Geht es allein um die Optik, ist der MY SIT Chicago Deluxe sicherlich einen näheren Blick wert. Bisherige Nutzer schätzen das repräsentative Erscheinungsbild des Bürodrehstuhls, sie loben die gelungene Färbung des Kunstleders in Burgunder, und trotz des Gestells aus Kunststoff wirke er keinesfalls halbwertig. Wer aber Details wie Fertigungsqualität, Materialität und Verstelloptionen genauer unter die Lupe nehme, sehe sich enttäuscht: Hier werde klar, dass man es mit einem in Fernost produzierten Billigstuhl zu tun habe, der zu manchem Kompromiss zwinge.
PU-Leder: Mit Polyurethan beklebtes Spaltleder
Das von MA Trade vertriebene Modell besteht im Bereich der Polster aus PU-Leder, zu dessen Qualität Uneinigkeit herrscht: Während die einen kaum einen Unterschied zum Kunstleder selbst der höherpreisigen Konkurrenz erkennen können, identifizieren andere das Material als dünnen Billigüberzug mit geringer Haltbarkeitsprognose. Statt des als edel beworbenen Kunstleders habe man es mit billigem Spaltleder mit PU-Beschichtung (Polyurethan) zu tun, das optisch den Eindruck von hochwertigem Narbenleder erwecken solle. Offenbar gründet sich darin ein zweiter Kritikpunkt: Durch das PU-Leder und den hier eingesetzten Klebstoffen mieft es gewaltig.
Häufige Kritikpunkte
Komfortabel und repräsentativ sei er nur bedingt: Rückenlehne und Sitzfläche fallen nur dann wie versprochen großzügig aus (55 x 78 respektive 53 x 54 Zentimeter), wenn man nicht viel größer als 1,65 Meter sei. Auch was die ausgelobte Ergonomie betrifft, sollten die Ansprüche nicht allzu hoch geschraubt werden. Zwar lasse die Vorformung der Sitz- und Rückenfläche sowie die verstärkt gepolsterte Nacken- und Kopfstütze zumindest ergonomische Ansätze erkennen – mehr an orthopädisch wünschenswerter Beweglichkeit sei aber nicht zu erwarten, da es außer der Wippmechanik nichts zu verstellen gebe. Leider gebe auch die Gasdruckfeder mit der Zeit nach.
Empfehlenswert nur für den sporadischen Gebrauch
Insgesamt ist der MY SIT Chicago daher allenfalls für den sporadischen Gebrauch, anspruchslose Gelegenheitssitzer oder all diejenigen zu empfehlen, die einen einigermaßen optisch präsenten Einrichtungsgegenstand für das Home Office suchen, der kein allzu großes Loch in den Geldbeutel reißt. Ob es angesichts der angeführten Macken allerdings ein Modell in der Preisklasse jenseits der 80-Euro-Marke braucht, wie erfahrene Aldi-Käufer es in den Kundenbewertungen vorrechnen, sei einmal dahingestellt. Dennoch Interessierte müssen sich für das China-Modell zurzeit etwa 75 Euro (Amazon) im Budget zurechtlegen – für manchen ist das sicherlich ein ausreichendes Kaufargument.