Smartphones: Kult dank ausgeklügeltem E-Mail-Push-Dienst

Die Handys des kanadischen Herstellers Research in Motion (RIM) sind Kult. Doch nicht etwa aufgrund ihres ansprechenden Designs oder einer beeindruckenden Highend-Technik. Beides ist bei den schlicht als BlackBerrys bezeichneten Geräten eher zweckmäßig gehalten. Vielmehr verdanken sie ihren guten Ruf dem integrierten E-Mail-Push-Dienst, der das mobile Lesen und Beantworten von E-Mails einfacher macht als bei jedem anderen Handy-Betriebssystem. Doch RIM steht im Umbruch.

E-Mail-Download ohne zeitliche Verzögerung

Denn dank einer beständigen Synchronisation mit speziell von RIM bereitgestellten Servern werden Kalendereinträge und E-Mails zum einen automatisch mit Desktop-Systemen abgeglichen, zum anderen werden E-Mails ohne extra Anfrage umgehend heruntergeladen. Der Nutzer muss also nicht Abfrageintervalle einstellen, die Mails gelangen im gleichen Moment aufs Handy, in dem sie auf dem Postserver eingehen. Das ist natürlich insbesondere für Geschäftskunden von großem Interesse. Da zudem immer nur die ersten Zeilen angezeigt werden, wird das Datenvolumen minimiert.

E-Mails werden nur bei Bedarf komplett geladen

Auf diese Weise kann der Nutzer entscheiden, welche E-Mail er komplett lesen möchte und welche er einfach erstmal auf dem Server belässt. Erst wenn der Nutzer mehr lesen möchte und die E-Mail anwählt, wird auch der Rest übertragen. Dies erfolgt vom Anwender unbemerkt, da die BlackBerry-Technologie die E-Mails in Sekundenbruchteilen im Nur-Text-Format herab lädt. Es gibt also keine Nachteile beim Bedienkomfort. Nachteil: Für diesen Service muss eine spezielle BlackBerry-Option beim Netzbetreiber gebucht werden, die aber mit 5 bis 10 Euro je Monat vergleichsweise erschwinglich ist.

Die Einsteigerklasse: Curve-Modelle

Das Produktportfolio von RIM kam bis 2014 angesichts dieses Technologievorteils mit vergleichsweise wenig Modellen aus. Im Grunde gab es nur drei Baureihen mit jeweils einem aktuellen Modell. Die Einsteigerklasse wird durch die Curve-Modelle abgedeckt, welche als die klassischen BlackBerrys gelten dürfen. Es gab eine vollwertige Fronttastatur im QWERTZ-Format und ein kleines Display, Multimedia-Funktionen standen klar im Hintergrund. Oft wurden diese Modelle auch ganz ohne Kamera angeboten, was sie für den Einsatz auf sensiblen Firmengeländen prädestinierte.

Bold- und Torch-Modelle für gehobene Ansprüche

Die besseren BlackBerrys kamen aus der Bold-Baureihe. Hier waren auch Datentransfers über die 3G-Netze möglich, zudem waren alle Merkmale ein wenig höher angesiedelt – von der Bilddiagonale über die Kameraauflösung bis hin zum Prozessor für anspruchsvollere Apps. Aber auch die Bold-Modelle blieben primär Business-Geräte. Etwas mehr am Privatkunden orientiert waren dagegen die Torch-Modelle, die auf große Touchscreens und eine Ausziehtastatur setzen. Sie wurde auf Wunsch unter dem Bildschirm hervorgezogen, ansonsten wirkte das Handy wie jedes andere Touchscreen-Modell.

RIM unter Druck: Technologievorsprung ist Vergangenheit

RIM ist zuletzt jedoch unter Druck geraten, die Marktanteile brechen dramatisch ein. Der Grund ist einfach: Die Datennetze sind mittlerweile schnell und leistungsfähig genug, um auch größere E-Mails zügig herunterzuladen, zudem besitzt heute fast jeder Smartphone-Nutzer auch eine Datenflat und kann den Datentraffic weitestgehend ignorieren. Damit haben die BlackBerrys ihren ureigensten Vorteil eingebüßt, hinken dafür aber in Hinsicht Multimedia, App-Auswahl und Usability weit hinter der Konkurrenz her. RIM hat daher Anfang 2013 einen radikalen Schritt gewagt: Das Unternehmen nennt sich nun nur noch "BlackBerry" und kkonzentriert sich zunehmend auf Software. Das neue Betriebssystem OS 10 präsentiert sich erheblich hübscher und Multimedia-freundlicher. Zentraler Aspekt ist dabei die komplette Trennung von privater und geschäftlicher Umgebung. Per Tastendruck kann zwischen beiden Ebenen gewechselt werden. Seit 2016 sieht es so aus, als würde man sich gänzlich von Geräten verabschieden wollen...

Autor: Janko