Smartphones (Handys): Linux für Smartphones

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Lange Zeit war Linux auf Handys eine echte Ausnahmeerscheinung. Doch das hat sich dank Googles Plattform Android nun gründlich geändert. Dabei ist Android keinesfalls alleiniger Vertreter der Linux-Handys - wenn auch der absolut dominierende. Ähnlich wie beim Einsatz auf Desktop-PCs kommen verschiedene Distributionen zum Einsatz. Bekanntere sind Maemo, MeeGo, Mobilinux, Openmoko oder LiMo. Allerdings bleibt ihre Verbreitung stark begrenzt, obwohl einige sogar von größeren Herstellerallianzen entwickelt werden. Derzeit erdrückt der immense Erfolg von Android alle Bestrebungen, andere Linux-Varianten kommerziell voranzutreiben. Eine Ausnahme könnte Tizen sein, das derzeit von Samsung entwickelt wird.

Google hat mit seiner Linux-Plattform Android den Markt ordentlich aufgemischt und ordentlich die Werbetrommel gerührt. Dabei wird Android durch eine Herstellerallianz vorangetrieben, die gemeinsam an dem Betriebssystem und dazu kompatibler Software forscht. Innerhalb kürzester Zeit ist Android auf diese Weise zum bekanntesten Linux-Betriebssystem aufgestiegen, weshalb wir diesem System einen eigenen Ratgeber widmen. Doch es gibt noch andere Linux-Plattformen, die eine zeitlang sogar als etabliert galten, zuletzt aber wieder an den Rand gedrängt wurden.

Mobilinux, LiMo, Openmoko

Am verbreitetsten ist dabei Mobilinux. Hinter dem System steht ebenfalls eine Herstellerallianz, die jedoch etwas kleiner ausfällt als im Fall Android. Derzeit gibt es Handys von Motorola, NEC, Panasonic oder auch Sharp, die Mobilinux einsetzen. Allerdings sind diese fast ausschließlich auf dem asiatischen Markt zu finden. Um die Verbreitung von Linux auf mobilen Endgeräten weiter zu steigern und der Plattform eine breitere Basis zu ermöglichen, wurde daher zusätzlich die LiMo-Foundation ins Leben gerufen. Ihr gehören unter anderem Motorola, NEC, NTT DoCoMo, Panasonic, Samsung sowie Vodafone an. Obwohl LiMO selbst derzeit kaum auf Geräten zu finden ist, scheinen die Forschungen daran bei Tizen einzufließen. Doch dazu später.

Hinter Openmoko steht dagegen nicht eine Herstellerallianz, sondern ein einzelnes gleichnamiges Unternehmen. Der Unterschied zu anderen Distributionen ist, dass der Source Code des gesamten Systems und aller am Handy beteiligten Hardware-Komponenten für alle komplett frei zugänglich ist. Dadurch erhofft sich das Unternehmen eine höchstmögliche Software-Verfügbarkeit aufgrund der Mitarbeit zahlloser privater Entwickler und gemeinnütziger Entwicklergemeinden. Leider hat sich Openmoko selbst aber mittlerweile wieder anderen Aufgaben zugewandt - die Zukunft der Openmoko-Plattform ist daher ungewiss. Die Handys sind teils noch erhältlich und die Entwicklung der Software liegt in den Händen der Community.

Wilder Zickzack-Kurs von Nokia: Maemo und MeeGo

Überraschend hatte 2009/2010 auch der Marktführer Nokia beschlossen, künftig auf Linux-Systeme setzen zu wollen. Die Finnen hatten dafür zunächst Maemo auserkoren, das sie bereits seit einiger Zeit für ihre Internet Tablets verwendeten. Der lizenzfreie Ableger von Linux, der speziell für mobile Geräte entworfen wurde und auf der Desktop-Software Gnome basiert, sollte künftig in den Highend-Smartphones von Nokia eingesetzt werden - unter anderem in allen N-Series-Modellen. Im Juni 2010 gab es dann eine Anpassung der Strategie: Nun sollte anstelle von Maemo gleich dessen Nachfolger MeeGo verwendet werden, das aus der Verschmelzung von Maemo mit Intels Moblin-Projekt entstanden ist. Das System soll sich vor allem für Handys mit Touchscreen und Hochleistungsprozessoren eignen. Anfang 2011 gab es einen erneuten Schwenk: Seitdem steht das relativ neue Windows Phone im Fokus der Finnen. MeeGo wurde fallen gelassen, obwohl es als sehr beliebt bei den Nutzern galt.

Tizen als neuer Stern am Linux-Himmel

Doch es steht schon eine Alternative auf dem Plan: Tizen. Der Chip-Hersteller Intel hat mit der Linux Foundation, der LiMo Foundation und Samsung zusammengearbeitet, um mit Tizen ein breit gefächertes System zu entwerfen, das in Zukunft auf Smartphones, Tablets, Fernsehern, Netbooks und Auto-Entertainment-Systemen laufen kann. Bisherige Arbeitserfolge von MeeGo wurden dabei in das neue Projekt integriert. Damit würde Tizen den gleichen Weg einschlagen wie Android - und könnte bei entsprechender Unterstützung eine ernsthafte Alternative werden. Ferner gibt es Gerüchte, wonach Samsung daran arbeitet, sein Bada-Ökosystem in Tizen einzubetten, um letzten Endes von Bada zu Tizen wechseln zu können. Erste Geräte laufen zumindest in Schwellenländern sehr erfolgreich.

Anpassungsfähig: Viel Software verfügbar

Der Vorteil von eigentlich allen Linux-Distributionen liegt in ihrer offenen Struktur: Der Source Code der Plattform selbst kann von allen Mitgliedern einer Herstellerallianz gemeinsam genutzt werden. Dadurch reduzieren sich die Forschungskosten des Einzelnen und es entsteht eine Plattform, die von möglichst vielen Herstellern unterstützt wird. Darüber hinaus werden bestimmte Source-Code-Teile in sogenannten Developer-Kits der Fan- und Entwicklergemeinde zur Verfügung gestellt, die dann ihre eigenen Applikationen programmiert und dem verfügbaren Softwarepool hinzufügt.

Dies bedeutet, dass für Linux-Betriebssysteme in der Regel ausgesprochen viel unterschiedliche Software existiert. Dadurch können mobile Endgeräte hochgradig personalisiert werden und für nahezu jede Anwendungsidee gibt es auch passende Applikationen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Linux bei Handys den Einbau besonders stromsparender Prozessoren ermöglicht. Dies führt in der Regel zu ausgesprochen ausdauernden Mobiltelefonen – eine sehr geschätzte Eigenschaft bei mobilen Endgeräten.

Autor: Janko