Schild Winterreifenpflicht in verschneiter Landschaft (Bilduelle: www.pixabay.com/de)

Winterreifen: Sicherheit bei Kälte, Schnee und Eis

Alle Jahre wieder kommt im Herbst die Frage auf, ob und wann man Winterreifen am eigenen Auto aufziehen muss oder sollte. Mehrere tausend Verkehrsunfälle mit Personenschäden, die jedes Jahr in Deutschland bei Matsch, Schnee, Reif und Eis zu verzeichnen sind, unterstreichen, wie wichtig es ist, diese Frage für sich und andere richtig zu beantworten. Was ist gesetzlich vorgeschrieben, was ist sinnvoll? Was unterscheidet Winterreifen von Sommerreifen? Wir geben Tipps und stellen Ihnen Testsieger unter den Kältespezialisten für die Straße vor.

So steht's im Gesetz: Entscheidend sind Wetter und Straßenverhältnisse

In Deutschland gibt es eine sogenannte situative Winterreifenpflicht. Sie ist  ausschließlich abhängig von den tatsächlichen Straßen - und Witterungsbedingungen. Geregelt ist sie gleich ganz vorne in der Straßenverkehrsordnung, nämlich in § 2 Abs. 3a StVO. Danach darf ein Kraftfahrzeug bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte nur gefahren werden, wenn alle Räder mit  zulässigen Winterreifen ausgerüstet sind. Da spielt es auch gar keine Rolle, wann und wo Sie mit Ihrem Auto gerade sind. Die oft gehörte Faustregel von O(ktober) bis O(stern) nutzt da gar nichts. Sobald winterliche Straßenverhältnisse auftreten, darf ein Kraftfahrzeug ohne Winterreifen auf öffentlichen Straßen nicht mehr bewegt werden, egal in welchem Monat das passiert. Nicht nur, weil sonst Bußgelder und Ärger mit Versicherungen drohen. Sondern weil das Unfallrisiko für Fahrzeuginsassen ebenso wie für andere Verkehrsteilnehmer:innen erheblich zunimmt.

Egal, in welchem Kalendermonat winterliche Straßenverhältnisse auftreten: Kraftfahrzeuge dürfen dann nur noch mit zulässigen Winterreifen gefahren werden.


Einige der beliebtesten und am häufigsten getesteten Winterreifen:

Continental WinterContact TS 860 WinterContact TS 860
  • Sehr gut

    1,5

Michelin Alpin 6 Alpin 6
  • Sehr gut

    1,5

Bridgestone Blizzak LM005 Blizzak LM005
  • Sehr gut

    1,5

Goodyear UltraGrip Performance Plus UltraGrip Performance Plus
  • Sehr gut

    1,4

Saison
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Gilt die Winterreifenpflicht für alle Fahrzeugarten?

Die Winterreifenpflicht betrifft gesetzlich nur Kraftfahrzeuge, also solche mit eigenem Motorantrieb. Sie gilt für alle Arten von PKW, LKW, Bussen, Wohnmobilen usw. Ausgenommen von dieser Regelung sind einige wenige Fahrzeugtypen wie Traktoren, “einspurige Kraftfahrzeuge” (z.B. Motorräder), Stapler und andere Spezialfahrzeuge.

Alle Räder eines Kraftfahrzeugs müssen mit Winterreifen ausgerüstet sein. Unterschiedliche Reifen erhöhen zudem das Gefahrenpotential.

Anhänger, auch Wohnanhänger, sind keine Kraftfahrzeuge, für sie gilt also auch keine gesetzliche Winterreifenpflicht. Dennoch ist es unbedingt angeraten, auch Anhänger mit Winterreifen auszustatten. Sonst besteht die große Gefahr, dass das Zugfahrzeug auf glatten Straßen vom Anhänger mitgerissen wird, wenn dieser z.B. ins Schleudern gerät. Auch das Bremsen mit einem Anhänger ohne griffige Reifen ist extrem gefährlich für das Zugfahrzeug und auch andere Verkehrsteilnehmer.


