Liegeräder: Vor- und Nachteile

Liegerad in Trike-BauweiseLiegeräder sind hierzulande noch immer eher Exoten – lediglich einige Zehntausend Exemplare rollen über die Straßen, verschwindend wenig also im Vergleich zu den Millionen Fahrrädern. Dabei gibt es drei Zielgruppen, für die ein Umstieg auf ein Liegerad Vorteile mit sich brächte: Personen mit Rückenleiden, sportliche Fahrer sowie Reise- und Tourenradler. Denn in diesen drei Bereichen spielen die Exoten ihre Stärken voll aus.

Entspanntes und gleichzeitig effektives Radeln

Durch die liegende beziehungsweise sitzende Position mit relativ waagrechter Beinstellung ist das Gewicht des Fahrers auf einem Liegerad anders und vor allem besser verteilt als auf einem normalen Rad. Insbesondere der Rücken wird deutlich entlastet, ergonomische Vorteile bringt die Sitzposition aber auch für Schultern, Nacken, Po und Arme – kurzum: Liegeradfahren ist wesentlich entspannter. Verkrampfungen oder Druckstellen kommen so gut wie nicht vor, weswegen sich die Räder vor allem für längere Touren oder sogar ganze Radreisen hervorragend eignen. Der hohe Sitz-/Liegekomfort ermöglicht ein größeres Tagespensum, wozu auch ein weitere Punkt beiträgt. Die Sitzposition ermöglicht nämlich eine bessere Kraftübertragung. Zusammen mit den aerodynamischen Vorteilen – der Luftwiderstand ist niedriger – trägt dies dazu bei, dass Liegeräder hauptsächlich als Touren- oder Reiseräder geschätzt werden. Aber auch sportlichen Fahrern kommen sie entgegen, denn mit einigen Modellen kann schneller als mit einem Rennrad gefahren werden. Viele Fahrer berichten auch davon, dass das Reisen auf einem Liegerad durch die veränderte Perspektive und die bequeme Sitzposition die subjektive Wahrnehmung der Umgebung positiv beeinflusse – sofern natürlich der Straßenrand nicht den freien Blick zur Seite blockiert. Man radle förmlich auf einen offenen, freien Horizont zu – Liegeradfahren hat deshalb viel mit Faszination zu tun und wird von seinen Anhängern oft mit wahrer Begeisterung kultiviert.

Liegerad als Sportgerät

Plus an Sicherheit

In die Kategorie Sicherheit fällt zunächst die geringere Belastung der Bandscheiben beziehungsweise des Rückens. Für viele gelten daher Liegeräder als die gesündere Form des Radelns, wobei feststeht, dass sie bei Rückenbeschwerden eine attraktive Alternative zu einem normalen Fahrrad sind. Die Modelle mit drei Rädern („Trikes“, siehe Ratgeber „Trikes und Scooter“) können nicht umfallen und bieten einen leichten Ein-/Ausstieg. Sie eignen sich daher bestens als sichere Fortbewegungsmittel für Menschen mit einem körperlichen Handicap. Die niedrige Sitzposition kann zudem bei Unfällen von Vorteil sein. Gefährliche Überschläge sind wegen des niedrigen und meist mittigen Schwerpunkts sehr selten und aufgrund der geringen Fallhöhe treten schwere Kopfverletzungen bei Liegerädern weniger häufig auf als bei normalen Rädern. Außerdem sind die Beine schnell auf dem Boden, um das Umkippen zu verhindern. Eher ein Vorurteil ist dagegen, dass Liegeräder eine schlechtere Übersicht bieten, zumindest teilweise. Denn bei vielen Modellen sitzt der Fahrer in etwa auf der Höhe eines Autositzes oder sogar noch darüber und kann damit die Verkehrssituation gut erfassen. Lediglich die ultraflachen Tieflieger sind davon ausgenommen. Der eingeschränkten Blick nach hinten wiederum kann mit einem Rückspiegel kompensiert werden. Trotzdem raten Experten auf einen Liegerad zu erhöhter Aufmerksamkeit, vor allem natürlich in der Stadt.

Liegerad mit avantgardistischer Optik

Nachteile

Mit Ausnahme der speziell für den urbanen Einsatz gedachten Scooter (siehe Ratgeber „Trikes und Scooter“) sind Liegeräder hauptsächlich für Touren und Reisen und weniger für kürzere Einsätze, zum Beispiel in der Stadt, konzipiert. Sie sind weniger wendig, außerdem kommen ihre Vorzüge erst auf längeren Touren so richtig zum Tragen. Schwierigkeiten verursachen auch die kleinen Räder. Hindernisse, wie etwa Bordsteinkanten, können meist nicht überfahren werden. Außerdem ist die Geländegängigkeit eingeschränkt. Dank guter Federung sind unbefestigte Wald- und Wiesenwege zwar zu meistern, auf schwierigerem Terrain kommt ein Liegerad aber schnell an seine Grenzen – die Domäne eines Liegerades ist definitiv die Straße. Darüber hinaus erfordern sie eine Umgewöhnung. Zwar lernen die meisten schnell, sich auf einem Liegerad sicher fortzubewegen. Die veränderte Sitzposition beansprucht jedoch andere Muskelgruppen, mit Muskelkater sollte man demnach anfangs zumindest rechnen. Insbesondere am Berg muss mit kleiner Übersetzung und hoher Trittfrequenz gefahren werden, was die Oberschenkel stark beansprucht. Aber auch die Nackenmuskulatur muss sich erst an die neue Sitzposition gewöhnen – in der Regel haben sich die Muskeln jedoch nach ein paar Hundert Kilometer auf die neue Belastung eingestellt. Übrigens: Frauen wird oft nachgesagt, dass sie von einem Liegerad weniger begeistert sind als Männer. Abgesehen davon, dass dafür keine konkreten Belege vorliegen, darf bezweifelt werden, dass dies damit zusammenhängt, weil auf einem Liegerad ein Rock oder Minirock als Fahrradbekleidung eher weniger angebracht sind.

Autor: Wolfgang