Plattenspieler reparieren: So beheben Sie die drei häufigsten Defekte

Wenn der Plattenspieler ungewöhnliche Geräusche von sich gibt oder gar nicht mehr läuft, ist es an der Zeit ihm unter die Haube zu schauen. Nicht immer muss der Dreher in die Werkstatt. Wir stellen die drei häufigsten Defekte vor und zeigen Ihnen, wie Sie sie selbstständig beheben.

Der Plattenteller steht still – Lösung: Riemenwechsel

Riemen unter dem Plattenteller Die Löcher im Plattenteller ermöglichen einen Blick auf den Riemen, der im Normalfall wie hier auf der Motorwelle sitzt.

Dieses Problem betrifft nur riemengetriebene Plattenspieler. An den Antrieben solcher kommt – der Name sagt es schon – ein Riemen zum Einsatz. Bewegt sich der Teller nicht, wenn die Nadel aufgesetzt wird, ist dieser vermutlich schuld am Dilemma. Aus verschiedenen Gründen kann er abgesprungen sein: Entweder hat er sich durch eine Erschütterung gelöst oder er ist aufgrund seines Alters ausgeleiert, porös oder gerissen.

Zur Diagnose des Problems sollten Sie zunächst die Filz- bzw. Gummimatte entfernen. So kommt der Plattenteller zum Vorschein, der mit vier Löchern gespickt ist, die wiederum die Sicht auf den darunterliegenden Antrieb offenbaren. Drehen Sie den Teller nun am besten vorsichtig in eine Position, von der aus Sie durch eines der Löcher auf den Antriebsbolzen blicken können. Sehen Sie den Riemen nicht bzw. liegt er neben dem Antrieb, hat sich die Ursache für den Defekt bestätigt.

Riemen abgesprungen Hat sich der Riemen lediglich gelöst, können Sie diesen direkt wieder draufsetzen. Ein poröser oder kaputter Riemen kann aber auch problemlos ausgetauscht werden.

Im nächsten Schritt entfernen Sie den Drehteller, indem Sie ihn behutsam von seiner Achse heben und zur Seite legen. Der gerissene, überdehnte oder einfach nur abgesprungene Riemen rückt nun ins Sichtfeld. Hat er sich lediglich gelöst, können Sie ihn direkt wieder montieren, wie weiter unten beschrieben. Ist der Riemen jedoch kaputt, bleibt nur nach Ersatz zu suchen. Mithilfe der Modellnummer des Plattenspielers findet man oft einen passenden im Internet. Werden Sie nicht fündig, messen Sie am besten den Durchmesser des defekten Riemens aus und kaufen ein neues Modell auf Basis der Durchmesser-Zahl. Für kleines Geld werden auch Komplettsets angeboten, die Riemen in allen relevanten Größen enthalten. Ist der Ersatzriemen eingetroffen, können Sie zur Montage übergehen:

Für diese Reparatur benötigen Sie nicht einmal Werkzeug. Legen Sie den Riemen dazu um die Rundung auf der Plattentellerunterseite, wobei Sie darauf achten sollten, dass der Gummi nicht verdreht ist. Das andere Ende des Gummis legen Sie auf Ihren Finger, den Sie durch eines der Löcher über dem Antrieb führen. Auf diese Weise ist es möglich, den Teller auf die Achse zu setzen, während Sie zeitgleich den Riemen um den Antriebsbolzen spannen. Sitzt alles an Ort und Stelle, sollte der Plattenspieler wieder selbstständig rotieren.