Sommerreifen bei winterlichen Straßenverhältnissen: Das kann teuer werden

Wenn Sie auf winterlichen Straßen mit Sommerreifen unterwegs sind, drohen Ihnen empfindliche Strafen und auch Probleme mit dem Versicherungsschutz, falls es zu Unfällen kommen sollte.  Dabei kann ein Bußgeld sowohl gegen die Fahrer:innen als auch die Halter:innen der betroffenen Fahrzeuge verhängt werden. Hinzu kommt ein Punkt im Verkehrszentralregister in Flensburg. Wenn Sie auf winterglatten Straßen mit Sommerreifen in einen Unfall verwickelt werden, kann dies je nach konkreter Situation zudem zu erheblichen Problemen mit Ihren Fahrzeugversicherungen führen. Das Fahren mit Sommerreifen auf glatten Fahrbahnen wird regelmäßig als grobe Fahrlässigkeit bewertet.

Bußgelder und Punkte im Verkehrszentralregister

  • Fahrzeugführer:in
    • 60 €   und 1 Punkt: Fahren bei winterlichen Straßenverhältnissen ohne zulässige Winterreifen
    • 80 €   und 1 Punkt: Wenn andere behindert werden.
    • 100 € und 1 Punkt: Wenn andere gefährdet werden.
    • 120 € und 1 Punkt: Wenn Sachbeschädigungen verursacht werde
  • Fahrzeughalter:in
    • 75 €   und 1 Punkt: Nutzung des eigenen Fahrzeuges ohne zulässige Winterreifen bei winterlichen Straßenverhältnissen zugelassen

Anmerkung: Die genannten Bußgelder sind Regelsätze. Bei Personenschäden drohen erhebliche weitere Sanktionen. Zivilrechtliche Folgen sind hiervon zudem unberührt.


Das Alpine-Symbol: Erkennungsmerkmal für zulässige Winterreifen

Alpine-Symbol als Markierung zulässiger Winterreifen (Bildquelle: www.adac.de / Wolfgang Grube)

Alle seit dem 01.01.2018 neu hergestellten und verkauften Winterreifen müssen das sogenannte Alpine-Symbol tragen, nur dann dürfen sie ans Auto. Das Alpine-Symbol ist ein Piktogramm aus drei Gebirgsspitzen mit einer Schneeflocke darin.

Reifen, die nur die frühere M+S-Kennzeichnung tragen, dürfen noch bis zum 30.September 2024 genutzt werden. Die neue Alpine-Kennzeichnung dokumentiert einen höheren Qualitätsstandard, da die Reifen bestimmten Prüfkriterien genügen müssen. Bei der alten M+S-Markierung gab es das nicht.

 


Tipp: Soweit für Ihr Auto zugelassen, wählen Sie bei Winterreifen schmalere Ausführungen. Dadurch kommt mehr Gewicht auf die Laufflächen der Pneus und das verstärkt noch den Grip des Profils im Verhältnis zu breiteren Reifen.


Das Besondere an Winterreifen: Die Gummimischung und Lamellen im Profil

Winterreifen werden aus einer weicheren Gummimischung gefertigt. Dadurch bleiben die Reifen auch bei kalten Temperaturen flexibel, werden nicht spröde und können sich zusammen mit den speziellen Lamellen und deutlich gröberen Profil-Strukturen besser mit dem kalten Untergrund verzahnen. Die Haftung, das Fahrverhalten und besonders auch die Bremswirkung der Reifen ist deutlich besser, als bei den auf warme Temperaturen ausgelegten Sommerreifen. Die Bremswege mit Sommerreifen im Winter können mehr doppelt so lang werden, als mit Winterreifen. Umgekehrt bekommen Winterreifen im Sommer große Probleme mit dem Fahr- und Bremsverhalten.

