Ratgeber Reisebike Bild 1Auf den ersten, flüchtigen Blick unterscheidet sich das Reiserad kaum vom gewöhnlichen Rad, allenfalls zunächst durch vorne und hinten montierte Gepäckträger. Damit ist ein gutes Reiserad allerdings noch lange nicht komplett.

Grundlegende Anforderungen: Sicherheit und Haltbarkeit gehen vor

Reiseräder sind keine Tempomacher, die für maximalen Vortrieb stehen und bei denen jede Komponente grammgenau abgestimmt ist. Vielmehr kommt es auf Robustheit, Fahrstabilität, aber auch Reparaturfähigkeit an, denn in der Einöde ist es schwierig, an Ersatzteile heranzukommen. Immerhin gilt es, Strecken von mehreren tausend Kilometern zu überwinden – und das mit Gepäck, das nicht selten weit mehr wiegt als das Rad selbst. Reiseräder müssen also vor allem eines sein: echte Packesel. Mit Parts, wie sie bei gewöhnlichen Fahrrädern verbaut werden, wird man daher nicht weit kommen. Nicht selten bringen es Reiseräder daher auf ein Gewicht von bis zu 20 Kilogramm.

Ein gutes Reiserad besitzt nicht nur Teile in „XXL“-Manier, sondern auch einen besonders niedrigen Schwerpunkt. Dadurch verbessert sich zum einen das Bremsverhalten, zum anderen aber auch die Straßenlage, besonders in Kurven und bei hohen Geschwindigkeiten. Dies bildet jedoch nicht den einzigen Faktor, der sich auf die Fahrphysik auswirkt, einen erheblichen Anteil trägt auch der Windwiderstand durch die Gepäcktaschen bei. Die sperrigsten Utensilien sollten daher möglichst hinter dem Fahrer verstaut werden können und die Zuladung sollte nicht allzu sehr in die Breite gehen. Etabliert haben sich neben den klassischen Gepäckträgertaschen auch Rahmentaschen, die zwischen Ober-, Sattel- und Hauptrohr montiert werden und ideale Verstaumöglichkeiten für Werkzeug bieten. Daneben erfordern Reiseräder aber auch eine besondere Rahmengeometrie, die auf einen möglichst hohen Radstand (Abstand zwischen den Laufradachsen) ausgelegt ist, um Platz für Fahrer und Gepäck gleichermaßen bieten zu können.

Rahmen: Stahl immer noch Material erster Wahl

Zwar konnte sich Aluminium im Rahmenbau flächendeckend behaupten, bei Reiserädern setzen viele Hersteller allerdings nach wie vor auf Stahl, das um einiges widerstandsfähiger ist, aber auch schwerer. Das bedeutet allerdings noch lange nicht das Aus für Alu im Reiseradsektor. Wer eher kürzere Touren mit wenig Zuladung im Blick hat, kann sich mit einem entsprechend robust gebauten Aluminiumrahmen erhebliche Gewichtsvorteile verschaffen.

Von der Bespeichung bis zum Sattel: Anforderungen an die Komponenten

Besonderes Augenmerk liegt beim Reiserad zum einen auf den Felgen und Speichen. Reisetaugliche Laufräder können mit bis zu 48 Speichen bestückt sein. Zum Vergleich: Ein herkömmliches Rad besitzt in der Regel 32 oder 36 Speichen. Zum anderen sollte ein gutes Reiserad aber auch mit leistungsstarken Bremsen ausgestattet sein, um die hohe Masse insbesondere bei Bergabfahrten abbremsen zu können. Am besten bewährt haben sich V-Bremsen. Manche Hersteller greifen zwischenzeitlich auch auf Scheibenbremsen zurück, die zwar eine höhere Bremsleistung sowie mehr Zuverlässigkeit bieten, jedoch kann sich die Ersatzteilversorgung unterwegs als schwierig erweisen. Ratgeber Reisebike Bild 2Von Trommelbremsen sollte man gänzlich absehen, da sie bei längeren Bremswegen schnell überhitzen können. Auf den Komfort einer Federgabel wird aus Stabilitätsgründen und wegen des hohen Defektpotenzials übrigens meist verzichtet. Auch Antrieb und Schaltung sollten den Anforderungen von Langstreckentouren genügen. Bei besonders hochwertigen Reiserädern findet sich daher häufig die „Speedhub“-Nabenschaltung von Rohloff, die durch ihre lange Lebensdauer und hohe Präzision derzeit gewissermaßen das „State-of-the-art“ im Reiseradsegment bildet. Beim Sattel gilt: Gut fährt, wer ein nicht allzu sportliches Modell wählt. Dennoch sollte es eher schmal sein, um Druckstellen und Hautreizungen im Schritt zu vermeiden.

Die richtige Sitzposition und Rahmengröße

Mitunter lassen Tourenprofis ihre Räder den eigenen Bedürfnissen entsprechend anfertigen. Beim Kauf von der Stange ist zu beachten, dass sich Sattel und Lenker beim Reiserad idealerweise auf gleicher Höhe befinden, um eine Sitzposition zwischen sportlich und bequem zu gewährleisten. Die Rahmengröße ist dann richtig gewählt, wenn man bei gestrecktem Bein beim Aufsitzen noch mit der Ferse das Pedal in der tiefsten Stellung erreichen kann.

Autor: Daniel