E-Mountainbikes: Elektrisch unterstützte Gipfelstürmer

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E-MountainbikesE-Mountainbikes sind wohl das zurzeit größte Phänomen im Fahrradmarkt. Noch vor wenigen Jahren galten sie vielen als grundlose Spielerei, die höchstens als Randerscheinung einer von Innovationsdruck besonders geplagten Branche wahrgenommen wurde. Heute ist kaum mehr ein Hersteller zu finden, der auf die gigantischen Absatzzahlen der E-MTBs verzichten möchte – sie gelten schlicht als nächster logischer Schritt in Sachen Elektromobilität oder sportliches Pendant zum gutmütigen Pendler-Pedelec. Werben für neue Modelle ist oft nicht mehr nötig, meist sind sie schon dann ausverkauft, bevor das Modelljahr richtig begonnen hat. Doch wer hat etwas von einem E-Mountainbike?

 

Vivax Alpha 2.0 Vivax Alpha 2.0

BionX-Antrieb mit Energierückgewinnung

Das größte Interesse vermuten die Hersteller im touristischen Segment, die Zielgruppe sind sportliche, in die Jahre gekommene, konditionell schwächere oder gehandicapte Fahrer, die sich ansonsten auf bergiges Gelände kaum vorwagen würden. Der Elektromotor lässt sich bei Bedarf zuschalten, wenn der Pedalbetrieb zu anstrengend wäre oder der Puls ungeahnte Dimensionen erreicht. Technisch ganz ähnlich einem herkömmlichen Pedelec, bei dem der Fahrer die elektrische Unterstützung nur beim Treten abruft, können auch sportlich ambitionierte, aber schwächere Fahrer das Cruisen abseits der asphaltierten Wege genießen – noch dazu mit einem Rad, das sich äußerlich kaum von einem herkömmlichen Mountainbike unterscheidet. Die modernsten Ausgaben (etwa das Vivax Alpha) verstecken sogar jeden Verdachtsmoment im Sattelrohr und in der Satteltasche, von Elektronik und Akku ist nichts zu sehen, der bei herkömmlichen E-Mountainbikes meist als Bosch-Mittelmotor ausgeführt ist. Die Entwicklung ist längst nicht am Ende, vor allem am Gewicht wird getüftelt, das nicht nur bergauf und beim leeren Akku (vulgo: Schieben) bemerkbar macht, sondern bei der flotten Abfahrt zum Gefahrenpotential wird. Leichtere E-Mountainbikes besitzen aus technischen Gründen meist kleinere Akkus mit geringerer Reichweite und sind von ihrer Ausrichtung her daher nicht auf längere Touren hin konzipiert. Wer die Vorteile eines leichten E-Mountainbikes mit Tourentauglichkeit verbinden möchte, greift am besten zu einem Modell mit BionX-Technik, bei denen die Akkus beim Bergabfahren aufgeladen werden. Mit einem solchen Modell kommt man bis zu 100 Kilometer weit und nutzt die Option der Energierückgewinnung. Namhafte Hersteller wie Focus, KTM, Wheeler oder Steppenwolf schicken ihre E-MTBs mit solchen Motoren ins Gelände.

Biketronic Starfighter Fully Allrad 26'' Biketronic Starfighter Fully Allrad 26''

Fullys, Hardtails, Lady- oder Allrad-Bikes...

Die technische Nähe zum herkömmlichen Mountainbike bringt ähnliche Charakteristiken mit sich. So kann der Kunde aus Fullys (vorne und hinten mit Dämpfung und Federung) oder Hardtails (ungefederter Hinterbau) wählen, ein Modell speziell für Frauen favorisieren oder zum Allrad-E-Mountainbike greifen, das an jedem Rad einen eigenen Nabenmotor besitzt (etwa das Carbonrad Starfighter Fully Allrad des österreichischen Herstellers Biketronic). Manche Hersteller geben Ausblick auf Modelle für Freeride und Enduro, die mit dem kreuzbraven Senioren-Pedelec nichts mehr gemein haben. In Tests taucht diese neue Fahrradgattung immer häufiger auf, Experten raten vor allem, auf verlässliche Scheibenbremsen, solide Rahmen, hohe Reichweiten und potente Akkus zu achten, langlebiger seien Lithium-Ionen-Akkus, die mit einer Ladung bis zu 40 Kilometer zurücklegen können. Bestwerte in E-Bike-Tests erzielt etwa das Corratec ePower X-Vert in einer Ausführung mit der neuen Laufradgröße 650B (27,5 Zoll), das als Hardail „von Sportlern für Sportler“ entwickelt wurde (ElektroRad 2/2014). Alles richtig macht man auch mit dem Six50-E FS 3 von Bulls, der Sportmarke der ZEG (Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft). Der vollgefederte Bulls-Bolide zeichne sich durch „Wendigkeit, Spritzigkeit und gute Fahrwerksabstimmung“ aus (ElektroRad 1/2014) und bietet als „ausgewogenes Tourenbike“ auch durchaus Potenzial für echtes Gelände (bikesport Januar/Februar 2014). Die Fachpresse honoriert das E-Fully mit seinem Potenzial, „das Mountainbiken in ganz anderen Bevölkerungsgruppen populär zu machen als bisher“ (Radtouren 3/2014). Dass sich die technische Entwicklung auch und vor allem an der Sicherheit und nicht nur am Fahrspaß orientiert, zeigen Modelle wie das Lapierre Overvolt FS, das sich auch „mit ordentlich Karacho in ruppige Abfahrten“ wage und dem Fahrer gute Kontrolle gebe (bikesport Januar/Februar 2014). Der Markt für diese neue Spielart des Radsports ist offenbar da - ob man sich daher noch immer um die Grundsatzfrage kümmern muss, ob ein E-Mountainbike überhaupt im Fahrradmarkt not tut oder nicht, sei einmal dahingestellt.

Autor: Sonja