Einfache Handys: Modelle mit Solarzellen

Quelle: flickr.com / Jeremy Levine Design

Quelle: flickr.com / Jeremy Levine Design

Der Trend zum grünen Gewissen hat auch die Handy-Hersteller erreicht. Nachhaltigkeit ist dabei zum großen Schlagwort geworden, und so finden immer mehr umweltverträgliche Verpackungen und Handy-Gehäuse aus Recyclingmaterialien Verwendung. Ein weiterer Aspekt dieses Trends äußerte sich eine Zeit lang in Form der sogenannten Solar-Handys, bei denen auf der Rückseite Solarzellen montiert waren. Sie sollten den Energiekonsum verringern und zudem auch dort funktionieren, wo die nächste Steckdose weit entfernt ist.

Dementsprechend zielte ein Großteil dieser Handy-Modelle auch auf Entwicklungsmärkte in Mittel- und Südamerika oder Afrika ab, doch auch in Europa konnte man Anfang der 2010er erste Solar-Handys kaufen. Vorreiter waren hierbei die beiden südkoreanischen Hersteller Samsung und LG Electronics. Als erstes fand das Samsung S7550 Blue Earth seinen Weg in die europäischen Läden, es folgten das Samsung E1107 Crest Solar und das LG GD510 Pop. Der Trend war allerdings nur von sehr kurzer Dauer, seit 2012 herrscht wieder Ebbe. Und das hat seinen Grund...

Auch Solar-Handys benötigen Steckdosen

Denn mit einem weit verbreiteten Irrglauben muss leider aufgeräumt werden: Ohne eine Steckdose und ein Ladegerät kommen auch Solar-Handys nicht aus. Die Solarzellen auf der Geräterückseite können immer nur unterstützend wirken, eine echte Stromversorgung aber nicht ersetzen. Dies zeigen schon die Herstellerschätzungen: So sollte das Samsung Solar Crest zum Beispiel nach einer Stunde Ladezeit in der prallen Sonne zehn Gesprächsminuten oder alternativ den Versand von 20 Kurznachrichten ermöglichen.

lgelectronicsgd510-238159Ähnlich, wenn auch etwas besser, sah es beim LG Pop aus: Hier sollten zehn Minuten Aufladezeit für zwei Minuten und 15 Sekunden Gesprächszeit ausreichen, was nach einer Stunde kumuliert rund 13,5 Minuten Gesprächszeit ergab. Angesichts solcher Zahlen wird aber schnell klar: Die Solarpanele der Handys können nur dazu dienen, den nötigen Strom für einzelne Anrufe zu erzeugen – ein Dauerbetrieb ist mit ihnen nicht möglich.

Die Frage nach dem Nutzen

Und selbst diese Zahlen dürfen in Frage gestellt werden. Studien ergeben immer wieder deutlich niedrigere Resultate als von den Herstellern angegeben. So stellte das Nikkei Electronics Teardown Squad im Fall des Sharp Solar Phone SH002 fest, dass erst nach einer Ladezeit von einer ganzen Stunde knapp drei Minuten Gesprächszeit erzielt werden konnten.

Es gibt daher auch Handy-Hersteller wie Sony (ehemals Sony Ericsson), die den Nutzen komplett in Frage stellen und sich dem Solarzellen-Trend verweigern: So würden der Aufwand und die verbrauchte Energie zur Produktion der Panele niemals durch die Nutzung der Panele wieder aufgewogen. Sie würden daher der Umwelt vielmehr schaden als nützlich sein.

Bis es Solar-Handys mit einem deutlich höheren Wirkungsgrad gibt, bleibt die Funktionalität also wohl eher eine nette Spielerei – vor allem bei stromhungrigen Smartphones sind Solargeräte eine Illusion geworden. Es bleibt abzuwarten, ob der Trend noch einmal wiederbelebt werden wird...

Autor: Janko