29.10.2026
Nahverkehrs-Ranking 2026: Münster, Potsdam und Schwerin am günstigsten – Mannheim, Berlin und Augsburg am teuersten
- Testberichte.de hat zum fünften Mal die ÖPNV-Preise von über 40 Städten verglichen
- Köln ist Aufsteiger des Jahres, Aachen und Kiel rutschen am stärksten ab
- Preise für Einzeltickets sind 2026 um 5 Prozent gestiegen, Tageskarten um 1 Prozent gesunken
Mannheim hat den teuersten Nahverkehr aller großen Städte Deutschlands und übernimmt die rote Laterne vom Vorjahresletzten Berlin. Münster, Potsdam und Schwerin bleiben unverändert auf dem Siegertreppchen für den günstigsten ÖPNV. Das zeigt die neue Auswertung von Testberichte.de. Das Vergleichsportal hat zum fünften Mal die Preise der Verkehrsbetriebe aller Landeshauptstädte und aller Städte mit über 200.000 Einwohnern verglichen. Herausgekommen ist Deutschlands umfassendstes Nahverkehrs-Ranking, alles auf einen Blick in einer übersichtlichen Tabelle und einer interaktiven Karte: www.testberichte.de/tb/nahverkehr-ranking-2026.html
Einzelfahrscheine: Schwerin günstig - München und Augsburg teuer
Nur 2,70 Euro zahlt ein Erwachsener für eine Einzelfahrkarte zur Hauptverkehrszeit in Schwerin, gefolgt von Erfurt, Freiburg, Kiel und Potsdam (je 3 Euro). Am teuersten ist die einfache Fahrt in München und Augsburg (je 4,20 Euro), gefolgt von Hamburg (4,10 Euro) und Berlin (4 Euro). Im Durchschnitt kostet sie 3,65 Euro und damit rund 5 Prozent mehr als vor einem Jahr (3,47 Euro). Mit gut 11 Prozent am stärksten stiegen die Preise in Aachen (von 3,60 auf 4 Euro) und Kiel (von 2,70 auf 3 Euro). Stabil blieben die Preise für Einzeltickets lediglich in Frankfurt, Freiburg, Münster und Nürnberg. In Frankfurt subventioniert die Stadt bis Ende des Jahres einige Tickets, um die Preise stabil zu halten, während sie in den anderen Städten des Rhein-Main-Verkehrsbunds (RMV) Mainz und Wiesbaden bereits gestiegen sind.Tageskarten: 13 Städte senken die Preise
Auch bei Tageskarten bleibt Schwerin mit 5,40 Euro der Preissieger, gefolgt von Potsdam (6,30 Euro) und Saarbrücken (6,40 Euro) - obwohl alle drei den Preis um je 40 Cent angehoben haben. Berlin bleibt mit 11,20 Euro am teuersten, vor Nürnberg (10,60 Euro) und Augsburg (10,20 Euro). Im Durchschnitt kostet eine Tageskarte 8,07 Euro - es ist damit die einzige Ticketgattung im Ranking, deren Preis etwas gesunken ist (um 10 Cent). Mit fast 14 Prozent am stärksten reduziert wurde der Preis in den 10 Städten des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) - von 8,80 auf 7,60 Euro. Magdeburg hat den Preis für sein 24-Stunden-Ticket ebenfalls drastisch reduziert (um 12 Prozent von 7,40 auf 6,50 Euro), Preissenkungen gab es auch in Leipzig (um 5 Prozent von 10,20 auf 9,70 Euro) und Aachen (um 3 Prozent von 9,90 auf 9,60 Euro).Luftlinientarife werden häufiger angeboten, Kurzstrecken-Tickets seltener
