Einfache Handys: Mit dem Mobiltelefon fernsehen

flickr.com/_dominic

Quelle: flickr.com/_dominic

Die Übertragung von Fernsehsendungen auf das Mobiltelefon wird vielfach unter dem Schlagwort Handy-TV zusammengefasst. Dahinter verstecken sich jedoch teils sehr unterschiedliche Technologien, weshalb beim Kauf eines TV-Handys Vorsicht angebracht ist. Denn derzeit ist der Käufer nur mit DVB-T auf der sicheren Seite. Andere Technologien wie DVB-H oder DMB stecken in Deutschland noch in den Kinderschuhen und gelten vielfach sogar bereits als gescheitert - trotz aller Bemühungen seitens der Netzbetreiber.

Interessant daran ist, dass mit DVB-H und DMB ausgerechnet die beiden speziell für Handys optimierten Technologien bislang keinen Durchbruch erzielen konnten. Daher haben die Handy-Hersteller auf dem deutschen Markt tendenziell eher auf DVB-T gesetzt. Der Standard hat den großen Vorteil, dass er ohnehin für die deutschlandweite Ausstrahlung digitalen Fernsehens genutzt wird. Daher haben Kunden eines DVB-T-Handys den großen Vorteil, dass sie beinahe überall kostenlos Fernsehsendungen empfangen können – ganz ohne mühsames Bestellen spezieller Dienste oder teure Grundkosten. Einziger Haken: Auch Handys mit DVB-T sind Mangelware. Denn mit modernen Smartphones kann man via Internet-Streaming viel zielgerichteter Sendungen auf sein Handy zaubern, DVB-T-Antennen sind daher absolute Ausnahmeerscheinungen. Lediglich einige LG-Modelle sind derzeit noch vereinzelt erhältlich.

DVB-H besser, aber noch keine Option

Mit DVB-H existiert dagegen ein Übertragungsstandard, der speziell für Handys eingeführt wurde. DVB-H baut auf DVB-T auf und optimiert die Fernsehübertragung für das kleine Display mobiler Endgeräte. Außerdem soll DVB-H deutlich stromsparender arbeiten und daher beträchtlich längere Betriebszeiten erzielen. Der Nachteil ist nur, dass für DVB-H erst einmal entsprechende Betreiber gefunden werden müssen, da die normalen Rundfunksender ihre TV-Programme nicht per DVB-H ausstrahlen.

Dies ist bislang leider in Deutschland gescheitert. Während in einigen Nachbarländern bereits Pilotprojekte existieren, musste das Betreiberkonsortium Mobile 3.0 in Deutschland wegen anhaltender Verzögerungen und Erfolglosigkeit seine Lizenzen zurückgeben. Daraufhin sollte eine neue Lizenzvergabe erfolgen, und DVB-H anschließend ganz ohne vorheriges Pilotprojekt der Regelbetrieb starten. Wann dies allerdings der Fall sein wird, steht in den Sternen. Seit mehreren Jahren tritt die Industrie hier schon auf der Stelle. Bis dahin sind Handys wie das nun auch schon völlig veraltete Nokia N96 oder das Nokia 5330 Mobile TV Edition in Deutschland in TV-Hinsicht nutzlos. Doch selbst wenn dem neuen Versuch jemals Erfolg beschert sein sollte: DVB-H wird nicht kostenlos sein.

DMB nur im kleinen Testbetrieb

Ganz ähnlich sieht es mit dem Nachfolger des digitalen Rundfunks DMB aus. Die terrestrische Ausstrahlung von DMB ist in Deutschland schon recht frühzeitig erfolgt. Doch trotz mehrerer Testbetriebe lokaler Art konnte sich das Format nicht durchsetzen. Das einzige kommerzielle Angebot Watcha musste mittlerweile ebenfalls seinen Betrieb einstellen und hat seine Lizenzen zurückgegeben. Auch die Konkurrenz der Standards DVB-H und DMB untereinander dürfte dabei schädlich gewesen sein. Denn auch DMB verspricht stabileren Empfang und ein optimiertes Bild – und setzt ebenso auf ein Bezahlmodell.

So oder so: Bislang sieht es in Deutschland nicht danach aus, dass man Handy-TV wirklich nutzen kann. Wer derzeit unterwegs etwas Fernsehen will, muss zu einem DVB-T-Handy greifen. Dafür muss man mit einer schwächeren Bildqualität und einer eingeschränkten Mobilität rechnen – denn bei schneller Fortbewegung im Zug kann es schonmal Aussetzer geben. Doch unter den modernen Smartphones findet sich nicht einmal ein einziges DVB-T-Modell. Es könnte also sein, dass die Unterklasse der TV-Handys ganz allgemein ausgedient hat - bevor der Trend je seinen echten Durchbruch feiern konnte.

Autor: Janko