Stärken
Schwächen
Katzen-Trockenfutter bietet viele Vorteile: Es ist sauber in der Handhabung, kostengünstig und äußerst praktisch. Kein unangenehmer Geruch entsteht, eine Tagesration kostet oft nur wenige Cent, und die Katze kann jederzeit selbst am Napf fressen. Erwachsene Katzen nehmen bis zu zehn Mahlzeiten täglich zu sich, meist mit Fleisch- oder Fischanteilen, selbst in Haushalten, die vegetarisch leben. Angesichts der steigenden Zahl von Vegetariern und Veganern in Deutschland fragen sich manche Katzenhalter, ob man den Anteil tierischer Bestandteile im Trockenfutter nicht durch eine Erhöhung des Pflanzenanteils verringern könnte.
Ob Nass- oder Trockenfutter besser geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Beide Varianten können jedoch als vollständiges Alleinfuttermittel dienen. (Bildquelle: purina.de)
Vegane Ernährung: Für Katzen nicht artgerecht
Im Gegensatz zum Hund, der als Allesfresser auch Pflanzenkost gut verwertet, benötigen Katzen keine Getreideanteile wie Mais, Reis oder Weizen. Als obligate Karnivoren – also reine Fleischfresser – sind tierische Eiweiße für sie nicht nur bedeutender, sondern auch leichter verdaulich. Ihr kurzer Verdauungstrakt ist optimal auf eiweißreiche und kohlenhydratarme Nahrung ausgelegt.Besonders wichtig ist Taurin, eine lebenswichtige Aminosäure, die ausschließlich in tierischem Gewebe vorkommt. Fehlt diese Substanz, drohen ernste Erkrankungen wie Blindheit oder Herzprobleme. Ebenso essenziell ist Arachidonsäure, eine Fettsäure, die Katzen nicht selbst synthetisieren können und die ebenfalls vorwiegend in tierischen Produkten vorkommt.
Vegetarisches oder veganes Katzenfutter wird mit künstlich zugesetztem Taurin und anderen Nährstoffen angereichert. Ob Katzen diese Nährstoffe aus pflanzlichen Quellen jedoch ausreichend verwerten können, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Die Tierärztin Dr. Moira Gerlach vom Deutschen Tierschutzbund rät grundsätzlich von einer veganen Ernährung für Katzen ab: Verweigerten Katzen das vegane Futter über mehrere Tage, könne dies zu einer lebensbedrohlichen Leberverfettung führen. Auch das Tierschutzgesetz (§ 2) verpflichtet Halter, ihr Tier seinen artspezifischen Bedürfnissen entsprechend zu ernähren.
Der Stiftung-Warentest-Vergleich von 2023 (Heft 5/2023) bestätigte: Von drei getesteten veganen Trockenfuttern erhielt keines eine sehr gute Note – eines wurde sogar als „mangelhaft" bewertet. Wer aus ethischen Gründen über veganes Futter nachdenkt, sollte unbedingt eine auf Tierernährung spezialisierte Tierärztin oder einen Tierarzt hinzuziehen.
Trockenfutter als vollständige Ernährung – mit wichtigen Einschränkungen
Dass Trockenfutter Katzen vollwertig ernähren kann, steht grundsätzlich außer Frage. Ein als Alleinfutter gekennzeichnetes Trockenfutter muss laut Futtermittelverordnung ausreichend Nährstoffe in idealer Zusammensetzung bieten: viel Eiweiß und Aminosäuren, Fett und nur geringe Mengen an Kohlenhydraten.Allerdings weist Trockenfutter einen sehr geringen Feuchtigkeitsgehalt auf (in der Regel unter 10 %), während Katzen als ursprüngliche Wüstentiere den Großteil ihres Flüssigkeitsbedarfs über die Nahrung aufnehmen. Eine dauerhaft zu geringe Flüssigkeitszufuhr kann das Risiko für Harnwegserkrankungen, Harnsteine und Nierenprobleme erhöhen – besonders bei kastrierten Katern, die anatomisch anfälliger sind. Katzen mit bestehenden Nierenerkrankungen, Struvitsteinen oder Diabetes sollten kein Trockenfutter erhalten.
Auch beim Körpergewicht ist Vorsicht geboten: Trockenfutter hat eine hohe Energiedichte. Wohnungskatzen, ältere oder kastrierte Tiere mit geringem Aktivitätsniveau sind besonders anfällig für Übergewicht, wenn die Futtermengen nicht konsequent angepasst werden.
| Tipp: Achten Sie bei ausschließlicher Trockenfütterung darauf, dass Ihre Katze ausreichend Flüssigkeit aufnimmt. Trinkt sie wenig, sollten Sie besser Feuchtfutter füttern, das zu etwa 80 % aus Wasser besteht, oder auf eine Kombination aus Nass- und Trockenfutter setzen. Trinkbrunnen für Katzen können zudem trinkfaule Samtpfoten dazu animieren, mehr Flüssigkeit zu sich zu nehmen. |
Katzen-Trockenfutter im Test: Welche Marken überzeugen?
