Matratzen: Belüftungssysteme ohne Zusatznutzen

BabymatratzeWer sich Zeit bei der Produktwahl nimmt, und junge Eltern tun das in der Regel, wird schnell feststellen, dass die Hersteller von Babymatratzen äußerst leidenschaftlich über ein sehr emotionales Thema referieren: Den plötzlichen Kindstod. Weshalb alle Eltern dazu angehalten seien, nicht irgendeine Kindermatratze zu kaufen, sondern eine, die die ausgeatmete Luft der Kleinen großflächig abtransportiert und Erstickungsgefahren weitgehend eliminiert. Das Bedürfnis nach Antworten auf die Frage ist groß, inwieweit es sich beim Horroszenario SID, so der Fachbegriff für den Kindstod, um eine Folge der falschen Matratzenwahl oder eher um ein absatzförderndes Marketingvehikel handelt.


Fragwürdiges Risiko der Kohlendioxid-Rückatmung

Doch wer sich durch Wartentests der wichtigsten Verbrauchermagazine arbeitet, stößt in der Regel auf einen ganz anderen Aspekt. Nicht eine teure Babymatratze soll den SID verhindern, sondern am ehesten der Ausschluss von Risikofaktoren. Dazu gehört nicht etwa ein schmales Budget junger Eltern, die sich neben der ohnehin teuren Erstausstattung für das Baby auch noch um eine Spezialmatratze kümmern müssen, wie sie immer mehr Hersteller als allein seligmachend anpreisen. Vielmehr geht es um mehr Fürsorge: Das Kind nicht auf dem Bauch ins Bettchen zu legen, damit es nicht die verbrauchte, mit Kohlendioxid angereicherte Atemluft erneut einatmet. Denn wenn dann die natürliche Weckreaktion mit verstärktem Atemantrieb nicht funktioniert, kann das Kleine in der Tat sterben.

Die richtige Matratzengröße wählen

Doch natürlich kann man auch bei der Matratzenwahl einiges richtig machen. Dazu gehört in erster Linie die richtige Matratzengröße, die im Babybereich bei standardisierten 140 x 70 Zentimetern liegt – mit wenigen Ausnahmen wie etwa Ikea, das Modelle mit Spezialmaßen verkauft. Von Matratzen mit einem Belüftungssystem in Form von Kanälen und Röhren sollten Eltern sich besser nicht zu viel versprechen. Auch von Matratzen mit „atmungsaktivem Schaum“ oder luftdurchlässigen Bezügen sind allenfalls atmosphärische Benefits zu erwarten. Laut Experten kann ein solches Modell die Eltern sogar in falscher Sicherheit wiegen, wenn sie ihr Kind dann doch in der Bauchlage schlafen lassen. Auch beim Betrachten der Testhistorie zu Kindermatratzen lässt sich sagen, dass Spezialmatratzen keinen nennenswerten Sicherheitszuwachs bringen.

Nicht zu weich

Eine grundsätzliche Wahl hingegen sind Babymatratzen, die nicht zu weich sind. Denn nur eine eher feste Unterlage kann verhindern, dass das Baby in Bauchlage mit dem Kopf zu tief in die Matratze einsinkt. Leider helfen die Härteangaben der Hersteller nicht unbedingt weiter. Wie bei den Matratzen für Erwachsene gibt es weder Normen noch überhaupt eine Pflichtangabe. Einige Hersteller werben mit einer festen Baby- und weicheren Juniorseite und trittfesten Kanten für später, wenn das Kleine im Bett aufstehen kann. Besondere Beachtung verdienen Modelle mit Kokos- oder Latexkern. Sie sind zwar in der Regel teurer als die üblichen Schaummatratzen für Kinder, dafür aber durchweg aus natürlichen Materialien hergestellt. Auf Matratzen mit verschiedenen Liegezonen hingegen kann getrost verzichtet werden. Wegen ihres geringen Körpergewichts müssen die Kinder nicht an manchen Stellen stärker gestützt werden als an anderen.

Autor: Sonja