Es zischt und hakt – eine neue Nadel muss her

Nadeln gehören zu den Plattenspieler-Komponenten, die am schnellsten verschleißen. Sind sie defekt, springen sie z.B. oft aus der Rille und nehmen den Ton der Platte unsauber ab. Um sicherzugehen, können Sie erfühlen, wie gut die Nadel noch in Schuss ist. Abgenutzt ist sie dann, wenn sich keine Nadelspitze mehr mit dem Finger ertasten lässt. Zu guter Letzt ist der Verschleiß auch mit bloßem Auge zu erkennen. Schauen Sie aufs vordere Ende des Nadelträgers, am besten bei gutem Licht mit einer Lupe. Ist dort keine oder eine nur sehr kurze Nadelspitze zu sehen, raten wir zu einem Nadeltausch. Glücklicherweise ist das bei den meisten Standard-MM-Systemen kein Problem, auch wenn oft ein wenig Recherche-Zeit ins Land zieht. Anhand der Plattenspieler-Bezeichnung, der Betriebsanleitung oder klassisch per Suche im Netz, finden Sie heraus, welche Nadeln als Ersatz infrage kommen.

Tonabnehmer am Tonarm am Dual DT 500 Der Tonabnehmer ist mit vier Kabeln (rot, weiß, blau, grün) und zwei Schrauben am Headshell des Tonarms montiert, wie hier am Dual DT 500 zu sehen. (Bildquelle: amazon.de)

In den meisten Fällen lässt sich die Nadel mitsamt Nadelträger einfach nach vorn abziehen. Anschließend stecken Sie die neue Nadel an gleicher Stelle, in umgekehrter Weise auf den Tonabnehmer. Fertig. Etwas komplizierter wird’s, wenn sich keine passende Nadel für das Tonabnehmer-System des Plattenspielers findet. In diesem Falle muss der gesamte Tonabnehmer ausgewechselt werden. Wir empfehlen die Montage des neuen Tonabnehmers, der übrigens komplett mit Nadel geliefert wird, mithilfe eines kleinen Schraubendrehers und einer Spitzzange durchzuführen.

Haben Sie das neue Tonabnehmer-System direkt zur Hand, entfernen Sie vor Montage am besten die Nadel, um Schäden an dieser zu vermeiden. Bevor Sie das neue System anbringen, lösen Sie mithilfe des Schraubendrehers zunächst den alten Tonabnehmer, der am oberen Ende des Tonarms, dem sogenannten Headshell mit zwei Schrauben befestigt ist. Weiterhin ziehen Sie die vier kleinen Kabel vom Ende des Abnehmers vorsichtig mithilfe der Zange ab. Vermeiden Sie an dieser Stelle zu viel Druck – die Kabel sind zerbrechlich. Wieder in umgekehrter Weise werden die Käbelchen mithilfe der Zange an den neuen Tonabnehmer gesteckt. Dabei sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie sie farblich in der richtigen Reihenfolge mit den kleinen Steckern verbinden. Im Anschluss Schrauben festdrehen, aber nicht zu fest und die Nadel wieder aufstecken.

Abschließend muss das neue Tonabnehmer-System justiert werden, schließlich sollen Nadel und Tonarm in der richtigen Position und mit der korrekten Auflagekraft auf der Rille sitzen. Das geht nur mit einem Hilfsmittel, nämlich einer Justierschablone, die schon für wenig Geld im Fachhandel oder online zu erstehen ist. Achten Sie darauf, dass die Vorderkante des Tonabnehmers parallel zu den Hilfslinien auf der Schablone verläuft. Ziehen Sie die Schrauben erst fest, wenn die Justage stimmt. Weiterhin müssen Sie die Auflagekraft des Tonarms entsprechend der Herstellerangabe einstellen. Das geht bei vielen Tonarmen hinten am großen Einstellrad. Nutzen Sie aber auf jeden Fall eine Tonarmwaage zur Kontrolle.

