Smartphones: Die Unterschiede werden immer geringer

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Welche Testergebnisse sind für mich wirklich hilfreich?

Topmodelle der verschiedenen Hersteller (Quelle: amazon.de) Topmodelle der verschiedenen Hersteller (Quelle: amazon.de)

Smartphones gehören zu den am meisten getesteten Geräten am Markt überhaupt. Teilweise wetteifern 20 oder 30 Magazine um die Gunst der Leser - zumindest bei den Topgeräten. Entsprechend überbieten sie sich gegenseitig mit immer längeren und genaueren Analysen, deren Detailverliebtheit teilweise nur noch sehr eingeschränkten Nutzen für den geneigten Käufer hat. Doch auf welche Informationen sollte man achten, welche Testergebnisse sind wirklich hilfreich? Grundsätzlich sollte man auf Informationen zu den "großen Drei" achten: Display, Kamera und Akku. Hier gibt es aktuell die größten Unterschiede am Markt. Etwas überraschend mag sein, dass die Geräteleistung und die Sprachqualität nicht dazu zählen - auch dazu werden wir aber im Folgenden einige Worte verlieren.

Das Display im Test: Welche Bedeutung haben Farben, Schärfe und Helligkeit?

Gerade die Displays stehen natürlich im Fokus der Testaktivitäten. Am einfachsten ist die Bestimmung der Pixeldichte, die sich aus der Anzahl der leuchtenden Bildpunkte im Verhältnis zur Displayfläche ergibt. Doch auch hier schauen die Tester oft noch genauer hin: So kann trotz nominell hoher Schärfe die Darstellung von Schriften verwaschen wirken. Im Allgemeinen gilt aber eine Auflösung von mindestens 1.280 x 720 Pixeln (HD) auf etwa 5 Zoll als völlig ausreichend, ab 5,5 Zoll sollten es eher 1.920 x 1.080 Pixel (Full-HD) sein. Alles darüber ist im Grunde Spielerei und nur für übergroße Displays relevant. Schade ist, dass viele Testmagazine dem Technikrausch verfallen und das dann sogar loben - obwohl damit auch Nachteile für den Nutzer einhergehen. Klar, die höchste Auflösung bieten ja auch die beliebten Topmodelle.

Die Smartphones mit der höchsten Auflösung:

Platz Produktname Testberichte.de Note
1 Sony Xperia XZ Premium Gut(2,1)
2 Sony Xperia XZ2 Premium Gut(2,0)
3 Sony Xperia 1 Gut(1,9)

Natürlich ist ein Quad-HD-Display für Adleraugen, die das Display direkt vor die Nase halten, noch schöner anzusehen - aber beim normalen Halteabstand ist dieser Unterschied de facto nicht wahrnehmbar. Auf der anderen Seite zieht aber jedes beleuchtete Pixel Strom. Und bei Quad-HD sind es eben doppelt so viele wie bei Full-HD. Der Akku leidet darunter extrem. Schließlich soll das Display auch schön hell erstrahlen und auch im Sonnenlicht noch gut ablesbar sind - auch das ein Standardtest der Magazine. Hierbei kommen auch die Farbtreue und die Blickwinkelstabilität ins Spiel, die maßgeblich die Ablesbarkeit mitbestimmen.

Auf was achten Tester bei Kameras?

Huawei P10 Dual-Kamera Die Dual-Kamera eines Huawei P10 (Quelle: Huawei.de)

Gerade die Qualität von Fotos liegt hochgradig im Blicke des Betrachters. Dem versuchen sich die Magazine unterschiedlich zu nähern. Die renommierten Namen setzen eher auf nüchterne Labortests. Da werden die Fotos anhand von Farb- und Kontrasttabellen untersucht und die Hell-Dunkel-Dynamik technisch analysiert. Das ist aber nur in Grenzen zielführend, da so mancher Nutzer gerade das über-kräftige Grün des einen Rasenfotos ansprechend findet, das ein anderer als unnatürlich kritisiert. Wertvoller sind da schon die Aussagen zum Rauschverhalten bei Tageslicht und in lichtschwachen Situationen. Damit wird das elektronische "Krisseln" in dunklen Bildbereichen beschrieben, das manche Software dann auch noch leider einfach nur zu einem detaillosen Matsch verrechnet. Dabei sind die Informationen zu den düsteren Lichtsituationen viel spannender - die sind nämlich leider im Alltag eher die Regel.

An dieser Stelle wird oft klar: 23-Megapixel-Boliden unterliegen nur zu gerne den eher dezenteren 12-Megapixel-Dualkameras. Denn je mehr Pixel eine Kamera ins Rennen führt, desto schneller rauscht es, weil die winzigen Einzelpixel die Lichtinformationen nicht mehr korrekt erfassen. Halb so viele Pixel, die auch noch größer ausfallen, sind zielführender. Wenn dann noch eine kluge Dual-Kamera verwendet wird, bei der das zweite Objektiv es ermöglicht, den Schärfefokus im Bild zu verschieben oder den Hintergrund anders zu fokussieren als den Vordergrund, dann hat man gute Chancen auf tolle Bilder.

Die besten Smartphones mit Dual-Kamera:

Platz Produktname Testberichte.de Note
1 Samsung Galaxy S10+ Sehr gut(1,2)
2 Huawei P30 Pro Sehr gut(1,3)
3 Huawei Mate 20 Pro Sehr gut(1,3)

Der Akku: Oftmals die größte Enttäuschung?

