Wenn der Volksmund von Blutarmut spricht, ist meistens eine Eisenmangelanämie gemeint, die zu einer Verminderung der Anzahl der roten Blutkörperchen führt. Häufig wird auch ein blasser Hauttypus mit einer Blutarmut assoziiert, was aber kein zwingendes Indiz für eine Anämie ist. Da die roten Blutkörperchen die Sauerstoffmoleküle binden und zu den Organen transportieren, bemerkt der Betroffene zuerst einen Leistungsabfall mit schneller Ermüdbarkeit. Die Schleimhäute zeigen eine Blässe und durch die Unterversorgung des Gehirns treten relativ häufig Kopfschmerzen auf. Beim Herzmuskel können durch Sauerstoffmangel stechende Schmerzen (Angina pectoris) bemerkt werden und betroffene Nieren scheiden auch geringfügig Blut in den Urin aus. Da der menschliche Körper mit einer schleichend voranschreitenden Anämie besser umgehen kann, als mit einem ruckartigen Blutverlust, steigt die Herzfrequenz kompensatorisch. Dadurch soll mehr Blut zu den Organen transportiert werden und betroffene Menschen atmen deutlich schneller. So stellt die Anämie eigentlich keine Krankheit dar, sondern ist als Symptom einer Erkrankung oder Fehlernährung zu werten.

Eisen und andere

Da es sehr unterschiedliche Formen der Anämie gibt, hilft eine simple Eisenzufuhr nicht immer weiter. Zumal bei vielen Betroffenen eine mangelnde Fähigkeit (Malabsorption) zur Aufnahme von Eisen besteht. In einigen Fällen liegen auch entzündliche Prozesse im Magen-Darm-Trakt vor, die eine Aufnahme verhindern oder wie auch häufiger beobachtet, eine schlechte Verträglichkeit. Helfen die in Apotheken angebotenen oralen Eisenpräparate nicht weiter, kann der behandelnde Arzt auch via Injektion weiterhelfen. Ist die Blutbildung in Folge einer megaloblastären Anämie eingeschränkt helfen Gaben von Vitamin B-12, Thiamin und Folsäure weiter. Wie beim Eisenmangel liegt auch häufig eine Malabsorption vor, da die Aufnahme durch die Darmschleimhaut ein komplizierter Prozess ist, der empfindlich gestört werden kann. So müssen bestimmte Darmerkrankungen im Vorfeld gleichermaßen wie ein Bandwurmbefall ausgeschlossen werden. Vegetarier und Veganer zeigen meist einen Mangel an B-12-Komplex. Es kann aber auch zu einer verminderten Aufnahme der genannten Substanzen durch Konsum von Alkohol und bestimmten Medikamenten kommen. Hier ist immer der Arzt zu konsultieren, der eine differenzierte Diagnose stellen kann. Wenn trotz Gaben von Eisen, B-12 und/oder Folsäure eine Anämie weiterhin besteht und keine Menstruation erfolgt, besteht der Verdacht auf eine diskrete Sickerblutung oder eine Tumorerkrankung. Es können aber auch genetische Defizite beim Eisentransport zum blutbildenden Knochenmark vorliegen, um nur eine der vielen Störungen zu nennen, die eine Anämie als Symptom zu Tage fördern. Nur eine gezielte Diagnostik kann bei vielen Formen der Anämie weiterhelfen.