Stative auf dem Prüfstand – darauf kommt es bei Kamera-Stativen im Test an

Der Hauptzweck eines Stativs besteht darin, eine Kamera sicher und ruhig zu halten - und genau darauf wird auch in Testberichten der größte Wert gelegt. Häufig untersuchen die Tester, wie es auf Erschütterungen reagiert und wie lange es dauert, bis es nach einer Erschütterung wieder vollständig zur Ruhe gekommen ist. Dabei gilt: Je kürzer, desto besser. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Bedienung. Ein Stativ sollte sich schnell und mühelos aufbauen und in verschiedenste Positionen bringen lassen. Falls vorhanden, wird häufig auch der Stativ-Kopf in die Bewertung miteinbezogen. Er sollte auch bei schwereren Kameras nicht nachgeben, sich ebenfalls leicht bedienen lassen und zumindest bei Video-Stativen über eine angenehme Dämpfung verfügen. Das Verhältnis von Eigengewicht und Tragkraft sowie von maximaler Auszugshöhe und dem Packmaß, also der Größe, die das Stativ im zusammengefalteten Zustand hat, kann ebenfalls in die Testnote einfließen.

Welches Stativ ist das richtige für mich?

Zu welchem Stativ man greifen sollte hängt vor allem von zwei Faktoren ab: der Kamera und wo bzw. wie es eingesetzt werden soll. Hersteller geben in der Regel eine maximale Traglast an. Wichtig ist dabei zu beachten, dass die Traglast des Stativkopfes von der des Stativs abweichen kann. In beiden Fällen sind die Angaben mit Vorsicht zu genießen und sollten nicht ausgereizt werden. Generell lässt sich sagen, dass eine Traglast bis etwa 500 Gramm für kleine Kompaktkameras ausreicht Für Systemkameras sollten es mehr als 1 Kilogramm sein, bei schwererer Ausrüstung entsprechend mehr.

Rollei-Stativ Compact Traveler No. 1 am Strand Das Compact Traveler No. 1 Carbon ist kompakt und leicht, trägt aber auch größere Kameras sicher. (Bildquelle: rollei.de)

Soll das Stativ vor allem unterwegs genutzt werden, bieten sich Reisestative an, die relativ leicht sind und sich kompakt zusammenfalten lassen. Hier gilt es,  den richtigen Kompromiss aus Tragkraft, Höhe und Gewicht für die eigenen Bedürfnisse finden. Wer gerne bodennahe Aufnahmen macht, sollte auf eine niedrige Mindesthöhe achten bzw. darauf, dass sich die Mittelsäule umdrehen lässt. Mit umgekehrter Mittelsäule ist es möglich, die Kamera kopfüber unter das Stativ zu hängen.

Das richtige Material: Aluminium oder Carbon?

Besonders leichte Modelle sind häufig aus dem Werkstoff Carbon gefertigt. Dieser hat nicht nur einen Gewichtsvorteil gegenüber Metall, er ist auch steifer, was der allgemeinen Stabilität zugutekommt. Die Gewichtsersparnis zwischen Carbon- und Aluminium-Stativen liegt je nach Modell bei etwa 20 Prozent. Preislich liegen Carbon-Stative jedoch deutlich über den Aluminium-Varianten.

Sollte man generell auf kompakte und leichte Stative setzen?

Ein geringes Stativgewicht hat auch seine Tücken: Leichte Stative sind anfällig für Erschütterungen, Vibrationen und Bewegungen durch Wind. Die meisten Dreibein-Stative sind deshalb mit einem Haken an der Mittelsäule ausgestattet, an dem ein zusätzliches stabilisierendes Gewicht angebracht werden kann, beispielsweise der Fotorucksack. Um ein besonders kleines Packmaß zu erreichen, sind die einzelnen Beine von kompakten Stativen mit mehreren Gliedern ausgestattet – häufig mehr als vier. Je mehr Glieder die Beine besitzen, desto instabiler und anfälliger für Vibrationen wird jedoch die Konstruktion. Professionelle Anwender mit schwerer Ausrüstung setzen daher eher auf größere Modelle mit weniger Gliedern.

Die höchsten Stative

  1. Dörr PSM 250
    270 cm
    Dörr PSM 250
    • Gut 2,5
  2. Manfrotto Nitrotech 8/536 Carbon
    218 cm
    Manfrotto Nitrotech 8/536 Carbon
    • Sehr gut 1,2
  3. BC Master TC533M
    204 cm
    BC Master TC533M
    • Sehr gut 1,2

Können für Fotos und Videos die gleichen Stative genutzt werden?

Den entscheidenden Unterschied zwischen Foto- und Video-Tauglichkeit macht der Stativ-Kopf: Für Fotoaufnahmen werden häufig Köpfe mit Kugelgelenken verwendet, die sich schnell ausrichten und arretieren lassen. Bei Videoaufnahmen ist es jedoch wichtig, dass sich der Kopf geschmeidig schwenken lässt. Das funktioniert mit sogenannten 2- oder 3-Wege-Neigern, die mit einer Fluid-Dämpfung ausgestattet sind, am besten. Einzelne Modelle wie der Concept One OH4.5V von Cullmann vereinen die Vorteile beider Bauformen.

Auf welches Stativ passt meine Kamera?

Klemm- und Schraubverschlüsse des Herstellers Sirui Der Hersteller Sirui bietet die meisten seiner Stative als Varianten mit Klemm- oder Schraubverschlüssen an. (Bildquelle: sirui.de)

Grundsätzlich sind Kameras und Camcorder mit 1/4-Zoll-Schraubgewinden ausgestattet, die auf alle Stativ-Köpfe passen. Hier sollte es also keine Kompatibilitätsprobleme geben. Kommt das Stativ ohne Kopf, ist es in der Regel mit einer 3/8-Zoll-Schraube ausgestattet, auf die die meisten Stativ-Köpfe passen. Soll dieses Stativ ohne Kopf benutzt werden, ist eventuell ein Adapter notwendig.

Klemmen oder drehen - was ist besser?

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten, die einzelnen Segmente der Stativ-Beine zu arretieren: Schraubverschlüsse, bei denen Ringe an den Beinen auf- und zugedreht werden, sowie Klemmverschlüsse, die durch das Umlegen eines Hebels bedient werden. Welche Form des Verschlusses besser ist, wird einzig von der Vorliebe des Fotografen bestimmt. Einige empfinden die Schraubverschlüsse als schneller bedienbar, andere kommen besser mit Klemmhebeln zurecht. Die meisten Hersteller haben Modelle mit beiden Verschlussarten im Angebot, in der jüngsten Zeit werden Schraubverschlüsse jedoch immer häufiger.

Autor: Andreas K.