Preisvergleich: Was muss ein gutes E-Bike kosten?

KTM Macina Tour 510 Testsieger bei der Stiftung Warentest: das KTM Macina Tour 510 (Bild: ktm-bikes.at)

Die E-Bike-Sparte hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung hingelegt: 2021 erreichte der Absatz sein bisheriges Rekordhoch von zwei Millionen Exemplaren. Ebenso rasant stieg das Notenniveau in den Tests: Die Antriebe wurden kompakter, die Akkus immer größer und die Beziehungsgeflechte zwischen Motor und Schaltung harmonisiert. Smart-Funktionen kann das E-Bike inzwischen auch, Beispiel: das S3 von Vanmoof.
Blick auf die Preisstruktur: Soll es ein rundum gutes Pedelec für Alltag und Freizeit sein, sind Sie mit dem letzten Testsieger der Stiftung Warentest, dem Macina Tour 510 von KTM, für rund 3.000 Euro unterwegs. Stevens, Pegasus und Raleigh fahren dicht hinterher und liegen preislich auf gleichem Niveau. Für das etwas mehr als 2.000 Euro teure Cita 6.0 von Fischer gab es nur ein „Ausreichend“. Grund war ein Riss am Sattelrohr. Immerhin: Ausstattung und Fahrhandling konnten die Warentester überzeugen.

Den Wunsch nach einem E-Bike erfüllen Online-Händler, Baumärkte und Discounter schon um die 1.000 Euro – vormontierte Ware aus dem Karton mit zweckmäßiger Ausstattung, wenig Service und durchwachsenen Produktbewertungen. Immerhin: Günstig-Anbieter wie Fischer legen einen mobilen Reparaturservice nach.

Grafik: E-Bikes Absatz 2021

Front-, Mittel- oder Heckmotor: Welcher Antriebstyp ist der beste?

Scheibenbremsen arbeiten zuverlässiger als klassische Felgenbremsen – bei E-Bikes sind sie obligatorisch. (Bildquelle: cube.eu) Scheibenbremsen arbeiten zuverlässiger als klassische Felgenbremsen – bei E-Bikes sind sie obligatorisch. (Bildquelle: cube.eu)

Im Wettrennen um die höchste Effizienz gibt es einen klaren Punktgewinn für den Hecknabenmotor. Er arbeitet leise und überträgt die Kraft direkt und ohne Verschleiß dorthin, wo sie am wirksamsten ist, nämlich auf das hintere Laufrad. Einige Heckantriebe bieten sogar Energierückgewinnung. Nachteil: Heckmotoren machen das Hinterteil noch schwerer als es beim Rad sowieso schon ist. Absolut tabu ist der Heckantrieb beim E-Mountainbike, denn durch den hecklastigen Schwerpunkt bockt das Rad beim Klettern leicht auf und Wurzelparcours werden nicht nur für den Hintern, sondern auch fürs hintere Laufrad zum unbarmherzigen Ritt. Reine Straßenpedelecs profitieren vom Heckantrieb.



Hilfsantriebe am Mittelbau bilden den guten Standard. Tonangebend ist in dieser Sparte Bosch. Asien zog in den letzten Jahren nach: Yamaha bietet günstige Aggregate mit hohen Drehmomenten, Panasonic bedient die reine Genussfraktion mit preiswerten Antrieben und auch Shimano mischt mit dem Steps-Motor auf dem E-Bike-Markt fleißig mit. Unterm Strich laufen die Aggregate heute einwandfrei und begünstigen montagebedingt einen zentralen und straßennahen Schwerpunkt, führen aber zu einem hohen Verschleiß von Kette und Ritzeln.

Beim Frontmotor versteckt sich die Antriebseinheit in der Nabe des vorderen Laufrads. An sich fehlt es ihm nicht an Zugkraft – Kraft, von der das Rad jedoch wegen des stets heckbetonten Schwerpunkts wenig hat. Auf rutschigen Untergründen besteht außerdem die Gefahr, dass das Vorderrad plötzlich wegzieht.

Wohin mit dem Akku?

In den Anfängen des E-Bike-Zeitalters landete der Akku auf dem Gepäckträger. Bei sehr günstigen Stromern ist das immer noch der Fall. Das ist aus mehreren Gründen problematisch: Der Akku ist beim Antriebssystem im Normalfall das schwerste Bauteil und bringt zusätzliches Gewicht ins ohnehin schon schwere Radheck. Viel Gepäck ist dann nicht mehr drin. Durch die hohe Position verschlechtern sich außerdem die Fahreigenschaften, das Rad gerät schnell ins Schlingern und lässt sich schwerer lenken. Heute wird der Akku daher an oder in den Rahmen montiert, bei Einrohr-Pedelecs am Hauptrohr und bei „Herrenrahmen“ im Unterrohr. Bei einigen E-Bikes wird er auch vor oder hinter das Sitzrohr geschraubt.