Es knallt, knackst oder qualmt – Kondensatortausch löst das Problem

Lötstation und Pumpe im Set Wer sich traut einen Kondensator auszutauschen, greift auf eine Lötstation zurück. In vielen Sets ist eine Entlötpumpe enthalten, hier oben rechts zu sehen. Eine solche ist zum Absaugen der alten Lötschlacke äußerst praktisch. (Bildquelle: amazon.de)

Bewegt sich der Plattenteller zu schnell oder sogar rückwärts, ist beim Einschalten ein Knacksen zu vernehmen oder gibt es einen Knall, der von Qualm begleitet wird, dann ist die Ursache in defekten Kondensatoren zu suchen. Diese sitzen auf einer Platine, die den Motor ansteuert und mit diesem intern per Kabel verbunden ist. Für all jene, die mit dem Lötkolben umgehen können und keine Scheu vor dem Öffnen eines Gerätegehäuses haben, ist der Tausch des Kondensators kein Hexenwerk.

Wer sauber arbeiten möchte, baut die komplette Platine aus. Es ist Ihnen aber auch freigestellt, die Reparatur direkt am geöffneten Plattenspieler durchzuführen. Auf der freigelegten Platine offenbart sich schnell, welcher Kondensator die Quelle des Übels ist. Kondensatoren sind quader- oder zylinderförmige Objekte, die auf der Platine mit zwei Pins angebracht sind. Bei einem Defekt sind Risse, Bruch- oder Ruß-Stellen an ihnen erkennbar. In solchen Fällen behebt der Tausch des Kondensators den Fehler. Neue Kondensatoren finden Sie im Internet für kleines Geld. Achten Sie darauf, dass die Daten, die auf dem alten Kondensator verzeichnet sind, exakt mit den Daten auf dem Ersatzmodell übereinstimmen. Der wichtigste Wert ist Mikro-Farad, der mit der Einheit uF angegeben wird.

Ersatzkondensatoren Ersatz-Kondensatoren finden Sie online. Die Werte auf dem Ersatzbauteil müssen mit denen des Kondensators auf der Platine übereinstimmen. (Bildquelle: amazon.de)

Zur Reparatur: Hier empfiehlt es sich neben dem Lötkolben auch eine Entlötpumpe einzusetzen, um das flüssige alte Lötzinn des zu demontierenden Bauteils abzusaugen. Im ersten Schritt erhitzen Sie das Zinn an den alten Lötstellen unter den Pins des defekten Kondensators und entfernen es mit der Entlötpumpe. Jetzt hat sich der alte Kondensator gelöst und kann entnommen werden. Im Schritt zwei bringen Sie den neuen Kondensator auf den freigelegten Kontakten an, indem Sie die Pins hindurchführen. Wenn die Abstände nicht stimmen, was sehr wahrscheinlich ist, dann biegen Sie einen der beiden Pins zur Seite und verlängern diesen mit einem Stück Draht, das Sie dann in exakten Winkeln durch die Kontaktstelle führen. Im Schritt drei löten Sie den neuen Kondensator an den alten Lötstellen fest. Nun darf das Gehäuse geschlossen und der Dreher getestet werden.

Wenn das alles nichts bringt

Erstreckt sich der Schaden auf größeren Dimensionen und ist dem Problem nicht auf den beschriebenen Wegen beizukommen, empfehlen wir den Spieler professionell reparieren zu lassen. Hier bleibt zunächst abzuwägen, ob es lohnt, denn für einen Preis zwischen 200 und 500 Euro erhalten Sie bereits ein solides Neugerät. Handelt es sich aber um ein sehr hochwertiges Altmodell, rentiert sich eine professionelle Reparatur in jedem Falle. Dabei ist zu beachten, den Plattenspieler immer in der Waagerechten zur Werkstatt zu transportieren. Bei einem senkrechten Transport droht die Gefahr, dass sich Teile lösen, Öl ausläuft oder Lager beschädigt werden. Sowohl Plattenteller als auch Tonarm sollten Sie demontieren und separat befördern. Wenn vorhanden, dann fixieren Sie das Subchassis, indem Sie zum Beispiel dicke Pappreste in die Ritzen zwischen Chassis und Subchassis stecken.

 

von Thomas Vedder

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