Der Akku eines Lumia 950 Ein typischer Smartphone-Akku - wenn er denn überhaupt wechselbar ist (Quelle: amazon.de)

Da kommt das Smartphone mit doppelt so viel Saft im Akku und hält trotzdem nur einen Tag durch. Ein Klassiker, den Tests immer wieder schonungslos offen legen. Denn das Display und der Chipsatz zehren massiv am Akku - eine große Nennladung besagt daher leider zunächst einmal wenig.

Darüber hinaus spielt natürlich das Nutzungsverhalten eine riesige Rolle. Was bei dem einen für nicht einmal einen Tag reicht, hält beim anderen knapp zwei Tage. Testberichte versuchen sich dem zu nähern, indem sie standardisierte Szenarien konstruieren - etwa eine feste Abfolge von Videowiedergabe, deaktiviertem Display und App-Nutzungen bei durchgehend aktiviertem WLAN. Dadurch will man eine reale Nutzung simulieren. Wertvoll ist zudem ein austauschbarer Akku, denn dann kann ein schwächelnder einfach durch einen neuen ersetzt werden. Leider ist das rar geworden.

Die besten Smartphones mit austauschbarem Akku:

Platz Produktname Testberichte.de Note
1 LG K10 Gut(2,1)
2 Samsung Galaxy XCover 4 Gut(2,3)
3 Planet Computers Gemini PDA Gut(2,3)

Der Prozessor: Viel Raum im Test, wenig Aussagekraft für den Nutzer?

Wie eingangs erwähnt spielt der Chipsatz heute kaum noch eine Rolle für den Nutzer. Die Testmagazine räumen den Benchmarks trotzdem sehr viel Raum ein - und die können massiv verwirren, da es zig verschiedene Messvarianten gibt. Und ist ein Handy mit 15.000 Punkten wirklich besser als eines mit 13.500? Nur auf dem Papier, wie auch die ehrlichen Testmagazine einräumen. Heute gibt es im Grunde nur zwei Gruppen von Geräten: Die einen kommen auch mit anspruchsvollen 3D-Spielen in hoher Auflösung gut zurecht, die anderen nicht. Da das Gros der Nutzer aber ohnehin eher einfache Spielchen zockt und ansonsten eine flüssige Bedienung fordert, spielt das kaum eine Rolle. Denn selbst die Einsteiger-Chipsätze reichen vollauf für eine flüssige Bedienung aus. Nur im untersten Preissegment um 100 Euro gibt es noch Ausreißer.


Werden auch die Gesprächsqualität und SIM-Eigenschaften getestet?

Dual-SIM-Steckplatz beim Oppo F1s Dual-SIM-Steckplatz beim Oppo F1s (Quelle: oppo.com)

Die Gesprächsqualität gehört nach wie vor bei den großen Magazinen zum Standardrepertoire - bei vielen Online-Magazinen aber nicht mehr. Wie kommt es? Nun, zum einen ist diese sehr schwer seriös messbar, zum anderen ist das Qualitätsniveau heutzutage fast durchgehend auf einem sehr hohen Niveau. Im Grunde lohnt es sich nur noch, dem Aspekt besondere Aufmerksamkeit zu zollen, wenn das Gerät tatsächlich durchfällt. Nicht zuletzt haben aber eigentlich das auf der Gegenseite genutzte Gerät und die Netzqualität dermaßen hohen Einfluss, dass gesicherte Aussagen fast unmöglich sind. Interessanter sind da schon Tests, die Aspekte wie eine Dual-SIM-Nutzung einbeziehen - denn hier gibt es große Unterschiede, wie die Verwendung zweier SIM-Karten genau umgesetzt wurde. Da diese Möglichkeit zunehmend an Beliebtheit gewinnt, ist ein Blick an dieser Stelle lohnend.

Die besten Dual-SIM-Smartphones:

Platz Produktname Testberichte.de Note
1 Huawei P30 Pro Sehr gut(1,3)
2 Huawei Mate 20 Pro Sehr gut(1,3)
3 Samsung Galaxy Note9 Sehr gut(1,3)

Die künftige Revolution spielt sich in der Software ab

Viel Spielraum für Verbesserungen bietet die moderne Hardware kaum noch. Es wird mit Sicherheit spannende Konzepte wie die faltbaren oder gar rollbaren Displays geben, doch rein von der Performance und Qualität der Komponenten sind Smartphones weitgehend ausgereizt. Spannender sind aktuell Entwicklungen im Bereich der Apps, da immer mehr Hersteller großflächig mit Widgets und konfigurierbaren Launchern experimentieren, die vom steifen Icon-Grid mit einem App-Symbol neben dem nächsten abweichen. Widgets erlauben zum Beispiel den Zugriff auf Informationen, ohne die zugehörige App erst öffnen zu müssen. So ist bei Xiaomi beispielsweise ein kompletter Startbildschirm nur solchen Widgets vorbehalten, HTC hat diese sogar komplett auf dem Hauptbildschirm als fortlaufendes Newsband integriert.

Daneben spielt immer mehr die Integration des Smartphones in andere Netzwerke eine Rolle. Denn als Allrounder schlechthin kommt dem Smartphone eine besondere Rolle als Fernbedienung zu. Insbesondere im Smart-Home-Bereich ist das Smartphone die Steuerzentrale, auf der alle Fäden zusammenlaufen. Mit ihm können Lampen aktiviert, Rollläden hoch- und runtergefahren, die Temperatur reguliert, smarte Überwachungskameras abgerufen oder die Tür-Gegensprechanlage bedient werden. Dabei ist vieles davon dank Geofencing sogar automatisch möglich: Sie verlassen Ihre Wohnung und haben keine Lust, den Schlüssel hervorzukramen? Kein Problem: Das Smartphone erkennt das Verlassen des Wohnungsperimeters und sendet automatisch das Verschließen-Signal an das Türschloss.

Autor: Janko