arbeiten und neue Löcher bohren.

Die besten Schlagbohrmaschinen

von Claudia Gottschalk

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wo sollten Sie nicht bohren?

In der Installationszone nach DIN 18015-3, denn dort befinden sich die Elektroleitungen. Sie sind immer senkrecht zu Fenstern und Türen sowie Zimmerecken zu finden. Zu Decken und Böden verlaufen sie jeweils waagerecht in einem Abstand von 30 Zentimetern. Orientieren Sie sich an der Position der Lichtschalter und Steckdosen. Wenn Sie korrekt verlegt wurden, verlaufen die Leitungen wie vorher beschrieben und zweigen im rechten Winkel ab. Bei Altbauten kann das anders sein, da hilft ein Ortungsgerät bzw. Leitungssucher, damit Sie keine Wasser- oder Stromleitungen anbohren.

Welche Bohrergröße für welchen Dübel?

Für einen 6er-Dübel benötigen Sie einen 6er-Bohrer. Wenn Sie Dübel-Schrauben-Sets kaufen, haben Sie immer die passende Schraube zum Dübel.

Wie ermittle ich die richtige Tiefe für den Dübel?

In der Regel reicht es, wenn das Loch so tief ist wie der Dübel lang. Aber ein kleiner Puffer von 10 Millimetern ist nicht verkehrt. Bei Kunststoffdübeln benötigt die Schraube Platz, da sie aus der Dübelspitze herausragt.

Wie ermittle ich die richtige Schraubengröße für den Dübel?

Für die optimale Größe der Schraube gibt es eine einfache Faustformel. Dafür nehmen Sie die Dübellänge plus den Schraubendurchmesser und die Dicke des Montagematerials. Generell sollte der Schraubendurchmesser immer 1 bis 2 Größen kleiner als der Dübel sein. Bei einem 6er-Dübel wählen Sie dann z. B. Schrauben mit 4 oder 5 Millimeter Größe.

Welche Dübelgröße für welche Anwendung?

Erfahrungswerte zeigen, dass leichte Lampen oder Bilder meist mit einem 5-Millimeter-Dübel ausreichend Halt haben. Bei kleinen Regalen reichen in der Regel mehrere 6-Millimeter-Dübel. Schwere Regale sowie Hängeschränke sollten mit mehreren 8-Millimeter-Dübel oder größer (je nach Traglast) befestigt werden.

Wieviel Gewicht trägt ein Dübel?

Wenn Sie Dübel kaufen, egal für welches Material, finden Sie die genauen Angaben zur Traglast und zur passenden Schraube immer auf der Verpackung.

Wie bohre ich ein Loch in Fliesen?

Für Fliesen gibt es spezielle Fliesenbohrer. Geübte können auch mit einem Steinbohrer Löcher bohren. Damit der Steinbohrer nicht abrutscht, empfiehlt es sich, etwas Malerkrepp auf die Fliese zu kleben, die Bohrung zu markieren und langsam, ohne Schlag, zu bohren. Vor allem in Mietwohnungen ist es besser, nur in die Fugen zwischen den Fliesen zu bohren, zudem geht das einfacher als mitten in die Fliese. Aber auch hier vorsichtig ohne Schlag bohren, damit die Fliesen nicht zerspringen. Hier weiterlesen

Welcher Bohrer für Löcher in Holz?

Um Löcher in Holz zu bohren, nehmen Sie einen Holzbohrer, der eine deutlich geformte Spitze zum genauen Zentrieren besitzt. Bei Löchern ab 10 Millimeter sollten Sie zu einem Forstnerbohrer greifen. Aber je größer der Durchmesser, desto niedriger die Drehzahl. Nutzen Sie dann den 1. Gang Ihres Akku-Bohrschraubers. Wenn Sie zu schnell bohren, könnten die Holzspäne anfangen zu glimmen. Bewegen Sie den Forstnerbohrer auch immer wieder leicht nach oben und unten, um den Spänetransport zu gewährleisten.

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