Kurzstreckenkarten werden immer häufiger aus dem Sortiment gestrichen, zuletzt in Mainz, Mannheim, Münster und Wiesbaden. In Mannheim und Münster können Fahrgäste trotzdem sparen, wenn sie nur ein paar Stationen fahren: Mit dem Luftlinientarif zahlen sie in Mannheim für einen Kilometer lediglich 2,05 Euro statt 3,50 Euro für ein Einzelticket, in Münster sind es 1,88 Euro statt 3,60 Euro. Pro zusätzlich gefahrenem Kilometer kommen 30 (Münster) bzw. 31 Cent (Mannheim) hinzu. Luftlinientarife, bei denen man sich per App beim Einsteigen einloggt und am Ende der Fahrt wieder ausloggt, werden mittlerweile in 19 der 42 Städte angeboten, in diesem Jahr ist Halle dazugekommen. Häufig sind die Kosten pro Tag und Monat gedeckelt, z.B. im VRR bei maximal 63 Euro (dem Preis des Deutschland-Tickets). Begrüßenswert ist, dass diese Art des smartphonebasierten In/Out-Tarifs mit Preisdeckel jetzt für den ÖPNV in ganz Deutschland diskutiert wird ("Deutschland-Ticket light").Deutschland-Ticket bleibt der Maßstab
Obwohl der Preis für das Deutschland-Ticket in diesem Jahr um 5 Euro auf 63 Euro gestiegen ist, ist es weiterhin der Maßstab für günstigen ÖPNV bei regelmäßiger Nutzung. Es gibt nur sechs Städte, die eine günstigere Abo-Monatskarte anbieten für diejenigen, die nur innerhalb der Stadtgrenze unterwegs sind. In Halle kostet sie 61 Euro pro Monat, in München 59,50 Euro, in Magdeburg 55 Euro, in Schwerin 49,50 Euro, in Potsdam 43,50 Euro und in Münster lediglich 31 Euro. Münster ist die einzige Stadt, die den Preis nicht erhöht hat.Schüler-Monatskarten: Preise steigen um 8 Prozent, bleiben aber vergleichsweise günstig
Die Preise für Einzelfahrscheine für Kinder (meist von 6 bis 14 Jahren) reichen von 1,30 Euro in Schwerin bis zu 2,50 Euro in Berlin, Magdeburg und Mannheim. Sie kosten im Durchschnitt mit 2 Euro 4 Prozent mehr als im Herbst 2025.Auch bei Schüler-Monatskarten stiegen die Preise, sogar um durchschnittlich 8 Prozent. Sie bleiben nach deutlichen Preissenkungen in den Jahren zuvor aber vergleichsweise günstig. In Berlin, Hamburg, Rostock und Schwerin fahren Schüler in diesem Jahr weiterhin kostenlos mit Bus und Bahn, in Hamburg weiterhin sogar bundesweit mit dem hvv Deutschlandticket (kostet ab 2027 jährlich 19 Euro, also weniger als 2 Euro pro Monat). In Schwerin genügt nach wie vor der Schülerausweis als Fahrkarte (ab der 5. Klasse). In Magdeburg bleibt der Preis bei günstigen 9 Euro, in Chemnitz, Dresden, Leipzig, Potsdam und Wiesbaden bei 15 Euro.
Um gut 14 Prozent erhöht wurden die Preise dagegen in Baden-Württemberg (Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart), wo mit 45 Euro die Schüler-Monatskarte am teuersten ist. Knapp dahinter liegt Saarbrücken mit dem zweitteuersten Angebot (44,40 Euro), gefolgt von den Städten in Schleswig-Holstein (Kiel, Lübeck), im VRR sowie Aachen (43 Euro). Mit gut 15 Prozent am stärksten gestiegen ist die Schüler-Monatskarte in Erfurt auf jetzt 38 Euro.