Profilvergleich von Winter-, Ganzjahres- und Sommerreifen (Bildquelle: www.goodyear.de / eigene Zusammenstellung)

Auf diesem Bild sind die großen Profil- und Strukturunterschiede von Winter- und Sommerreifen deutlich zu erkennen. Aber auch, dass Ganzjahresreifen deutlich mehr den Winterreifen ähneln.

Tipp: Winterreifen sollten unbedingt erneuert werden, wenn  sie älter als sechs Jahre sind oder weniger als 3 bis 4 Millimeter Profiltiefe haben. In beiden Fällen lassen ihre sicherheitsrelevanten Fahreigenschaften stark nach.


Ganzjahresreifen: Kompromiss mit Haken

Ganzjahresreifen wollen auf kalten, winterlichen Straßenverhältnissen genauso funktionieren, wie auf warmem oder sogar heißem Asphalt oder bei starkem Regen im Sommer. Da sie als Ganzjahresreifen aber die Zulässigkeit als Winterreifen und das Alpine-Symbol brauchen, sind sie in der Gummimischung und der Profilstruktur mehr auf Winterreifen getrimmt, als auf Sommerreifen. Da können nur wenige über alle Jahreszeiten hinweg überzeugen. Das bestätigen auch immer wieder Tests von Fachmagazinen, wie beispielsweise der Auto Bild für PKW, der promobil für Vans und Wohnmobile oder des ADAC für SUV-Pneus.  Wer in schneereichen, bergigen Regionen wohnt oder auch im Winter viel Langstrecke fährt, ist da mit den Jahreszeiten-Spezialisten Winterreifen und Sommerreifen auf alle Fälle besser bedient.

Tipp: In unserem Ratgeber "Autoreifen kaufen: Was müssen Sie beachten?" finden Sie noch viele weitere Informationen.


Gute Reifen haben ihren Preis

In Reifenvergleichstests zeigt sich immer wieder, dass die traditionellen Reifenhersteller mit ihrem technologischen Entwicklungspotential und ihrer Erfahrung die sichersten und besten Winterreifen auf den Markt bringen. Die Top-Modelle der Premiummarken belegen regelmäßig die vorderen Plätze. Vor allem die Pneus von Billiganbietern zeigen oft gefährliche Schwächen, wenn es um Haftung und Bremswege geht. Einer der am häufigsten getesteten und zugleich beliebtesten Winterreifen ist etwa der Continental WinterContact TS 860, den es je nach Reifengröße zwischen ca. 50 und 140 Euro pro Stück gibt. Auch der Michelin Alpin 6 ist ein sehr sicherer Winterreifen, allerdings etwas teurer. In einer ähnlichen Liga spielen der Bridgestone Blizzak LM005 oder der Goodyear UltraGrip Performance Plus, beide haben mehrere Vergleichstests gewonnen. Noch mehr und ausgezeichnete Winterreifen finden Sie in unserer

Bestenliste mit Testsiegern unter den Winterreifen


Einige passende Reifen-Vergleichstests:

  • Auto Bild Heft 40/2021: 50 Winterreifen für die Kompaktklasse
  • auto motor und sport Ausgabe 20/2021: 10 Winterreifen für die Kleinwagenklasse
  • Konsument Ausgabe 10/2021: 34 Winterreifen für Kompakte und Mittelklasse
  • Auto Bild Heft 39/2021: 28 Ganzjahresreifen für Kompakte
  • ADAC Online 08/2020: 7 Ganzjahresreifen für Mittelklasse-SUV

Zu guter Letzt

Verkehrszeichen Schneekettenpflicht Verkehrszeichen Nr. 268 Schneekettenpflicht (Bildquelle: www.bmvi.de)

Wenn am Straßenrand dieses Verkehrszeichen vor Ihnen auftaucht, dann nutzen auch Winterreifen alleine nichts mehr. Dann müssen Sie Schneeketten aufziehen und zwar mindestens zwei auf beide Räder der Antriebsachse. Bei Allradfahrzeugen steht in der jeweiligen Bedienungsanleitung, bei welcher Achse die Räder mit Schneeketten ausgestattet werden müssen.

von Werner Schuwirth

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