Android Smartphones: Linux für Smartphones

Lange Zeit war Linux auf Handys eine echte Ausnahmeerscheinung. Doch das hat sich dank Googles Plattform Android gründlich geändert. Dabei ist Android keinesfalls alleiniger Vertreter der Linux-Handys - wenn auch der absolut dominierende. Ähnlich wie beim Einsatz auf Desktop-PCs kommen verschiedene Distributionen zum Einsatz. Viele Versuche wie Maemo, MeeGo, Openmoko, LiMo oder Tizen wurden zwar von größeren Herstellerallianzen entwickelt, durch den immensen Erfolg von Android aber an die Wand gedrängt. Eine geringe Verbreitung genießt aktuell Firefox OS, daneben sind vor allem Ubuntu und Sailfish zu nennen.

Klar ist: Google dominiert mit seiner Plattform alles. Android hat den Markt ordentlich aufgemischt und die Werbetrommel gerührt. Dabei wird Android durch eine Herstellerallianz vorangetrieben, die gemeinsam an dem Betriebssystem und dazu kompatibler Software forscht. Innerhalb kürzester Zeit ist Android auf diese Weise zum bekanntesten Linux-Betriebssystem aufgestiegen, weshalb wir diesem System einen eigenen Ratgeber widmen. Die Konkurrenz spielt am internationalen Markt derzeit zwar keine Rolle, sollte aber trotzdem nicht ignoriert werden. Für Spezialwünsche können sie eine interessante Alternative darstellen:

Firefox OS

 Alcatel One Touch Fire E mit Firefox OS Das Alcatel One Touch Fire E - ein typisches Einsteigermodell mit der reduziert wirkenden Oberfläche von Firefox OS (Bildquelle: alcatel.com/de/)

Firefox OS besitzt mit Mozilla einen sehr erfahrenen Software-Entwickler im Hintergrund, was dem Betriebssystem sichtlich gut bekommt. Das System hat eine gewisse Verbreitung auf Einsteigergeräten erlangt, da es als besonders ressourcensparsam und simpel gilt. Firefox OS ist bewusst nicht für anspruchsvolle Smartphones gedacht und richtet sich an Einsteiger und solche, die ihr Handy einfach nur im Alltag benutzen möchten, ohne große Ansprüche daran zu haben. Entsprechend schlicht und funktional wirkt die Oberfläche. Dafür ist die App-Versorgung vergleichsweise gut. Zumindest auf Standard-Apps müssen Sie nicht verzichten, es gibt zum Beispiel verschiedene WhatsApp-Clients, wenn auch nur von Drittanbietern. YouTube wird sogar seitens Google bereitgestellt, wird allerdings schlecht mit Updates versehen. Es gibt aber selbst hier Ausnahmen: eBay beispielsweise hat seine App nur für Indien freigegeben, hierzulande müssen Sie die mobile Seite verwenden. Grundsätzlich gilt Firefox OS aber als aussichtsreichster Konkurrent von Android.

Ubuntu

Ubuntu Phone wurde eine zeitlang als das Profi-Konkurrenzmodell zu Android angepriesen. Es gilt als "wahre" Linux-Distribution auf dem Smartphone, während die anderen im Grunde nur auf Linux basieren, aber stark verändert wurden. Das System ist daher aber auch wirklich nur für engagierte Nutzer eine sinnvolle Alternative, die zudem gerne experimentieren. Denn Support für Standardapps ist nahezu nicht vorhanden. Sie müssen selbst auf Apps wie WhatsApp verzichten. Und was noch schlimmer ist: Auch Telegram oder Threema werden Sie auf Ubuntu-Smartphones nicht nutzen können. Navigations-Apps müssen Sie hier sogar gänzlich missen. Für manche Dienste wie Facebook gibt es hingegen ganz gute Eigenlösungen, die aber gewöhnungsbedürftig aussehen, offiziell unterstützte Apps sind Mangelware. Wer Ubuntu nutzt, muss sich im Klaren sein, dass er zwar eine vom PC her vertraute Umgebung wiederfindet, die aber weitaus weniger gut mit Software versorgt ist.

