Monitore: Was ist falsch an einem hohen dynamischen Kontrast?

Foto: Samsung

Die Fachzeitschrift „c't“ spricht unumwunden von einem „Taschenspielertrick“ der Hersteller, auf deren Monitor-Produktseiten vor allem die neueste Generation an LED-Bildschirmen mit astronomisch hohen Kontrastwerten angepriesen werden – mittlerweile bewegen sich die Angaben im zweistelligen Millionenbereich. Doch was sagt ein Kontrastwert von zum Beispiel 10.000.000:1 tatsächlich über ein Display aus? Und vor allem: Wem, wenn überhaupt, bringt dieser sogenannte „dynamischen Kontrast“ einen Vorteil ein?

Bevor jedoch diese beiden Fragen beantwortet werden sollen, ist ein kleiner Seitenblick auf den „echten“, also den „nativen“ Kontrast hilfreich. Darunter versteht man den Unterschied zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Pixel innerhalb eines, und dies ist wichtig, Einzelbildes. Aktuelle Monitore bieten in der Regel ein Kontrastverhältnis von 1.000:1, hochwertige Modelle liegen etwas darüber bei etwa 1.300:1 bis 1.400:1. BenQ und NEC wiederum führen seit Kurzem sogar Bildschirme in ihrem Programm, die mit einem echten Kontrast von 3.000:1 aufwarten können – die Detailschärfe dieser hochwertigen PVA-Panels ist entsprechend überdurchschnittlich gut, wobei für den gewöhnlichen Alltagseinsatz auch schon Geräte mit den üblichen 1.000:1-Kontrasten eine vollkommen zufriedenstellende Bildwiedergabe liefern. Mehr Kontrast muss also nicht sein, zumal dann nicht, wenn vorrangig statische Bilder auf dem Display angezeigt werden, also etwa bei Office-Anwendungen, beim Surfen oder bei der Betrachtung oder Bearbeitung von Fotos – in allen diesen Fällen ist allein der Kontrast innerhalb eines Bildes für die Wiedergabequalität des Monitors ausschlaggebend.

Der dynamische Kontrast hingegen wird von den Herstellern nicht innerhalb eines Bildes gemessen, sondern zwischen den hellstem/dunkelsten Pixel zweier aufeinander folgender Frames. Dabei kommt zusätzlich noch ein weiterer Trick zum Zug. Denn in den Frames wird gleichzeitig die Hintergrundbeleuchtung verändert: In den besonders dunklen Bildbereichen wird sie verringert, helle Punkte hingegen künstlich aufgehellt. Diese Änderung der Hintergrundbeleuchtung im Verhältnis zum Bildinhalt führt nun dazu, dass der Kontrast zwischen zwei Frames deutlich größer wird – wohingegen er sich allerdings innerhalb des Einzelframes de facto nicht verändert, schließlich bezieht sich der angegebene Wert für den dynamischen Kontrast ja explizit gerade nicht auf das Einzelbild.

Den Messverfahren wiederum liegen keinerlei normierten Messroutinen zugrunde, das heißt, jeder Hersteller kann fast nach Gutdünken einen dynamischen Kontrastwert ermitteln, der wiederum, und dies ist die Kehrseite der Medaille, mit dem eines Mitkonkurrenten überhaupt nicht objektiv verglichen werden kann: Der 10.000.000:1-Kontrast eines Monitors des Herstellers X garantiert nicht notwendigerweise eine doppelt so gute Bildqualität im Vergleich zu einem Monitor des Herstellers Y mit "nur" 5.000.000:1 – obwohl die Zahlen in den bunten Werbeprospekten genau diese Interpretation dem Verbraucher nahelegen.

Ist der dynamische Kontrast demnach eine reine Chimäre, die lediglich werbewirksam ausgeschlachtet wird? Nicht ganz. Das „Kontrast-Tuning“ (c't) wirkt sich zwar auf statische Bildern nicht aus, wohl aber auf bewegte Bilder. Rasch aufeinander folgende Hell-Dunkel-Szenen scheinen kontrastreicher, schärfer zu sein, wobei der Effekt, dies sollte im Hinterkopf behalten werden, sich hauptsächlich der sich ständig ändernden Helligkeitsanpassung verdankt, was wiederum von nicht wenigen Betrachtern sogar als äußerst störend für die Augen empfunden wird. Die Zeitschrift "PC Games Hardware" wiederum rät Gamern ausdrücklich dazu, die Technik zu ignorieren. Denn eine Verringerung der Hintergrundbeleuchtung in dunklen Spielszenen kann auch dazu führen, dass Details kaum mehr zu erkennen sind.

Allerdings würde nun der scheinbar konsequente Schritt einer Kaufverweigerung gegenüber LCDs mit einem hohen dynamischen Kontrast weit übers Ziel hinausschießen, denn die Funktion lässt sich bei den meisten Bildschirmen einfach abschalten. Sinnvoller ist es, mit dem dynamischen Kontrast ab und an, etwa bei Videos, zu experimentieren und sich eventuell auftretende positive Effeke zunutze zu machen – und auf keinem Fall den Werbebotschaften der Hersteller blind zu vertrauen.

Autor: Wolfgang