Camcorder: Aufzeichungsformate

Will man einen Camcorder erwerben, gibt es verschiedene Parameter, die man sich im Vorfeld ansieht und miteinander vergleicht: neben Größe und Handlichkeit, Objektiv, Sucher, Sensor und Speicher spielt auch das Aufzeichnungsformat eine entscheidende Rolle. Hier stößt man auf vielfältigste Bezeichnungen wie AVCHD, iframe, MOV oder H.264. Aber was bedeutend diese kryptischen Formeln?

HDV, AVCHD, PRO HD, XAVC

Hochauflösende digitale Videoformate werden unter dem Oberbegriff High Definition Videos (HD-Videos) zusammengefasst. PRO HD ist eine leicht erweiterte Version des HDV-Formats. HDV ist ein Videoformat, das dem gehobenen Amateur-Filmer recht viel Freude bringt und zeitweise aus Kostengründen sogar in der professionellen Filmerei eingesetzt wird. Zwei Formate sind bekannt: HDV1 720p mit 1280 x 720 Pixel und HDV2 1080i mit 1440 x 1080 Pixel. Die technische Qualität ist allerdings professionellen HD-Broadcast-Formaten wie DVCPRO-HD oder HDCAM unterlegen, deren Datenraten vier- beziehungsweise sechzehn mal so hoch sind. Die Aufzeichnung erfolgt komprimiert im MPEG-2-Format auf DV- oder HDV-Bändern, Festplattenlaufwerken (HDD) sowie Speicherkarten. HDCAM wird häufig bei der Aufzeichnung von Spielfilmen verwendet und fand in der Hobby-Filmerei keinen Einzug. Anders verhält es sich beim Aufzeichnungsformat AVCHD (Advanced Video Codec High Definition). Dieses Format kommt bei Full-HD-Camcordern zum Einsatz, die auf Festplattenlaufwerken oder Speicherkarten speichern. Es verwendet den H.264/MPEG-4 AVC-Codec und bildet die direkte Konkurrenz zu den Formaten HDV (aber auch MiniDV), welches das ältere MPEG-2 verwendet. 4K2K ist ein digitales HDV-Format, das etwa der vierfachen HDTV-Auflösung entspricht. Mit XAVC hat Sony ein dediziertes 4K-Format etabliert, das auf den MPEG-4 AVC/H.264 Codec zurückgreift.

MPEG4, MP4, H.264, M-JPEG

H.264 ist ein H.-Standard zur hocheffizienten Videokompression. Ein Synonym dafür ist MPEG-4/AVC. Der H.264-Codec erreicht eine dreimal so hohe Codierfrequenz wie der H.262, der dem Format MPEG-2 entspricht. Das standardisierte Dateiformat beziehungsweise Containerformat ist MP4. Aber eigentlich ist H.264 nicht an ein bestimmtes Containerformat gebunden und kann auch als AVI-, Matroska- oder Ogg-Media-Datei vorliegen. Es wäre sogar möglich, H.264-Videos als Roh-Daten (.264) zu speichern. Übrigens ist die Bezeichnung MPEG nichts anderes als die Abkürzung von Motion Picture Experts Group. Diese Gruppe entwickelte die internationalen Kompressionsstandards. Je höher die Zahl hinter dem MPEG-Kürzel ist, desto neuer ist dieser Standard. Der neueste Standard entspricht MPEG-4 (MP4). Das M-Jpeg ist nicht mit dem M-PEG-Format zu verwechseln. Es steht für Motion-JPEG (Motion-Joint Picture Expert Group) und ist ein Dateiformat, welches im analogen Videoschnitt eingesetzt wurde. Es wurden Einzelbilder, unabhängig voneinander, im JPEG-Verfahren komprimiert. Der Vorteil gegenüber MPEG-Varianten ist die Möglichkeit des bildgenauen Schnitts. Der Nachteil ist jedoch, dass viele Hersteller zueinander inkompatible Versionen dieses Formats entwickelten, sodass es heute kaum noch eine Rolle spielt.

AVI, ASF, WMV

Das Kürzel AVI steht für „Audio Video Interleave“ und ist ein Video-Dateiformat für Windows. Die Dateiendung *.AVI sagt dabei noch nichts über die Kompressionsmethode des Videos, also dessen Codecs, aus. Es ist eine Container-Datei, die es in zwei Versionen gibt: AVI 1.0 (Standard AVI-Files) mit maximal 4GB und AVI 2.0 (OpenDML 1.02 konforme AVI-Files). Bei letzterem werden mehrere Standard-AVI-Files in einem File aneinandergereiht, sodass ein wesentlich größeres Limit von 12TB entsteht. Das Advanced Streaming Format (auch Advanced Systems Format, kurz ASF) wurde von Microsoft entwickelt und fungiert als Container-Datei beispielsweise für WMA (Windows Media Audio) oder WMV (Windows Media Video). Die Datei wird mit .asf gekennzeichnet. Die Art der Codierung ist nicht festgelegt, sondern lediglich die Struktur des Audio/Video-Streams. WMV trägt die Endung .wmv und wurde zu WMV HD weiterentwickelt.

Quicktime und Iframe

Quicktime ist eine von dem Computerunternehmen Apple entwickelte Multimedia-Architektur, die nicht nur für Mac-User, sondern auch für Windows-Anwender gedacht ist. Quicktime lässt sich in drei Elemente untergliedern: dem Framework (das Programmiergerüst), der API (Schnittstelle zur Anwendungsprogrammierung) und dem Dateiformat (trägt die Bezeichnung qt, qtvr, qti und qtif oder mov). Das digitale Videoformat Iframe wurde von Apple entwickelt und basiert auf AVC/H.264 für Videoaufnahmen, AAC für Tonaufnahmen und Qicktime, die beide Formate multiplext. Mit 960 x 540 Pixeln hat dieses Format ein Seitenverhältnis von 16:9.

 

Autor: Marie M.