Der aktuellste Vergleichstest der Stiftung Warentest (Heft 5/2023) untersuchte 22 Katzen-Trockenfutter, darunter 19 klassische Varianten und drei vegane Produkte. Das Ergebnis bestätigt frühere Tests: Für eine ausgewogene Ernährung muss es nicht zwingend teures Marken-Trockenfutter sein. Testsieger mit der Note „sehr gut" (1,3) wurde das preiswerte Attica Knuspermenü von Netto Marken-Discount – für nur 7 Cent Tagesration. Ebenfalls sehr gute Noten erhielten Fressnapf Real Nature Wilderness Adult und Sanabelle Adult mit Strauß.Getestet wurden die Produkte nach folgenden Kriterien: ernährungsphysiologische Qualität (60 %), Fütterungshinweise (15 %), Schadstoffe (10 %), Nutzerfreundlichkeit der Verpackung (5 %) sowie Deklaration und Werbeaussagen (10 %). Zwei Drittel der getesteten Produkte schnitten mindestens mit „gut" ab. Ein gemeinsames Manko vieler Marken bleiben weiterhin ungenaue oder fehlerhafte Fütterungsempfehlungen, was im schlimmsten Fall zu gesundheitlichen Problemen führen kann.
Ergänzend testete die Stiftung Warentest in Heft 5/2024 auch Nassfutter für Katzen. Von 27 geprüften Sorten erhielten 16 die Note „sehr gut" oder „gut" – darunter auch Eigenmarken der Discounter Edeka, Lidl und Penny.
Trockenfutter bringt einige Vorzüge gegenüber Feuchtfutter mit sich. Wichtig ist, dass Ihre Katze trotzdem ausreichend trinkt! (Bildquelle: purina.de)
Angaben zum Kaloriengehalt im Trockenfutter?
Kalorienangaben auf der Verpackung wären insbesondere bei Trockenfutter sehr hilfreich – gerade wenn die Katze über den Tag verteilt selbstständig aus einem großen Napf frisst. Allerdings sind Kalorienangaben laut Futtermittelverordnung auf Tiernahrung nicht vorgeschrieben und in der Praxis kaum zu finden.Auf der Verpackung finden sich stattdessen die analytischen Bestandteile: Rohasche, Rohfaser, Rohfett, Rohprotein sowie tierische und pflanzliche Nebenerzeugnisse. Die exakte Rezeptur bleibt meist unklar. Zusatzstoffe müssen nur deklariert werden, wenn das Futter mit Antioxidantien, Vitaminen, Mineralstoffen oder Farb- und Konservierungsmitteln ergänzt wurde. Das lebenswichtige Taurin fällt leider nicht unter die Pflichtdeklaration.
Lockstoffe und Zucker – wie sieht es wirklich aus?
Viele Katzenbesitzer vermuten, dass vor allem günstige Katzenfutter Lockstoffe enthalten, um die Tiere zum Fressen zu animieren. Im Laborvergleich der Stiftung Warentest (2023) wurden erneut keine Lockstoffe nachgewiesen, die als Köder eingesetzt werden. Zuckergehalte waren in den meisten Produkten gering und lagen unter 2 %. Katzen können Zucker ohnehin nicht schmecken, weshalb er keine futterverstärkende Wirkung hat.Ist glutenfreies Trockenfutter eine gute Wahl?
Eine glutenfreie Ernährung ist für Katzen nur dann sinnvoll, wenn eine nachgewiesene Glutenunverträglichkeit besteht. Auf die Werbeversprechen der Hersteller sollten Sie sich nicht uneingeschränkt verlassen: Auch als getreidefrei beworbene Produkte schließen Gluten nicht zwingend aus. Die Stiftung Warentest prüfte 2023 getreidefrei gekennzeichnete Futter gezielt auf Gluten- und Reisbestandteile. Hier lohnt es sich, auf unabhängige Testergebnisse zu achten.Besondere Katzengruppen: Worauf Sie zusätzlich achten sollten
Nicht jedes Trockenfutter eignet sich für jede Katze gleichermaßen. Folgende Gruppen haben einen erhöhten oder veränderten Nährstoffbedarf:- Kastrierte Katzen: Haben durch hormonelle Veränderungen oft einen geringeren Energiebedarf und sind anfälliger für Übergewicht sowie Harnwegserkrankungen. Spezielles Sterilcat-Futter mit angepasstem Kaloriengehalt und harnsäuernden Zusätzen kann sinnvoll sein.
- Senioren (ab ca. 7–10 Jahren): Ältere Katzen benötigen leicht verdauliches, hochproteinhaltiges Futter und sind häufiger von chronischer Niereninsuffizienz (CNI) betroffen. Trockenfutter sollte hier nur in Kombination mit ausreichend Flüssigkeitszufuhr oder bevorzugt Nassfutter gegeben werden.
- Indoor-Katzen: Wohnungskatzen mit wenig Bewegung neigen zu Übergewicht. Eine präzise Portionierung nach Herstellerangaben – und besser noch nach Tierarztempfehlung – ist essenziell.
- Katzen mit Erkrankungen: Bei Niereninsuffizienz, Diabetes, Struvitsteinen oder Harnwegserkrankungen sollte das Futter immer in Absprache mit der Tierarztpraxis gewählt werden. Trockenfutter ist in diesen Fällen oft kontraindiziert.
| Hinweis: Bei Unsicherheiten zur richtigen Ernährung Ihrer Katze – insbesondere bei Übergewicht, Erkrankungen oder nach einer Kastration – empfiehlt sich eine Beratung durch eine auf Tierernährung spezialisierte Tierarztpraxis. |