Hunde fahren häufig kostenlos, Fahrräder sind nicht immer willkommen
In der Hälfte der Städte fahren große Hunde kostenlos, andernorts werden zusätzlich 1,30 Euro (Schwerin) bis 2,50 Euro (Berlin, Leipzig, Magdeburg und Mannheim) verlangt. In Augsburg (2,40 Euro) und München (2 Euro) wird ein Ticket ab dem zweiten Hund fällig. Fahrräder dürfen während der Stoßzeiten (werktags 7:30 Uhr) nur in Chemnitz, Frankfurt, Mainz und Wiesbaden ohne eigenes Ticket mitgenommen werden, sonst werden für sie zusätzlich 1,30 Euro (Schwerin) bis 4,60 Euro fällig (VRR). Häufig dürfen Fahrräder ohne zusätzliche Kosten mitgenommen werden, wenn bestimmte Zeit- oder Gruppenkarten vorhanden sind oder auch generell außerhalb des Berufsverkehrs (Freiburg, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Mannheim, Saarbrücken, Stuttgart sowie Leipzig (ab 19:30 Uhr) und Halle (ab 21 Uhr).Wer sicher sein möchte, sollte ins Kleingedruckte schauen. Dort steht in aller Regel auch, dass es keine Mitnahmegarantie für Fahrräder gibt, wenn Verkehrsmittel ausgelastet sind. In Augsburg, Erfurt, Karlsruhe, Hamburg, Hannover, Mannheim, München und Nürnberg sind Fahrräder während des Berufsverkehrs nicht zugelassen, in Aachen nicht in Zügen ohne Mehrzweckabteil. Positiv: Magdeburg hat in diesem Jahr die Sperrzeiten bei der Fahrradmitnahme aufgehoben.
Köln ist Aufsteiger des Jahres – Aachen und Kiel sind größte Verlierer
Verglichen mit unserem ÖPNV-Ranking vor einem Jahr hat Köln am meisten Boden gut gemacht und ist um 20 Plätze auf Rang 12 geklettert. Ausschlaggebend waren trotz einiger Preiserhöhungen (z.B. kostet die einfache Fahrt jetzt 4 statt 3,70 Euro) Preissenkungen beim Luftlinientarif (1 Kilometer kostet jetzt 1,93 statt 2 Euro), beim Einzelfahrausweis für Kinder (1,80 statt 1,90 Euro) und vor allem bei der Schüler-Monatskarte (30,20 statt 38 Euro).Ähnlich wie in Köln hat auch in Magdeburg eine Tarifreform dazu geführt, dass das Angebot durch gezielte Preissenkungen an manchen Stellen attraktiver wurde. Trotz einer durchschnittlichen Preiserhöhung von knapp 4 Prozent ist Magdeburg im Ranking um 14 Plätze auf Rang 8 geklettert - vor allem dank seiner deutlichen Reduzierung beim 24-Stunden-Ticket (6,50 statt 7,40 Euro), das jetzt außerdem zur kostenlosen Mitnahme von drei Kindern berechtigt. Wer den neuen Digitalrabatt von 10 Prozent nutzt, kann die meisten Preiserhöhungen sogar ganz umgehen.
Auf den ersten drei Plätzen liegen wie im vergangenen Jahr Münster, Potsdam und Schwerin. Die rote Laterne hat Mannheim von Berlin übernommen, das jetzt Vorletzter ist, hinter Augsburg, das auf den drittletzten Platz abgerutscht ist. Lübeck ist das erste Mal seit Erhebung dieses Rankings im Jahr 2018 nicht mehr unter den letzten drei. Am meisten Plätze verloren haben Aachen (jetzt Rang 30) und Kiel (jetzt Rang 29). Beide haben die Preise fast durchweg erhöht (außer beim Tagesticket im Kiel, und in Aachen fahren Hunde weiterhin kostenlos) und sind je 16 Plätze nach unten gerutscht.
