Digitalkameras mit optischem Sucher: Optischer Sucher vs. elektronischer Sucher

Ein Sucher ist eine Vorrichtung, mit der ein Motiv anvisiert und der Bildausschnitt festgelegt werden kann. Im Wesentlichen gibt es zwei verschiedene Arten von Suchern für den digitalen Fotoapparat: optische und elektronische Sucher.

optischer Sucher Kompaktkamera die Canon PowerShot A1300 verfügt über einen elektronischen und einen optischen Sucher

Optische Sucher bei Kompaktkameras

Bei einem einfachen optischen Sucher schaut der Fotograf durch ein kleines Fenster aus Linsen auf das Motiv. Das sogenanntes „Guckloch“, welches meist schräg über dem Objektiv angebracht ist, hat allerdings den Nachteil, dass das Bild, welches man durch das Okular sieht, nicht ganz das Bild ist, welches durch das Objektiv aufgenommen wird. Besonders im Makrobereich kommt es zu großen Schwierigkeiten durch den Parallaxenfehler. Zudem gibt es keine Fokuskontrolle, es sei denn es handelt sich um ein Messsuchersystem, bei dem die Scharfstellung mit dem Sucher gekoppelt ist. Neben den integrierten Suchern gibt es ferner auch aufklappbare beziehungsweise aufsteckbare Sucher.

SLR-TTL-Sucher Fujifilm FinePix S3200: SLR mit optischem und elektronischem Sucher

Optischer Sucher bei Spiegelreflexkameras

Parallaxenfehler kennt der optische Sucher einer Spiegelreflexkamera nicht. Der Fotograf sieht über ein kompliziertes System aus Umlenkspiegel, Mattscheibe und Pentaprisma geradewegs durch das Objektiv. Durch dieses TTL-Prinzip (TTL = Through-the-lens) ermöglicht man dem Fotografen demnach, das zu sehen, was später auch auf dem Bild sein wird. Nachteilig ist der hohe Herstellungsaufwand, der zu Mehrkosten führt sowie das Geräusch des Spiegels, wenn er nach oben wegklappt und den Bildsensor freigibt. Während der Zeit der Belichtung kann man kein Sucherbild sehen. Bei Serienaufnahmen eines bewegten Motivs erschwert das ständige Hoch- und Runterklappen des Spiegels auch die Verfolgung der Bewegung. Der Spiegelschlag führt gerade bei einer längeren Belichtungszeit zu Verwacklungen. In diesen Fällen kann eine Spiegelvorauslösung, die manche Kameramodelle anbieten, Abhilfe schaffen.

elektronischer Sucher Rollei Compactline 52 mit Display ohne opt. Sucher

Elektronischer Sucher via Live-View

Ein optischer Sucher benötigt allerdings auch Platz. Gerade Kompaktkameras wollen heutzutage so schlank wie ein Handy sein und verzichten auf einen optischen Sucher. Per Live-View greift die Kamera das Signal des Bildsensors noch vor der Aufnahme ab. Dieses wird dann auf dem Display, welches an der Rückseite des Kamerabodys angebracht ist, sichtbar. Auch viele Spiegelreflexkameras besitzen neben ihrem optischen Sucher noch einen elektronischen, der vor allem beim Videodreh zum Einsatz kommt. Während der Inbetriebnahme verbleibt der Spiegel oben. Das Scharfstellen via elektronischen Sucher verläuft dann allerdings langsamer, da statt Phasenvergleich-AF nur noch der Kontrast-Autofokus zum Einsatz kommen kann. Von großem Vorteil ist die 1:1-Sicht und das Einstellen einer Softwarelupe. So kann bei einigen Kameramodellen in die Bildvorschau gezoomt werden, um einzelne Bildpartien zu vergrößern. Schwenkbare oder neigbare Monitore erlauben ferner eine optimale Bildkontrolle auch in ungewöhnlichen Perspektiven. Einblendbare Hilfslinien ermöglichen beim elektronischen Sucher außerdem eine bessere Ausrichtung der Kamera. Nachteilig kann bei manchen Kameras hingegen der Zeitversatz sein. Dies ist bei Schnappschüssen oder Sportaufnahmen besonders ärgerlich. Das manuelle Fokussieren über den Display gestaltet sich eher als schwierig, da aufgrund der Auflösung die Schärfe des Vorschaubildes nicht mit der Schärfe eines optischen Suchers zu vergleichen ist. Schließlich kommt an schönen Sonnentagen noch das Problem auf, dass das Bild auf dem Display dann kaum zu sehen ist. Die ständige Benutzung des Live-Views erwärmt schließlich den Bildsensor und verbracht Unmengen Strom.

Aufstecksucher Nikon DR-6. Aufsteck-Winkelsucher

Elektronischer Sucher via Okular

Neben dem Live-View auf dem meist drei Zoll großen rückseitigen Monitor gibt es noch die Variante eines elektronischen Okularsuchers. Dieser kann entweder im Kameragehäuse integriert oder als separates Bauteil aufgesteckt sein. Der Blick durch ein Okular auf einen kleinen Monitor hat den Vorteil, dass die Sonneneinstrahlung, die manchmal dem Kameradisplay zu schaffen macht, irrelevant ist. Gleiches gilt für den optischen Sucher, der im größten Sonnenschein mitunter sehr hilfreich ist.

Autor: Marie M.