Akku-Kapazität: Denken Sie wirtschaftlich

Aus dem Rennen: Räder mit Gepäckträger-Akku geraten bei hohem Tempo ins Schlingern. (Bildquelle: fischer-die-fahrradmarke.de) Aus dem Rennen: Räder mit Gepäckträger-Akku geraten häufig ins Schlingern. (Bildquelle: fischer-die-fahrradmarke.de)

Beim Akku gilt: Je höher seine Kapazität, umso schwerer und teurer ist er. Bei Faltstromern und urbanen Superasketen liegt sie oft deutlich unter 300 Wattstunden („Wh“), Premium-Stromer halten mitunter mehr als 700 Wh bereit – der Durchschnitt hat sich bei 500 Wh eingependelt und kann gleichzeitig als Richtwert für ein gutes E-Bike angesehen werden. Pendeln Sie nur zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, reichen 300-400 Wh völlig aus – je nachdem, ob Sie eher sparsam oder gerne auch mal im Volle-Möhre-Modus unterwegs sind.


Gelegentlich wird die Akku-Kapazität auch in Amperestunden („Ah“) angegeben. Das macht die Vergleichbarkeit schwierig. Um daraus Wattstunden zu errechnen, multiplizieren Sie den Wert einfach mit der Spannung des Hilfsmotors, die bei den meisten Aggregaten 36 Volt („V“) beträgt. Beispiel: Bei 10 Ah und einer Motoreingangsspannung von 36 V ergibt sich eine Akku-Kapazität von 360 Wh.


Pauschale Aussagen zur Reichweite lassen sich nicht treffen. Diese hängt von folgenden Faktoren ab:
  • Eigengewicht des Rads
  • Körpergewicht sowie Zuladung
  • Reifendruck (je höher, umso weiter kommen sie)
  • Temperatur (je kälter, umso früher macht der Akku schlapp)
  • Unterstützungsstufe
  • Geländeprofil
  • Untergrund (Asphalt, Schotter usw.)
  • Windverhältnisse
  • gewählter Gang
  • Trittfrequenz

Die Top 3 der E-Bikes nach Akku-Kapazität

  1. Kettler Quadriga Duo CX10 Herren (Modell 2021)
    1000 Wh
    Kettler Quadriga Duo CX10 Herren (Modell 2021)

    ohne Endnote


Welche Auto-Fahrradträger eignen sich besonders gut für E-Bikes?

Die höhere Gewichtsklasse erfordert einen besonderen Blick auf die Transportmöglichkeiten mit dem Auto. Inzwischen reagieren die Hersteller mit speziell für E-Bikes vorgesehenen Fahrradträgern. Generell empfehlen wir Heckgepäckträger, die entweder an der Anhängerkupplung oder an der Heckklappe befestigt werden. Die Anforderungen an die Belastbarkeit sind hoch: E-Bikes liegen zwischen 25-30 kg, bei zwei E-Bikes kommen also schon mal 50-60 kg zusammen. Wir empfehlen einen Blick aufs Produktdatenblatt, denn diesem Gewicht sind viele Fahrradträger nicht gewachsen. Auch das Nachmessen lohnt sich: E-Bikes mit Sattelrohr-Akku fallen durch den vergleichsweise hohen Radstand um einiges länger aus. Komfortabel: Auffahrschienen, die sich nach unten neigen und wie Rampen nutzen lassen, erleichtern das Beladen.

Was ist der Unterschied zwischen E-Bikes und Pedelecs?

Effizient: Hecknabenmotoren übertragen die Kraft direkt auf das hintere Laufrad und laufen geräuschfrei (Bildquelle: bulls.de) Effizient: Hecknabenmotoren übertragen die Kraft direkt auf das hintere Laufrad und laufen geräuschfrei (Bildquelle: bulls.de)

Suchen Sie im Netz nach E-Bikes, werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Pedelec („Pedal Electric Cycle“) stoßen. Pedelecs geben dann Schub, wenn in die Pedale getreten wird. Stoppt der Pedaltritt, geht auch der Motor in den Pause-Modus. Bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h schaltet sich die Motorunterstützung automatisch ab. Eine Sonderform bildet das S-Pedelec mit Motorunterstützung bis 45 km/h. S-Pedelecs gelten als Kleinkrafträder und benötigen Straßenzulassung, Fahrerlaubnis (Klasse "AM" oder inkludierende Klassen) und Versicherungskennzeichen. Suchen Sie nach E-Bikes, die sich ohne Beinkraft fahren lassen, sind Sie hier vermutlich besser aufgehoben.

Von Bosch bis Brose: Die aktuellen E-Bike-Motoren im Vergleich



Weitere nützliche Tipps rund um den E-Bike-Kauf erhalten Sie in unserem Ratgeber E-Bike kaufen: So geht’s günstiger.

von Daniel Simic

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