28-Zoll-Damenfahrräder: Nicht einfach nur ein Laufradformat

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28-Zoll-DamenfahrradDie Kategorie „Damenfahrrad“ mit der Frage nach 26- oder 28-Zoll-Rädern zu verknüpfen, führt wie so häufig im Fahrradsegment auf eine falsche Spur. Denn nicht von der Radgröße ist es abhängig, ob ein Fahrrad für Damen passt, sondern von anderen Faktoren wie Radart, Rahmengröße und Einsatzbereich. Tabellen, die pauschal ein 26-Zoll-Fahrrad bei einer Körpergröße von 160 bis 180 Zentimeter auswerfen und ein 28-Zöller etwa für Fahrerinnen ab 180 Zentimetern Größe empfehlen, sind eher eine grobe Orientierungshilfe als eines Kaufberaters würdig. Verantwortlich sind 28er-Räder aber für den günstigeren Rollwiderstand und wenn Krafteinsparung der größte Antrieb beim Fahrradkauf ist.


Die Rahmenhöhe ist wichtiger als die Laufradgröße

Die Formel „je größer das Laufrad, desto geringer der Rollwiderstand“ lässt sich jedoch abstrakt so nicht halten. Darüber hinaus ist hier offenbar zu viel Raum für Klischeedenken, etwa dass Frauen kleiner als Männer und schwächer beim Antritt seien – auch wenn sich generell sagen lässt, dass man mit einem 28-Zoll-Fahrrad bei gleichem Krafteinsatz weiter kommt, was sicherlich vielen Radlerinnen recht ist. Schon klarer wird der Sachverhalt, wenn man die Frage nach der richtigen Rahmenhöhe jener nach der Radkategorie voranstellt und dann eine Ausgangsgröße für das Laufradformat hat. Doch selbst wenn man nach Renn-, Triathlon- oder Trekkingrad, Mountainbike, Full-Suspension- oder Sport-Touringbike ausdifferenzierte Rahmenempfehlungen betrachtet, sind dies immer nur Richtgrößen.

Sitz- und Fahrprobe unabdingbar

Ohne Sitz- oder Fahrprobe wird man kaum die Frage nach der passenden Laufradgröße für ein Damenrad exakt beantworten können. Generell lässt sich aber festhalten, dass bei der Wahl einer gefederten Sattelstütze wegen des erhöhten Aufbaus dieser Sattelstütze ein kleinerer Rahmen gewählt werden sollte und ein klassisches Damenrad – nachgereicht als Trekking-, Holland- oder Cityrad – mit einem kleineren Laufrad stimmiger sein wird. Umgekehrt kann auch ein kleinerer Rahmen mit einem größeren Laufrad so eingestellt werden, dass es dem persönlichen Empfinden und der Verbundenheit mit dem Rad perfekt entspricht. Allerdings verringern 28-Zöller die Schrittfreiheit – und es besteht die Gefahr, dass der Fuß beim Lenkereinschlag am Vorderrad streift. Bereinigt um die Idee vom grundlegenden Unterschied zwischen Damen- und Herrenrad gilt aber die Faustformel, dass 28-Zoller weniger steif, agil und wendig sind als ihre kleineren Pendants, die wiederum präziser und leichter sind (bei identischer Bereifung) und besser um die Ecken gehen. Gepäckträger und Schwerpunkt sind beim 28-Zoll-Rad wiederum höher, der Einfluss auf den Kindersitztransport daher nicht unwesentlich.

Das Duell zwischen 26- und 28-Zöllern im Damensektor

Denkt man außerhalb von Klischees und gesteht Frauen auch die Vorliebe für Diamantrahmen mit geradem Oberrohr zu, drängt sich die Frage der Rahmengröße in den Vordergrund. Denn mit ihr wächst auch die Länge des Oberrohrs und damit der Abstand zwischen Sattel und Lenker. Kommt dann die typisch weibliche Anatomie ins Spiel – kürzerer Oberkörper, weniger aggressiv streckbarer Oberkörper durch ungünstige Beckenkippung – wird das Duell zwischen den Raddurchmessern immer komplexer. Doch am wenigsten, das lässt sich ebenfalls festhalten, wird es über den Rollwiderstand entschieden, sondern über andere Parameter wie Rahmendesign und -größe, Reifenart, Fahrstil und Einsatzzweck. Ob sich ein 28-Zoll-Format mit der gewählten Rahmenhöhe und -geometrie zu einem besseren Gefühl der „Integration ins Rad“ summiert oder nicht, ist eine Frage, die nur bei einer Fahrprobe entschieden werden kann.

Autor: Sonja