Nach der Preiserhöhung ist vor der Preiserhöhung
So uneinheitlich wie die Tarifstrukturen sind auch die Termine für Preisänderungen. Zuletzt haben Erfurt, Halle, Leipzig und Magdeburg die Preise angepasst (August), zuvor waren es Aachen, Bonn und Köln (im Juni), davor Chemnitz, Kiel und Lübeck (April), Schwerin (Februar) und Rostock (Dezember). Die meisten anderen Städte passen ihre Tarife zum Jahreswechsel an - neue Preise ab Januar 2027 wurden bereits in Berlin, Bremen, Hamburg, München, Nürnberg, Potsdam und den 10 Städten des VRR angekündigt. Und der Preis des Deutschland-Tickets steigt für alle - von 63 auf 66,80 Euro.So haben wir ausgewertet
Ausgewertet wurden die Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) von 42 Städten (alle Städte über 200.000 Einwohner und alle Landeshauptstädte, also auch Saarbrücken, Potsdam und Schwerin mit je unter 200.000 Einwohnern). Dabei wurden die Tarife für das jeweilige gesamte Stadtgebiet verglichen (z.B. 5000 in Frankfurt, AB in Hamburg, Preisstufe 2 in Lübeck).Maßgebend sind die Konditionen, die werktags um 7:30 Uhr gelten. Betrachtet werden die Preise von Einzelfahrscheinen für Erwachsene, Kinder, Hunde und Fahrräder (Mitnahme in allen Fahrzeugen außer Bussen), die ohne Handy erwerbbar sind. Ausnahme Kurzstrecke: Wird hierfür ein Handy-Rabatt bzw. eine kilometergenaue Abrechnung per App angeboten (z.B eezy.nrw), wurde hierfür der niedrigstmögliche Preis gewählt (für 1 km Strecke), auch wenn es parallel einen pauschalen Kurzstrecken-Tarif gibt (dieser ist dann in der Spalte Bemerkungen zu finden). Gibt es kein Kurzstrecken-Ticket, aber einen Handy-Rabatt auf das Einzelticket, wurde dieser Preis als Kurzstreckenpreis gewertet. Andere Digital- oder Vorverkaufsrabatte (Braunschweig, Münster) wurden hingegen nicht berücksichtigt.
Bei Monatskarten für Erwachsene und Schüler wurde jeweils die günstigste für jeden erhältliche Abo-Version mit monatlicher Zahlweise gewählt (bei einer Laufzeit von höchstens 12 Monaten). Dies war für Erwachsene in den meisten Fällen das Deutschland-Ticket für 63 Euro. Bei Schüler-Monatskarten wurde im Zweifel das Modell für Schüler gewählt, die in der jeweiligen Stadt wohnen bzw. zur Schule gehen. Bei Rabattierung einzelner Monatsbeträge wie beispielsweise beim 365-Euro-Ticket.MVV in München wurde der Vergleichbarkeit halber als monatlicher Preis ein Zwölftel der Kosten für ein Jahr angenommen. Nicht berücksichtigt wurde, dass in einigen Städten die Kosten ganz oder teilweise erstattet werden, wenn Schüler mindestens 2 bis 5 Kilometer von ihrer Schule entfernt wohnen oder einen gefährlichen Schulweg haben. Dies geschieht in der Regel nicht über die Verkehrsverbünde, sondern in teilweise komplizierten Antragsverfahren bei den Stadtverwaltungen oder Schulen.
Insgesamt wurden zu 10 Kriterien Einzel-Rankings erstellt (siehe Tabelle: alle Spalten, die das Wort „Platzierung“ enthalten). Eines dieser Einzel-Rankings berücksichtigt die Kaufkraft (verfügbares Einkommen) in der jeweiligen Stadt, indem diese ins Verhältnis zum Preis für eine Erwachsenen-Einzelfahrkarte gesetzt wurde. Die Gesamtplatzierung einer Stadt ergibt sich aus dem Durchschnittswert aller Platzierungen bei diesen 10 Einzel-Rankings ist maßgebend für die Platzierung einer Stadt in der Gesamtwertung.
Quellen:
- Internetseiten der Verkehrsbetriebe (Verlinkungen: siehe Tabelle, erste Spalte “Stadt”) und weitere Internetrecherchen, Erhebungszeitraum: 5.8. bis 2.10.2026.
- Einwohnerzahlen (2025): https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Gro%C3%9Fst%C3%A4dte_in_Deutschland (abgerufen 11.09.2026)
- Verfügbares Einkommen: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Stand: 2023, Berechnungsstand: Februar 2025 (Blatt „2.4“): https://www.statistikportal.de/de/veroeffentlichungen/einkommen-der-privaten-haushalte (abgerufen 5.8.2026)
Umgang mit Fehlern im Ranking
Wenn wir trotz unserer gründlichen Recherche einen Fehler gemacht haben, bitten wir um einen Hinweis an presse@testberichte.de. Wir werden die Tabelle dann umgehend anpassen.Das Nahverkehrs-Ranking 2026
Was kostet der ÖPNV in meiner Stadt? Sind andere Städte günstiger oder teurer? Hier geht es zum gesamten Ranking: www.testberichte.de/link/nahverkehr2026Über Testberichte.de
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