Wird die Hörgerätekompatibilität besonders getestet?

Einfache Handys für Hörgeräteträger Handys für Schwerhörige zeigen sich genauso vielfältig wie der Rest der einfachen Handys (Bildquelle: amazon.de)

Leider ist die Gruppe der Testmagazine, die sich ernsthaft auch technisch mit den Eigenschaften von Senioren-Handys auseinandersetzen, sehr begrenzt. Die meisten Tester beschäftigen sich zwar mit der Bedienung und bewerten die Geräte anhand ihrer technischen Daten, haben aber nicht das Geld für ein akustisches Testlabor und schon gar nicht für Live-Tests mit von Schwerhörigkeit betroffenen Personen. In diesem Zusammenhang kann man eigentlich nur die Stiftung Warentest nennen, die in ihrem Magazin "test" alle zwei oder drei Jahre solche Einfach-Handys wirklich professionell unter die Lupe nimmt und dazu alle drei Testarten (technisch, akustisch, Live-Test) miteinander verbindet.

Selbst dann ist die Hörgerätekompatibilität nur ein Merkmal unter anderen, wird aber nicht besonders in den Vordergrund gehoben. Der Fokus liegt vielmehr auf der generellen Sprachverständlichkeit und Qualität der Freisprechfunktion als auf der Frage, ob Hörgeräteträger mit dem Handy gut zurechtkommen. Der Hintergrund ist vermutlich, dass im Grunde jedes Senioren-Handy auf dem deutschen Markt eine entsprechende Kompatibilität auslobt – und viele weitere einfache Modelle noch dazu. Es handelt sich also nicht um einen raren Zustand, sondern die Regel. Um die Testkommentare zu diesem Punkt zu finden, muss man schon tiefer in den jeweiligen Test hineinlesen, in der Wertung spielt dies nur eine sehr kleine, selten extra ausgewiesene Rolle.

Reicht die Auszeichnung "hörgerätekompatibel" denn aus?

Hörgerätekompatibles Smartphone Doro Liberto 825: Es gibt auch Smartphones, die mit Hörgerätekompatibilität werben (Bildquelle: amazon.de)

Die meisten Endgeräte tragen seitens der Hersteller und Verkäufer einfach nur die Bezeichnung HAC ("Hearing Aid Compatibility") oder eben hörgerätekompatibel. Eine Differenzierung erfolgt nicht, was eigentlich nicht korrekt ist. Denn de facto gibt es in Deutschland gar keine echte Norm und jeder kann sein Gerät irgendwie so bezeichnen, wenn er meint, dass dies konstruktionsbedingt der Fall ist. Eine teure Prüfung per externem Labor erfolgt dabei in der Regel aber nicht. Nun ist die Vermeidung von Störgeräuschen auch kein technisches Hexenwerk, weshalb es nur selten Probleme gibt, wenn die Auszeichnung so vage gehalten ist.

Wer aber ganz sicher gehen will, sollte entweder auf die Einschätzung der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FCC oder die europäische Norm ETSI ETS 300 381 (Telephony for hearing impaired people) achten. Während die FCC ein abgestuftes System benutzt, ist die europäische Norm ein "entweder/oder"-Wert. Ein Handy ist also entweder störungsfrei oder eben nicht. Die FCC dagegen vergibt einen Wert von 1 bis 4, wobei höher besser ist. Dabei unterscheidet sie in einen M-Wert für die Kompatibilität zu Hörgeräten ohne Induktionsspule und einen T-Wert für die Kompatibilität zu Hörgeräten mit Spule. Man muss also auf den fürs eigene Hörgerät passenden Wert achten.

Beide Normen sind aber eben nicht vorgeschrieben und daher vergleichsweise selten im deutschen Handel gelistet. Darüber hinaus können selbst die am besten ausgezeichneten Handys doch in seltenen Fällen Störgeräusche zeigen, weil einfach nicht alle denkbaren Möglichkeiten für diese berücksichtigt werden. Umgekehrt zeigen Leserrezensionen von Geräten ohne spezielle Auszeichnung, dass nur in seltenen Fällen wirklich Probleme auftreten.

Brauche ich denn überhaupt ein kompatibles Handy?

Eigentlich sollte man gar nicht so genau aufs Handy schauen, sondern aufs verwendete Hörgerät. In den preiswerten Regionen (zumal wenn keine Zuzahlung gewünscht wird) werden nämlich noch immer häufig analoge Hörgeräte angeboten, die der eigentliche Quell der Probleme sind. Die modernen digitalen Hörgeräte haben dieses Problem kaum noch (ein Rauschen kann auch hier seltener auftreten, hat aber andere Gründe). Sie sind aber ebenfalls schon teilweise ohne Zuzahlung erhältlich, man muss den behandelnden Akustiker gegebenenfalls nur gezielt darauf hinweisen.

Handys für Schwerhörige mit Notruffunktion

Autor: Janko