Sailfish

Youyota Sailfish OS 2-in-1 Tablet In der finalen Prototypen-Phase: das Youyota Sailfish OS 2-in-1 Tablet, das um eine Anstecktastatur erweitert werden kann (Bildquelle: indiegogo.com)

Sailfish gehört zu den seltensten Linux-Distributionen und ist doch eine der faszinierendsten: Sie können nämlich bei diesem OS sowohl Sailfish-eigene als auch Android-Apps installieren. Dabei haben Sie sogar Zugriff auf den Google Play Store, alternativ können Apps als APK installiert werden. Der große Vorteil liegt auf der Hand: Sailfish ist die eine Ausnahme am Markt, die es erlaubt, die komplette App-Welt zu erfassen und trotzdem ein alternatives Betriebssystem nutzen zu können. Auf der anderen Seite ist Sailfish weiterhin ein System, bei dem Sie vollen Root-Zugriff haben, d.h. Sie allein bestimmen, was Apps tun dürfen und was nicht. Android gibt dem User zwar mittlerweile auch viele Einstellungsmöglichkeiten, so weitreichend wie bei Sailfish sind die aber nicht. Sie können hier jeglichen Datenfluss an Server von Drittanbietern komplett unterbinden. Obwohl Firefox derzeit verbreiteter ist, so ist rein neutral betrachtet Sailfish die bessere Linux-Variante.

Mobilinux, LiMo, Tizen

Am verbreitetsten war lange Zeit Mobilinux. Hinter dem System steht ebenfalls eine Herstellerallianz, die jedoch etwas kleiner ausfällt als im Fall Android. Es gab Handys von Motorola, NEC, Panasonic oder auch Sharp, die Mobilinux einsetzten. Allerdings sind diese fast ausschließlich auf dem asiatischen Markt zu finden und selbst dort sind sie mittlerweile wieder vielfach verschwunden. Um die Verbreitung von Linux auf mobilen Endgeräten weiter zu steigern und der Plattform eine breitere Basis zu ermöglichen, wurde daher zusätzlich die LiMo-Foundation ins Leben gerufen. Ihr gehören unter anderem Motorola, NEC, NTT DoCoMo, Panasonic, Samsung sowie Vodafone an. LiMO hat sich indes auch nicht weit verbreitet, dafür wurde daraus Tizen geboren – ein Linux-System von Samsung. Lange Zeit galt dieses als aussichtsreichste Linux-Variante, da Samsung hier auch sein früher genutztes Bada integrieren wollte. Weit gediehen ist das Projekt aber trotz der Marktmacht Samsungs nicht.

OpenMoko

Hinter Openmoko steht dagegen nicht eine Herstellerallianz, sondern ein einzelnes gleichnamiges Unternehmen. Der Unterschied zu anderen Distributionen ist, dass der Source Code des gesamten Systems und aller am Handy beteiligten Hardware-Komponenten für alle komplett frei zugänglich ist. Dadurch erhofft sich das Unternehmen eine höchstmögliche Software-Verfügbarkeit aufgrund der Mitarbeit zahlloser privater Entwickler und gemeinnütziger Entwicklergemeinden. Leider hat sich Openmoko selbst aber mittlerweile wieder anderen Aufgaben zugewandt - die Zukunft der Openmoko-Plattform ist daher ungewiss. Die Handys sind teils noch erhältlich und die Entwicklung der Software liegt in den Händen der Community.

Wilder Zickzack-Kurs von Nokia: Maemo und MeeGo

Überraschend hatte 2009/2010 auch der Marktführer Nokia beschlossen, künftig auf Linux-Systeme setzen zu wollen. Die Finnen hatten dafür zunächst Maemo auserkoren, das sie bereits seit einiger Zeit für ihre Internet Tablets verwendeten. Der lizenzfreie Ableger von Linux, der speziell für mobile Geräte entworfen wurde und auf der Desktop-Software Gnome basiert, sollte künftig in den Highend-Smartphones von Nokia eingesetzt werden - unter anderem in allen N-Series-Modellen. Im Juni 2010 gab es dann eine Anpassung der Strategie: Nun sollte anstelle von Maemo gleich dessen Nachfolger MeeGo verwendet werden, das aus der Verschmelzung von Maemo mit Intels Moblin-Projekt entstanden ist. Das System sollte sich vor allem für Handys mit Touchscreen und Hochleistungsprozessoren eignen. Anfang 2011 gab es einen erneuten Schwenk: Seitdem stand Windows Phone im Fokus der Finnen. MeeGo wurde fallen gelassen, obwohl es als sehr beliebt bei den Nutzern galt. Gleiches ist im Übrigen auch Windows Phone widerfahren...

Autor: Janko