Dirt Bikes: Fliegende Fun-Räder mit Fliegengewicht

Dirtbike DartmoorNoch vor wenigen Jahren galten Dirt Bikes als Spaßfahrräder für eine Handvoll Exoten, die mit gewagten Dirtjumps und teils meterhohen Sprüngen in die Luft unnötig Kopf und Kragen riskierten. Doch das Bild vom Fun-Bike als bislang wenig beachteten Exoten hat sich etwas gewandelt. Statt ausschließlich auf grobem Profil und Gewichtseinsparung durch das Weglassen überflüssiger Komponenten zu setzen, rollen heute vermehrt Dirtbikes ohne Profil, dafür aber mit Gangschaltung in die Fahrradläden. Allerdings wird ein Großteil der Dirtbike-Käufer wohl ähnlich selten auf Asphalt unterwegs sein wie die meisten Fatbikefahrer – nämlich so gut wie gar nicht.

Möglichst leicht und stabil...

Dafür sind Dirtbikes mit groben Profilreifen und kompakten Rahmen ausgestattet und sind vorwiegend auf ein optimales Verhältnis von Stabilität und Minimalgewicht ausgelegt. Weil Dirtbikes in der Regel eher fliegen als fahren und bei sogenannten Dirtjumps (Sprüngen) in der Halfpipe (halbröhrenförmige Sportanlagen) möglichst flowig, also fließend wirken sollen, besteht die Herausforderung für die Hersteller mehrheitlich darin, sowohl möglichst leichte als auch stabile Räder zu produzieren. Meist werden die Rahmen aus Chrom-Molybdän-Stahl hergestellt und durch das charakteristische, stark nach hinten abfallende Oberrhor verstärkt; die Reifen wiederum sind grobstollig und gering rollwiderständig – das heißt: Breite Reifen (von etwa 2,1 bis 2,4 Zoll) mit einer geringen Materialverformung und möglichst wenig Energieverlust beim Abrollen. Resultat sind Dirtbikes, die sich mit wenig Körperkraft sehr effizient für Stunts, Speed und fliegende Elemente einsetzen lassen.

... und statt Ferderweg eine Starrgabel für viel Speed

Weil aber immer mehr Biker sich für ein gemischtes, straßen- und geländeorientiertes Einsatzspektrum entscheiden, werden inzwischen auch Dirtbikes ganz ohne Profilreifen gefertigt. Diese sogenannten Streetreifen sparen noch einmal deutlich an Gewicht ein und sind überdies leichter zu fahren als ihre grobstolligen Kollegen. Der Hauptvorzug respektive Hauptunterschied - je nach individuellem Nutzerverhalten – liegt jedoch darin, dass profilarme Reifen höhere Geschwindigkeiten aufnehmen können; wer speziell darauf Wert legt, greift am besten zu Dirtbikes mit Starrgabel anstelle der üblichen Modelle mit 80 bis 140 Millimetern Federweg, die zwar Stöße beim Landen weniger stark abfedern, dafür aber das Tempoziel deutlich schneller erreichen können. Umgekehrt sind hohe Federwege unverzichtbar, wenn Sprünge bis in mehrere Meter Höhe anvisiert werden und die harten Stöße bei der Landung auf ein Minimum abgefedert werden sollen.

Inzwischen gibt es auch Dirters mit Gangschaltung

Die bislang geltende Maxime der Gewichtseinsparung durch Verzicht auf eine Gangschaltung – ganz ähnlich wie bei Single Speed-Fahrrädern oder Fixies - scheint heute zum Teil etwas aufgeweicht zu sein. Dies gründet sich im wachsenden Kunden- und Martkbedürfnis nach Rädern, die mit hohen Geschwindigkeiten gefahren werden sollen. Dann aber ist schnell die Nähe zum Freerider gegeben, der sich ebenfalls wachsender Beliebtheit erfreut. Beispielhaft hierfür ist das YT-Industries Noton 2.0 Pro Edition, das das Mountainbikerider Magazine als kompakten Allrounder (2/2014) und klassischen Freerider (11/2013) einordnet. Wer ein Dirtbike mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis sucht, liegt mit dem Onooka Industries Ronic oder Merida Hardy Pro Steel 1 richtig, und wer Fahrspaß auf Freeride-Trails wünscht, greift am besten zum Ampak von Onooka. Als „reinrassiger Dirter“ (World of MTB 9/2013) sei das Dartmoor Two6Player Pro, als eher ruhiges und vielseitiges Dirtbike (World of MTB 9/2013) das Solid Bikes Harlem Dirt King empfohlen. Gleich, wie das persönliche Nutzungsverhalten ausfällt: Rahmenkonstruktion, Felgen, Kurbeln, Vorbau und Lenker eines Dirters sollten in jedem Fall möglichst leicht und zugleich stabil sein.

Autor: Sonja